Eintracht Frankfurt spielt, gemessen an den gestiegenen Erwartungen durch die letzten Jahre, eine sehr ernüchternde Saison. Kurz vor Ende der Spielzeit droht nun auch noch das letzte bisschen Hoffnung auf eine Teilnahme am europäischen Geschäft zu versanden. Während man sich im neuen Jahr von Trainer Dino Toppmöller trennte und Albert Riera in den Dienst der Hessen stellte, lässt sich jetzt – wenige Spiele vor Ende der Saison – konstatieren: Es läuft alles andere als rund.
Doch woran liegt das eigentlich? Nominell ist der Kader der Eintracht sehr gut besetzt. Can Uzun, Fares Chaibi, Jonathan Burkardt, Nathaniel Brown, Ritsu Doan etc. sind alles Namen, die mit einer gewissen spielerischen Klasse einhergehen. Dennoch spielen die Frankfurter keinen guten Fußball. Weder unter Dino Toppmöller, noch unter Albert Riera. Gelingt es jetzt dem zweiten Trainer in Folge nicht, die Mannschaft richtig einzustellen oder liegt das Problem tiefer?
Fokus auf offensivem Mittelfeld
Wenn man sich den Kader der Hessen anschaut, dann stellt man schnell fest, dass der Fokus vor allem auf einem starken offensiven Mittelfeld liegt. Uzun, Mario Götze, Chaibi oder Doan sind alles Spieler, die auf dieser Position spielen können. So gesehen sind die Frankfurt sogar überbesetzt, wenn es nur um Liga-Fußball geht. Es sind kreative Köpfe, die durch kluge Pässe Räume entstehen lassen können, die zwischen den Linien agieren und auch durch Einzelaktionen Spiele auf ihre Seite ziehen können. Dazu passt, dass man mit Burkardt in der Sturmspitze einen eiskalten Vollstrecker vor dem Tor verpflichtet hat, der die Kreativität seiner Hinterleute theoretisch ausnutzen kann. Fakt ist aber: Irgendwie funktioniert das nicht richtig. Klar, gerade Chaibi spielt mit neun Assists und zwei Toren wahrlich keine schlechte Saison und auch Uzun ist mit sechs Treffern und vier Vorlagen scorertechnisch solide bis gut aufgestellt. Aber es ist nicht so, dass ein erkennbares System zu erkennen ist. Das Offensivspiel lahmt schon fast in der gesamten Saison. Die Eintracht spielt den Ball im Mittelfeld und vor allem in der Abwehrkette hin- und her. Sie findet keine Lösungen. Treibt ihn dann nach vorne und dann wird wie im Handball das Spielgerät um den Strafraum herumgespielt, häufig ohne dass es zwingend wird.
Riera ist es zwischenzeitlich gelungen, die Flut an Gegentoren abzustellen. Das war wichtig und gehört dementsprechend gewürdigt. Das geschah allerdings auf Kosten der eigenen Offensive. Und nach den letzten Spielen muss man auch klar ansprechen, dass die Gegentore wieder zugenommen haben.
Ballbesitz in harmlosen Zonen
Die Idee mit dem vorhandenen Spielermaterial ist es, dominanten Ballbesitzfußball zu spielen. Die Realität sieht aber so aus, dass die SGE zwar viel Ballbesitz hat, aber meist in Zonen, die dem Gegner nie gefährlich werden. Das belegen Zahlen sehr eindeutig. Die meisten Ballkontakte bei den Hessen haben mit Abstand (!) Robin Koch und Arthur Theate. Zwei Innenverteidiger. Koch hat 2.361 Ballkontakte, Theate 2.027. Danach kommt Brown mit 1.493. Vergleicht man das mit dem Brachenprimus FC Bayern München, die sich auch „Ballbesitzfußball“ auf die Fahne schreiben, so fällt schnell auf, dass dort offensivere Spieler die meisten Kontakte haben. Auf Platz 1 ist Mittelfeldmann Joshua Kimmich mit 2.650 Ballkontakten, gefolgt von Stürmer Michael Olise mit 2.019 Kontakten. Überhaupt sind bei den Bayern unter den Top-5 Spielern in der Kategorie „Abwehr“ nur zwei Spieler. Bei der SGE sind es fünf von fünf (wenn man Brown mitzählen möchte). Das alleine beweist natürlich nicht, dass es bei der Eintracht nicht läuft. Es zeigt aber, in welchen Zonen die Hessen ihren Ballbesitz haben.
