Interview: William Anane
SGE4EVER.de: Grüß´ Dich. Vielen Dank, dass Du Dir trotz der Niederlage gestern in Aschaffenburg und der subtropischen Temperaturen Zeit genommen hast!
William Anane: Hallo! Überhaupt kein Problem, das mache ich gerne.
SGE4EVER.de: Nach den ersten Spielen sieht es ja nicht allzu rosig für die „kleinen Adler“ aus. Was hattet ihr euch mit der Mannschaft dieses Jahr vorgenommen?
William Anane: Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung. Obwohl wir sicher nicht zu den Meisterschaftsanwärtern zählen, sahen wir uns als eine Art Geheimfavorit, der zumindest ein wenig die Großen ärgern kann. Inzwischen hat sich natürlich etwas Ernüchterung breit gemacht.
SGE4EVER.de: Nur 6 Punkte aus sechs Spielen und schon wird diskutiert… Das schwächste Glied ist ja bekanntlich immer der Trainer…
William Anane: Ich kann dazu nur sagen, dass Bernhard Lippert und Manfred Meyer vielleicht das beste Trainergespann sind, unter dem ich je spielen durfte. Der Trainer macht nichts falsch und lässt uns Spielern viele Freiheiten. Vielleicht wird das manchmal etwas zu sehr ausgenutzt?! Es liegt jetzt an ihm, Konsequenzen zu ziehen.
SGE4EVER.de: Du bist erst 24 Jahre alt und trotzdem schon fast der Opa in dieser jungen Mannschaft; nur Dennis Leopold ist noch ein Jahr älter. Übernimmst Du deshalb auch mal Führungsaufgaben innerhalb der Mannschaft oder bist Du auf dem Platz eher ein ruhiger Vertreter, da Du ja ein „Neuer“ im Team bist?
William Anane: Ich habe ja erst eineinhalb Spiele für die Eintracht bestreiten dürfen und denke, dass erst einmal die Leistungen stimmen sollten. Privat bin ich aber auch eher ein ruhigerer Typ und schaue mir lieber erst einmal die Dinge genau an, bevor ich mir eine Meinung bilde.
SGE4EVER.de: Du sagst, Du seiest auch privat ein ruhiger Typ und alles andere als ein Draufgänger. Also, kann Dir nicht das gleiche passieren wie David Montero oder Jermaine Jones, dass Du mit eineinhalb Promille das Abschlusstraining verschläfst, oder?
William Anane: (lacht) Man soll ja niemals „Nie“ sagen…! Nein, im Ernst, ich bin mir meiner Verantwortung als Teil der Mannschaft bewusst und nehme sie sehr ernst.
SGE4EVER.de: Du kamst am Anfang der Saison vom Regionalligaabsteiger aus Eschborn. War es Dein Entschluss den Verein zu verlassen oder hat man nicht mehr mit Dir geplant? Wie kam es, dass Du zur Eintracht gewechselt bist?
William Anane: Es war mein Entschluss den Verein zu verlassen. Hier bei der Eintracht sehe ich für mich die bessere sportliche Perspektive. Ich stehe schon seit längerer Zeit mit Bernhard Lippert in Kontakt und wäre beinahe schon zu Regionalligazeiten zur Eintracht gewechselt, doch damals hatte die Eintracht schon frühzeitig ihren Etat für die Saison überschritten. Obwohl die Eintracht inzwischen wieder in der Oberliga spielt, war der Wechsel jetzt richtig für mich. Hier wird viel professioneller gearbeitet als in Eschborn. Dort habe ich mich zwar auch wohl gefühlt und kam mit allen gut aus, aber das Umfeld war einfach unprofessionell. So kam es zum Beispiel vor, dass wir auf einem Hartplatz trainieren mussten oder dass im Training keine Stutzen vorhanden waren.
SGE4EVER.de: Nach einem tränenreichen Abschied ist Uwe Bindewald jetzt den umgekehrten Weg von der Eintracht nach Eschborn gegangen. Wäre es nicht für Dich eine tolle Sache gewesen mit einem solchen Spieler in einer Mannschaft zu spielen?
William Anane: Natürlich wäre das toll gewesen, welcher Spieler würde nicht gerne mit solch einem Fußballer auf dem Platz stehen?! Andererseits kann ich ja noch ein paar Jahre spielen und sicher ergeben sich auch mal Gelegenheiten mit dem einen oder anderen großen Spieler zusammenzuspielen. Und was Uwe Bindewald betrifft: Wir werden ja mit der Eintracht in einigen Wochen bei meinem Ex-Club, dem 1.FC Eschborn spielen. Da werde ich ja immerhin die Gelegenheit haben, direkt gegen ihn zu spielen.
SGE4EVER.de: Ob Eschborn oder Frankfurt – der Weg führt zunächst wieder zurück in die Oberliga. Empfindest Du das auch als persönlichen Abstieg?
William Anane: Der Abstieg war wirklich bitter für mich und ich hatte lange Zeit daran zu knabbern. Wir hatten wirklich eine starke Mannschaft und keiner konnte sich so recht erklären, warum wir in der Rückrunde so eingebrochen sind. Den Wechsel zur Eintracht in die Oberliga sehe ich allerdings keineswegs als Abstieg, sondern viel mehr als Herausforderung.
