Mit nachdenklichem Blick und nach seinem Sommerurlaub auch mit Bart unterwegs: Torhüter Lukas Hradecky.

Lukas Hradecky bleibt kommende Saison bei Eintracht Frankfurt – wollte die „Frankfurter Neue Presse“ wissen. Die „Frankfurter Rundschau“ bestätigte diese Meldung und ging noch einen Schritt weiter: Klub und Torhüter kämen sich näher in den Verhandlungen, eine Einigung in Sachen Verlängerung des 2018 auslaufenden Vertrages sei möglich. Friede, Freude, Eierkuchen also in der Causa Hradecky? Von wegen! Der Finne dementierte am Donnerstag gegenüber „Bild“: „Stimmt nicht. Gar nichts ist sicher.“ Die vermeintlich geschlossene Baustelle bleibt weiter geöffnet und die Stimmung im Umfeld wird sich dadurch nicht verbessern. Hradecky, Publikumsliebling a.D., hat mit dieser Aussage sicherlich keine neuen Freunde gewonnen. Doch wäre es fair, der Nummer eins der Frankfurter dafür einen Vorwurf zu machen? Es ist ein neuer Höhepunkt einer Entwicklung, die im Winter ihren Ursprung fand.

Wir erinnern uns zurück: Kurz vor dem Jahreswechsel sagte Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing noch voller Optimismus: „Wir haben eine schöne Weihnachtsfeier gehabt, da haben Lukas und ich uns in den Armen gelegen. Ich glaube, die Gespräche mit ihm in Sachen neuer Vertrag werden nicht so schwer.“ Die Stimmung im Lager des Klubs war prächtig, nachdem das alte Jahr auf Rang vier und mit dem Einzug in das DFB-Pokal-Achtelfinale abgeschlossen wurde. Am Main reiften große Träume heran, ein Weg wie der von Borussia Mönchengladbach im Sommer 2012 – als Relegationssieger in die Europa League durchmarschieren – schien möglich. Hradecky selbst ließ nichts durchklingen, im näheren Umfeld war allerdings zu vernehmen, dass er sich finanziell gerne mehr gewürdigt sehen würde.

Die Causa Hradecky: Eine „never ending Story“

Im März dieses Jahres wurden die Gespräche langsam aufgenommen. Die „Frankfurter Rundschau“ schrieb damals, die Verantwortlichen seien wortwörtlich vom Hocker gefallen, als die gewünschte Summe auf dem Tisch lag. Schnell wurde allen Beteiligten klar: Dieser Poker zieht sich in die Länge. „Natürlich beeinflusst das sportliche Abschneiden meine Überlegungen. Ich will in Europa spielen“, ließ er seine Motivation in einem Pressegespräch durchblicken. Die Eintracht rutschte im Frühjahr Stück für Stück in der Tabelle ab, die monatelange Durststrecke zerrte an den Nerven des gesamten Klubs. Auf einmal ging der Blick wieder in Richtung Relegationsplatz – und keiner konnte den freien Fall stoppen. Zwischen dem 19. Spieltag (2:0 gegen den SV Darmstadt 98) und dem 30. Spieltag (der den Klassenerhalt sichernde 3:1-Heimsieg gegen den FC Augsburg) wurde nicht mehr gewonnen. Immerhin gelang bei Borussia Mönchengladbach der Einzug ins Finale des nationalen Pokals.

Doch irgendetwas hatte sich bei Hradecky verändert. Der so lebenslustige Finne wurde wortkarger, das so sympathische Lächeln kam immer seltener hervor. Und ausgerechnet im Finale in Berlin patzte der 27-Jährige folgenschwer, sein Foul führte zum Elfmeter, den Pierre-Emerick Aubameyang zum 2:1-Siegtreffer verwandelte. Die folgenden Wochen wurden turbulent: Bobic setzte öffentlich eine Deadline, die dann doch nicht eingehalten werden konnte. Im Gegenteil: Hradecky lehnte das Angebot kurz vor dem Urlaub ab, die Eintracht gaben dafür gar eine Pressemitteilung raus. Die Diskussion köchelte also immer weiter, ein Interview des im Winter noch so optimistischen Steubing brachte eine ganz neue Dynamik in Geschichte: „Er verliert ganz viel Sympathien“. Im Mai sagte der Börsen-Guru gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bereits: „Was gibt in letzter Konsequenz den Ausschlag? Der Kontoauszug.“

Steubing gießt viel Öl ins Feuer

Meinungsstarker Aufsichtsratschef: Wolfgang Steubing.

