Viermal durften die „Adler All Stars“ jubeln und mussten sich am Ende doch geschlagen geben. Hier: Kevin-Prince Boateng, Maurizio Gaudino, Uwe Bein, Christoph Preuß und Ioannis Amanatidis. (Foto: imago/Jan Hübner)

Rund 20.000 Zuschauer sahen am Samstagnachmittag beim „Game of Champions“ in der Commerzbankarena ein wahres Torspektakel. Die „Adler All Stars“ mussten sich dabei am Ende den „Ronaldinho&friends“ knapp mit 4:5 geschlagen geben. Der ehemalige Weltstar trug dabei am Ende selbst sogar das Trikot der Eintracht. Einige Versprechen blieben bei dem zum Teil ins Kuriose gedriftete Benefizspiel hingegen uneingelöst. Eine Mischung aus Spielbericht und Kommentar.

Viele Legenden bleiben fern – Unbekannte dürfen ran

Anthony Yeboah gemeinsam mit Uwe Bein und Jay-Jay Okocha noch einmal auf dem Rasen sehen? Viele Eintracht-Anhänger ließen sich von der Vorstellung in den Frankfurter Stadtwald locken. Und mussten am Ende zum Teil in die Röhre schauen. Denn von den beiden afrikanischen Ex-Eintracht-Stars war wie vom angekündigten Eintracht-Trainer Dragoslav Stepanovic weit und breit keine Spur. Bum-Kun Cha sprang spontan ein, begleitete seinen Sohnemann Du-Ri und saß während des Spiels auf der Bank. Aber auch auf der Gegenseite waren (ehemalige) Fußballgrößen wie Roberto Carlos, Andres Iniesta, Robinho und auch Lukas Podolski angekündigt worden. Dort mussten die Zuschauer aber unter anderem mit Youssef Mokhtari vorlieb nehmen, der gerade einmal 20 Bundesligaspiele vorzuweisen hat und nie international gespielt hat. Dass er Ronaldinho vor dem Spiel bereits persönlich gekannt hat, darf zumindest bezweifelt werden. Am Ende mussten die Manager wohl stark improvisieren. Im zweiten Durchgang betraten gar zwei Spieler den Platz, die völlig unbekannt waren und nicht mal das Shirt des restlichen Mannschaft trugen.

Zafer Yelen im Trikot der SGE – Ronaldinho ignoriert Edins Gesangseinlage

Auf der Gegenseite durfte sich in Halbzeit Zwei dann ein gewisser Zafer Yelen das Trikot der Eintracht überstreifen. Zafer wer? Yelen! Seinerseits fünf Jahre Spieler des FSV Frankfurt. Aber hat der auch mal für die Eintracht gespielt? Nö. Der Türke griff sich in der Halbzeit einfach das Trikot von Kevin-Prince Boateng und löste das Problem, das für ihn kein Jersey in der Kabine hing, mit Kreppband. „Geht nicht, gibt’s nicht“ sollte das Motto an diesem Nachmittag lauten. Das dachte sich auch der Frankfurter Sänger Edin (zugegeben, auch den muss man nicht kennen), der im zweiten Durchgang mitten im Spielgeschehen versuchte Ronaldinho mit einer Gesangseinlage einen zweiten Ball zuzuspielen. Der Brasilianer allerdings ging darauf gar nicht ein, was am Ende vor allem für den Sänger ziemlich peinlich wurde. Das hatte vor Spielbeginn bei der Gesangseinlage von Roy Hammer deutlich besser geklappt.

Tore satt in der Commerzbank-Arena – Ronaldinho spielt für die Eintracht

Kevin-Prince Boateng mit einer blitzsauberen Grätsche gegen Kumpel Ronaldinho. (Foto: imago/Jan Hübbner)

Alles andere als peinlich sollte aber das Spielgeschehen an sich sein. Die Legenden-Elf der Hessen, die trotz der fehlenden Spieler gut bestückt war, geriet aber vor allem im ersten Durchgang an ihre Grenzen und musste Weltstar Ronaldinho zum 5:1-Pausenstand das eine ums andere Mal gewähren lassen. Der 38-Jährige selbst traf ebenso wie Rafael van der Vaart, Ailton, Kevin Kuranyi und Youssef Mokhtari. Der allerdings hätte eigentlich gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen, hatte Kevin-Prince Boateng in der ersten Halbzeit bereits die Rote Karte des ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichters geklaut und den ehemaligen Kölner vermeintlich vom Platz gestellt. Damit hatte der Wahl-Italiener die Lacher auf seiner Seite. Ein Torerfolg hingegen gelang Boateng nicht. Einzig Uwe Bein konnte sich in Durchgang eins in die Frankfurter Torschützenliste eintragen. Nach der Pause allerdings, die von einer tänzerischen Darbietung begleitet wurde, kamen die „Adler All Stars“ nochmal ran. Ioannis Amanatidis traf zunächst und anschließend unterstütze Ronaldinho die Adlerträge beim Unterfangen doch noch zum Ausgleich zu kommen. Einen Abpraller des ehemaligen Barcelona-Spielers nutzte Patrick Ochs zum Anschluss und Benny Köhler traf gar noch zum 4:5. Das allerdings sollte der Endstand bleiben, denn ohne Ronaldinho gelang den „Friends“ gegen den 62-Jährigen Jürgen Pahl im Kasten der Eintracht, der mit seinem Auftritt wohl den größten Respekt verdient, kein Treffer mehr.

