Grenzenloser Jubel nach dem Einzug in das Europa-League-Achtelfinale. Die Mannschaft der Eintracht lässt sich nach dem Spiel vor der Kurve feiern.

Nachdem die Eintracht zuletzt gegen die Spitzenteams der Bundesliga ungeschlagen blieb, allerdings auch nicht über Unentschieden hinaus kam, ging es im Rückspiel gegen Schachtor Donezk um den Einzug in das Achtelfinale der Europa-League. Während die Defensive zuletzt zumindest in den Bundesligaspielen hervorragend organisiert war, hatte man im Hinspiel durchaus gesehen, dass die individuelle Klasse der Ukrainer selbst in Unterzahl für große Gefahr sorgen konnte. SGE-Trainer Adi Hütter hatte allerdings einen Plan, wie er die brasilianische Offensivkunst von Donezk stoppen wollte und am Ende zog man auch aufgrund dieser taktischen Meisterleistung verdient in die nächste Runde ein. SGE4EVER.de hat das Spiel wie immer noch einmal analysiert:

Hütter hat auch einen Plan B
Wer denkt das Adi Hütter ausschließlich für Offensivfeuerwerk und hohes Pressing steht, sah sich spätestens am gestrigen Abend getäuscht. Der Österreicher hat mehr als nur eine taktische Ausrichtung parat und dies nun auch eindrucksvoll bewiesen. Zunächst einmal war es wichtig, dass mit David Abraham und Sebastian Rode überraschend zwei zuletzt angeschlagene Spieler rechtzeitig fit geworden sind, denn beide sollten eine zentrale Rolle im taktischen Korsett der Hessen einnehmen. Abraham kehrte in die Dreierkette zurück und Martin Hinteregger übernahm dafür die Libero-Position von Makoto Hasebe. Auch wenn der Japaner in dieser Saison seine Glanzleistungen als letzter Mann ablieferte, wurde er aufgrund des Ausfalls von Gelson Fernandes im defensiven Mittelfeld benötigt. Dort war er gemeinsam mit Rode und Mijat Gacinovic vor der Abwehrformation für Ballgewinne verantwortlich. Die drei Abfangjäger störten den Spielaufbau der Ukrainer immer wieder entscheidend und gerade Gacinovic warf sich immer wieder in spektakuläre Zweikämpfe und rannte so lange ihn seine Beine trugen. Durch diese Art der Dreierkette vor der eigentlichen Abwehrformation konnte man die Räume für den Gegner extrem eng machen und die Brasilianer, die im Hinspiel noch locker durch die Hälfte der Frankfurter kombinieren konnten, fanden kaum Lücken. Hinzu kam, dass Hütter seine Mannschaft insgesamt deutlich zurückgezogener postierte. Kein hohes Anlaufen, kein weites Rausrücken. Die Adlerträger pressten erst etwa ab der Mittellinie und dann aber mit aller Kraft und ständigem Doppeln. Mit 55 Prozent gewonnener Zweikämpfe ging dieser Plan in jedem Fall voll auf.

Kaltschnäuzigkeit zurück
Während sowohl Sebastien Haller, als auch Ante Rebic und Luka Jovic in den letzten Spielen nicht mehr die Effektivität der Hinrunde hatten, sollte sich dies genau zum richtigen Zeitpunkt ändern. Die Eintracht war zunächst ausschließlich auf das konsequente Verteidigen des eigenen Tors bedacht, wollte aber mit gezielten Nadelstichen zum Erfolg kommen. Hierfür war es besonders wichtig, dass man seine Konter sauber zu Ende spielt und nicht wie zuletzt im entscheidenden Moment die falsche Entscheidung trifft. Dies sollte in diesem Spiel wieder anders sein. Erst Jovic per Direktabnahme nach mustergültiger Hereingabe von Danny da Costa, dann Haller per Foulelfmeter und später mit Jan-Age Fjörtoft-Übersteiger zum entscheidenden 3:1. Den Schlusspunkt setzte dann noch ausgerechnet der zuletzt etwas glücklose Ante Rebic und so konnten die Frankfurter ein sensationelles 4:1 gegen eine Champions-League-Mannschaft feiern. Hütters Taktik ging demnach vollends auf. Und dies konnte sie nur, weil seine Mannschaft sie so beherzt umsetzte. Die SGE spielte mit einer unglaublichen Leidenschaft, Hingabe und mit einem großen Kämpferherz. Diese Mannschaft liebt Europa und Europa liebt sie.

