Mit Inter Mailand bekommt es die SGE mit dem nächsten Topklub zu tun (Foto: Imago/GEPA pictures).

Der Einzug in das Achtelfinale der UEFA Europa League brach den Bann von fünf Unentschieden in Folge. Nach dem 4:1-Erfolg über Schachtar Donezk konnte Eintracht Frankfurt auch die Spiele gegen Hannover (3:0) und Hoffenheim (3:2) gewinnen. Diese Siegesserie wollen die Hessen natürlich auch im Duell mit Inter Mailand ausbauen. Die Italiener sind ein weiterer namenhafte Hochkaräter in der Europa League für die Adlerträger. Nach Donezk trifft die Eintracht mit Inter Mailand im Achtelfinale auf den nächsten Klub, der in diesem Jahr aus der Champions League „abstieg“. Zuletzt stand Eintracht Frankfurt in der Saison 1993/1994 im Achtelfinale eines europäischen Wettbewerbs, zog damals sogar ins Viertelfinale ein und scheiterte dort erst im Elfmeterschießen an dem späteren Finalisten Austria Salzburg (wo Eintracht-Trainer Adi Hütter damals spielte). Der Sieger des damaligen UEFA-Cups war übrigens niemand geringeres als Inter Mailand. Am Donnerstag, den 07.03.2019, trifft die Eintracht das erste Mal in einem Pflichtspiel auf Inter. Anpfiff in der Commerzbank-Arena ist um 18:55 Uhr.

Das Warten auf einen Titel

Inter Mailand zählt eindeutig zu den italienischen Topklubs. Nach Juventus Turin, dem SSC Neapel und der AS Rom kämpft Inter jedes Jahr mit Lazio Rom, dem AC Mailand und weitern Teams um den vierten Tabellenplatz der Serie A. Der letzte Titel liegt jedoch schon fast acht Jahre zurück. 2011 gewann Inter das Finale der „Coppa Italia“ gegen US Palermo mit 3:1. Auf internationaler Ebene konnten die Mailänder in den letzten Jahren auch nicht mehr glänzen. Den letzten großen europäischen Titel feierten die Italiener im Jahr 2010 mit dem Gewinn der UEFA Champions League. Doch seitdem qualifizierte sich der 18-fache italienische Meister nur noch zwei Mal für die Königsklasse. 2010/2011 scheiterte man im Viertelfinale am FC Schalke 04, in dieser Saison kamen die Italiener nicht über die Gruppenphase hinaus und spielt nun Europa League.

In der laufenden Saison spielt Inter Mailand in der Liga noch um Platz drei mit, der die Qualifikation für die Königsklasse bedeutet. Nach 26 Spieltagen belegt Mailand den vierten Platz, einen Zähler hinter Rang Drei. Die letzten beiden Ligaspiele konnte der dreimalige UEFA-Cup-Sieger jedoch nicht gewinnen. In Florenz spielte man nur 3:3 und in Cagliari kassierte man eine 2:1-Pleite. Im italienischen Pokal schieden die Mailänder im Viertelfinale zuhause gegen Lazio Rom mit 3:4 im Elfmeterschießen aus. Die einzige Chance auf einen Titel ist damit nur noch die Europa League, in der Inter jedoch als Favorit gehandelt wird.

Zuhause ungeschlagen

Denn die Italiener können bemerkenswerte Zahlen vorweisen. In der Gruppenphase der Champions League blieb Inter Mailand zuhause gegen den FC Barcelona (1:1), Tottenham Hotspur (2:1) und PSV Eindhoven (1:1) ungeschlagen. Tottenham wurde vor heimischer Kulisse nach einem 0:1-Rückstand dank zwei späten Toren noch mit 2:1 geschlagen. Erheblichen Anteil hatte damals auch das Publikum, das ihre Mannschaft bis zur letzten Minute nach vorne peitschte. Von der Lautstärke her kann das frühere San Siro mit dem Waldstadion gut mithalten. Dennoch reichte es nicht für das Champions League-Achtelfinale. Zwar war Inter mit dem Gruppenzweiten (Tottenham) punktgleich, zog aber im direkten Duell den Kürzeren. Im Sechzehntelfinale der Europa League schalteten die Mailänder Rapid Wien problemlos mit zwei Siegen aus (1:0 und 4:0) und blieben damit, genau wie Eintracht Frankfurt, im eigenen Stadion auf internationaler Bühne ungeschlagen. In der Liga verlor man auch erst zwei Heimspiele.

Theater um Icardi

Mauro Icardi sitzt bei Inter Mailand seit Februar nur noch auf der Tribüne (Foto: Imago/HochZwei/S).

