Uwe Bein nur schwer vom Ball zu trennen (Quelle: imago images / Alfred Harder)

Es war der 01. September 1992, als die Frankfurter Eintracht unter Trainer Dragoslav Stepanovic auf den Dortmunder Borussia traf. Es war das Spitzenspiel des fünften Spieltages und Nationaltrainer Berti Vogts nahm auf der Tribüne des Frankfurter Waldstadions Platz. Es sollte ein hitziger Abend für ihn werden.  

Bundes-Berti

Die Verbindungen, das gleich vorweg, zwischen Berti Vogts und der Eintracht sind denkbar knapp. Als Spieler absolvierte er 419 Spiele für Mönchengladbach und ist damit so etwas wie der Charly Körbel der Fohlen. Als Trainer war der inzwischen 73-jährige für diverse Nationalmannschaften tätig gewesen, am prominentesten für die eigene. Zwischen 1990 und 1998 war er für die deutsche Mannschaft verantwortlich. Sie sehen, liebe Leser, nichts „eintrachtliches“ in Vogts Karriere. Im Herbst 1992 hat der Mann, den sie früher den Terrier nannten, dann doch erheblichen Einfluss auf die Karriere zweier Adlerträger.

Bein und Binz besiegen Borussia

Zurück zum 01. September vor 28 Jahren: Der Kader der Frankfurter war gespickt mit Stars. Zwar verließ der heutige NLZ-Leiter Andreas Möller die Eintracht vor der Saison, doch gegen Dortmund fanden sich auf dem Platz Namen wie Uli Stein, Uwe Bindewald, Manfred Binz, Uwe Bein, Ralf Falkenmayer, Ralf Weber, Axel Kruse und Tony Yeboah. Direkt mit dem Anpfiff wurde die Partie  ihrem Ruf als Spitzenspiel gerecht. Zwei ebenbürtige Mannschaften bekämpften sich mit offenem Visier. Es war die 22. Spielminute, als Bein den Ball gekonnt vors Tor chippte und Yeboah völlig frei zum 1:0 einschob. Das Spiel ging danach genauso unterhaltsam weiter, wie es begonnen hatte und nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich der Dortmunder, war es erneut Bein, der den Elfmeter zum 2:1 sicher verwandelte. In der 78. Minute durfte Bein nach seiner Auswechslung beim Stand von 3:1 bereits früher unter die Dusche. In der 85. Minute war es in Abwesenheit Beins dann Manni Binz, der mit einem traumhaften Steilpass die Dortmunder Abwehr aushebelte und das finale 4:1 vorbereitete.

„Hätte so gern sein Gesicht gesehen“

Doch was hat der famose Sieg der SGE nun mit Bundestrainer Vogts zu tun? Der hatte die beiden Frankfurter Nationalspieler Binz und Bein nicht für die anstehenden Testspiele der Nationalelf nominiert. Bein war somit seit März 1992 nicht mehr im Kader der Nationalmannschaft vertreten, Binz war bereits nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der EM 1992 in Ungnade gefallen. Nun musste Berti Vogts nicht nur von der Tribüne mit ansehen, wie die beiden Frankfurter über den Rasen wirbelten und Dortmund kaum eine Chance ließen -er musste auch erklären, warum er die beiden Ausnahmetalente der Hessen nicht in den Kader der Nationalelf berufen hatte. Frankfurts Stürmer Axel Kruse bereitete Vogts mögliches Unbehagen großen Spaß. „Ich hätte so gern sein Gesicht auf der Tribüne gesehen. Der muss doch Schweißausbrüche bekommen haben, als er den Uwe zaubern sah. Wie kann man so einen Spielmacher zu Hause lassen?“ stellte Kruse die Frage, die sich viele Fußballkenner damals stellten. „Ich kann nicht nachvollziehen, wie Vogts mit Bein den besten deutschen Spielmacher zu Hause lässt“, macht auch Torwart Uli Stein sein Unverständnis transparent und bricht obendrein eine Lanze für Kollege Binz: „Und Binz nach der nicht berauschenden EM als alleinigen Sündenbock hinzustellen, finde ich nicht gut.“

