Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung erkämpft sich die Eintracht den wichtigen Auswärtssieg in Portugal, um die Chance auf das Weiterkommen zu wahren. (Foto: imago images / HMB-Media)

Nach dem wichtigen Auswärtserfolg in der Bundesliga gegen den 1. FC Union Berlin ging es für die Eintracht auf die nächste Auswärtsreise. Nach der 0:3-Pleite gegen den FC Arsenal London waren die Hessen in Portugal im zweiten Gruppenspiel gegen Vitória Guimarães SC schon zum Siegen verdammt, um eine realistische Chance auf das Weiterkommen zu haben und im Zweikampf mit Standard Lüttich gleichzuziehen. Am Ende stand ein glanzloser 1:0-Erfolg, der nun alle Chancen für das europäische Überwintern offen hält. SGE4EVER.de hat das Spiel wie immer noch einmal analysiert:

Neu formierte Defensive überzeugt
SGE-Coach Adi Hütter war nach der Hiobsbotschaft um Kevin Trapp und der Gehirnerschütterung von Makoto Hasebe zum defensiven Umbau gezwungen. Martin Hinteregger rückte auf die Libero-Position und neben ihm verteidigten Almamy Touré und Evan N´Dicka in der neu formierten Dreierkette. Im Tor zudem Frederik Rönnow, der seit letztem Dezember keinen Pflichtspieleinsatz mehr hatte. Voraussetzungen, die zumindest einige Abstimmungsfehler und Probleme prophezeiten, jedoch überraschte die neue Defensive der Frankfurter mit einem starken Spiel unter den gegebenen Voraussetzungen. Bis auf einen Pfostentreffer der Portugiesen gleich zu Beginn der Partie hatte Martin Hinteregger mit seinen Nebenmännern alles im Griff. Der spielstarke Gegner versuchte es immer wieder über die Außen und kombinierte sich teilweise sehr ansehnlich durch das fahrig wirkende Mittelfeld der Adlerträger, aber immer dann wenn es in Richtung Strafraum gehen sollte, war einer der drei Verteidiger zur Stelle. Auch Rönnow wirkte in den wenigen Situationen in denen er gefordert war sicher und strahlte überraschenderweise auch durchaus Ruhe und Souveränität aus, was in der Vergangenheit nicht immer so war. Vermutlich wird der Däne schon am Sonntag gegen Werder Bremen deutlich mehr zu tun haben und sich dann richtig beweisen können, aber für das erste Reinkommen war dies ein nahezu ideales Spiel, denn mit der weißen Weste im Rücken kann der Nationalkeeper nun gestärkt in das Bremen-Spiel gehen. Große Freude herrschte nach der Partie auch rund um N´Dicka. Der Franzose war lange außen vor und feierte sein Comeback mit einem starken Comeback, welches er mit dem Siegtreffer nach einer butterweichen Eckballflanke von Djibril Sow krönte. Der Youngster meldete sich mit dieser Partie eindrucksvoll zurück und scheint sein Tal vorerst überwunden zu haben.

Fehlpässe und kein Spielaufbau
So sicher die Defensive auch stand, im Spielaufbau hatte man hinten raus große Probleme. Hinteregger mühte sich in die Rolle von Hasebe zu schlüpfen, war durch mangelnde Bewegung aber immer wieder zu langen Bällen gezwungen, die ohne einen Abnehmer wie Bas Dost nahezu alle verpufften. Die Portugiesen standen defensiv in einer 4-1-4-1-Formation und den Hessen fehlten die Mittel die erste Viererkette im Mittelfeld sinnvoll zu überspielen. Weder Sow, noch Sebastian Rode oder Gelson Fernandes konnten sich in Räumen zwischen den Ketten anbieten und erzwangen somit die langen Bälle. Ein Problem welches einerseits sicher der eher defensiven Ausrichtung des Mittelfelds geschuldet war und andererseits aber auch aufzeigte, dass die Eintracht in ihrer neuen ballbesitzorientierten Spielweise noch nicht so weit ist, dass sie sich in allen Formationen hinten klug vom Druck des Gegners lösen kann. Besser wurde es erst in der zweiten Halbzeit als Adi Hütter auch Fernandes im Spielaufbau nach hinten beorderte und somit eine Anspielstation mehr vorhanden war. Durch die vielen langen Bälle wäre das Spiel vermutlich besser für einen Angreifer wie Dost gewesen. Andre Silva und Goncalo Pacienca hingen ziemlich in der Luft und konnten die vielen langen Bälle nicht wirklich sichern. Mit der Einwechslung von Dost kamen diese Bälle gleich viel öfter an und er konnte sie auch manches Mal sinnvoll weiterleiten und das Spiel so schnell machen. Auch Daichi Kamada brachte nach seiner Einwechslung nochmal frischen Wind rein und konnte mit seiner feinen Technik einige Bälle in der gegnerischen Hälfte festmachen. Trotz der vielen ungenauen Pässe, der mangelnden Verbindung zwischen den Mannschaftsteilen und der teilweise ideenlosen Angriffsversuche, war es am Ende die Eintracht, die die größeren Chancen hatte. Allein Silva hatte zwei riesen Gelegenheiten, die er eigentlich hätte nutzen müssen. Auch Filip Kostic und Kamada kamen noch einmal in aussichtsreiche Position, scheiterten aber am Ende an der eigenen Ungenauigkeit und dem starken Torhüter des Gegners.

