Eintracht-Torwart Kevin Trapp und Verteidiger Tuta waren Garanten für den Sieg in München. (Bild: IMAGO / Jan Huebner)

Die Eintracht hat völlig überraschend beim FC Bayern München gewonnen. Mit einem 2:1 (1:1)-Sieg trat die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner am Sonntag die Heimreise nach Frankfurt an. Es war nicht nur der erste Auswärtssieg beim FCB seit 21 Jahren, sondern auch der erste Dreier der aktuellen Bundesliga-Saison. Dabei hatte das Spiel in der Münchner Arena viele kleine Geschichten geschrieben. 

Da war nicht nur der Siegtreffer von Filip Kostic, den der Serbe in der 83. Minute erzielte, nachdem sich Djibril Sow bei einem Konter einen zweiten Ball erkämpfte und geistesgegenwärtig mit der nächsten Berührung auf Kostic weiterleitete. „Auf diesen Konter haben wir gelautert“, so Glasner, der sich mit der Mannschaft vor dem Spiel zugetraut hatte, in solche Situationen zu kommen. Kostic vollendete schließlich in seiner ihm eigenen Manier eiskalt per strammen Linksschuss aus spitzem Winkel, der diesmal flach ins lange Eck einschlug und sorgte somit für ein Happy End. Doch auch seine Mitspieler sollten entscheidenden Anteil am Sieg haben. Neben der Geschichte um den Flügelflitzer auf Links war da somit auch die um Verteidiger Martin Hinteregger, der seinen Abspielfehler, der zur 1:0-Führung der Bayern durch Leon Goretzka (29. Minute) führte, quasi postwendend in der 32. Minute wieder gut machte und nach einer Ecke zum 1:1-Ausgleich köpfte. Auch hier hatte übrigens Kostic, der den Eckball gefährlich vors Tor gebracht hatte, seine Füße im Spiel. 

Natürlich hatte das Drama an der Isar wie jede gute Geschichte ihre Tiefpunkte. Es waren gerade die Fehler im Spielaufbau wie beim Gegentreffer, die Glasner trotz der Freude über den unerwarteten Sieg nervten. Die Bayern konnten sich über die gesamten 90 Minuten zahlreiche gefährliche Möglichkeiten erspielen und Dauerdruck auf die Adler ausüben. „Die Struktur der Chancen waren alle gleich“, mäkelte Glasner. Eine Schwäche, die sich schon durch die gesamte Saison zieht, womit sich die Mannschaft nicht nur in der Defensive in Schwierigkeiten bringt, sondern auch immer wieder aussichtsreiche Situationen in der Offensive zunichte macht. „Wir haben noch viel zu tun im Ausspielen unserer Situationen. Wir hätten noch öfter auf Manuel Neuer zulaufen können. Aber da waren wir zu unpräzise“, bemängelte der Trainer wie schon so oft in dieser Spielzeit. 

Defensive als Prunkstück – Trapp und Tuta „fantastisch“

Nichtsdestotrotz legte die Eintracht eine überragende Mannschaftsleistung an den Tag. „Ich kann mich nur bedanken für den Spirit in der Mannschaft, insbesondere in der Defensive“, lobte Glasner das Verhalten in der Abwehr, wo die nächsten Geschichten des Spiels geschrieben wurden. „Wir wollten hoch pressen und die Bayern locken. Deswegen haben wir mit zwei Außenverteidigern gespielt, um die Flügel zu kontrollieren“, erklärte er das Vorgehen. Trotzdem spielten sich die Bayern immer wieder gefährliche Chancen heraus, die gegen diese individuelle Klasse natürlich nicht vermeidbar sind. Umso besser, dass die Eintracht einen gut aufgelegten Kevin Trapp im Kasten hatte, der immer wieder ein Körperteil dazwischen bekam und den Sieg bis zum Schluss festhielt. Somit wurde Trapp so etwas wie der Hauptheld der Story. Von Anfang an vereitelte er Chance um Chance der Bayern und hielt seine Kollegen im Spiel. „Wir brauchten eine gute Mannschaftsleistung und einen überragenden Torwart“, wusste der Trainer und fügte an: „Den hatten wir mit Kevin Trapp“, der „fantastisch“ gewesen sei.