Auf dem Weg zur internationalen Reife
Nun war dieses Spiel aber lange nicht so eindeutig, wie es das Ergebnis vermuten ließe. Nach dem Anschlusstreffer der Ukrainer geriet die Hintermannschaft für eine Phase unter besonderen Druck. Zwei Lattentreffer retteten dabei die Hessen und so konnte der Ausgleich, der das Spiel noch einmal völlig auf den Kopf gestellt hätte, vermieden werden. Und genau in diesem Moment zeigte sich eine Entwicklung bei den Hessen, die gerade bei dem starken Gegner hervorzuheben ist. Die Frankfurter blieben ruhig, ließen sich auch vom Gegentreffer nicht nervös machen lassen und spielten ihr Spiel genauso weiter. Hasebe, der wohl erfahrenste im Team der Eintracht zeigte es immer wieder mit beiden Fingern am Kopf an: Mit Köpfchen spielen, ruhig bleiben, keine unnötigen Ballverluste und weiterspielen wie bisher. Mitten in dieser Phase spielte man dann einen Konter mustergültig zu Ende und Haller traf zum vorentscheidenden 3:1. Nicht viele Mannschaften hätten in dieser Phase des Spiels so souverän weitergespielt, denn das machen in der Regel nur international sehr erfahrene und clevere Mannschaften. Die Eintracht reift gerade zu so einer Mannschaft und kann stolz auf das Geleistete sein. Sie hatten den mehrmaligen ukrainischen Meister und Champions-League-Teilnehmer über 70 Minuten komplett im Griff und waren im entscheidenden Moment zur Stelle. Getragen von der magischen Atmosphäre im Stadion steht man nun im Achtelfinale der Europa-League und der Lostopf ist voll mit weiteren Hochkarätern. Eines ist aber sicher: Nach ihren bisherigen Auftritten wollen die meisten Gegner wohl unter keinen Umständen gegen Eintracht Frankfurt spielen.

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13 Kommentare

  1. Bisher stimmt die Aussage, dass die Mannschaften, die Hütter trainiert, in der Rückrunde stärker werden.
    – ungeschlagen in 2019
    – 3 Punkte mehr auf der Habenseite gegenüber der Vorrunde
    – unter den 15 besten Mannschaften in Europa, weil „Europas beste Mannschaft“ ist die Nr. 16 – die SGE 😉

    Jetzt in Hannover konzentriert 3 Punkte einfahren und weitgehend verletzungsfrei bleiben!

  2. Interessant war, welche Freiräume wir deren beiden Außen gelassen haben, mit dem Kalkül, dass die Gefahr über die Mitte kommt. Interessant auch, dass Haller bei eigenen Toren ganz cool, schon fast regungslos darsteht, aber bei Toren seiner Mitspieler voll abgeht.

  3. @2
    Stimmt, war für uns Laien echt skurril. Die 50er (oder was das war) stand in der Sturm- und Drangphase ständig direkt vor uns völlig blank. Und trotzdem ging von dort kaum eine Gefahr aus. Toller Matchplan !!!

  4. Adi Hütter hat zurecht betont : das war die bisher beste Leitung der Eintracht !
    Wer mit im Waldstadion war hat das in vollen Zügen genossen.
    dazu noch die geniale, laute und positive Stimmung!
    Ich bin Stolz
    Forza SGE !

  5. INTER MAILAND IT IS

    Was eine Auslosung… Losglück haben wir nicht gerade. Wird mega hart, aber was ein Highlight!

  6. Und der nächste Champions League Teilnehmer. Was ein Spiel das wird. Hoffen wir, dass das mit den Tickets nicht wie in Rom läuft. Dann wird das auswärts ein ganz großer Auftritt

  7. Schade, dass es wieder Italien ist. Das wird die gleichen Probleme mit den Tickets geben wie bei Lazio, das war ja keine Idee von denen, sondern kommt vom Staat.

  8. Mailand ist doch geil. Nah, großes Stadion, Traditionsverein. Hammer
    Ok Tickets kann blöd werden…

  9. Reebok, das kam nicht von dem Staat sondern meines Wissens nach von der Stadt Rom.

  10. Nochmal Danke an Fredi B. & Co., dass er Rode und Hinti geholt hat. Ohne die beiden hätte es gestern vermutlich nicht gereicht.

    Mit Kostic, Jovic und Trapp drei weitere Leihspieler auf dem Platz. Interessante Konstellation.

  11. War es überhaupt ein Plan B? Ich finde es interessant, dass es mit einer massierten Defensive auch wieder leichter fällt, Tore zu schiessen. Hütter hat Fonseca ausgecoacht. Obwohl die Aufstellung gerade an dieser Stelle mehrfach empfohlen worden war, hatte ich gemischte Gefühle, als sie tatsächlich angezeigt wurde. Als es in der 2. HZ beim Stand von 2:1 ums Ganze ging, war ich dann überzeugt. Gerade für diese enorme Drucksituation hat alles gepasst. Die Mannschaft hat da wirklich mit aller Kraft um jeden Ball gekämpft. Als die Schachter sahen, dass sie nicht durchkamen, sind sie immer weiter aufgerückt, um den Druck noch weiter zu erhöhen. So wurde der entscheidende Konter N’Dicka – Kostic – Haller möglich, und danach war es gelaufen. Whow! Wo kam eigentlich Kostic her? Ich hatte ihn in der Abwehrschlacht vermutet, aber er muss den Braten irgendwie gerochen und sich rechtzeitig auf den Weg gemacht haben. Was für ein Abend.

  12. Gibt 5500 Tickets, aber man bemüht sich um weitere.
    Ich bin zu alt für die Auswärtsspiele aber ich freu mich schon auf das Heimspiel.

    Wenn Adi mit einer ähnlichen Konstellation auflaufen lässt wie am Donnerstag dann bin voller Optimismus für eine gute Vorlage für das Rückspiel gibt. Jetzt aber erstmal die Hausaufgaben machen gegen Hannover, die Wölfe sind am gewinnen und wenn Leverkusen nachzieht, dann braucht man ein paar Punkte.

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