Zum Inhalt Zum Hauptmenü

Die Eintracht konnte einen am Ende verdienten Sieg in Wolfsburg bejubeln. Foto: IMAGO / STEINSIEK.CH

Analyse: Eintracht gegen Wolfsburg reif, effizient – und diesmal stabil genug

Eintracht Frankfurt hat beim VfL Wolfsburg einen wichtigen 2:1-Auswärtssieg eingefahren – und dabei eine Entwicklung bestätigt, die sich unter Trainer Albert Riera zunehmend abzeichnet: mehr Stabilität, mehr Kontrolle und vor allem mehr Reife im Spiel – auch, wenn die zweite Halbzeit Warnung sein sollte.

Riera setzte erneut auf die Dreierkette mit Robin Koch, Arthur Theate und Aurèle Amenda – ein System, das sich in den letzten Wochen zunehmend bewährt hat. Die Stärke dieser Grundordnung liegt in ihrer Flexibilität: Bei gegnerischem Ballbesitz zogen sich Nathaniel Brown und Ayoube Amaimouni-Echghouyab zurück und bildeten eine Fünferkette, während im eigenen Ballbesitz Brown erneut ins Zentrum rückte und dort zusätzliche Optionen im Spielaufbau schuf. Amaimouni hingegen agierte klar offensiv auf dem rechten Flügel. Im Zentrum sorgten Oscar Højlund und Hugo Larsson für Balance, davor spielte Farès Chaïbi etwas offensiver. Ganz vorne agierten Arnaud Kalimuendo (links) und Jonathan Burkardt im Zentrum.

Kontrollierter Beginn – und gezielte Nadelstiche

Die Eintracht begann eindeutig auf Sicherheit bedacht. Die defensive Stabilität war klar erkennbar und ist ein Resultat der Arbeit unter Riera. Der einzige echte Schreckmoment entstand durch einen Fehler von Keeper Michael Zetterer, der Wolfsburg-Stürmer Wimmer den Ball quasi servierte. Dass dieser ausrutschte, war großes Glück für die SGE. Offensiv setzte Frankfurt gezielte Nadelstiche – vor allem über die Außen. Ein erstes Ausrufezeichen setzte Kalimuendo, der nach einem guten Angriff über die linke Seite am Wolfsburger Keeper scheiterte. Der Führungstreffer zum 1:0 war dann sinnbildlich für den Frankfurter Ansatz: Überladung auf dem Flügel, sauberes Kombinationsspiel und dann der Pass in den Rückraum. Nach Burkardts Verlagerung auf Amaimouni und dessen Zuspiel hatte Höjlund zu viel Platz und traf aus 18 Metern sehenswert und unter Mithilfe des Innenpfostens. Ein klar herausgespieltes Tor, das zeigte, wie die SGE derzeit zum Erfolg kommen will. Die Flügel scheinen hier der Weg zum Ziel zu sein, dieses Mal endete der Angriff durch einen Distanzschuss.

Effizienz als Schlüssel

Mit der Führung im Rücken übernahm die SGE die Kontrolle. Wolfsburg, zu Beginn noch körperlich präsent, verlor zunehmend den Zugriff. Die Eintracht spielte zwar keinen spektakulären Fußball, aber sie spielte ihren Plan konsequent herunter. Auch das 2:0 fiel aus einer klar einstudierten Situation. Nach einer Freistoß-Variante wurde Burkardt perfekt freigespielt, scheiterte zunächst am Keeper – doch Kalimuendo reagierte am schnellsten und staubte ab. Zwei Tore aus wenigen Chancen – eine Qualität, die der Eintracht lange gefehlt hatte. Zur Pause hätte Wolfsburg noch rankommen müssen, doch erneut blieb ein Zetterer-Fehler unbestraft – auch dank eines aufmerksamen Theate.

