Eintracht-Flügelspieler Filip Kostic wurde nach seinem Führungstreffer im Spiel gegen Stuttgart von seinen Mannschaftskameraden liebevoll umarmt und getätschelt. (Bild: IMAGO / osnapix)

Es lief die 79. Minute Zwischen Eintracht Frankfurt und dem VfB Stuttgart. Nachdem Djibril Sow im mit 25.000 Zuschauern unter Corona-Bedingungen ausverkauftem Waldstadion an den zweiten Ball kam und ihn nach links weiterleitete, ging Filip Kostic – so wie gewohnt – noch ein paar Schritte und schloss mit seinem berühmten linken Fuß ab. Der platzierte Flachschuss schlug daraufhin vom Innenpfosten ins Tor ein. 1:0 für die Eintracht. Danach brachen alle Dämme.

Die Mitspieler rannten zum Torschützen, schmissen sich ihm in die Arme und tätschelten ihn liebevoll. Es war deutlich zu sehen, wie beliebt Kostic in der Mannschaft ist und dass das Hin und Her um seinen Wechselwunsch zu Lazio Rom sowie sein darauf folgendes Verhalten innerhalb des Teams kein Thema mehr ist. Der Serbe hatte via Instagram-Post angedeutet, wieder alles für Eintracht geben zu wollen. Und das tat er. So, als wäre nie etwas gewesen. Das sah auch Eintracht-Trainer Oliver Glasner nach der Partie am Sonntag so: „Filip hat über Außen viel Dampf gemacht.“

Mit seiner Leistung hat Kostic Taten sprechen lassen und das Vertrauen des Vereins in ihn ein wenig zurückgezahlt. Somit dürfte vorerst ein bisschen Ruhe in das Thema einkehren. Der Serbe war nach rund einer Stunde unter Applaus und wenigen Pfiffen eingewechselt worden und hat gezeigt, wie wichtig er für die Mannschaft ist. Es herrschte gleich mehr Zug nach vorne im Spiel der Eintracht.

Auf der Bank schmoren habe ihn der Trainer nicht lassen wollen. Dass Kostic nicht von Anfang an ran durfte, war einerseits der Länderspielreise geschuldet. Anderseits aber auch dem Trubel rund um seine Person in den vergangenen Wochen. „Diese Tage sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Das hat ihn belastet“, berichtet Glasner aus dem Innenleben des Spielers. Beide hätten die Situation in einem gemeinsamen Gespräch erörtert. „Filip hatte die eine oder andere schlaflose Nacht. Wir waren gemeinsam der Meinung, dass das die bessere Vorgehensweise war,“ so Glasner weiter. Der Trainer habe dann prophezeit, dass er das Siegtor schießen würde. Dafür hat es leider nicht ganz gereicht.

Hektische Schlussphase

Trotz eines Platzverweises für Waldemar Anton wegen einer Notbremse in der 82. Minute brachte die Eintracht die Führung nicht über die Zeit. Omar Marmoush traf in einer hektischen Schlussphase in der 88. Minute zum 1:1-Endstand, nachdem er sich zuvor im Strafraum durchgesetzt hatte, als die Eintracht den Ball zuvor nicht aus der Gefahrenzone bekam. „Da waren wir drei, vier Minuten etwas passiv. Genau in dieser Phase fällt dann der Ausgleich“, bemängelte Glasner. Fast hätte es zwar noch zum Happy End gereicht. Doch Rafael Borrés Versuch knallte in der Nachspielzeit an die Latte. Von da prallte der Ball gegen den Rücken von Torwart Florian Müller wieder in Richtung VfB-Gehäuse – nur um kurz vor der Linie aufzuspringen und mit Rückwärtsdrall den Weg in die Arme des Keepers zu finden (90. +4). Somit hat es für die Eintracht wieder nicht mit dem ersten Sieg der Saison sein sollen.

