Mittlerweile zum Sympathieträger in Frankfurt aufgestiegen: Danny da Costa bringt auf und neben dem Platz seine Leistung.

Er gehört in dieser Saison zu den absoluten Leistungsträgern, ist auf der rechten Außenbahn der Eintracht gesetzt und hat zudem mit seinen 25 Jahren nochmal richtig Torgefahr entwickelt: Frankfurts Danny da Costa hat, wie er selbst sagt, in Frankfurt seine Heimat gefunden und ist derzeit einer der gefragtesten Männer der Bundesliga. Nicht zuletzt, weil er auch neben dem Platz eine mehr als gute Figur abgibt und Journalie und Fans mit seiner humorvollen Art gerne mal auf die Schippe nimmt. Im exklusiven XXL-Interview mit SGE4EVER.de zeigte er sich aber auch von seiner anderen Seite: Tiefgründig, reflektiert und absolut bodenständig. Er sprach über die Schattenseiten des Fußballbusiness, seine Einstellung zu sozialen Medien und darüber, dass seine Karriere wohl auch ohne die Nationalmannschaft ganz ansehnlich wäre. Außerdem äußerte er sich zur gestiegenen Erwartungshaltung, ein vermeintliches Traumtor und das Highlight am Donnerstagabend, dem Sechzehntelfinalrückspiel in der Europa League vor heimischem Publikum gegen Schaktar Donezk. Danny da Costa wäre aber nicht Danny da Costa, wenn er unseren Redakteur nicht auch das ein ums andere Mal zum Lachen gebracht hätte.

Ich habe mal ein paar Fragen vorbereitet. Wenn du zwischendurch selbst eine stellen magst, ist das aber auch völlig in Ordnung. Was überwiegt nach dem Remis gegen Gladbach bei dir? Die Freude über dein (wettbewerbsübergreifend) viertes Saisontor und einen Punktgewinn oder etwas Ärger darüber auch im fünften Spiel in Folge ohne Sieg zu sein?
„Ärger empfinde ich überhaupt keinen. Ich glaube, dass das mit den fünf Unentschieden in Folge etwas zu negativ gesehen wird. Man kann es auch von der anderen Seite sehen und sagen, dass wir immer noch ungeschlagen sind. Das waren wir zum gleichen Zeitpunkt in der Hinrunde nicht. Da haben wir gegen Gladbach beispielsweise eine ziemlich deutliche Niederlage kassieren müssen. Deshalb sehe ich schon eine positive Entwicklung. Die Gladbacher haben ein gutes Spiel gemacht, wir konnten dagegenhalten und einen Punkt mitnehmen. Das ist grundsätzlich erstmal positiv. Klar, wir hätten den Sieg nach der langen Führung gerne über die Runden gebracht, aber es ist nicht so, dass ich am Montag aufgewacht wäre und großen Ärger verspürt hätte.“

Diese vier Saisontore sind ja für dich auch etwas ganz Besonderes, vor dieser Saison gelang dir ja erst ein einziges Profitor, auch für die Eintracht – wann und wo hast du deine Offensivqualitäten entdeckt?
„Ich denke, ich profitiere insgesamt davon, dass die Mannschaft es offensiv sehr, sehr gut macht. Wir kommen sehr häufig in Abschlusssituationen. Diesmal war es eine Ecke, bei der ich vorne mit dabei war. Ich habe auch Menschen in meinem Umfeld, wie beispielsweise meine Freundin, die mir immer mal wieder sagt, dass ich gerne mal selbst zum Abschluss kommen könnte, mir mehr zutrauen sollte. Das deckt sich auch mit dem, was der Trainer von mir sehen möchte. Dass es dieses Jahr für meine Verhältnisse außergewöhnlich gut klappt, freut mich natürlich.“