SGE4EVER.de: Bad Vilbel, Eschborn und Frankfurt. Für einen Spieler, der es sogar bis in die Regionalliga geschafft hat, ist das aber erstaunlich heimatverbunden, oder?
William Anane: Bevor ich letztes Jahr von Bad Vilbel nach Eschborn gewechselt bin, gab es auch Kontakte und Angebote von anderen Vereinen wie z.B. der TSG Hoffenheim, dem SV Darmstadt 98 oder Kickers Offenbach. Meine Eltern und ich haben aber auch Wert darauf gelegt, dass ich mir neben dem Fußball eine berufliche Perspektive aufbaue. Zurzeit mache ich meinen Techniker, Fachrichtung Möbeldesign. Deshalb wollte ich hier in der Gegend bleiben, um mein Studium nicht unterbrechen zu müssen. Ein weiterer Grund, warum ich damals nach Eschborn ging, war die Tatsache, dass dort im Gegensatz zu anderen Regionalligisten halbprofessionell gearbeitet wurde. So konnte ich morgens in die Schule gehen und mittags trainieren.
SGE4EVER.de: Eine bekannte Internetseite hat Deinen Marktwert auf 50.000 Euro geschätzt. Wahrheitsgehalt und Wert dieser Art von Schätzungen sei einmal dahingestellt, aber macht das einen nicht auch ein wenig stolz? Immerhin bedeutet das ja, dass Du positiv aufgefallen sein musst und man Dich kennt.
William Anane: (lacht) Ich habe einmal gehört, dass der Marktwert aller Spieler, die schon einmal in der Regionalliga gespielt haben, auf 50.000 Euro angesetzt wird.
SGE4EVER.de: Wie lange läuft Dein Vertrag hier bei der Eintracht?
William Anane: Der Vertrag läuft erst einmal über ein Jahr. Wie es dann weitergeht, wird diese Saison zeigen. Bis dahin werde ich mein Grundstudium beendet haben und bin somit viel freier in meinen Entscheidungsmöglichkeiten. Vielleicht zieht es mich ja ins Ausland?! Wiederum fühle ich mich auch sehr wohl hier bei der Eintracht.
SGE4EVER.de: Bevor Du letztes Jahr von Bad Vilbel nach Eschborn gewechselt bist, wärst Du fast beim OFC gelandet. Du warst damals sogar in Offenbach beim Probetraining und der damalige OFC-Trainer Berndroth, der Dich die Saison über in Bad Vilbel beobachten ließ, bescheinigte Dir eine gute Entwicklung. Warum kam der Wechsel damals nicht zustande? Wurde Dir zum Verhängnis, dass der OFC – damals von der zweiten Liga träumend – eher auf gestandene Ex-Profis setzte statt auf die Jugend?
William Anane: Ein Wechsel nach Offenbach wäre durchaus möglich gewesen. Lars Schmidt war sehr oft in Bad Vilbel und hat mich spielen gesehen. Ich glaube, er war es, der mich unbedingt nach Offenbach holen wollte und nicht so sehr Ramon Berndroth. Im Probetraining war ich allerdings in Offenbach nicht, das wurde damals in den Zeitungen falsch dargestellt. Ramon Berndroth ist ein Trainer, der viel Wert auf Harmonie in der Mannschaft legt. Deshalb lud er mich ein, damit ich die Mannschaft kennen lernen konnte. Auch konkrete Gespräche hatten wir geführt.
SGE4EVER.de: Und warum wurde aus Dir kein „Kicker“?
William Anane: Ich hatte das Gefühl, dass Ramon Berndroth mehr einen echten „Kracher“ im Sturm wollte wie z.B. jetzt Sasa Ciric als einen Spieler, der damals noch keinerlei Regionalliga-Erfahrung hatte. Außerdem hatte ich in Eschborn, wie gesagt, die Möglichkeit, meinem Studium nachzugehen.
SGE4EVER.de: Du kamst in der Regionalliga mit dem 1. FC Eschborn letztes Jahr auf stolze 26 Einsätze. Trotzdem warst Du meist der Mann für die zweite Halbzeit. Wie kamst Du mit Deiner Jokerrolle zurecht?
William Anane: Ich war schon ein wenig enttäuscht. Ursprünglich wurde mir versichert, dass man fest mit mir in der Stammelf plane. Eine Chance bekam ich aber leider nie.
SGE4EVER.de: Und obendrein kam mit Eschborn ein Jahr später der Abstieg. War es also im Nachhinein ein Fehler, nicht beim OFC unterschrieben zu haben?
William Anane: Nein, insgesamt war der Wechsel nach Eschborn für mich richtig. Natürlich weiß man aber nicht, was gekommen wäre, wenn ich nach Offenbach gegangen wäre. Nach nur fünf Spielen wurde ja Ramon Berndroth schon beurlaubt und Lars Schmidt wurde Chef-Trainer…
SGE4EVER.de: … und Du hättest mit dem OFC gegen die Eintracht im DFB-Pokal gespielt!