Gute Ausgangslage
Während man gegen Arsenal noch eine starke Partie ablieferte und schlussendlich als klarer Verlierer vom Platz ging, spielte man diesmal alles andere als gut, ging aber als Gewinner vom Platz. Diese Art von Siegen sind immens wichtig und haben für die Gruppenkonstellation eine enorme Bedeutung. In diesem Spiel zählte nur der Sieg und diesen haben die Hessen trotz einiger Umstellungen in der Mannschaft geholt. Die Adlerträger nahmen den Kampf an, lieferten sich in einer umkämpften Schlussphase noch eine kleine Abwehrschlacht und überzeugten zumindest mit der richtigen Einstellung. Ein grätschender Dost am eigenen Sechzehner und ein mit Krämpfen geplagter N´Dicka spiegelten dies eindrucksvoll wieder. Die SGE hat nun alle Chancen auf ein Weiterkommen und alles läuft wie erwartet auf einen Zweikampf um Platz Zwei mit Standard Lüttich hinaus. Die Mannschaft befindet sich weiter in einer Findungsphase und muss noch einige Lernschritte durchlaufen bis der neue Hütter-Fußball funktionieren wird, aber gerade in dieser Phase zählt nur eines: das Ergebnis.

- Werbung -

7 Kommentare

  1. die ungenauen Pässe im Spiel nach vorne haben schon genervt. Die Defensive stand insgesamt gut und wenn mal ein Ball gefährlich nach vorne kam, haben wir uns auch die Torchancen erarbeitet. Nicht glanzvoll, aber gewonnen

  2. Hier rechnet doch schon fast jeder mit einem Weiterkommen in die KO Phase. Dem Anschein nach wäre ein Ausscheiden in der Gruppenphase eine Enttäuschung.
    Ich freue mich über den Sieg gestern und überhaupt über das bisherige Gesamtpaket, auch wenn bestimmt noch eine Steigerung im Laufe der Saison eintreten wird.

  3. Das einzige was nervt, ist das auffallen außerhalb des Platzes. Das wir spielerisch Sand im Getriebe haben, ist nichts Neues und wird auch noch die nächsten 4 Wochen so sein.

    Das haben halt Umbrüche bzw mehrfacher Personal-Wechsel so an sich, und da ist es egal welches Team man ist (guckt euch andere Schwergewichte in Europa an), daher alles ok und im Rahmen…

  4. Hinteregger in „Stimmen nach dem Spiel“. Mehr braucht man nicht. Er sagt alles zu gestern, zum kommenden Sonntag und der Gesamtsituation. Spot on.