Das Tor gegen Gladbach war ja auch durchaus in echter Stürmermanier geschossen. War das so gewollt? Auch die Ballmitnahme?
„Ich hab‘ den Ball nicht mitgenommen. Das sieht nur so aus. (lacht) Wirklich! Ich habe es mir auch im TV angeschaut. Da sieht es so aus, als hätte ich ihn mitgenommen. Aber Johnny (Anm. d. Red.: Jonathan de Guzman) schießt und dann wird er von meinem Gegenspieler abgefälscht. Ich wollte nur die Schussbahn freiblocken und der Gegenspieler fälscht ihn mir perfekt in den Lauf ab. Ich wollte unbedingt vor Yann Sommer am Ball sein und ihn irgendwie über die Linie drücken. Aber wenn man es so sehen will: Überragend gemacht. (lacht)“

Aktuell fehlt euch als Mannschaft ja so ein wenig die Balance. Während in der Hinserie vor allem vorne vieles stimmte, verteidigt ihr derzeit sehr gut, knipst in der Offensive aber nicht mehr so. Woran liegt das deiner Meinung nach?
„Vielleicht fehlt uns da im Moment einfach die letzte Konsequenz. Wir kommen in aussichtsreiche Positionen, agieren im letzten Moment aber zu hastig und spielen es dann nicht ganz sauber zu Ende. Ich glaube aber, dass wir die Qualität haben, da wieder hin zu kommen. Wir haben schon oft genug bewiesen, dass wir es können. Vielleicht müssen wir ein Stück weit wieder die Ruhe finden. Bis dahin machen wir es nach wie vor immer noch sehr, sehr gut. Die Chancen sind ja auch da. Wir werden auch wieder kaltschnäuziger sein.“

Nach dem Sieg deines Ex-Klubs Leverkusen seid ihr auf den 7. Platz abgerutscht. Vorerst raus aus den europäischen Plätzen. Ein Dämpfer? Oder vielleicht sogar ein Ansporn, den das Team brauchen kann?
„Dass Mannschaften wie Leverkusen einen Lauf starten werden, damit konnte man rechnen. Die haben viel zu viel Qualität als dass sie weiterhin unten anzufinden sind. Ich glaube schon, dass wir mit dem siebten Platz absolut im Soll liegen und zufrieden sein können mit der Saison bisher. Auch heute, als ich durch die Kabine gelaufen bin, die einzelnen Spieler gesehen habe, habe ich kein Stück Enttäuschung gespürt oder gar das Gefühl, da könnte etwas Negatives kommen. Es geht jetzt ja auch relativ schnell und wir haben am Donnerstag die Möglichkeit, etwas wirklich Besonderes zu erreichen. Da hält sich keiner mit negativen Gedanken auf.“

Bei einigen im Umfeld dürfte vor allem die Angst umgehen, dass man wie in den vergangenen Jahren eine gute Ausgangssituation in der Liga verspielt. Was kannst du denen entgegenhalten?
„Das wird überhaupt nicht thematisiert. Wir haben vor der Winterpause gesagt, wir wollen an den Leistungen anknüpfen und haben in der Winterpause viel dafür getan. Ich sehe überhaupt nicht, dass wir Gefahr laufen einzubrechen. Davon sind wir weit entfernt. Wir haben gegen Mannschaften, die richtig guten Fußball spielen und zurecht dastehen, wo sie gerade stehen, Punkte geholt. Da müssen wir nichts schlecht reden.“

Sind da die Ansprüche im Umfeld möglicherweise mit dem Erfolg auch einfach gestiegen?
„Das weiß ich gar nicht. Von Fanseite habe ich nicht das Gefühl, dass man große Enttäuschung verspürt, weil wir fünf Spiele in Folge unentschieden gespielt haben. Wenn ich sehe, wie wir nach und während des Spiels gefeiert und gepusht werden, habe ich nicht das Gefühl, dass Unrealistisches von uns erwartet wird. Wir haben uns durch die Hinrunde ein gewisses Selbstvertrauen erarbeitet und gemerkt, dass wir gegen sehr gute Mannschaften mithalten können. Als Sportler ist es auch normal, dass man im ersten Moment enttäuscht ist, wenn man nicht gewinnt, aber wenn man sich das Gesamtbild anschaut, wo wir stehen, gegen wen wir mit welcher Art gespielt haben, sind wir weit davon entfernt, es schlechtreden zu müssen.“