William Anane: (lacht)… ja, und vielleicht hätte ich das Siegtor geschossen…
SGE4EVER.de: Na, na, über so etwas Ernstes macht man aber keine Witze…! Bei der Eintracht hast Du gleich im ersten Spiel durchgespielt. Auch bei der zweiten Begegnung hast Du in der Anfangsformation gestanden – und ja sogar das Siegtor geschossen – und hättest sicher auch durchspielen dürfen, wenn nicht die Rote Karte dazwischengekommen wäre. Hast Du nach Deiner langen Sperre Angst, dass Du Deinen Stammplatz verlieren könntest?
William Anane: Ein bisschen schon, der Stammplatz ist kein Selbstläufer. Jetzt, da ich nicht spielen kann, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich über das Training zu empfehlen und zu hoffen, dass ich den Trainer mit meinen Trainingsleistungen überzeugen kann. Nach meiner Sperre war ich sehr deprimiert und habe in den ersten Tagen danach nicht sehr gut trainiert. Ich weiß aber natürlich auch, dass man für sich selbst trainiert und ich mir nur selbst damit schade.
SGE4EVER.de: Hast Du als Hesse eigentlich eine Bindung zur Eintracht oder hast Du die Eintracht früher gar nicht mitverfolgt?
William Anane: Die Eintracht überstrahlt in dieser Region alles und man kann sich ihr ja gar nicht entziehen. Auf jedem zweiten Auto klebt ein Adler und die Fans sind super. Ich habe die Eintracht schon immer mit großem Interesse verfolgt; allein schon wegen Anthony Yeboah, der ja ebenfalls aus Ghana stammt. Heute verfolge ich natürlich vor allem unsere Jungs, Alexander Huber, Danijel Cimen und Marco Russ wie sie sich „da oben“ schlagen. Für jeden Spieler ist es eine große Ehre und etwas Besonderes, in diesem Verein spielen zu dürfen.
SGE4EVER.de: Wie ist Deine Einschätzung der diesjährigen Profi-Mannschaft?
William Anane: Natürlich hoffe ich, dass sie aufsteigen werden. Ich zähle sie aber nicht zu den Favoriten. Vor der Saison war meine Einschätzung bezüglich der Profis ähnlich wie die der Oberliga-Mannschaft: Ein Geheimfavorit, der den anderen ein Bein stellen kann. Ich denke, dass Köln, Cottbus und Aachen zu den Topfavoriten zählen – vielleicht auch 1860 München.
SGE4EVER.de: Du hast es geschafft, Dich in der Oberliga und sogar in der Regionalliga durchzusetzen und hast mit Deinen knapp 25 Jahren vielleicht noch zehn Jahre als Aktiver vor Dir. Wie formulierst Du Deine persönlichen sportlichen Ziele? Wohin geht die Reise?
William Anane: Solange ich meine Leistung bringen kann und zum Einsatz komme, möchte ich natürlich so hochklassig wie möglich spielen. Da bin ich schon ehrgeizig und habe keine Angst vor Herausforderungen.
SGE4EVER.de: Du hast in den ersten eineinhalb Spielen einen sehr guten Eindruck gemacht und hast ja sogar den Siegtreffer beim ersten Saisonsieg gegen den Favoriten aus Erzhausen erzielt. Ehe Du aber voll durchstarten konntest, kam schon der Platzverweis kurz nach der Halbzeit. Was war denn passiert?
William Anane: Das war eigentlich nur ein kleines Gerangel und ich wollte nur schlichten. Wenn das eine Tätlichkeit war, müsste es beinahe bei jeder Ecke eine Rote Karte geben. Nach dem Spiel sagte selbst der Schiedsrichter zu unserem Trainer, dass es eine Rudelbildung gewesen sei und keine Tätlichkeit. Deshalb war ich schon sehr enttäuscht, als ich von diesem Urteil hörte. Zudem bin ich auf dem Platz eher jemand, der sich bei so etwas zurückhält. Das war die erste Rote Karte in meiner Karriere überhaupt.
SGE4EVER.de: Du hast – genau wie Dein Kontrahent in dieser Szene, Marcus Wolf – eine Sperre von Sage und Schreibe 8 Wochen erhalten. Wie gehst Du damit um? Tut es weh, zuschauen zu müssen?
William Anane: Ja, sehr! Es gibt für einen Fußballer nichts schlimmeres, als nicht spielen zu dürfen. Vier Spiele habe ich bereits „abgesessen“ und wir haben ja Berufung gegen das Urteil eingelegt. Morgen entscheidet es sich, ob die Berufung in Grünberg Erfolg hat und die Strafe reduziert wird. Hoffentlich darf ich dann am Dienstag beim OSC Vellmar schon wieder spielen.
SGE4EVER.de: Das gesamte Team von sge4ever.de bedankt sich recht herzlich bei Dir für das Interview und wünscht Dir persönlich und sportlich alles Gute und vor allem viel Glück, was die Reduzierung der Strafe angeht!
William Anane: Vielen Dank!
Das Gespräch führte Steffen Ewald.