Lösungen? Auswege?
Wie kann es jetzt also sein, dass so wenige Lösungen gefunden werden, obwohl man so viel kreative Köpfe zur Verfügung hat? Gegen Frankfurt spielen viele Mannschaften überaus kompakt und defensiv. Der Weg durch die Mitte – zu Vollender Burkardt – ist häufig dicht. Und das ist ein Problem. Arnaud Kalimuendo über die Außenbahn tut sein bestes und auch Amaimouni-Echghouyab spielt weitaus besser, als man es ihm so früh zugetraut hätte. Aber der Drive nach vorne geht etwas verloren. Es verwundert, dass beide Trainer in dieser Saison keine Doppelspitze aufbieten möchten. Mit Burkardt, Kalimuendo und Younes Ebnoutalib stehen drei nominelle Mittelstürmer im Kader. Das Argument, dass man Spieler schonen müsste für die anderen Wettbewerbe, ist spätestens seit dem Ausscheiden aus der Königsklasse passé. Es gibt genügend Spieler für eine Doppelspitze. So wäre mehr Strafraumpräsenz vorhanden und auch Burkardt hätte leichteres Spiel. Gerade die Doppelspitze bestehend aus Burkardt und Kalimuendo sehnen sich viele Fans herbei – bislang vergebens.
Oder gibt es Probleme in der Analyseabteilung? Immer wieder fällt auf, dass die Hessen sich enorm schwertun gegen kompakt stehende Mannschaften. Trotz viel Kreativität im eigenen Kader werden keine Mittel und Wege gefunden. Dabei sind es doch die Götzes, die Chaibis und die Uzuns, die gegen tiefstehende Mannschaften brillieren sollten.
Im Sommer müssen sich dringend die führenden Köpfe der Eintracht zusammensetzen und besprechen, wie die Ausrichtung in der neuen Saison aussehen soll. Welcher Fußball soll gespielt werden? Was braucht man dafür für Spieler und welche eben nicht? Es muss sich etwas tun, denn diese Saison wirkt äußerst halbgar.







15 Kommentare
Absolute Kacksaison bisher. Muss aber anscheinend so sein, damit die Ansprüche einiger hier wieder mal auf ein normales Mass kommen.
Du sagst es!!!
Völlig übertriebene Erwartungshaltung mittlerweile.
Nach wie vor sollten wir uns nicht auf die gleiche Stufe stellen, auf der die ersten 6 Teams in diesem Jahr sind, ausgenommen Hoffenheim vielleicht.
Wir haben jetzt jahrelang durch gutes Management und große Erlöse den Sprung in Richtung Führungsgruppe der Liga geschafft, aber man sieht, dass ein Jahr der Stagnation reicht und man verschwindet wieder im Mittelfeld bzw. Mittelmaß.
Nächstes Jahr muss ein anderes Team aufgebaut werden, das nicht dadurch geprägt ist, dass immer wieder die besten nach einer Saison gehen.
Wir brauchen Spieler, die den Verein leben und ein längerfristiges Engagement bei uns planen.
Die große Erwartungshaltung macht den Club kaputt!
Das Spiel gestern hat gezeigt, dass wir zurecht so viele Punkte hinter der Führungsgruppe liegen.
Off topic: Futkeu hat heute 3x genetzt und steht nun bei 17 Scorerpunkten bei 30 Spielen. Man sollte überlegen, den nicht nur zu kaufen um ihn teurer zu verkaufen, sondern man sollte in Betracht ziehen, ihn im Team zu integrieren.
