Freudentaumel pur! Nach dem sensationellen Einzug ins Europa-League-Halbfinale kannte der Jubel im Waldstadion keine Grenzen mehr. (Bild: imago images/ Hartenfelser)

Das Tor zum 2:4 von Goncalo Pacienca vor einer Woche in Lissabon hat der Eintracht in einem Spiel, in dem alles gegen die SGE lief, die Hoffnung auf ein Weiterkommen zurückgegeben. Am Ende war das der entscheidende Faktor, um das kleine Wunder in einer weiteren magischen Nacht wahr zu machen. Adi Hütter sprach im Vorfeld von einem „perfekten Spiel“, dass die Hessen für das Erreichen des Halbfinales brauchen würden und er sollte genau dieses perfekte Spiel bekommen. SGE4EVER.de hat eine emotionale Europa-League-Nacht noch einmal analysiert:

Kaltstarter Simon Falette mit Spiel seines Lebens
Als die Aufstellung gestern eine Stunde vor dem Anpfiff bekannt wurde, war das erste Entsetzen groß. Martin Hinteregger, der Schlüsselspieler der letzten Wochen, war nicht rechtzeitig fit geworden und fehlte im Kader der Frankfurter. Aufgrund der Sperre von Evan N´Dicka musste Eintracht-Coach Adi Hütter mit Falette einen Spieler ohne Spielpraxis in den letzten Monaten aufbieten. Zuletzt stand der Innenverteidiger am 26. Januar gegen Werder Bremen über 90 Minuten auf dem Platz. Und nun? Nun sollte ausgerechnet Falette die tempo- und trickreiche Offensive von Benfica Lissabon stoppen. Schon in den ersten Minuten zeichnete sich ab, was man am Ende konstatieren kann: Simon Falette lieferte trotz fehlender Spielpraxis ein überragendes Spiel und bestach durch Kopfball- und Zweikampfstärke. Dank ihm fiel der Ausfall Hintereggers nahezu überhaupt nicht ins Gewicht. Er steht exemplarisch für diesen unfassbaren Teamgeist der Hessen. Schon vor dem Spiel sprachen die Mitspieler ihm Mut zu, sie pushten ihn während des Spiels und machten sein Kaltstarter-Comeback in dieser magischen Nacht überhaupt erst möglich. Diese Truppe besteht längst nicht nur aus den üblichen Stammspielern, denn erst die Spieler hinter der ersten Mannschaft, so wie Falette, machen den Erfolg der Adlerträger möglich. Egal ob mit vielen oder wenigen Spielanteilen, in Frankfurt herrscht eine einzigartige Stimmung in der Mannschaft. Jeder kämpft für den anderen und egal ob auf oder neben dem Platz, jeder der Bestandteil dieser Mannschaft ist, trägt einen wichtigen Teil zum Erfolg in dieser Saison bei.

Ein Geduldsspiel
Hütter forderte ein „perfektes Spiel“ und er sollte es bekommen. Benfica Lissabon, eigentlich dafür bekannt auch in der Fremde ihr eigenes, offensives Spiel durchdrücken zu wollen, hatte scheinbar doch Respekt vor der Kulisse in Frankfurt und stellte auf eine deutlich defensivere Formation um. Die Viererkette der Portugiesen blieb in der ersten Halbzeit konstant tief stehen und wurde durch zwei Sechser davor verstärkt. Die Konsequenz: Gerade für die sonst so gefährlichen Außenspieler gab es nahezu keine Räume. Die Außenverteidiger von Benfica rückten nicht auf und der SGE wurde schnell klar, dass dieses Spiel ein Geduldsspiel werden würde. Ohnehin mahnte Hütter seine Mannschaft nicht zu schnell zu viel zu riskieren. Es sollte entscheidend sein, dass man vor allem auch hinten sicher steht, um bloß kein Gegentor zu kassieren, was die Aufgabe ungleich schwerer gemacht hätte. Der portugiesische Superstar Joao Felix wurde dieses Mal auf der linken Seite aufgeboten, was für Danny da Costa eine besondere Rolle bedeutete. Der Rechtsverteidiger stieß deutlich weniger nach vorne und schielte mit einem Auge stets auf Joao Felix. Die Wege zurück sollten bloß nicht zu weit werden, damit man gegen den Shootingstar auch schnell ins Doppeln kommen konnte. Gemeinsam mit David Abraham meldete da Costa Joao Felix nahezu ab. Die Portugiesen fanden überhaupt nicht zu ihrem gewohnten Spiel und schienen auch von der Körperlichkeit der Adlerträger beeindruckt zu sein. Während man im Hinspiel immer einen Schritt zu spät kam und Benfica so ins Kombinationsspiel kommen ließ, waren die Frankfurter diesmal sofort da. Wenn es nötig war, auch einmal mit einem härteren Einsteigen, was Lissabon schnell verdeutlichte, dass dieses Spiel heute weh tun würde. Der Branchenprimus aus Portugal ist solch ein aggressives Pressing aus der heimischen Liga nicht gewohnt und es fehlten die Mittel, sich aus diesem Druck zu befreien. Und immer dann, wenn sie sich doch einmal in die Hälfte der Eintracht kombinieren konnten, war da einer mit dem Adler auf der Brust, der sich reinwarf, der grätschte, der rannte und den Ball zurückeroberte.