Gerade euer Sturmtrio war ja lange Zeit in aller Munde. Wie nimmt man das als Mitspieler wahr? Geht einem das Gerede irgendwann vielleicht auf die Nerven? Oder tut es sogar gut, vielleicht auch im Schatten anderer seine Arbeit tun zu können?
„Man merkt schon, egal gegen wir spielen, es kommt vom gegnerischen Trainer ein Kommentar, dass es schwer ist die Drei da vorne zu verteidigen. Trotzdem sind wir eine komplette Einheit, die gemeinsam verteidigt und auch gemeinsam angreift. Klar stechen sie hervor, weil sie an so vielen Toren beteiligt sind, was für ihre Qualität spricht. Aber es ist auch immer eine Mannschaftsleistung. Bei uns im Team ist das aber auch nicht so das Thema, was vermutlich auch daran liegt, dass der Großteil die deutschen Zeitungen gar nicht so versteht (lacht). Aber auch die, die es können, beschäftigten sich nicht damit. Wir wissen, dass wir drei Stürmer mit enormer Qualität haben. Das wissen wir zu schätzen. Ich persönlich bin auch sehr froh, dass ich mit ihnen in einer Mannschaft spiele und nicht gegen sie verteidigen muss.“

„Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, wir bekommen es nicht mit.“ – Danny da Costa äußerte sich auch zu den Gerüchten um Teamkollege Luka Jovic.

In den letzten Wochen war ja vor allem einer der Drei ein großes Thema: Luka Jovic. Wenn so ein junger Spieler Begehrlichkeiten weckt, wie geht ein Team damit um? Wird er aufgezogen? Beglückwünscht? Oder muss man ihn vielleicht sogar ein wenig erden?
„Es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, wir bekommen es nicht mit. Wenn Vereine mit diesen Namen mit Luka in Verbindung gebracht werden, bekommt man das als Mannschaft natürlich mit. Aber auch die, die es können, beschäftigten sich nicht damit. Ich sage mal so, ein Stück weit ist das auch ein Mannschaftsverdienst. Wenn eine Mannschaft funktioniert, funktioniert man als Spieler auch besser. Und wenn es am Ende so weit geht, dass solche Vereine sich für jemanden interessieren, ist das an sich eine coole Sache. Ich habe mit Luka noch nicht darüber gesprochen und weiß auch nicht, was da wirklich dran ist. Ich habe nicht das Gefühl, dass er da den Kopf verliert und man auf ihn einreden müsste.“

Wie ist das als Spieler allgemein? Wie geht man mit dem Druck um, ständig in der Öffentlichkeit zu stehen? Gerade du wirkst ja in alldem sehr demütig und bescheiden.
„Da kann ich ganz ehrlich sagen, wenn die aktive Zeit irgendwann mal vorbei ist, werde ich im ersten Moment sicher traurig sein, weil es einfach eine wunderschöne Zeit ist, die man durchlebt. Es gibt denke ich nichts Schöneres als morgens aufzustehen, zum Training zu gehen und Fußball spielen zu können und Woche für Woche in der Bundesliga auflaufen zu dürfen. Wenn es dann vorbei sein wird, wird in der Hinsicht sehr viel Wehmut dabei sein. Andererseits, was das ganze Drumherum betrifft, diese ganze Bühne, auf der man sich dafür fast rechtfertigen muss, wenn man mal einen schlechten Tag erwischt hat, bin ich ganz froh, wenn das vorbei ist. Da muss man sich am Anfang der Karriere schon extrem dran gewöhnen. Dass man nicht nur von Mitspielern, Trainern und dem eigenen Umfeld beurteilt wird, sondern dass im Prinzip ein ganzes Land daran teilnimmt deine Leistung zu beurteilen. Das gehört halt dazu, aber ich bin froh, wenn ich nachhause komme und das alles beiseiteschieben kann.“