Ronaldinho alles andere als fannah – ein gewisser Geschmack bleibt

Am Ende des Abends stand ein etwas kurioses Spektakel, das nicht ganz professionell durchgeführt wurde, aber schön anzuschauen war. Der Erlös soll unter andem der Kinderhilfsaktion „RTL – Wir helfen Kindern“ zu Gute kommen. Dass nebendran das Logo eines Wettanbieters prankt, dem Hauptsponsor des „Game of Champions“, kann man sicher auch als nicht allzu glücklich bewerten. Zu bedenken gibt es in jedem Fall, dass der Initatior des Ganzen – nämllich Ronaldinho- der sich damit für Kinder in Not einsetzen möchte, selbst nach dem Abpfiff keine Zeit hatte, um sich vor allem dem jungen Publikum zu widmen. Autogramm- und Selfiewünsche lehnte der zweimalige Weltfußballer, der Medienberichten nach pleite sein soll und dessen Anreise zum Spiel nach Frankfurt bis vor kurzem aufgrund eines fehlenden Reisepasses noch unklar war, rigoros ab. Das im übrigen änderte sich auch am späten Abend nicht, als es mit den Spielern und ingesamt 350 geladenen Gästen, unter anderem auch Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch, in die „Kameha Suite“ ging. Dort suchten sich Ronaldinho und seine engsten Freunde (u.a. Kevin Kuranyi und Dida) einen privaten Raum, während Autogrammjäger auch dort leer ausgingen. Andere hingegen, wie Benny Köhler, Chris und auch Markus Pröll mischten sich ebenso gemütlich unters Volk wie Ex-Wolfsburg-Spieler Cristian Zaccardo. Fannah und bodenständig eben. Das konnten an diesem Tag leider nicht alle von sich behaupten.

Autor Benny Heinrich

Benny HeinrichBenjamin Heinrich (28), ein "echter Frankfurter Bub", der seit 2003 eine Dauerkarte für die Nordwestkurve besitzt, ist seit Ende 2016 bei SGE4EVER.de und ist nicht zuletzt auf Grund seines Germanistikstudiums ein echter Allrounder. Ob kritische Kommentare, kompakte Zusammenfassungen oder als Reporter vor Ort. Durch seine Tätigkeit als Funktionär im Frankfurter Amateurfußball hat er darüber hinaus tiefen Einblick in die Materie.

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11 Kommentare

  1. Demnach darf ich mich darüber freuen dieser „Gaudi“ (?) nicht beigewohnt zu haben.

  2. Schade, es haben zwar ein paar gefehlt, aber viele coole Namen waren doch dabei. Würde mich mal interessieren, wie die eingesetzten Spieler das im Nachgang beurteilen und ob sie die Organisatoren dann demnächst meiden. Sponsoren: Naja, kommt halt drauf an, ob die auch für den guten Zweck zahlen. Wenn sich dadurch die Summe, die in die guten Projekte (hoffentlich) fließt, erhöht umso besser.

  3. Das Format ist doch völlig falsch. Es sollte ein toller Flair entstehen, aber bei 4 Grad ist das schwer.
    Ich hätte ein Hallenturnier gefeiert – wie damals Joga Bonito – das wäre geil gewesen.

    OT: Haris mit einem 3er Pack gegen Belgien – freut mich für ihn!

  4. Amanatidis ist ja kaum wieder zu erkennen mit dem Kurzhaarschnitt. Neben den erwähnten Kuriositäten aber auch wirklich ein seltsamer Zeitpunkt für so eine Veranstaltung.

  5. Ach, uns Uwe noch mal live … weiß jemand, ob der in der Traditionsmannschaft spielt?

  6. Viele Altstars sind so abgebrannt, die machen für ein warmes Essen doch normal ganz andere Dinge. Vielleicht hätte man mit denen auffüllen können, die schon in irgendwelchen TV-Shows Ihre Würde haben liegen lassen. Legat, Basler, Hässler. Vielleicht hätte sich auch Bobic nochmals ein Trikot überziehen können um mit Kuranyi zumindest 2/3 des magischen Dreiecks zu bilden. Sei es drum – ich hoffe, die Zuschauer wurden nicht zu sehr ausgebeutet. Ein paar Legenden waren ja immerhin am Start und jeder Cent, der am Ende der guten Sache zugeht ist es ja schon irgendwie wert.