  5. Gestern gab mir das Spiel mit einigen Bier intus wenig Aufschluss..es war nervlich ziemlich anstrengend, finde ich. Heute mit ein wenig Abstand hab ich schon wesentlich mehr dazu zu schreiben.
    Defensiv haben wir es ordentlich gemacht und dem galt wohl das Hauptaugenmerk. Wir haben Vitoria kaum Räume gegeben, das ist sehr positiv.
    Für Rönnow war es einfach megawichtig, den ersten Ball gleich sicher zu fangen .. den lassen einige Keeper auch mal prallen. Danach hat er im Rahmen seiner Möglichkeiten gut gehalten, wobei es auch nie wirklich sehr brenzlig wurde.
    Er wirkt schon noch sehr unsicher (im Vergleich zu Trapp), es war aber auch kein einfaches TW-Spiel würde ich sagen. Gut, dass ihn die Mannschaft in HZ2 öfters mal mit einbezog und ihm den Ball zupasste. Er braucht den Ball um Sicherheit zu bekommen in seinen Aktionen. Das wird noch dauern, ist aber auch nicht verwunderlich. Denn wer ewig nur auf der Bank sitzt und zwischenzeitlich in der Vorbereitung wochenlang ausfällt, dem fehlt das Selbstvertrauen. Dieses 1:0 auswärts in der EL war dementsprechend Gold wert.
    Auch wichtig, dass sein erstes Spiel in der EL war. Denn in dieser hat er mehr Erfahrung als in der BL (nun 27 EL- und EL-Quali-Spiele, aber erst 2 BL-Spiele).
    Bei N’Dicka ist es eigentlich ähnlich. Bei ihm muss man zugute halten, dass er diese Position wohl kaum bis nie gespielt hat. Er trieb sich ja sehr oft im MF und weit außen rum. Bei Touré sah das schon sicherer aus, wobei ich weit davon entfernt bin zu sagen, dass das Spiel von N’Dicka schlecht war. Die mangelnde Spielpraxis merkte man ihm aber schon an. Er glich es gekonnt mit seiner guten Spielintelligenz aus. Das Tor war ähnlich wichtig für sein Spiel wie der gefangene erste Ball für Rönnow.
    Touré machte seine Sache m.E. noch am Besten, auch weil er diese Position (offensiver IV, der oft auf Außen rückt) schon öfters spielte. Allerdings hatten alle vor ihm Probleme bei der Ballannahme. Vielleicht lag das am Platz? Denn auch die technisch versierteren Portugiesen hatten diese Probleme.
    Bei Hinti sprach Hütter von dem Turm in der Brandung. Auch hier sicher kein schlechtes Spiel und teils echt gute Vertikalpässe nach vorne, nur dort konnten sie die Bälle nicht verarbeiten. Man merkte aber schon, dass Hinti auf dieser Position nicht eingespielt ist und es ein Klassenunterschied zu Hase ist, der unserem Spiel viel mehr Ruhe gibt. Aber jo, Hinti räumte gut ab.
    Wie verrückt dieses Spiel war zeigt vielleicht am Besten seine ZK-Quote, die wahrscheinlich die Schlechteste der Saison war. Es kommt eher selten vor, dass ein Innenverteidiger einer der besten Spieler auf dem Platz ist, wenn rein statistisch seine ZK-Quote 14% (!) beträgt.
    Unsere Außen waren praktisch komplett abgemeldet. Kostic merkt man die fehlende Frische an, er war aber defensiv m.E. aufmerksamer als zuletzt und hatte dbzgl ein paar gute Aktionen. Offensiv konnte er bei seinen wenigen Aktionen seine Schnelligkeit nicht wirklich ausspielen, weil seine 2 Gegenspieler auch sauschnell waren. Daher kein Spiel, in dem er sich auszeichnen konnte. Wobei man bei Kostic noch am Ehesten das Gefühl hatte, das was gehen könnte. Denn seine Flanken sind schlichtweg toptoptop!
    Zu Durm: Defensiv war es gut, offensiv ging so weit ich weiß gar nix. Natürlich half ihm die frühe gelbe Karte nicht wirklich. Es war aber wahrscheinlich kein dummes taktisches Foul, dass er zog. Ich glaube zu diesem Zeitpunkt stand es noch 0:0 und ein Rückstand durch eine schnelle Umschaltaktion des Gegners galt es zu vermeiden. Den Drops musste er schlucken. Auch hier muss man konstatieren, dass ihm im Vergleich zu Guimaraes die Schnelligkeit fehlte. Vielleicht waren deren Spieler auch frischer? Mir kam es so vor.
    Das zentrale MF war wohl der Hauptfaktor, warum in unserem Spiel nach vorne nix lief. Ohne gespielt zu haben bietet sich dadurch nun Kohr an.
    Fernandes war sowohl defensiv als auch offensiv m.E. ein ständiger Unruhefaktor. Es hätte mich nicht gewundert, wenn er mit gelb-rot vom Platz geflogen wäre. Es kann aber auch nicht sein, dass er ständig von den anderen Spielern als Ballverteiler gesucht wird. Das ist er einfach nicht.
    Vielleicht war das Konzept des gegnerischen Trainers, dass alle Spieler im ZM zugestellt werden sollen bis auf Fernandes.
    Fernandes war in diesem Spiel klar ersichtlich unser Spielmacher und das er genau das nicht kann wissen alle.
    Vielleicht war das ein Wink für Bremen Fernandes rauszurotieren.
    Und damit will ich ihn ganz sicher nicht als Sündenbock darstellen. Er ist spielerisch schlichtweg limitiert und viel wichtiger für uns, wenn der Gegner das Spiel machen muss. Das wollte Guimaraes partout nicht tun & wenn sie es trotzdem versuchten wurde es meist eher bei ihnen hinten gefährlich. Daher bekamen sie nie wirklich Sicherheit, was sicher ein Verdienst von uns war.
    Der von Hütter geforderte Ballbesitzfußball (zumindest mehr davon) kombiniert mit der Präsenz von Fernandes im DM passt einfach nicht zusammen.
    Rode merkte man seine Pause an. Er lief wie gewohnt gut die Räume zu und spielte auch den ein oder anderen ordentlichen Pass, wobei es da auch noch Luft nach oben gibt.
    Sow hat lustigerweise noch die beste Passquote, was aber daran liegt, dass er stets den einfachen Pass spielte und sich sehr oft zurückfallen ließ. Die Position des IV ist er aber nicht wirklich gewohnt. Man merkte in diesem Spiel, dass es bei ihm hapert, wenn er dazu gezwungen ist, den Ball direkt weiter zu spielen. Da fehlt es noch an der Eingespieltheit in unserem Hüttersystem, drauf hat er es schon. Da er sich dies nicht zutraute (vielleicht war das intelligent) spielte er stets den sicheren Pass und so sah unser Spiel in der Zentrale dann aus.
    Dennoch ist Sow auch ein Spieler, den ich für Bremen vielleicht mal rausrotieren würde.
    Rode muss gesetzt bei uns sein, Kohr wird wohl statt Fernandes ins Team kommen und davor rechne ich mit Kamada, der mir noch mit am Besten da vorne gefiel. Trotz einer Passquote von 45%. Schon verrückt!
    Man muss den Spielern aber zugute halten, dass Guimaraes hinten wirklich sehr schnelle Spieler hat. Und bei uns kritisieren, dass die Schnelligkeit vorne fehlt. Vielleicht ein Wink für Gacinovic?
    Ihn hätte ich statt Dost für Paciencia gebracht, die Stürmer waren vorne eh verloren. Aber vielleicht wollte Hütter nicht noch ein dummes Gegentor durch ein Standard fangen und brachte deshalb Dost. Dann hat er wohl alles richtig gemacht.
    Bei den Stürmern muss man konstatieren, dass sie es vielleicht zu gut machen wollten und dadurch eher gehemmt wirkten. Das Zusammenspiel von Paciencia und Silva ist rein optisch das Schlechteste von allen Sturm-Kombinationen. Und das zeigte ich ja kürzlich erst statistisch auf. Das spar ich mir jetzt.
    Paciencia und Dost haben eigentlich die gleichen Stärken: Torabschluss und Kopfball. Die Erfahrung und Statur geben dann m.E. den Ausschlag für Dost.