Das ist dann vermutlich die Kehrseite der Medaille…
„Klar, den Erfolg nimmt man gerne mit. Wenn man erfolgreich ist, macht es auch viel mehr Spaß, dann sieht man im ersten Moment auch nur das Gute. Dann schlägt es viel schneller in Kritik um, wo es möglicherweise noch gar nicht angebracht ist. Wenn man schlecht spielt und die Ergebnisse nicht stimmen, bin ich der Letzte, der sagt, da wäre kein Recht auch mal  Kritik zu äußern. Im Fußball ist es aber extrem geworden, wie schnell es in die eine oder die andere Richtung kippen kann.“

Wie leicht oder schwer fällt es dir persönlich denn mit diesem Druck auch umzugehen? Hast du da vielleicht auch das eine oder andere Ventil?
„In erster Linie ist es ganz gut, zu Hause eine Freundin zu haben, mit der ich über all das reden kann. Sie fängt mich auf, versucht mich zu beruhigen, spricht mir Mut zu. Sie ist aber gleichzeitig auch die erste, die da ist, wenn sie das Gefühl hat, ich bekomme einen Höhenflug. Da holt sie mich auf den Boden, erdet mich und sorgt dafür, dass ich nicht abhebe. Das ist für mich ganz wichtig. Man braucht Leute im Umfeld, auf die man sich verlassen kann und die einen von dem ganzen Fußballzirkus auch mal wegholen. Mir hilft das ungemein bei dieser Schnelllebigkeit nicht mitzumachen.“

Ist das auch ein Grund, warum du dich beim Thema Nationalmannschaft so verhalten zeigst? Andere stellen sich im Gegensatz dazu ja in die Öffentlichkeit und sagen, sie sind die besten auf ihrer Position. So Aussagen würden von dir wohl nie kommen.
„Davon gehe ich mal aus. (lacht) Aber das ist vielleicht auch eine Frage der Art. Vielleicht gibt es Spieler, die es genauso empfinden und meinen, sie müssen es auch so kundtun. Ob es ihnen hilft, sei mal dahingestellt. Am Ende hat man es nicht selbst in der Hand, ob man nominiert wird. Jeder Fußballer hat den Traum. Es gibt nichts Größeres. Ich bin sehr zufrieden, wie es für mich derzeit läuft. Ich bin gesund und fit, was für mich an erster Stelle steht, und spiele so viel, wie in den Jahren zuvor nie. Dafür bin ich sehr dankbar und ich genieße es. Es ist eine schöne Sache mit der Nationalmannschaft in Verbindung gebracht zu werden, aber ich sage nicht, dass ich da unbedingt hin muss. Ich mache mir da keinen Druck. Es ist eine nette Sache, aber ich kann ganz gut einordnen, wo ich stehe und wie weit das letztendlich noch ist.“

Also wäre deine Karriere auch eine gute, wenn es am Ende nicht klappt?
„Definitiv. Dann kann ich immer noch darauf zurückblicken und sagen: ‚Danny, du warst ein gestandener Bundesligaspieler, hast sogar einen Titel geholt.‘ Nein, auch ohne Nationalmannschaft kann ich am Ende sagen, ich hatte für mich eine sehr schöne Laufbahn.“

Lest auf der zweiten Seite des XXL-Interviews, wie Danny über soziale Medien denkt und wie er privat tickt, was sein Berater zu dessen lockeren Sprüchen sagt und alles zum Europa League-Heimspiel gegen Donezk am Donnerstagabend.  

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4 Kommentare

  1. Es ist erfrischend, so ein tolles Interview eines Fußball-Profis zu lesen. Und dann gehört er auch noch Eintracht Frankfurt!
    Ich wünsche mir, dass er noch viele Jahre der Eintracht erhalten bleibt und von großen Verletzungen verschont bleibt!

  2. @3. Strolch:
    Treffend formuliert.
    Dem schließe ich mich an.
    Danny Da Costa macht Spaß!

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