Ante Rebic als offensiver Schlüsselspieler
Rebic, der ohnehin immer mit seiner Wucht für eine enorme Belebung in der Offensive sorgt, war ab der ersten Spielminute so richtig „on fire“. Er rannte, grätschte, holte sich die Bälle auch aus dem Mittelfeld und hatte immer eine Idee, wie man das portugiesische Bollwerk überlisten könnte. Auch wenn nicht alle seine Mitspieler seine Ideen teilten, war er von Beginn an, der entscheidende Faktor in vorderster Front der Adlerträger. Wenig verwunderlich, dass er beide Treffer der Eintracht mit einleitete. Erst hatten die Frankfurter das nötige Glück beim Abseitstreffer von Filip Kostic und später war es dann ausgerechnet Sebastian Rode, der mit seinen Kräften längst am Ende war, der gefühlvoll und mustergültig einschob. Ein Treffer direkt ins Glück und das Stadion bebte. Umso schlimmer, dass ausgerechnet der Kroate durch seine gelbe Karte für das Halbfinal-Hinspiel gesperrt sein wird. Benfica warf daraufhin noch einmal alles in die Waagschale, wechselte so offensiv es nur ging und übte in den letzten Minuten noch einmal gehörig Druck aus. Die Spieler, die längst über ihre körperlichen Grenzen gegangen waren, schmissen sich mit allem was sie hatten in die Zweikämpfe. Exemplarisch Rode, der sich überhaupt nicht mehr auf den Beinen halten konnte und einfach mit seinem gesamten Körper in den Gegenspieler geflogen kam. Hinten im eigenen Sechszehner entwickelte sich eine richtige Schlacht, in der alle gemeinsam kämpften und die Bälle wegschossen, sobald sie irgendwie an den Ball kamen. Vorne der eingewechselte Pacienca, der den Ball clever hielt und so wichtige Sekunden von der Uhr nahm. Es sollte am Ende reichen und die Hessen stehen somit nach 39 Jahren erstmals wieder in einem europäischen Halbfinale. Gemeinsam mit Clubs wie Valencia, Arsenal London und dem kommenden Gegner Chelsea London ist die SGE nun unter den letzten vier Mannschaften in der Europa-League. Die Reise geht weiter und sie führt an die berühmte Stamford Bridge. Eintracht Frankfurt an der Stamford Bridge – Chelsea London zu Gast im Waldstadion. Das ist kein Aprilscherz, das ist die Realität im Jahr 2019. Stolz, Begeisterung in ganz Fußballdeutschland und das Gefühl, dass die Reise auch gegen London noch lange nicht zu Ende sein muss. Trotzdem heißt es nun erst einmal abhaken, diese Momente tief im Herzen speichern und volle Konzentration auf das Auswärtsspiel in Wolfsburg. Die Frankfurter haben Blut geleckt, denn ihre Europa-League-Saison gleicht eher einer Champions-League-Reise bei all den klangvollen Namen und genau diese Champions-League möchten die Hessen über die Liga noch erreichen.