    Oder aber: Wir spielen mit nur einer Spitze vorne, machen das Mittelfeld dementsprechend komplett dicht und können dann mehr Power über Außen entwickeln. Das würde Kostic entgegenkommen. Mir fehlt dann aber ein vergleichbarer Spieler für Rechts Außen. Vielleicht kann es da Costa sein, wenn er noch mehr Zug zum Tor entwickelt. Allen anderen fehlt dafür der Speed (Kamada, Durm). Ob Sow diese Position bekleiden kann?
    Nach seiner Topflanke im Spiel gegen Union ist das m.E. zumindest denkbar. Er hat den Speed, die Laufstärke, die Flanken .. nur Torgefahr ging ihm bei seinen bisherigen Stationen eher ab. Vielleicht kann er es lernen.
    Daher halte ich es zumindest für denkbar ihn von der Mitte auf RA zu ziehen und die Zentrale Kohr+Rode+Gacinovic (und Kamada oder Silva als Hängende Spitze) zu überlassen.
    Das säh dann (nmw) so aus:
    Touré, Hase, Hinti
    Rode, Kohr
    Sow, Kamada/Gacinovic, Kostic
    Silva/Kamada
    Dost/Silva
    Also ein 3-2-4-1 bzw 3-2-3-1-1
    Bei dem die IV recht offensiv und weit Außen sind (wie in diesem Spiel) und die defensiven und zentralen MF-Spieler sehr viel nach hinten arbeiten und das Spiel mit aufbauen. Das traue ich Kohr und Rode schon zu.
    Gegen Leipzig machten sie es hinter Kamada gut, finde ich.
    Was haltet ihr davon?

    Da Sow auch einer unserer passsichersten Spieler ist nimmt uns das dann auch wieder spielerische Qualität im Mittelfeld. Daher kann ich jeden verstehen, der sagt, dass man Sow nicht aus der Mitte nehmen sollte.
    Aber man nimmt auch etwas Verantwortung von seinen jungen Schultern und etwaige Ballverluste seinerseits würden nicht so schwer ins Gewicht fallen, wenn er es mal als RA probiert.

  6. @6 hat bisher soweit ich weiß noch kein Spiel gemacht und war auch noch nicht im Kader. Bisher eine ziemlich verkorkste Leihaktion. Wenn es so weiter geht wird diese Leihe wohl im Winter abgebrochen. Vielleicht wäre es besser ihn nach Portugal zu verleihen, wo er weniger Sprachprobleme hätte.
    Bei dem Uruguayo öhhhm Salazar schaute ich kürzlich mal und er bekam zumindest Spielpraxis in deren 2. Mannschaft (in Polen) und spielte auch ein paar mal in der ersten Mannschaft. Stand öfters im Kader der ersten Mannschaft. Das könnte eher was werden.

Kommentiere den Artikel

- Werbung -