Neben dem Lattentreffer von Borré hatte zuvor auch Hinteregger nur das Aluminium getroffen, nachdem er einen Kopfball nach einer Ecke ans Gebälk hämmerte (62.). Kurz zuvor hatte Kurz Neuzugang Sam Lammers in der 61. Minute aus spitzem Winkel die Führung auf dem Fuß, scheiterte aus kurzer Distanz aber an Müller. Mit der Leistung beim Debüt des Stürmers war Glasner jedoch zufrieden: „Sam hat sich gut eingebracht.“ Dann und wann habe er zwar Abstimmungsprobleme gehabt. Aber: „Er kann torgefährlich sein im Strafraum und hat gut gegen den Ball mitgearbeitet.“ Es gelte den Niederländer nun, nach fehlender Spielpraxis bei seinem alten Verein Atalanta Bergamo wegen einer Schulter-Operation wieder in den Rhythmus zu bekommen. Auch der zweite Neuzugang Kirstijan Jakic, der in der 60. Minute eingewechselt worden war, bekam genauso wie Daichi Kamada ein Extralob vom Trainer. „Jakic war aggressiv und hat die Situationen gut aufgelöst. Er hat das auch sehr, sehr gut gemacht.“ Am Ende sollte es trotzdem nicht zu den ersten drei Punkten reichen.

Genauigkeit in der Offensive fehlt

Glasner zeigte sich ob des Ergebnisses enttäuscht. „Geduld gehört nicht zu meiner Stärke. Klar nervt mich das“, äußerte sich Glasner zum bereits dritten Unentschieden in der noch jungen Saison. „Mir tun aber auch die Spieler leid. Sie investieren viel und versuchen alles“, betonte der Trainer. Stuttgart habe über weite Strecken des Spiels Probleme gehabt, sich vom Druck der Hessen zu befreien. „Wir haben gut gepresst und viele Bälle in der gegnerischen Hälfte gewonnen“, beobachtete Glasner und sah gleichzeitig Fortschritte in vielen Bereichen des Spiels seiner Mannschaft. Dabei ließen die Adler nur wenig zu und versuchten, sich gegen zurückhaltende Gäste, die auf Konter lauerten, im eigenen Spiel nach vorne die Räume zu finden. Das sei gut gelungen, aber nur bis zum vorletzten Pass. „Beim letzten Ball oder Abschluss hat uns die Genauigkeit gefehlt. Die Entscheidung fällt aber in den Strafräumen, da haben wir noch Luft nach oben“, hob Glasner hervor.

Daran will der Coach nun weiter arbeiten: „Wir legen uns heute nicht ins Bett und halten einen Dornröschenschlaf. Es beschäftigt uns.“ Unterkriegen lässt sich der Österreicher von dem Remis jedenfalls nicht. Viel mehr gibt er sich kämpferisch: „Das wirft uns nicht um. Alle Steine, die im Weg liegen, werden wir gemeinsam aus dem Weg räumen, um eine erfolgreiche Zukunft für die Eintracht zu spielen.“ 

In der wartet nun am Donnerstag (21 Uhr) mit Fenerbahce Istanbul eine „abgezockte und erfahrene Truppe“ auf die Eintracht. Am Sonntag (19.30 Uhr) steht das Duell beim Tabellenführer VfL Wolfsburg an, der nach vier Spieltagen die volle Punktausbeute vorweisen kann. Kein einfaches Programm also, was Glasner aber nicht beunruhigt. „Wir können zeigen, dass wir vielleicht noch einen Gang höher schalten können“, gibt er die Richtung vor. Dafür will der Trainer auch die Erfahrungen aus dem Stuttgart-Spiel nutzen: „Das schweißt uns nur mehr zusammen und lässt uns härter Arbeiten, das kann ich versprechen“, machte Glasner deutlich. 

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13 Kommentare

  1. Was ich nicht ganz verstanden habe, nach dem 1:0. Wieso machen wir einen Doppel-Wechsel noch vor dem Anstoß des Gegners? Es war doch klar das jetzt eine Druckphase kommen wird. Wir hätten einen Wechsel nach dem anderen bei den nächsten beiden Unterbrechungen machen können um Zeit rauszuholen und den Druck zu reduzieren. Über das Personal welches reingeholt wurde lässt sich halt immer streiten, aber Hauge und Durm hatten defensiv und in der Rückwärtsbewegung halt auch keine Probleme, ich weiß halt nicht wofür wir dann erstmal Paciencia brauchen und direkt nach dem Führungstor die defensive Ordnung durcheinander bringen müssen. Ich vermute das waren geplante Wechsel noch vor dem 1:0, und diesen hätten Sie meiner Meinung nach stoppen/anpassen müssen. Natürlich immer vor dem Hintergrund das es keine körperlichen Beschwerden gab etc.. , müssen wir eigentlich auch solchen taktischen „Blödsinn“ nutzen.