  7. Von einem angekündigten Star weiß ich dass er seit 2 Wochen im Urlaub ist, hätte mich gewundert wenn er dafür extra eingeflogen wäre. Ansonsten war ein Kumpel da und er berichtete, dass zunächst ein Zuschauer völlig ungehindert zu Ronaldinho ging um ein Selfie zu machen. Er musste nicht mal „flitzen“, weil es keinen Ordner interessierte. Davon inspiriert seien ca. 50 weitere Zuschauer zu ihm gestürmt. Ein totales Chaos. Im Nachgang hatte er dann vielleicht genug von der „Fannähe“.

    Gruß SCOPE

  8. OT ( oder auch nicht ):
    Größter aller Pleitiers bei den Ex-Fussballern ist unbestritten George Best: „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.“

  9. @7
    Das kann ich bestätigen. Allerdings ist der Organisator in dem Fall dafür verantwortlich, welche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Und die waren am Samstag tatsächlich unterirdisch. Der einzige Polizist im ganzen Stadion war gefühlt der Sicherheitssprecher. Organisatorisch war es in vielerlei Hinsicht ausbaufähig.

  10. das ist tatsächlich eine absolute Amateur Veranstaltung gewesen, mit vielen „FANS“ die nicht oft ins Stadion gehen zumindest nicht zu unserer Eintracht das hat man stark gemerkt. Ich bin da auch nur einem Freund zuliebe mit ins Waldstadion und musste 35 € bezahlen (absolute Frechheit diese Preise). Man stellt eine Veranstaltung auf die Beine und das Geld soll für sozial Schwache in der Welt sein und selbst können sich Familien in Deutschland mit 3 Kinder und zwei Erwachsenen (Beispiel) die selbst nicht viel Geld haben (davon gibt es genug), so eine Veranstaltung gar nicht leisten (pfui Teufel).

  11. Ich war am Samstag auch dabei und hier mein kurzer Bericht:
    Ich bin seit Anfang der 90er Eintracht-Fan. Das war die Zeit mit Gaudino, Yeboah, Okocha, Bein, … Mein erstes Trikot schmückt folgerichtig die 10 mit dem Namen Okocha. Die Jahre danach wurde es bei mir in der Familie Tradition, dass ich als Kind (jeweils kurz nach Saisonbeginn) zum Geburtstag das neue Trikot bekam. Mittlerweile habe ich eine recht stolze Sammlung mit Trikots von (teilweise persönlichen) Legenden (bspw. Weber, Preuß, Köhler, Amanatidis, Prince, Rebic oder AM14FG), Rohrkrepierern (Franciel Rodrigo Hengemühle oder Nico Frommer), hoffnungsvollen Talenten (Vallejo, Kittel) oder auch NADW. Und das alles, obwohl ich nicht mal ansatzweise aus der Nähe von Frankfurt komme.
    Als ich von dem Spiel las, war für mich klar, dass ich dafür nach Frankfurt fahren würde. Den Gedanken, die Spieler, die Schuld an meinem wöchentlichen Leiden meiner Jugend waren, noch einmal live spielen zu sehen, faszinierte mich. Ich hatte noch einen 5 Jahre alten Gutschein meiner Frau für eine Unternehmung, die ich mir aussuchen durfte und bin somit voller Vorfreude am Samstag morgen von Lüneburg aus nach Frankfurt aufgebrochen. Nachts hatte ich nochmal geschaut, auf wen ich mich freuen darf und es standen noch immer Okocha und Yeboah in der Liste.
    Im Rucksack hatte ich diverse Trikots mit dem Gedanken, sie von den entsprechenden Spielern signieren zu lassen. Tatsächlich sah es nach dem Spiel aber so aus, dass unsere Adler so schnell verschwunden waren, dass ich sie nicht mal wirklich hab gehen sehn. Einzig Zampach und Ochs kamen noch einmal heraus. Das hat mich wirklich sehr enttäuscht! Was ein wenig versöhnt hat, war das Zampe ca. 1 Stunde nach Spielende noch ein zweites Mal heraus kam, um einem jungen Fan sein Trikot zu schenken. Von uns „Älteren“ nahm er dann ca. 10 Trikots/T-Shirts mit in die Kabine, um dort Autogramme für uns zu besorgen.
    Das Ergebnis des Wochenendes ist, dass ich pro Strecke knapp 6 Stunden unterwegs war und jetzt ein Trikot daheim habe, auf dem diverse Unterschriften sind, von denen ich nur „Cha-Bum“ entziffern kann (mit ein wenig viel Fantasie auch „Prince“..). Schade!

    P.s.: 2-3 Stunden nach dem Spiel war auf der Seite nicht mehr die Rede von Okocha und Yeboah. Immerhin wurde Zafer Yelen auch nicht erwähnt. Im Nachhinein erklärt sich mir jetzt auch, warum die Auswechslungen nicht angesagt wurden.

    2. P.s.: Dass Ronaldinho bei solch idiotischen Fans nicht mehr herauskam, kann ich sogar nachvollziehen. Sie waren m.E. zwar auf dem Feld friedlich, Distanz und Respekt gegenüber den (Ex-)Profis haben sie aber in keinster Weise gezeigt.

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