Zweite Halbzeit: Rückfall – aber diesmal ohne Zusammenbruch

Nach dem Seitenwechsel zeigte die Eintracht dann ein anderes Gesicht. Ohne personelle Änderungen verlor die Mannschaft plötzlich die Kontrolle und überließ Wolfsburg das Spiel. Die Hausherren erspielten sich ein deutliches Chancenplus, während Frankfurt kaum noch Entlastung fand. Ballverluste häuften sich, Konter wurden unsauber ausgespielt und der Defensive der Hessen wurde so kaum Zeit zur Entlastung und Neuordnung gegeben. Es war eine Phase, die an die schwächeren Auftritte der letzten Wochen erinnerte. Der Unterschied zu früher: Die Eintracht brach diesmal nicht auseinander. Trotz des Drucks verteidigte die Mannschaft mit Einsatz, Leidenschaft und besserer Organisation – und was doch durchkam, endete bei Keeper Michael Zetterer, der die Mannschaft mit einigen starken Paraden im Spiel hielt. Noch vor wenigen Wochen hätte man in einer solchen Phase vermutlich mehrere Gegentore kassiert – diesmal hielt man stand. Erst in der Nachspielzeit fiel der Anschlusstreffer durch Pejcinovic, der jedoch keine Auswirkungen mehr hatte.

Fazit

Der 2:1-Sieg in Wolfsburg ist ein wichtiger Schritt – nicht, weil die Eintracht über 90 Minuten überzeugte, sondern weil sie auch eine schwierige Phase überstand. Die Mannschaft zeigte erneut zwei Gesichter: eine kontrollierte, effiziente erste Halbzeit und eine wacklige zweite. Doch anders als zuvor reichte es diesmal zum Sieg. Das Fundament stimmt. Die Stabilität wächst. Jetzt geht es darum, beide Halbzeiten auf dieses Niveau zu bringen.

6 Kommentare

Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 100 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. 1. Adlersieg 14. April 26, 10:48 Uhr

Sorry, aber das sehe ich komplett anders. Dass wir gewonnen haben, lag allein an der Schwäche der Wolfsburger und deren Chancenverwertung. Ich würde eher sagen, mit Riera kam das Spielglück (zeitweise) zurück, das unter Toppmöller leider abhanden gekommen war (Dortmund, Bayern, Bremen...).

Natürlich freue ich mich über den Sieg in Wolfsburg, aber wir hatten schon in der ersten Halbzeit Glück, als wir zweimal regelrecht zum Toreschießen einluden.
Auch in Halbzeit 2 hatte Wolfsburg etliche Großchancen, vergab sie allerdings kläglich. Ich denke, fast jeder andere Gegner hätte uns noch 1, 2 Tore eingeschenkt. Mein Fazit: Glück gehabt.

Warum wir diese Schwächephasen immer wieder haben, ist einfach nicht zu erklären. Ich bin gespannt und hoffe, dass wir gegen Leipzig endlich wieder mal 90 Minuten konzentriert spielen, in die Zweikämpfe gehen und mal wieder verdient gewinnen.

Zu unserem Trainer: Er sollte auf jeden Fall bis zum Saisonende Zeit, Unterstützung und die nötige Ruhe bekommen, um seinen Spielstil umsetzen zu können. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass in der Offensive der Knoten noch so richtig platzt und die Defensive wieder an Konstanz und Sicherheit gewinnt.

6
Fallback Avatar 2. g-block1978 14. April 26, 10:49 Uhr

Ja, in der ersten Hälfte war Eintracht gut aufgestellt, sie hat aber auch gegen einen Absteiger gestielt, der einfachste Gelegenheiten (Patzer Zetterer) hat liegen lassen. Ich will nicht drüber nachdenken, wie es ausgegangen wäre, wäre Eintracht in Rückstand geraten, hypothetisch.
Zweite Häfte wurde Wolfsburg mutiger, zweikampfstärker und hatte die besseren Gelegenheiten, hier hat uns Zetterer in der Spur gehalten, von Eintracht wenig zu sehen, gegen einen Absteigerer.
Ich will das Spiel nicht überbewerten, sicher tat der Sieg gut, aber die Reifeprüfung kommt am Samstag, erst dann kann Eintracht beweisen, dass das System Riera funktioniert.

1
Fallback Avatar 3. Meintracht 14. April 26, 11:02 Uhr

Stroh zu Gold gesponnen, so würde ich die Analyse bezeichnen, schon sehr beschönigend. Die Vorredner haben das schon gut dargestellt.
Schwacher Gegner in akuter Abstiegsgefahr, die Großchancen nicht nutzten (in der GUTEN ersten Halbzeit) Solche Spiele MÜSSEN einfach gewonnen werden und das war schon holprig und glücklich.

