Amin Younes hämmert den Ball mit voller Wucht zum 2:0 in die Maschen. Im anschließenden Jubel setzt er ein Zeichen. (Foto: IMAGO / Poolfoto)

Dieses Tor glich einer Naturgewalt! Ein Schlenker, ein Schuss, ein verdutzter Manuel Neuer und der Ball zappelte im rechten Winkel des Bayern-Gehäuses. Der Treffer: eine Wucht. Der Jubel danach: ein Zeichen – und was für eins. Ein kurzer Jubelsprung, dann rannte Amin Younes schnurstracks Richtung Bank, wo ihm ein Betreuer das Frankfurter Aufwärmshirt reichte. Wortlos hielt es Younes in die Höhe. Fatih Saracoglu, einer der neun in Hanau bei einem rassistischen Anschlag getöteten Opfer, stand dort geschrieben, dazu war ein Konterfei des Mannes zu sehen. #saytheirnames hieß es auf der anderen Seite, um an Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili-Viorel Păun, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov zu erinnern.

Mit voller Wucht gegen Rassismus: „Die Geste des Jahres“

„Die Geste des Jahres“, überschlug sich Sky-Kommentator Marcus Lindemann. „Tor des Monats und Geste des Jahres“, schreibt die FAZ noch am Samstagabend. Younes selbst sagte nach dem Spiel bescheiden, aber voller Mitgefühl: „Ich denke, dass wir so etwas nicht vergessen dürfen. Es ist wichtig, dass wir an die Menschen denken, die betroffen waren und sind. Es ist etwas sehr, sehr schlimmes passiert und mich hat das sehr bedrückt und bewegt, als ich am Freitag gehört habe, dass das schon ein Jahr her ist. Ich weiß, dass so eine Geste die Opfer nicht zurückbringt, aber es geht mir darum, dass die Familienangehörigen wissen, dass wir an sie denken und dass es uns auch nahe gegangen ist. Dafür steht auch Frankfurt. Die ganze Stadt hält zusammen und auch der Verein ist ein Symbol für den Zusammenhalt. Das wollte ich damit auch ausdrücken.“ Das davon ausgehende Zeichen ist umso wichtiger angesichts von Meldungen, dass Gedenkorte an den Anschlag von Hanau in den zurückliegenden Tagen geschändet wurden. „Ich danke von ganzem Herzen für die tolle Geste. Ich bin sicher, dass Fatih sich genauso darüber gefreut hätte“, sagt die Witwe des ermordeten Fatih der Bild-Zeitung.

Eintracht zeigt klare Kante 

Younes setzte gegen Bayern München auf und neben dem Platz Zeichen.

Die SGE schwebt seit geraumer Zeit auf einer ungeahnten Erfolgswelle, die Champions League ist in Reichweite. Manch einer mag nach dem Sieg gegen die Bayern schon von der Meisterschaft träumen. Anderswo ist die Frankfurter Eintracht längst ganz oben angekommen. Der Verein leistet sich nämlich Moral, schreibt 11Freunde. Man könnte auch sagen, er hat sich zu einer moralischen Instanz der Bundesliga gemausert, ist zu einer Brandmauer gegen Rassismus und für Mitmenschlichkeit geworden. Während andere Traditionsvereine um ihre Existenz kämpfen oder um sich selbst kreisen, zeigt die SGE klare Kante gegen Rassismus. Was die Eintracht-Anhängerschaft 1992 mit der legendären Aktion ​„United Colors of Bembeltown“ begann, führte Peter Fischer mit seinen deutlichen Worten gegen die AfD vor drei Jahren fort. Auch nach dem Anschlag von Hanau suchte der SGE-Präsident das Gespräch mit den Angehörigen. Am Samstag füllte die Eintracht das Erinnern mit Leben. In Aufwärmshirts dachten die Hessen an die Opfer, dann kam Younes und ein ganz besonderer Moment. Wer solche Werte lebt, der hat schon gewonnen.

Autor Marcel Storch

Marcel StorchMarcel Storch ist seit 2017 Teil des Teams von SGE4EVER.de. Spätestens nach Jan-Aage Fjörtofts Übersteiger und Alex Schurs 6:3-Siegtor gegen Reutlingen war es um ihn mit der SGE geschehen. Für die Eintracht war er als freier Mitarbeiter im Eintracht Frankfurt Museum tätig. Mittlerweile vertritt er den Adler im Ruhrpott und arbeitet als Journalist in Essen. Für SGE4EVER.de schreibt er vor allem für das SGE kompakt und widmet sich historischen Rückblicken.

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19 Kommentare

  1. Was für ein Glücksgriff! Amin trifft den Ball richtig und auch den richtigen Ton. Zum Glück haben wir eine Kaufoption. Der Rest ist Eintracht. Beschämend, dass manchmal auch hier so sehr daneben argumentiert wird, nehmt unsere Spieler zu Vorbildern.
    Auf jetzt SGE hol uns die CL

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  2. Dieser Verein treibt mir Woche für Woche die Freudentränen in die Augen.
    Ach, iss des schee!!!!!

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  3. @ rob

    Genau die gleiche Frage wollte ich auch stellen, glaube nämlich, da ist kein Wort seitens Vereinsführung drüber gefallen…

    Forza SGE

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  4. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Ablösesumme weit unter dem angenommenen Betrag von 8 Millionen € liegt.