Treffend analysiert. Die entscheidende Frage ist: welche Schlüsse werden daraus gezogen, was ist die Lösung.
„ Off topic: Futkeu hat heute 3x genetzt und steht nun bei 17 Scorerpunkten bei 30 Spielen. Man sollte überlegen, den nicht nur zu kaufen um ihn teurer zu verkaufen, sondern man sollte in Betracht ziehen, ihn im Team zu integrieren.“
Absolut! Er ist schnell, technisch versiert und scheut keinen Zweikampf! Ich bin voll bei und würde ihn auch zurückholen, anstatt auf satte Spieler zu setzen.
Ich verstehe auch nicht was diese Saison mit unserer Abwehr los ist. Sind die gleichen Leute wie letzte Saison mit Ausnahme von Zetterer der gefühlt jedes 2 te Tor durch die Hosenträger bekommt.
Wir brauchen Spieler, die den Verein leben und ein längerfristiges Engagement bei uns planen.
Ich glaube, die gibt es praktisch gar nicht mehr. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber generell zählt nur Kohle und Image!! Sehr traurig... War früher irgendwie alles romantischer, auch wenn damals natürlich auch schon die Kohle regiert hat. Aber halt nicht ganz so extrem und schnelllebig.... Da sind Mannschaft länger zusammen geblieben und man konnte noch was aufbauen....
Bei Freiburg läuft es auch nicht wie erhofft.... Ich stell mir jetzt nen schoppe rein.... Guuuuuuuuuuuude
Richtig: Man kann solch eine Entwicklung eines Spielers nicht einfach unbeachtet lassen - und das für heutige Verhältnisse "lumpige" 1,4Mio. Oder wie hoch war die Rückkaufoption?
Mal sehen: Bei uns ist leider alles möglich, z.B. dass man die Rückkaufoption nicht zieht und ihn für 3 Mio nach Gladbach Stichwort "Gegner stark machen" o.a. ziehen lässt. Bei Matanaovic ist es ja ähnlich. Was Batshuayi, Wahi etc. in diesem Jahr geleistet haben, hätte der ebenfalls hinbekommen. Und wir hätten keine 50 Mio für neue Stürmer ausgeben müssen.
Es bleibt spannend....:)
Sollten "Die führenden Köpfe der Eintracht..." nicht längst zusammen sitzen, um "die Ausrichtung der neuen Saison" zu beraten, müsste man sich ernstlich Sorgen machen...
Im Sommer[?] ...ist Vollzug angesagt.
@MK im DP
Au Backe, was war das für ein heilloses Gestammel.
Obacht: Hoher Cringe-Faktor.
[Und ne wackere Lanze, um sie für Albert trotzig zu brechen, hatte er irgendwie auch nicht mit...]
Naja, der erste Schritt wäre, nicht nur junge, aufstrebende Entwicklungsspieler zu holen, sondern welche, die bereits Resilienz und Qualität geliefert haben.
Naja, wenn das alles so einfach wäre.... Gibt zig Clubs in zig Ligen mit Kohle und Ambition...
Fußball ist schon ganz schwieriges geschäft. Da möchte ich auch nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken!
Futkeu müsste nun 20 Scorer (15 Tore + 5 Vorlagen) bei 30 Spielen haben. Du hattest wohl das heutige Spiel noch nicht mit einberechnet.
Gute Idee mit dem Schoppen, Heidenheim hat gerade ausgeglichen.
Jo! Stöffsche hilft immer 😂! Hoffentlich bleibt es so... Zur Sicherheit Schoppe nachlegen!
Heidenheim 🫰
Das sind schon mehr als ordentliche Werte und ich finde es beachtlich, in einer mehr als starken 2. Liga.
Und wie Oakstarr es richtig schreibt, er hätte eine Chance eine Etage höher verdient und das Risiko wäre bei den Verhältnismäßig günstigen Bezügen relativ gering. Denn ich finde das hohe Investment Johny und Doan sind bisher überhaupt nicht aufgegangen.
Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.