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  2. @1 Das sehe ich genauso! Hinti hat sich kritisch gegenüber den Medien geäußert. Kritik an der Vereinführung kann ich da nicht rauslesen.
    Und der Schreiberling vom kicker hat nichts besseres zu tun, als da gleich wieder zu stänkern. Die Kommentare unter dem Artikel sind auch mehr als eindeutig. Das ist ein ganz schwacher und niveauarmer Beitrag vom kicker!

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  3. Der Kicker, sonst meist kompetent und äußerst fair, zeigt sich beleidigt. Hat er nicht nötig. Solche Schmierartikel sollte er Bild und Sport-Bild überlassen.

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  4. @2. nrw4sge
    Ich glaube das Reglement erlaubt 5 Spieler Wechsel, verteilt auf maximal 3 Zeitpunkte. Da OG in der 59. und 70. Minute bereits wechselte, hatte er nur die Möglichkeit beide Wechsel auf den letzten 3. Zeitpunkt gleichzeitig durchzuführen. Wenn mein Verständnis zum Reglement stimmt, hat OG in diesem Punkt alles richtig gemacht. 😉

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  5. Fällt mal in die Rubrik unnötig. Und falls es dem Kicker doch notwendig erscheint könnte der Artikel erwähnen wie „Mannschaftsrat fordert harte Bestrafung von Kostic“. Da hat Hinti nämlich völlig recht mit seiner Medienkritik, die Bild und Sportbild waren vorne dabei als darum ging der Mannschaft was unterzuschieben. Ist sicher nicht so diplomatisch rübergekommen vom Kapitän, für mich macht sich da aber derzeit etwas Erleichterung breit, dass Kostic noch da ist. Denn natürlich sind Aussagen wie „war kein Streik“ schwierig wenn gleichzeitig der Trainer sagt „Kostic war für mich nicht erreichbar“. Sei´s drum ich denke das läuft intern glatt.

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  6. Ich sehe tatsächlich eine Verbesserung von Spiel zu Spiel. Die Truppe wird immer eingespielter. Ich glaube, es könnte so in 4-5 Spielen richtig rund laufen.
    Ich sehe jedoch ein Problem.
    Die nächsten Gegner.
    Realistisch betrachtet, wird es weder schon in Wolfsburg, noch in München zu Punkten reichen. Selbst gegen den FC (der momentan leider gut spielt und kämpft), denke ich, das wir wieder unentschieden spielen, vielleicht mit endlich mal etwas Spielglück gewinnen. Dann hätten wir nach 7 Spieltagen nur 4 (vielleicht 6) Punkte. Dann könnte es (auch medial) ungemütlich werden.
    Es wird sehr schwer werden, in den nächsten Wochen nicht auf die Tabelle und auf die Punkte zu schauen, sondern ausschließlich die gezeigte Leistung und den Trend zu bewerten.
    Ich hoffe da auch ein bisschen darauf, das der Donnerstag pusht und das oben geschriebene vielleicht doch ein wenig verändert.

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  7. Aus den Aussagen von Hinti einen direkten Affront gegen Krösche und Glasner zu machen ist ja wohl das dümmste was der Kicker je geschrieben hat. Scheinbar scheint es der schreibenden Zunft nicht zu gefallen wie unaufgeregt und abgeklärt Krösche und Glasner die Personalien Kostic und Younes abgearbeitet haben. Tja , mit Friede,Freude,Eierkuchen lassen sich halt keine Klicks generieren.
    Ruhe dürfte wieder eingekehrt sein und jetzt lasst Siege Folgen. FORZA

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  8. @ thiemo Müller vom Kicker….hab’s mir 3x durchgelesen…selten so eine konstruierte Kacke gelesen. Was soll das?

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  9. Der Kicker weiß wohl das sie selbst viel Scheiße verbreitet haben, und versuchen das jetzt deb Fokus wieder auf die Eintracht abzuwälzen… Ganz billig… Hintis Aussagen sind alles andere als ein Affront gegen OG/MK, aber da will der Kicker mal wieder ne Story draus machen…

    @Topic: Glasners Aussagen find ich absolut treffend, besser kann man das Spiel nicht zusammenfassen. Keine Schönrederei, keine Phrasen. Einfach Top !!

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  10. Hab den Artikel im Kicker mehrfach gelesen und bin hier rein um zu sehen, ob ich irgendwas nicht verstanden habe.
    Scheinbar geht es nicht nur mir so, dass ich nicht verstehe, was mir der Autor des Artikels eigentlich sagen will, bzw. wo er das zwischen den Zeilen gelesen hat.

    So ein Pfosten…

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