Johannes Flum zu seinen besten Zeiten: Im Europapokal gegen Girondis Bordeaux im Zweikampf mit Diego Rolan.
Johannes Flum zu seinen besten Zeiten: Im Europapokal gegen Girondis Bordeaux im Zweikampf mit Diego Rolan.

Im Interview mit „fcstpauli.tv“ machte Johannes Flum nochmal deutlich, dass der Wechselwunsch von ihm ausging, er das Gespräch mit Niko Kovac gesucht und die Chancen bei der Eintracht auf Einsätze zu kommen, zwar als schwer, aber nicht als unmöglich angesehen habe. Er habe aber nach seiner langen Verletzungspause unbedingt wieder Fußball spielen wollen. Nach dreieinhalb Jahren, 38 Bundesligaspielen, zehn Europapokalpartien und sechs Auftritten im DFB-Pokal ist es nun Zeit eine Bilanz zu ziehen und ein paar offene Fragen zu thematisieren.

Vom Europapokal zum Dauerreservisten

Fast exakt zwei Jahre ist es her, als Johannes Flum von der „Frankfurter Rundschau“ nach seiner Befindlichkeit befragt wurde. Er, der in der Vorsaison, seiner Premierensaison für die Eintracht, 2013/14 noch „Vielspieler“ unter Trainer Armin Veh war und als Neuzugang 26 Partien in der Bundesliga bestritt (drei Tore, zwei Vorlagen) und trotz starker Konkurrenz im Mittelfeld sogar zehnmal im Europapokal auflief, sah einfach kein Land mehr. Zu Beginn der Saison noch mit den Folgen einer schweren Schulterverletzung kämpfend, sollten sich seine Einsatzzeiten auch in fittem Zustand nicht mehr erhöhen. Und das, obwohl er sich viel ausgerechnet hatte nach den Abgängen von Kapitän Pirmin Schwegler und Mittelfeldmotor Sebastian Rode. Flum wollte mehr Verantwortung übernehmen und das Mittelfeld der Eintracht prägen. Er hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen, all seine Trainer haben immer seinen tadellosen Charakter betont. Und dennoch sollte er in besagter Saison insgesamt nur auf 157 Minuten Spielzeit kommen, verteilt auf wettbewerbsübergreifend acht Spiele. Das sind effektiv nicht mal zwei Fußballspiele. Aber auch dort zeigte er Charakter, ließ sich nicht hängen und kam zum Endspurt der Saison nochmal auf drei Einwechslungen in den letzten drei Spielen. Ein Fingerzeig für die nächste Saison? Mitnichten. In den ersten drei Spielen reichte es nicht mal für einen Kaderplatz und dennoch war er dann Bestandteil eines grandiosen 6:2 Sieges gegen den 1. FC Köln am 12. September 2015. Das Comeback von Alex Meier stand an diesem Abend über allem, aber auch er hatte mit einer Vorlage nach seiner späten Einwechslung Anteil am Ergebnis. Aber das Auf und Ab ging weiter. Auch wenn es in dieser Zeit immer noch zu einem Kaderplatz reichte, waren seine Einsatzzeiten immer gering. Es folgte der 17. Oktober 2015. Die Eintracht verlor zu Hause mit 1:5 gegen die Borussia aus Mönchengladbach. Johannes Flum spielte 90 Minuten. Ein letztes Mal. Eine Woche später in Hannover spielte er dann überhaupt das letzte Mal für die Eintracht.

"Flumi" in seinem letzten Spiel von Beginn an für die Eintracht am 17. Oktober 2015. Hier im Zweikampf gegen Gladbachs Lars Stindl (r.).
„Flumi“ in seinem letzten Spiel von Beginn an für die Eintracht am 17. Oktober 2015. Hier im Zweikampf gegen Gladbachs Lars Stindl (r.).

Bilder, die durch ganz Deutschland gingen

Was folgte war der 1. Dezember 2015 und Bilder, die nicht nur die Eintrachtfans niemals vergessen werden, sondern viele Fußballfans bundesweit. Carlos Zambrano beugt sich über den am Boden liegenden „Flumi“, der vor Schmerzen schreit. Die Ärzte stellen kurze Zeit später einen Bruch der Kniescheibe fest, die auf den Bildern selbst jedoch kaum noch zu sehen ist. Eine Diagnose, die kaum eine verlässliche Prognose zulässt, ob der Profifußball an diesem Tag jäh ein Ende gefunden hat für den gebürtigen Schwarzwälder. Doch wie seine ganze Zeit bei der SGE von Auf und Abs geprägt war, so kämpft sich der mittlerweile 29-jährige auch diesmal zurück. Er hat sich nie aufgegeben. Und nie einen Hehl daraus gemacht, wie wohl er sich in Frankfurt fühlt. In seiner Zeit bei der Eintracht heiratete er im Sommer 2015 seine langjährige Freundin Leonie, die im Frankfurter Rehazentrum „ProReha“ als Physiotherapeutin arbeitet und dort regelmäßig verletzten Eintrachtspielern wieder auf die Beine hilft. Auch sein Bruder zog zum Studium nach Darmstadt. „Flumi“ machte es sich heimisch. Er genoss das Frankfurter Flair, ist keiner von denen gewesen, die sich in schicken Nobelvierteln in und außerhalb Frankfurts niedergelassen haben. Er lebte lieber in der Nähe der Berger Straße, gab sich nie distanziert und ist immer am Boden geblieben.

Fehlende Qualität oder einfach „Methode“?

