Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig zog den Antrag noch vor Beginn der Versammlung zurück.
Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig zog den Antrag noch vor Beginn der Versammlung zurück.

Es war ein Tag der Selbstverständlichkeiten!“ Vorstandschef Heribert Bruchhagen antwortete gewohnt trocken auf den Verlauf der Mitgliedversammlung der DFL am Mittwoch. Zunächst zog der FC St. Pauli seinen am 10. November gestellten Antrag noch vor Beginn der Sitzung zurück. Die Forderung des Hamburger Zweitligisten sah vor, mehrheitlich von Investoren bestimmte Vereine von der Verteilung der TV-Honorare auszuschließen und somit die „50+1-Regel“ zu stärken. Nach dieser Vorschrift ist es Kapitalanlegern nicht möglich, die Stimmmehrheit bei Kapitalgesellschaften, in die Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgegliedert haben, zu übernehmen. Bei der TSG Hoffenheim, Bayer 04 Leverkusen, dem VfL Wolfsburg, Hannover 96 und bald auch RB Leipzig sei genau dieser Regelverstoß der Fall. DFL-Chef Christian Seifert kritisierte bei der Versammlung: „Es war unnötig und unklug, sich so zu präsentieren, wie es in den letzten Wochen der Fall war. Das war alles andere als hilfreich.“

Die Verhandlungen um den neuen TV-Vertrag befinden sich in einer ganz heißen Phase. Bis Mitte des nächsten Jahres möchte Seifert Fakten liefern. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender beim FC Bayern München, forderte konkret, dass eine Summe von „1,x Milliarden Euro“ pro Jahr ausgehandelt werde. Umso ärgerlicher empfand man bei der Liga daher die von Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig angezettelte Diskussion. Die betroffenen Clubs drohten nämlich mit dem Ausstieg aus dem Solidaritätspakt und dem Schritt hin zur Einzelvermarktung. Wen wundert es, dass Rummenigge auf diesen Zug mit aufspringt? Der neue Milliardendeal der Premier League hat beim deutschen Rekordmeister für Unruhe gesorgt. Dabei erhielten die Münchener in dieser Saison aus der nationalen und internationalen Vermarktung der DFL 71,89 Millionen Euro erhalten, dazu noch dank der höheren Vermarktungserlöse 49,87 Millionen Euro. 121,76 Millionen Euro – fast viermal so viel wie beispielsweise Eintracht Frankfurt (knapp 34 Millionen Euro).

Der Vorstoß Rummenigges, der auf der Mitgliederversammlung nicht einmal anwesend war, ist nicht neu. Die Frage muss erlaubt sein: Was würde den Münchener der Schritt hin zu einer Einzelvermarktung bringen? 300 von 348 Punkten konnten sie in den vergangenen 116 Bundesligapartien sammeln und damit ihre Übermacht demonstrieren. Auch in dieser Spielzeit stehen die Bayern wieder uneinholbar an der Spitze, ließen nur einmal – ausgerechnet im Frankfurter Waldstadion – Punkte liegen. Doch wie groß soll die Dominanz noch werden? Aus der Zwei-Klassen-Gesellschaft, die in den Jahren 2010 bis 2012 dank Borussia Dortmund vorherrschte, wurde eine Drei-Klassen-Gesellschaft. Ganz oben der Rekordmeister – dann, im Normalfall, der BVB zusammen mit den Wolfsburgern, Leverkusenern, Gladbachern und Schalkern – und danach der Rest der Liga, der ab und zu mal an den Europa League-Rängen schnuppern darf, sich aber ansonsten im alltäglichen Überlebenskampf befindet. Seifert warnt daher eindringlich vor Alleingängen einzelner Mannschaften: „Die erfolgreichsten Ligen der Welt sind alle zentral vermarktet. In Europa praktiziert nur noch Portugal die Einzelvermarktung. Die Rahmenbedingungen sind schwierig. Sollte ein Klub die Einzelvermarktung praktizieren, muss er sich mit dem jweiligen Spielpartner und der Liga einigen, denn alle drei halten Rechte.“

Plädiert für die Beibehaltung der Zentralvermarktung. DFL-Boss Christian Seifert.
Plädiert für die Beibehaltung der Zentralvermarktung. DFL-Boss Christian Seifert.

Die Nummer eins ist unser Ziel! FC Bayern – forever number one!“, heißt es im Fanlied des süddeutschen Spitzenvereins. Der übermächtige Branchenprimus würde im Zuge der Einzelvermarktung noch weiter davonziehen. Schon jetzt ist zur Normalität geworden, dass die Münchener die Schale bekommen, wenn zeitgleich der Osterhase die Eier in die Körbchen der Kinder legt. Ein spannender Kampf um die Meisterschaft bis zum letzten Spieltag? Es ist lange her, dass die Liga von einem dramatischen Fight um den höchsten deutschen Titel elektrisiert wurde. Im Sommer 2009 ärgerte Felix Magath als Trainer der Wolfsburger die Münchener und machte erst am 34. Spieltag durch einen 5:1 Sieg gegen den SV Werder Bremen den Gewinn der Meisterschaft perfekt.