Überragender Spieler ohne Perspektive

Hier waren sie noch Teil der Nationalelf. 1991 Binz und Bein mit Möller in ihrer Mitte in feschen Team-Outfits. (Quelle: imago images / Rust)

Vogts versuchte zu beschwichtigen, Bein sei für ihn zwar einer der „überragenden Spieler der Bundesliga“, doch gab es in Vogts System an Lothar Matthäus und Thomas Häßler kein vorbeikommen. Zudem wollte Vogts für die Nationalmannschaft einen Neuanfang mit jungen Spielern. Der Mann mit dem tödlichen Pass versuchte es sachlich zu nehmen: „Der Bundestrainer hat, was meine Person betrifft, für klare Verhältnisse gesorgt. Er will mich nicht mehr. Jetzt weiß ich Bescheid und kann damit leben.“ Gänzlich konnte er seine Enttäuschung aber nicht hinter dem Berg halten und schob hinterher: „Vogts sagte immer, es gibt für ihn kein Jung und Alt, sondern nur Gut und Schlecht. Ich zähl mich zu den Guten, doch zum Aufgebot gehöre ich nicht.“ Uli Stein hatte zu dem Thema selbstverständlich auch noch eine Meinung, vor allem zum Festhalten an Lothar Matthäus im Gegensatz zu dem nur ein Jahr älteren Bein: „Ich hab von Vogts noch nie etwas gehalten. Kaputt lachen kann ich mich, wenn er bei Bein vom Neuaufbau und vom Alter sprich, das aber für Matthäus scheinbar keine Rolle spielt.“

Und wenn sie nicht gestorben sind…

In Frankfurt ist man heutzutage einiges gewöhnt, was die Nicht-Nominierung verdienter Spieler angeht. Für Uwe Bein kamen 1993 immerhin noch drei Freundschaftsspiele im Trikot der Nationalelf hinzu. Manni Binz, der damals noch fest daran glaubte, wieder in den Kreis der Nationalelf vorstoßen zu können, machte nie wieder ein Spiel für Deutschland. Binz sagte damals: „ In dieser Hackordnung hatte ich keine Chance. Was ich damit meine, kann ich nicht in der Öffentlichkeit sagen.“ Wir dürfen gespannt sein, wann es mal wieder ein Adlerträger schafft, in der Startelf eines großen Turniers zu stehen und den Eintracht Adler gegen den Bundesadler zu tauschen. (Eine Anekdote zum Schluss: Uli Stein arbeitete gemeinsam mit Vogts, von dem er „noch nie etwas gehalten“ hat, in Nigeria und Aserbaidschan gemeinsam als Nationaltrainer)

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2 Kommentare

  1. Ach was waren das noch für Zeiten?! Da haben die Spieler noch gesagt was sie dachten und haben nicht ständig diese aalglatten und vom Medienberater vorbereiteten Interviews gegeben. Ich war damals ungefähr 10 Jahare alt und Manni mein absolutes Vorbild, wie man vielleicht auch an meinem Avatar erkennen kann. Ich wollte immer so spielen wie er. Wenn wir auf dem Bolzplatz waren, war ich immer Manni Binz, nicht Okocha oder Yeboah, sonder Manni. Als er dann nicht mehr nominiert wurde, war ich richtig traurig und kann es auch bis heute nicht verstehen.Irgendwie haben wir in Frankfurt einfach kein gutes Standing in der Nati. Vielleicht übernimmt der Kloppo ja in ein paar Jahren, da kann ich mir vorstellen, dass er Spieler tatsächlich nach deren Leistung beurteilt und es nicht wichtig ist in welchen Verein sie spielen.

  2. Kleiner Funfact: Unter Berti Vogts wurde die Nationalmannschaft vier Jahre später Europameister, im Tor stand Andreas Köpke (34 Jahre) von Eintracht Frankfurt.

    Gruß SCOPE

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