Neben Trapp überzeugten auch Tuta und Stefan Ilsanker im wenig eingespielten Defensivverbund der Hessen. Beide hatten vor der Partie nicht gerade die meiste Spielpraxis aufzuweisen. Zudem habe die Mannschaft nach dem Ausfall von Makoto Hasebe in dieser Konstellation kein einziges Training durchgeführt, erläuterte Glasner. Beide bekamen nach dem Spiel ob der Leistung also zu Recht ein Lob vom Coach mit auf den Weg und drückten der Geschichte somit ihren Stempel auf. Besonders Tuta hatte dabei mit seiner unaufgeregten und unauffälligen, aber souveränen Art nach wochenlanger Abstinenz überzeugt und wurde so zum heimlichen Helden des Spiels.

Schon in Antwerpen hatte der Verteidiger in den letzten fünf Minuten nach seiner Einwechslung auf sich aufmerksam gemacht. Gegen Bayern war er dann sofort bereit: „Ich habe ihm heute erst beim Spaziergang gesagt, dass er von Beginn an spielt. Er konnte es nicht glauben“, erzählte Glasner, der dem Spieler daraufhin den Druck genommen habe: „Wenn irgendwas nicht klappt, dann ist das meine Schuld, weil ich ihm keine Einsatzzeit gegeben habe in letzter Zeit.“ Er solle so spielen wie immer – was dann ja auch ziemlich gut geklappt hat. „Er hat das fantastisch gemacht. Mich freut es für ihn.“

Nun geht die Eintracht also nach zuvor acht sieglosen Pflichtspielen mit den zwei jüngsten Erfolgserlebnissen „glücklich“ in die zweiwöchige Länderspielpause. Dabei wollte der Trainer besonders den Sieg in München nicht überbewerten. Auch weiß Glasner, die gesamte Lage einzuordnen: „Ich war in der letzten Zeit nicht so weit, dass ich vom Balkon springe. Und jetzt ist es nicht so, dass ich mich 14 Tage durch Frankfurt feiernd auf den Händen tragen lasse.“ So gilt es nun weiterzuarbeiten, auch wenn die Trainingsgruppe in den kommen Einheiten überschaubar sein wird. 13 Spieler werden bei ihren Nationalmannschaften weilen. Für die anderen freut sich der Coach, dass erst mal kein Spiel ansteht. „Die Jungs sind am Anschlag“, betonte der Österreicher. Doch auch der Rest der Mannschaft soll in den kommenden Tagen natürlich nicht die Füße hochlegen, auch wenn es ein paar freie Tage geben wird, in der sich auch der Trainer auf seine Familie freut. Doch um die Geschichte möglichst erfolgreich weiter zu schreiben, versprach Glasner: „Wir genießen den Moment. Aber wir werden uns wieder fokussiert auf Bundesliga und Europa League vorbereiten.“  

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7 Kommentare

  1. Mal sehen ob wir die Viererkette überhaupt noch sehen. Waren jetzt zwei defensiv gute Spiele der Dreierkette und es waren noch nicht mal alle fit. In dem System kommt Hinti auch viel besser zur Geltung, da er noch ne Absicherung hat. Auch Hasebe ist in dem System sehr stark.

    Bisschen zu kurz beim allgemeinen Lob kam für mich Sow, der hat gegen die Bayern extrem viel Lücken gestopft und wenn was ging nach vorne wie beim 1:2 war er meistens beteiligt. Für mich wieder ein starkes Spiel von ihm. Seine Ballsicherheit tut uns gut, die Jungen verlieren manchmal noch zu oft den Ball.

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  2. Im Prinzip wiederholt sich die Geschichte. Mit Hütter hatten wir kein Erfolg, bis er gemerkt hat, dass wir eigentlich keinen Kader für eine 4er Kette haben.

    Jetzt Das selbe Spiel mit Glasner. Mit den AV kannst du keine 4e Kette spielen.

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  3. Für mich ist es ein Fakt, dass sich Glasner gestern in die Frankfurter Geschichtsbücher eingetragen hat.

    Das sollte vorübergehend alle diejenigen verstummen lassen, die Glasner eine Trainerentlassung (teilweise wurde hier bis spätestens zur Winterpause geunkt) prophezeit haben.