Passé! Wer wird „the best of the rest?“ Nein, Spannung kommt so ganz oben nicht auf. Wo sind sie hin, die dramatischen Konferenzen, die beispielsweise 2001 die Leute vor den TV gezogen haben? Als erst in Minute 94 der Titelkampf pro Bayern entschieden wurde und die Schalker als „Meister der Herzen“ bittere Tränen vergossen? Oder 2002? Damals kämpften mit Dortmund, Leverkusen und Bayern drei Teams noch um die Schale. Erst ein Treffer von Ewerthon in der 75. Minute entschied das Rennen pro BVB. Es waren noch Zeiten, als auch der 25fache Titelträger aus der bayrischen Landeshauptstadt besiegbar erschien. Aktuell kann man sich nicht vorstellen, dass dieser Zustand wieder eintreffen könnte. Die Erlaubnis zur Einzelvermarktung würde den gigantischen Abstand zum Rest der Liga wohl noch größer werden lassen. Und der Verweis auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Münchener? Seit 2010 standen die Bayern dreimal im Champions League-Finale, zweimal im Halbfinale und einmal hieß es „ciao“ im Achtelfinale 2011 gegen Inter Mailand. Die Nuancen zwischen den „Roten“ und beispielsweise dem FC Barcelona oder Real Madrid sind inzwischen so gering, dass sich mit Bezug auf die Einzelvermarktung damit nicht mehr argumentieren lässt. Stattdessen sollte gelten: Rettet die deutsche Meisterschaft! Und stärkt somit die anderen Teams – damit auch mal wieder in anderen Städten über eine deutsche Meisterschaft gejubelt werden kann!

Autor Christopher

Avatar

- Werbung -

4 Kommentare

  1. Das betrifft aber nicht nur die Bayern. Auch zu Klubs wie Dortmund ist die Lücke inzwischen finanziell sehr groß. En anderer Verteilungsschlüssel wäre wichtig. Und eine Deckelung, damit ein Verein nicht mehr als x-Millionen erhält.

    Es bringt uns nix, nur die Bayern auszubremsen. Dortmund ist auch 7 Punkte vom dritten Platz entfernt. Daher muss das Gesamtkonzept stimmen. Und wie oben richtige bschrieben ist , die “ internationale Wetbewerbsfähigkeit“ ist kein Argument.

    0
    0
  2. Ich denke Seifert hat das gut erklärt ….eine dezentrale Vermarktung ist aus reinen organisatorische Gründen garnicht machtbar..
    weil die Rechte bei der Gast und Heimschaft liegen sowie bei der Dfl….
    Sowie ich das mitbekommen habe …..achh kein Bock das selber zu vormulieren ……hier copy and past …..
    .
    Die ganze Scheiße verkürzt dargestellt….

    Rauball betonte nach der Versammlung: „Nur der Ligavorstand entscheidet über den Verteilerschlüssel.“ Nicht die Mitgliederversammlung der 36 Clubs.
    .
    Da haben einige ihr Hirn abgegebn bei der Versammlung…..nur der Ligavostand entscheidet über den Verteilungsschlüssel…
    Selber schuld …..wenn ….die Zweite Liga ….ausblutet

    0
    0
  3. ZU Rummenigges Größenwahn gibt es einen guten Artikel in der NZZ.
    Auch warum die BL nicht an die Verträge der Engländern ran kommen.
    Gerade der FCB ist mit Schuld .Durch ihre Methode wir kaufen unseren BL Konkurrenten alles weg auch wenn wir die Spieler nicht gebrauchen können ,tragen sie nicht zur Internationalen Vermarktung bei. Internationale Sky Kunden wollen eine spannende Liga . Und keine Meisterschaft die im Dez entschieden ist.

    0
    0
  4. Naja, die Bayern sind einfach besser aufgestellt. Für das Geld das Dortmund für Ramos, Ginter, Immobile und Castro rausgehauen hat, hätten die auch einen COman und einen Douglas bekommen. Die Bayern scouten besser als der Rest. Das man auch ohne die Kohle der Bayern oben sein kann, hat Dortmund ja zwei Jahre bewiesen. Und über die Fehler im System die den Großen Klubs dieses finanziellen Möglichkeitne geben, ist ja genug geschrieben worden.

    0
    0

Keine Kommentare mehr möglich.

- Werbung -