- Werbung -

19 Kommentare

  1. Ihr habt es geschafft dass einem die Superlativen ausgehen. Ich kann mir die 90 Minuten in Dauerschleife ansehen, einfach ein absoluter Wahnsinn. Maerchenhaft, eine Freude, unbeschreiblich. DANKE DANKE DANKE – ihr seid die Wieder- und Neugeburt der Lieblingsmannschaft in einem. Ich verehre seid so vielen Jahren eine wahnsinns Mannschaft, die 82er von Italien. Sie ist und war fuer mich ein Pseudonym an Koennen, Leidenschaft, Willensstaerke, Zusammenhalt, Glaube, Klasse, aus einem Stoff aus dem man die tollsten Dokumentare, Filme jederzeit ableiten konnte. Ihr, diese SGE hat das. Ihr habt fuer mich diesen Stellenwert mit all eurer Einstellung gnadenlos erreicht! Ihr habt fuer mich etwas unvergessliches auf die Beine gestellt. Alle, von Adi ueber Fredi bis zu Simon, Ante und wieder zurueck! Restate calmi giochiamo per voi, und wir, der 12. fuer Euch <3 GRAZIE GRAZIE GRAZIE

  2. Einfach traumhaft, die ganze Mannschaft mit dem Publikum war beeindruckend.
    Ich konnte gar nicht einschlafen gestern Abend bzw. heute Morgen. Die angenehmste Überraschung war Falett, was der aus dem Stand gebracht hat, war toll.
    Von meinem Platz aus konnte ich das abseits nicht erkennen, habe es erst später gesehen, das war das Glück der tüchtigen. Denn auch da hatten wir im Hinspiel ja Pech, so gleicht sich alles aus.
    Jetzt gilt es die Wölfe zu schlagen, d. h. Erholt euch alle gut und weiter geht’s

  3. Und für Montag hat die Mannschaft jetzt schon meine Absolution, es wäre unmenschlich bei einer gerade im Aufwind und ihre Chance witternde Mannschaft zu bestehen. Hätten wir ein B-Elf (!! 😉 ) würde ich diese spielen lassen. Riesiger Fehler von Bobic bei der Kaderplanung, wir haben keine Jungs die in eine B-Elf gehören! 🙂

  4. Was ein Wahnsinn gestern. Der Sieg geht auch an an die Fans gestern. Unglaublich wie ihr alle die Eintracht nach vorne gepusht habt.

  5. Wir singen Eintracht, Frankfurt
    Europapokal
    Oh ist es schön,
    Euch dort Siegen zu sehn.

    Würde die Flipper-Melodie gerne mal aus tausend Kehlen hören. Wäre Gänsehaut pur.

  6. Toller Artikel, der genau Spiel, Stimmung und Zusammenhalt der Mannschaft beschreibt. Das Autogehupe vom Gleisdreieck bis zur Innenstadt spricht dafür, daß ganz Frankfurt feiert.

    Kein Spieler war gestern schlecht. Haben wir in Lissabon noch viele Zweikämpfe verloren, sah gestern das Bild völlig anders aus. Was Kostic und vor allem Rode geboten haben war schon Weltklasse.

    Das Trapp zu Null gespielt hat, ist nicht nur auf die gut zusammespielende Verteidigung und die Strategie/Taktik von Hütter zurückzuführen, sondern auch auf die solide Leistung und das gute Stellungsspiel von Trapp selbst. Und ich bewundere immer wieder, wie 90% seiner Abschläge bei unseren Spielern ankommen.

    Auch die späten Einwechselungen passten. Vor allem hat es mich für Torro gefreut. Man konnte sofort erkennen, dass er wieder den Blick für den Raum hatte und sich immer dorthin bewegte wo kurze Zeit später der Ball hin kam. Wie hat Grantler so schön gesagt: Wir haben keine B-Elf!

    Der Sieg war Dank dieser geschlossenen Mannschaftsleistung und Willensstärke hochverdient. Das erste Tor war zwar Abseits. Aber das ist die ausgleichende Gerechtigkeit für die ungerechte Doppelbestrafung Elfmeter plus rote Karte für NDicka in Lissabon.