Große interne Probleme bereitet zur Zeit Inters Top-Torschütze und Kapitän Mauro Icardi. Scheinbar weigert sich der 26-Jährige, seinen Vertrag vorzeitig zu verlängern und soll auf einen Wechsel spekulieren. Der Argentiner selbst schrieb auf Instagram eine Liebeserklärung an seinen Klub. Sein Trainer Luciano Spalletti setzte ihn Anfang Februar auf die Tribüne und entzog ihm die Kapitänsbinde. Damit schwächte Spalletti seine Mannschaft -wohl zum Vorteil der Eintracht. Icardi erzielte in der Champions League vier der sechs Tore in den Gruppenspielen und ist auch in der Serie A der beste Knipser von Inter Mailand. Aber mit Marcelo Brozovic und Ivan Perisic hat Inter zwei Vize-Weltmeister von 2018 im Kader. Die zwei sind gute Kumpels von Ante Rebic, der im Hinspiel verletzt fehlen wird, wodurch das Wiedersehen der Kroaten verschoben werden muss. Neben Brozovic spielt auch Radja Nainggolan bei Inter im Mittelfeld. Der Belgier ist ein echter Fighter und ist für seine gefährlichen Distanzschüsse bekannt, durch die er auch schon das eine oder andere Traumtor schoss. Das Tor von Inter hütet seit 2012 Samir Handanovic, der neue Kapitän seit Icardis Degradierung. Er ist Sloweniens Nummer eins und hat diese Saison erst ein Spiel verpasst. Handanovic ist mit seinen 1,93 Metern nur schwer zu überwinden, deshalb spielte der 34-Jährige in 35 Pflichtspielen schon 14 Mal zu null.

Von Beginn an hellwach sein

Inter Mailand hat durch seine großen Erfolge in längerer Vergangenheit einen Namen im europäischen Fußball. Dass der Klub in den letzten Jahren keine Titel holen konnte, bedeutet nichts. Mit Brozovic, Handanovic, Nainggolan und Perisic spielen bei Inter sehr erfahrene und abgezockte Profis, aber auch junge, talentierte Spieler überzeugen in Inters Reihen. Es ist eine gute Mischung aus Erfahrung und Spielfreude, die die Mailänder so stark macht. Mit ihren lautstarken Fans im Rücken sind sie zu jeder Zeit für ein Tor gut. Wenn die Eintracht ins Viertelfinale will, muss sie in beiden Spielen zu jedem Zeitpunkt hellwach sein und den Kampf von Beginn an annehmen. Das Heimspiel kann für die Adlerträger der Schlüssel zum Viertelfinale werden. Im Idealfall fahren die Hessen ohne Gegentor aus dem Hinspiel nach Italien, dann stehen der SGE alle Türen offen. Im Rückspiel wird es mit 65.000 Inter-Fans im Giuseppe-Meazza-Stadion nochmal schwerer. Aber die Eintracht kann sich sicherlich auf ihre 13.500 Anhänger aus Frankfurt verlassen.

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15 Kommentare

  1. Rebic und Hütter sollen die Köpfe zusammenstecken und den Inter-Sturm analysieren, und Rebic dann helfen unsere Abwehr zu coachen!

  2. Icardi hat kürzlich abgesagt für Donnerstag.
    Gute Analyse. Ich würde noch Matteo Politano erwähnen, der der Eintracht von rechts Probleme bereiten könnte. Da muss Evan N’Dicka ziemlich wendig sein.
    Die Eintracht ist keinesfalls Favorit, schon gar nicht ohne Rebic. Ein knapper Sieg wäre ein Erfolg und eine gute Basis für das Rückspiel. Der Ausfall von Rebic wirkt schwer, da er, neben der sportlichen Leistung, als Persönlichkeit auf dem Platz seinen Eindruck bei Inter nicht verfehlt hätte.

  3. Mein Saisonziel war es, mit dem Abstieg möglichst früh nichts zu tun zu haben und in der Euro League zwei Siege feiern zu dürfen.

    Jetzt kann man natürlich sagen, dass die Situation neu zu bewerten ist, weil in der Mannschaft mehr Potential steckt. Möchte ich aber nicht. Ich bin überglücklich, über den teils sehr schönen Fußball, den die Eintracht zeigt, aber auch über die Art und Weise, wie im Zweifel gefighted werden kann.

    Ich erwarte ein bockschweres Heimspiel und hoffe einfach, dass es im Rückspiel dann noch eine Chance gibt. Es kommt auf die Tagesformen an und dass ein Rebic im Rückspiel erst zur Verfügung steht könnte sogar ein Vorteil sein. Der dürfte dann ausgeruht sein und vor allem kann sich die Abwehr nicht im Hinspiel schon auf ihn einstellen.