    Wir haben zu einem Zeitpunkt zugeschlagen, als Corona schon seine Spuren hinterlassen hat. Soweit ich weiß, zahlt die Eintracht auch kaum eine Leihgebühr.

    Ich gehe von einer Ablösesumme von circa 3-4.000.000 € aus.

    Das ist natürlich, wenn man die Qualitäten dieses Spieles betrachtet, ein Scherz … beziehungsweise ein echter Freddie!

    Toll, dass er bei uns gelandet ist. Mit ihm können wir an eine gute alte Eintracht- Tradition anknüpfen, spielerisch herausragenden Fußball… Grabowski, Nickel, Hölzenbein, Gründel, Bein, Möller, Younes, Kamada, Barkok 🙂

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  5. Younes Leistung in der ersten Halbzeit war das Beste was wir seit Okocha in Frankfurt gesehen haben. Zumindest was Mittelfeldspieler angeht. In unserem Wohnzimmer gab es im wahrsten Sinne des Wortes Applaus. Wenn Messi oder Ronaldinho so spielen, dann spricht die ganze Welt darüber. Jogi wird sich vermutlich trotzdem für Draxler und Brandt entscheiden.

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  6. Der letzte Marktwert, als Amin Younes noch in Neapel war, lag gemäß Transfermarkt.de bei 5 Mio. Der Trend ging abwärts. Allerdings hat Neapel einer extrem günstigen Leihe zugestimmt und nicht zuletzt Amin Younes persönlich auf viel Geld verzichtet.

    Ich könnte mir in Anbetracht der günstigen Leihe vorstellen, dass dann in der Kaufoption ein gewisser Ausgleich vereinbart wurde. Von daher könnten es durchaus 5-6 Mio sein.

    Genaues wissen offenbar nur die direkt Beteiligten. Allerdings wären 5-6 Mio für einen Spieler dieser Qualität, trotz möglicher Einbußen in den tatsächlichen Transfersummen durch Corona, ein wirkliches Schnäppchen.

    @6
    Nicht zu vergessen Lajos Detari und Jay Jay Okocha, der Kahn und eine gesamte Abwehr gefühlt 3 Minuten durch den Strafraum gehetzt hat, bevor er die erlöste.

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  7. Auf jeden Fall habe ich seit den Siebzigern und Anfang der Neunziger nicht mehr soviel Spaß an der Eintracht gehabt!

    Obwohl mein Vater immer noch der Meinung ist, die beste Mannschaft sei die Mannschaft der 59er Meisterschaft gewesen. Das habe ich leider knapp verpasst.

    Aber wenn man alte Berichte über die Halbfinalspiele gegen Glasgow und das Endspiel gegen Madrid liest, bekommt man, um international zu bleiben, echt Hühnerhaut.
    Genauso wie heute!!!

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  8. Was für Tolle Artikel, ach nein, viel mehr euphorische Anerkennung – Danke für die link.
    Redaktion, wenn die BBC Filmberichte hat, könnte man das doch mal gemeinsam mit oder über die Eintracht besorgen, soviel wie geht. Ich setz mich gerne vor so einen Klassiker.
    Forza SGE !

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  9. Was für ein toller Artikel! Das wofür Menschen wie Amin Younes, Seppl Rode, Makoto Hasebe, Adi Hütter, Peter Fischer und die gesamte Eintracht Fangemeinschaft stehen erfüllt mich mit mehr Stolz Fan dieses Vereins zu sein als es irgendein sportlicher Erfolg jemals könnte. Aber seien wir ehrlich, den Erfolg nehme ich gerne mit 🙂

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  10. Wer hatte eigentlich das Aufwärmshirt mit Konterfei und Namen der Mutter des Täters an? Das habe ich nirgends gesehen. Der hat doch – auch das muss man sich mal vorstellen – seine eigene Mutter getötet. Also den Menschen, der ihm das Leben geschenkt hat. Zu den „Opfern von Hanau“ gehörte sie ja wohl auch.

    Oder hat die da nicht so gut reingepasst?

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  11. Ich dachte auch, dass ich irgendwo die Kauf
    Option gelesen hätte. Ich meine damit natürlich die Höhe der KaufOption. Wenn ich mich richtig erinnere, war sie sehr deutlich unter diesen 10 Millionen. Ich hab mir damals schon gedacht, den musst du eigentlich blind kaufen. Und das war bevor ich wusste, wie gut er ist.

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  12. Lajos und JayJay … JAAAA!!!!!!
    Ich muss heute noch schhmunzeln wenn ich an IHN denke.
    Der beste Trick, den ich JE gesehen habe…irgendwie hat er den Ball seitlich mit beiden Füßen an seinem völlig verdutzten Gegenspieler vorbeigeschnickt. dann endet die Szene in den Zusammenschnitten. Fortsetzung: eine Flanke hinters Tor … JayJay war EINMALIG, sag ich als alter HOLZ-Fan 🙂

    Schön, dass wir nicht nur erfolgreich sind, sondern auch echte Identifikationsanlässe haben (Nix Gazprom oder Wiesenhof, nix Quatar Airlines) …Indeed passt zu unserer Weltoffenheit, die wir auch durch unsere Risikobereitschaft (OFFENSIVE!) dokumentieren. Das passt sehr sehr gut und ist in sich stimmig, auch Younes Eintreten für die Opfer als Halblibanese. Er wird wissen, was es bedeutet, als Anderer ausgegrenzt zu werden. Macht einfach Spaß zu Zeit in einfach jeder Beziehung!

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