    Aufjedenfall geht der Traum für uns weiter. Braucht man schon Visa für London?-)

  7. Junge junge was ein Ding
    EUROPAPOKAL-HALBFINALE

    Und das mit der meiner und unserer SGE

    Unfassbar das man auf den pokalsieg letztes Jahr noch einen drauf setzen könnte.

    Da es ja nur 2000 Karten für in London gibt, wie wäre es mit einem Public viewing auf einer extra Leinwand im Waldstadion?

  8. Was ich gestern auch noch sehr erwähnenswert fand, ist, dass wir quasi nicht auf Zeit gespielt haben (ganz anders als in der Relegation gegen Nürnberg vor weniger als drei Jahren (!)). Beispiel Falette: Hat einen Krampf, muss ausgewechselt werden (= echte Schwierigkeiten, nicht gespielte) und humpelt nicht quer über das ganze Feld zur Mittellinie, sondern nur schnell ins Toraus. Das fand ich vorbildlich!

  9. Ja diese unsere Mannschaft ist ein wahrer Segen für uns alle… Was sie uns für eine enorme Strahlkraft verliehen hat ist nicht in Worte zu fassen!!!!!!! Wir sind wieder wer… Ich sehe überall Adler, Embleme und unsere Farben. Es macht mich so unendlich stolz was sie leisten Woche für Woche…. Eine Mannschaft im wahrsten Sinne des Wortes! Sie holen uns ab und erfüllen uns mit Glückseligkeit. Sitze grad auf meiner Terrasse und hab schon wieder Pipi in die Augen…. Forza SGE

  10. Ob Rom, Mailand oder London… 🙂

    Es erfüllt einen mit Stolz Fan von Eintracht Frankfurt zu sein! Was diese Mannschaft einen Willen an den Tag legt ist schon einzigartig, fantastisch, phänomenal, halt eben alle Superlative die es gibt 🙂 Der gesamte Verein hat sich bombastisch entwickelt. Hut ab!

  11. Leute! Was ist nur geschehen. Diese Mannschaft erobert mit einer Wucht Europa, dass einem der Atem stockt. Für mich ist das alles noch nicht greifbar, auf einmal gewinnen wir einen Titel und jahrelanges Gegurke mutiert zu einer goldenen Seifenblase, die wächst und wächst und einfach nicht platzt. Es gibt keine Worte, die das Bisherige beschreiben könnten. Nicht mal im Ansatz. Wir spielen im Halbfinale gegen Chelsea. Jeder von uns hat seinen Anteil, die Kurve war gestern ein tosender Ozean, der die Benficas niederschmetterte, wie kleine Sandburgen am Strand, die von einer einzigen Welle überrollt werden. Der Torjubel zum 2:0 war eine Mischung aus purer Glückseligkeit, Exstase und Fassungslosigkeit. Was geht hier vor? Mich haben die Emotionen derart übermannt, dass mir die Freudentränen die Wange herunterliefen und ich fast kollabiert wäre. Schade um diejenigen, die sowas nicht fühlen können. Um mich herum konnten es scheinbar alle fühlen, denn die Emotionen in der Kurve waren greifbar. Wir alle haben sie inhaliert und waren doch Teil der pulsierenden Masse. Es war unglaublich. Ich bin euch allen unendlich dankbar. Für einen kurzen Moment stand für mich die Welt still und ich habe einfach nichts mehr gefühlt. Es hätten 100 Grad oder -100 Grad sein können. Ich war eingebettet in Glück, umgeben von anderen in Glück eingebetteten. Ich war dem Tod so nah und doch fühlte ich mich neugeboren. Ich war ein unendlich Vielfaches von dem, was ich gerade dilettantisch versuche in Worte zu fassen. Ich war, mit euch allen zusammen, Eintracht Frankfurt. Der Traum lebt weiter !

  12. @12 schön geschrieben.

    Warum schreiben die sogenannten Eintracht Fans nicht, die immer die Mannschaft kritisieren oder nörgeln?

    Die hört man nur wenn man nicht gewinnt, echt lächerlich

  13. @16 ja hast du :)…bis ja nicht der einzige der nur nörgelt aber heute ist mir alles egal, wir gehören zu Europas top 4 bzw 8 🙂

Keine Kommentare mehr möglich.

- Werbung -