Hradecky und vor allem Vater Vladimir, den Steubing als vermeintlichen „Hardcore-Vertreter“ bezeichnete, wurden öffentlich zu Sündenböcken abgestempelt. Diplomatische Aussagen – so viel wurde in den letzten Monaten deutlich – sind Steubings Sache nicht. Der Aufsichtsratsboss verbreitet, ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern, seine Meinung gerne in der Öffentlichkeit. Ein Fehler? Lukas Hradecky ließ oft durchblicken, wie groß sein Respekt vor dem Vater ist. In einem Interview mit „Bild“ sagte er im April: „Er ist ein harter Hund und schützt seine Jungen. So ist es.“ Aus den Verhandlungen hält sich der Filius komplett raus.

Wer an der verfahrenen Situation Schuld hat, sollte bei aller Emotionalität in der Debatte hinten angestellt ist. Die Drohung, dass Kovac den Torhüter zur Not eine Saison auf die Tribüne setzen sollte, hilft niemandem weiter: Die Hessen würden nicht nur ein Jahresgehalt von 800.000 Euro verbrennen, sondern dadurch eine dauerhafte Unruhe im Klub haben. Spätestens dann, wenn Hradecky von oben zuschaut, wie ein Nachfolger mehrfach patzt, kann die Rufe nach ihm wieder laut werden lassen. Zudem: Der Schlussmann hat seine Klasse häufig genug unter Beweis gestellt, sodass andere namhafte Klubs ihn weiterhin auf der Liste behalten werden. So jedenfalls werden keine Probleme gelöst.

Kann es noch zu einem „Happy End“ kommen?

Doch welche Möglichkeiten bleiben den Verantwortlichen? Der Wunsch, Akteure ein Jahr vor Ablauf des Vertrages zu verkaufen oder mit ihnen zu verlängern, konnte bereits bei Haris Seferovic nicht erfüllt werden. Droht bei Hradecky dasselbe Szenario? Es wäre ein schwerer Schlag für die Eintracht, die so dringend auf Transfererlöse angewiesen ist. Allerdings: Sollte der Nationaltorwart tatsächlich bleiben, könnte bei einem guten Saisonverlauf doch noch ein Weg zur Erweiterung des Kontrakts gefunden werden.

Die Fans mögen den Torhüter weiterhin.

Um die Frage noch einmal aufzugreifen: Kann dem Torhüter ein Vorwurf gemacht werden? Nein, denn es ist dessen gutes Recht, den Marktwert festzustellen und genauestens zu erörtern, welcher Schritt der für ihn richtige ist. Hradecky steht dabei nicht unter Druck, auch wenn der Verein eine schnelle Entscheidung erwartet. Der Blondschopf selbst hielt sich in den letzten Wochen und Monaten aus der Öffentlichkeit fern und stellte nur etwas klar, wenn er sich ungerecht bewertet fühlte. Sobald er Aussagen über seine Zukunft treffen sollte, blockte er ab. Familie Hradecky beobachtet den Markt weiter und will sich (noch) nicht festlegen.

Kann es in diesem Poker noch Gewinner geben? Ja! Eine elegante Lösung wäre eine Verlängerung um ein bis zwei Jahre mit einer marktgerechten Ausstiegsklausel. Der Torhüter könnte peu à peu das Vertrauen zurück erwerben, nach zwei bis drei guten Leistungen würden die Pfiffe verstummen und die Skepsis weichen. Es gab genügend Beispiele in der Vergangenheit, als scheinbar schon bei den Fans durchgefallene Profis zügig wieder das nötige Vertrauen erwarben – und die Wut darüber, einen langen Verhandlungsmarathon miterlebt zu haben, schnell verraucht war.

Autor Christopher

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56 Kommentare

  1. @50
    Du schreibst :
    „3) Nach meiner Erfahrung und Auffassung sind juristische Vorgänge und Einschätzungen nicht so einfach zu erklären, wie Ihr es hier hinstellt. Das sieht man vor allen Dingen an den Widersprüchen auch in hochrichterlichen Entscheidungen.“

    Geanu das ist der Punkt warum ich dich angegangen bin, vllt. auch zu hart in meiner Wortwahl. Insofern gerne nochmal Entschuldigung dafür. Aber wie du so schön hier schreibst ist es nicht einfach zu erklären bzw. zu sagen was ist rechtens und was nicht. Gleichzeitig kam von dir aber die Behauptung eine Gehaltskürzung könnte die SGE einfach mal so machen. Und da bleibe ich dabei so einfach ist das eben nicht. Ich belasse es jetzt auch dabei, weil ich denke dass diese Diskussion keine hier mehr weiter bringt.