    Die Stimmung im Waldstadion muss sein wie beim Heimspiel gegen Donetsk, als man die Spannung gespürt hat, bevor man im Stadion gewesen ist und wenn wieder das ganze Stadion hinter der Mannschaft steht, ist etwas möglich!
    Im Rückspiel müssen wir dann in Mailand in Unterzahl zeigen, dass wir trotzdem lauter sein können 😉

  4. @Nerox
    Dürfte zu unserem Vorteil sein.
    Bei Inter Stammspieler der nicht zu ersetzen ist.
    Bin gespannt, ob Inter dennoch das bestmögliche Team aufstellen wird, oder ein Misch aus Stamm- und Bankspielern.
    Den Italienern wird gern nachgesagt, dass sie die EL als „Verlierercup“ sehen.
    Dennoch sollte die Eintracht das Team keinesfalls unterschätzen.
    In vielen Foren lese ich nur, dass über die Höhe des Sieges diskutiert wird.
    Ebenso bin ich gespannt, wie Hütter auf den Ausfall von Rebic reagiert.
    Denke es werden Jovic und Haller von Anfang Spielen.
    Gehe von der gleichen Formation wie im Rückspiel gegen Donezk aus.

  5. OT.: Jesus Vallejo war gestern wieder nicht im Kader. Ist er noch immer verletzt, oder könnte man den nochmal haben?

  6. @Scheppe Kraus:
    Du hast recht, Nainggolan hat doch nicht gespielt. Da habe ich mich vertan. Danke für den Hinweis, ich habe es im Text korrigiert.

  7. @8. wo wir schon bei Real sind. Die Tatsache, dass sie gestern so früh wie schon lange nicht mehr aus der CL ausgeschieden sind und wohl in dieser Saison auch nicht mehr um die Meisterschaft spielen werden könnte die Vereinsleitung veranlassen, zahlreiche neue Spieler zu holen. Die die werden dann wohl am Markt eine Welle lostreten.
    Die Chancen stehen gut, wir können so optimistisch sein, wie schon lange nicht mehr, aber auch sie haben trotz Schwächung noch einige zweitklassige Weltklassespieler im Kader 🙂

  8. @Hooliganverachter:

    Sicherlich ist Vallejo ein starker IV, aber er ist seit zwei Jahren mehr oder weniger dauerverletzt. Kaum hat er den Rückstand wett gemacht und durfte mal aufs Feld oder auf den Platz, kam die nächste Verletzung. Das hat bei uns in der RR angefangen und sich seitdem fortgesetzt.
    Wir haben mit Hinti, N’Dicka und Touré drei IV die noch viele Jahre bei uns spielen können. Dazu Tuta als Talent und Abraham und Hasebe als alte Hasen, die vlt nicht mehr alle Spiele machen können, aber immer noch solide (Abraham) bis herausragende (Hasebe) Leistungen bringen. Wozu dann Geld in einen IV investieren, bei dem wir nicht wissen, ob er pro Saison mehr als drei Spiele macht?

    Sollte die Mannschaft im Sommer gehalten werden (wovon ich nicht ausgehe) dann gibt es eigentlich nur im Mittelfeld Handlungsbedarf. Auf wirklich allen anderen Positionen sind wir schon so gut und breit besetzt, dass eine Qualitätssteigerung mit unseren Mitteln kaum zu erreichen ist. Lieber das vorhandene Geld in Hinti, Rode und Trapp stecken (Jovic und Kostic haben wir ja eh den Finger drauf).

  9. @13, danke für`s Teilen.

    Ich bin aus der Fangeneration Körbel, Grabowski, Nachteih und Hölzenbein und es war immer eine schöne Sache. Aber das ist mir bissl viel Pathos in diesem Artikel. Es ist nur Fußball und damit eine schöne Nebensache im Leben.
    Und selbiges geht eben auch weiter, wenn die Höhenflug mal abreißt.

  10. @13 Danke, schöner Artikel, so gut nachvollziehbar. Ich wurde durch das 2-0 Pezzeys gegen Bayern kurz vor Schluss, UEFA-Pokal-Halbfinale 1980, für die Eintracht endgültig sozialisiert. Danach noch dieses legendäre 5-1 in der Verlängerung. Aber glorreiche Zeiten habe ich kaum erlebt. Pokalsieg 1981 noch sehr gut. Pokalsieg 1988 auch toll, aber eine laue Mannschaft + Detari. Dann Stein, Binz, Bein, (Möller), Yeboah: tolle Spieler, aber keine wirklich tolle Mannschaft letztendlich, überforderte und großspurige Trainer (Toppmöller, Stepi und Jupp, der aber nur die letzte Schaufel ins Grab schippte). Immer gescheitert (Uefa-Pokal, Meisterschaft, DFB-Pokal-Halbfinale 1993). Spektakulär, aber nicht glorreich (wie auch 1999, gar nicht glorreich, aber eindrucksvoll). Die letzten 1-2 Jahre sind die besten nach 1980/81.
    Schöner Gruß

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