3
Fallback Avatar 4. Rebelheart 14. April 26, 11:16 Uhr

Volle Zustimmung 1-3.
Ich denke, die Mannschaft war bei der Übernahme durch AR in einem noch schlechteren physischen und psychischen Zustand als es die Ergebnisse aus großen Teilen der Hinrunde vermuten ließen (Trümmerhaufen). Und ich denke, der Abwärtstrend hat bereits nach dem Sieg in Freiburg letzte Saison und der CL-Quali begonnen, da hat der eine oder andere abgehoben und den Blick für die Realität verloren m.E..
Und nach den ersten beiden klaren Siegen gegen Werder und Gala (unverdient und sehr glücklich) ist dann die Bodenhaftung komplett verloren gegangen sowohl im Team als auch im Umfeld. So kam es dann zu den Klatschen in der CL und der historischen Flut an Gegentoren in der BL. Im Nachhinein hätte MK sicherlich viel früher einschreiten müssen, allerspätestens vor der Winterpause nach dem HSV-Spiel. Aber das ist Schnee von gestern....
Glaube daher auch nicht, dass AR sehr viel schneller mehr aus dem Team rausholen kann, es wird m.E. wohl erst zur neuen Saison mit einem runderneuerten Kader (hoffentlich) wieder besser werden, leider!
Bis dahin, durchhalten und hoffen, dass Platz 7 irgendwie gehalten werden kann, was schwer genug wird bei dem Restprogramm.

2
Fallback Avatar 5. deraldesack 14. April 26, 11:42 Uhr

Woran es bei uns die gesamte Saison mangelt sind drei Sachen.
Konzentration über die vollen 90 Minuten, und Zweikampfstärke und Laufbereitschaft bei eigenem Ballbesitz.
Unkonzentriertheiten : 1 Hälfte, Koch säbelt am Ball vorbei,Zetterer zwei mal , Burkardt trifft den Ball 1m vorm Tor nicht.
2 Halbzeit : gefühlt jede Klärungsaktion, jeder Pass, jede Ballan -und Mitnahme zwischen der 45 und 75 Minute ist misslungen. Dann hat Shkiri die Chance aufs 3:0, kann 2 mal frei schießen. Kläglich versagt. Im Grunde haben wir einfach Glück gehabt, das Golfsburg unfähig war, die sich bietenden Chancen zu nutzen.
Die Spiele diese Saison erinnern mich an die Saisoneröffnung 22/23 nach dem EL Sieg gegen Bayern bei uns zu Hause .
Das 1:6. Da hat Glasner die Mannschaft so spielen lassen, wie sie es wollte. Offener Schlagabtausch mit den Bayern. Bloss das die Bayernschläge alle trafen, und unsere nicht. Wenn man sich selbst falsch einschätzt, zuviel will, und sich seiner Schwächen nicht bewusst ist, kommt so was bei raus. Warum haben wir nach Führung so viele Spiele aus der Hand gegeben. Gerade deshalb- Selbstüberschätzung.

3
Fallback Avatar 6. culo blanco 14. April 26, 13:09 Uhr

Also erstmal freue ich mich, da gewonnen zu haben, wenn die mit einem billigen Eckball oder Sonntagsschuss gewonnen haben, war es auch egal, warum. Und das war bei Gott oft genug der Fall.
Außerdem muss man sagen, dass wir immerhin Chancen rausgespielt haben, während die meist aus der Distanz (was angesichts guten Schützen wie Maehle, Eriksen, Majer und Arnold auch legitim ist) oder durch Pressing bzw. Einladungen gefährlich würden. Auch stehen die nicht aufgrund fehlender individueller Klasse da unten wie Pauli, Bremen oder Heidenheim, sondern weil bei denen nix zusammenläuft. Der Kaderwert ist immer noch auf Platz 8 der Liga also 4 (!) mal so hoch wie die genannten. Und da wir sonst (wir haben immer noch die meisten Niederlagen gegen den aktuell 18.) immer, also wirklich immer die Wiederaufbauhilfe spielen und seit Köln nicht mehr auswärts gewonnen haben, lass ich mir das schmecken.

0

Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.