Flum hat sich nie unterkriegen lassen, ist immer wieder aufgestanden und hat sich zurückgekämpft. Ein letztes Mal sollte es nicht gelingen. In der letzten Sommervorbereitung wurde er noch in einigen Testspielen eingesetzt, Kovac zeigte sich aber während der Saison weiterhin nicht zufrieden mit dem Fitness- und Gesundheitszustands „Flumis“ und gewährte ihm keinen Kaderplatz, obwohl dieser immer wieder betont hatte, wieviel ihm dies bedeuten würde und wie sehr er darauf hinarbeite. Selbst die dünne Personaldecke zum Ende der Hinrunde konnte den Trainer zu keinem Umdenken bewegen. Er setzte lieber auf Youngsters wie den 18jährigen Aymen Barkok und den 17jährigen Miguel Blanco-Lopez oder auch den 18jährigen Furkan Zorba, die alle aus der eigenen U19 der Eintracht stammen. Doch warum? Flum ist ein erfahrener Bundesligaspieler, der lange an seinem Comeback gearbeitet hat. Eine verlässliche Sache müsste man meinen in Zeiten, in denen einer der sowieso rar gesäten zentralen Mittelfeldspieler der SGE wegbricht durch Verletzung oder Sperre. Kovac sah dies anders. Er sah einen größeren Mehrwert darin, Blanco-Lopez auf die Bank zu setzen und die Einsätze von Barkok mag wohl sowieso niemand kritisieren. Doch wie macht sich dieser größere Mehrwert bemerkbar? Flums Vertrag wäre im Sommer wohl kaum verlängert worden. In der Rückrunde stehen die Comebacks von Marco Russ und Marc Stendera auf der Agenda. Eine Weiterbeschäftigung Flums über den Winter hinaus wäre also alleine von der Quantität des Kaders mehr als fragwürdig gewesen. Abgesehen davon ist dieser ja schon seit geraumer Zeit wieder gesund, was bedeutet, dass sein Gehalt nicht mehr von der Berufsgenossenschaft gezahlt wird, sondern von der Eintracht. Man kann aber davon ausgehen, dass Flum nach seinem Wechsel von Freiburg nach Frankfurt sicher auch finanziell aufgestiegen ist und ein entsprechendes Salär erhalten hat. Ein Gehalt, das für einen Bank- oder Tribünenspieler, auch für die Eintracht nur schwer zu vertreten ist. Die Gehälter der genannten U19-Spieler, ebenso wie das des für das zentrale Mittelfeld verpflichtete Max Besuschkow, sind sicher deutlich geringer und darüber hinaus können die U19-Spieler bei einer erfolgreichen Rückkehr Marc Stenderas auch noch bis zum Sommer weiter Spielpraxis in der U19-Bundesliga sammeln. Auch die Nominierung von U17-Kapitän Sahverdi Cetin für das Wintertrainingslager, der ebenso im zentralen Mittelfeld beheimatet ist, kann als klarer Fingerzeig gedeutet werden. Im Nachhinein ist es also ein kluger Schachzug Kovacs den deutlich jüngeren Blanco-Lopez durch den Bundesligageruch Appetit auf mehr davon zu machen, oder gar einen Aymen Barkok ins kalte Wasser zu werfen, der das Vertrauen mehr als gerechtfertigt hat. Rein menschlich gesehen tut es einem für einen verdienten und charakterlich einwandfreien Spieler wie Flum leid.

Zwei Kumpels beim gemeinsamen Trainingsauftakt im neuen Verein: Johannes Flum (l.) und Jan Rosenthal. Im Hintergrund: Constant Djakpa
Zwei Kumpels beim gemeinsamen Trainingsauftakt im neuen Verein: Johannes Flum (l.) und Jan Rosenthal. Im Hintergrund: Constant Djakpa

Die Zeit bei der Eintracht sollte der nächste Karriereschritt für ihn werden. Bundesliga mit seinem Kumpel Jan „Rosi“ Rosenthal. Gemeinsam wechselten die beiden im Sommer 2013 nach Frankfurt. Aus dem besinnlichen Freiburg rein in die Weltstadt Frankfurt. Sein guter Freund strich schon früher die Segel. Er sah kein Land unter Armin Veh und auch nicht unter dessen Nachfolger und Vorgänger Thomas Schaaf und wechselte nach Darmstadt. Auch Flum strich nun die Segel und wagte den „Rückschritt“ in die zweite Bundesliga. Zu einem Abstiegskanditaten. Was zeigt, worum es dem gebildeten Abiturienten, der nach seinem Abitur auch ein Fernstudium für Sportmanagement begonnen hat, geht: Er will einfach wieder seinem Traumberuf nachgehen und Fußball spielen. Die Zeit in der Reha war lange und schmerzhaft genug, jetzt aber wieder fit zu sein und dennoch nicht spielen zu können, nagt an ihm. Deshalb der allzu verständliche Schritt.
Das Team von SGE4EVER wünscht „Flumi“ alles Gute in Hamburg!

Autor Benny Heinrich

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2 Kommentare

  1. GrabbiGrabbi Flum hat eine schwere Verletzung überwunden und kann wieder Fußball spielen. Da er ein intelligenter Bursche ist und seine Leistung gut genug einschätzen kann, hat er eine kluge Entscheidung getroffen und die Eintracht hat ihn dabei unterstützt. Beide Seiten können sich glücklich schätzen.

  2. War doch zu erwarten dass es so kommt. Hätte er sich nicht verletzt, hätte man sich im Sommer getrennt, so nimmt man ihn/er sich halt durch den Wechsel von der Gehaltsliste. Zweite Liga ist OK für ihn – für mehr reichts halt nicht sonst hätten zumindest schon die Freiburger zugeschlagen, wo er ja ne ganz gute und erfolgreiche Zeit hatte. Alles Gute Flumi, bleib verletzungsfrei und viel Erfolg im hohen Norden!

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