    Zu deiner Frage bzgl. meiner juristischen Kenntnisse: Während meines Studiums ( BWL mit Schwerpunkt Steuerrecht ) war auch Arbeitsrecht ein Teil des Pflichtprogramms. Aktuell habe ich ab und an mit solchen Themen auch beruflich zu tun.

  2. @51
    Entschuldigung angenommen.
    Ich gehe aber jetzt doch noch mal auf meinen Post genauer ein. Wenn ich schreibe: ‚Und genauso würde ich ihn behandeln. Ab auf die Tribüne mit drastischer Gehaltskürzung. Sein Verhalten ist vereinsschädigend. Punkt.‘ dann heißt das doch nichts anderes, als dass ICH ihn so behandeln würde. Ich habe im Konjunktiv ausgedrückt, was ICH meine tun zu müssen. Ich habe auch nicht gesagt, dass die SGE so handeln soll, sondern nur, was ich – in Absprache mit dem Anwalt – als Verantwortlicher tun würde, vielleicht auch nur überlegen würde zu tun. Ich habe meine Aussage als reine Meinungsäußerung meinerseits verstanden, aber es sollte keine Tatsachenbehauptung sein, was man – SGE – zu tun hat.
    Hoffe, wir haben das jetzt geklärt und können in Zukunft hier vernünftig und mit Spaß miteinander diskutieren.
    VG

  3. Ich schaetze die Wahrscheinlichkeit, dass LH verlaengert, auf ca. 1% (insbesondere nach den letzten Wochen) sodass ein Verkauf in diesem Jahr die mit groesster Wahrscheinlichkeit beste Loesung fuer die Eintr8 ist.

    Dementsprechend sollte ein Wechsel dem Spieler seitens des Vereins „schmackhaft“ gemacht werden. Und genau das hat Steubing mit seinen Aussagen wohl auch versucht (auf seine Art, die man gut finden kann oder nicht). Halte diese Aussagen in Anbetracht der Gesamtsituation aber immer noch zielfuehrender als das Kuscheln von Bobic (wir finden eine Loesung), was vom Spieler umgehend ad absurdum gefuehrt wird.

    Und grosse Spuren wird LH m.E. sowieso nicht hinterlassen, also Schluss mit dem Theater und Wechsel forcieren…..

  4. PS: Und zur Ueberschrift des Artikels: so wie es das „gute Recht“ des Spielers ist, das Optimum fuer sich herauszuholen, so ist es genauso das „gute Recht“ der SGE, das bestmoegliche Ergebnis fuer den Club zu erreichen! Und das ist im vorliegenden Fall eindeutig der Verkauf.

  5. Es scheint ja kein Verein da zu sein, denn es liegt der Eintracht kein Angebot für den Spieler vor. Und dann muss es ein Verein sein, zudem LH auch wechseln will, ansonsten kann die Eintracht forcieren, was sie will.

  6. Soweit wir wissen liegt der SGE kein Angebot vor, das ist korrekt. Aber ein Angebot wird erst dann unterbreitet, wenn der Spieler und der interessierte Verein miteinander klar sind. Und das ist bei den unrealistischen Forderungen von LH offenbar bei keinem anderen Verein der Fall.

    Nichtsdestotrotz kann man seitens der SGE zumindest versuchen, den Spieler zu einem Wechsel zu „motivieren“ (ich sage nicht wegjagen, aber ihm deutlich machen, dass es auch in seinem Interesse ist, einen neuen Verein zu suchen).

    Und bei dem kolportierten Gehalt von LH (800k) ist das Risiko m.E. kalkulierbar, d.h. jetzt eine neue Nr.1 verpflichten (und LH klarmachen, dass er die Nr.3 wird), um einen Wechsel „schmackhaft“ zu machen. Im schlechtesten Fall bleibt er (was die SGE 800k kostet, die sie sowieso zahlen muss), im besten und m.E. wahrscheinlicheren Fall sucht er dann aktiv eine neue Herausforderung mit evtl. realistischeren Gehaltsforderungen.

    Ich denke, das Risiko ist es wert, wenn die Alternative ist, dass er seinen Vertrag aussitzt und der Verein naechstes Jahr leer ausgeht und sowieso einen Nachfolger suchen muss.

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