    Ein Denkmal entlässt man nicht mal eben so und in Frankfurt geht man mit solchen Maßnahmen ohnehin und mit Recht, sehr sparsam um.

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  4. Glasner hat die Mannschaft einfach top eingestellt und die absolut richtigen Schlüsse gezogen. Ich fand es jetzt keine Überraschung mit defensiver 3er bzw. 5er Kette aufzulaufen aber bei den Ausfällen dachte ich zunächst auch „ohweia“. Touré, Tuta und Ilsanker alle ohne Spielpraxis und alle haben wirklich sehr gut gespielt. Auch Chandler links in der defensiven Position war gut. Wie auch immer, ich denke auch wir werden erstmal mit 3er Kette weiterspielen und wenn wir für Kostic wie gestern auch etwas andere Positionen finden kann auch Lenz links auflaufen. Jedenfalls werden wir sehr viel flexibler, wenn ZB Kostic und Touré/DDC die Außen geben bleiben noch drei Plätze im MV inklusive Kamada und zwei Stürmer. Geile Sache der Sieg, glücklich aber auch verdient. Sowas gibt es nur bei der SGE.

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  5. Es gibt nur eine „Launische Diva“.

    Das sind wir. Punkt.

    Leicht und voll innerem Frieden war das Leben an diesem Tag, von dem es nicht viele gibt im Laufe eines Lebens als Fan.

    Ein Forumskollege hatte geschrieben, er wäre gestern Abend auf einer fußballfreien Einladung gewesen und hätte erst zu Hause die frohe Kunde erhalten. Ich musste schmunzeln, denn das waren wir ebenso – und ich ließ auch nach der Heimkehr von allem, was mich informieren hätte können, die Finger. Ich wollte mit einem 0:5 nicht ins Bett gehen, sagte ich mir. Heute früh habe ich alles erfahren.

    Der Sieg war genauso wichtig wie der in Antwerpen, er war sogar schöner. Psychologisch waren beide „Dreier“ vielleicht die wichtigsten der Saison – aber das wird man sehen. Dass der erste Sieg ausgerechnet in München eingefahren wird – nun ja…Launische Diva eben. Es gibt nur eine (s.o.)

    Zwei Pflichtspielsiege am Stück gegen die Bayern – wer hat das vor uns zuletzt geschafft? Für Ilsanker und Paciencia hat es mich persönlich sehr gefreut letzte Woche. Wir h a b e n die Spieler; wir wissen, was sie können und was sie nicht können. Setzen wir sie entsprechend ein.

    Das waren – etwas unkoordiniert, zugegeben – meine Gedanken.

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  6. Die Benotung der einzelnen Spieler ist für das gestrige Spiel zweitrangig – die Mannschaftsbewertung ist eine glatte eins, denn nur so kann man bei den Bayern in der A-Arena als Gewinner vom Platz gehen. Das Beste ist, kein Bayernfan konnte gestern irgendeiner Fehlentscheidung des Schiedsrichters, des Kölner Kellers oder einer jeglichen Form der Benachteiligung die Schuld an unserem Sieg geben. Unsere Spieler waren die einzige BeEinträchTigung, die zu ihrer Niederlage geführt hat. Symbolisch für die Mannschaftsleistung war in unserer Abwehrarbeit, die teilweise mit einem Lineal gezogene 5er Kette hinter der davor enggestaffelten 4er Kette und einem Borré/Lammers die davor versuchten, die Passwege einzuengen.
    Das waren 3 wichtige Punkte gegen den Abstieg – gegen einen direkten Konkurrenten 🙂
    Und keiner kann den Laserstrahl von links ins lange Eck so vollendet in Perfektion setzen wie unser Str(e)iker auf L.A. – gut, dass wir ihn haben.

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  7. Selbst 1 Tag später bin ich noch immer geflasht von der Mannschaftsleistung !!! Selten eine so aufopferungsvoll kämpfende Truppe gesehn. Allen voran Trappo der gestern gezeigt hat was er drauf hat. Mit so einer quasi neu zusammengestellten 11 musst du erstmal in dem Schlauchboot gewinnen. Respekt auch an OG der anscheinend genau die richtigen Worte und Motivation gefunden hat, und an den richtigen Stellschrauben dreht.

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