Martin Hinteregger bedankte sich bei „seinen“ Fans! (Foto: IMAGO / Rene Schulz)

Trotz der ganzen Vorgeschichte um unglückliche Interviews, verpasste Abschiedsfeiern und die Zusammenarbeit mit Politikern mit rechten Tendenzen: Diese Meldung schlug gestern im Eintracht-Kosmos ein wie eine Bombe – Martin Hinteregger beendet seine Karriere und verlässt damit auch die Frankfurt Eintracht, sein Vertrag wird mit sofortiger Wirkung ausgesetzt!

Damit endet eine Zeit, die vor allem sportlich als eine der erfolgreichsten der Eintracht-Historie im Gedächtnis bleibt! 138 mal stand der Österreicher mit dem Adler auf der Brust auf dem Platz. Er erzielte in dieser Zeit 14 Tore und bereitete einen Treffer vor. Durch seine lockere Art neben dem Platz wurde er schnell zu einem der absoluten Publikumslieblinge im Waldstadion.

Zeit für einen neuen Lebensabschnitt

Im Interview bei „Eintracht TV“ sprach der 29-Jährige jetzt zum ersten Mal über die Gründe für die Entscheidung zum Karriereende und die Entscheidungsfindung, die, wie er verriet, schon im Herbst 2021 begonnen hatte. „Als ich ein paar Spiele nicht gespielt habe (unter anderem wegen einer Verletzung, Anm. d. Red.), bin ich morgens aufgestanden und da habe ich gespürt wie schön das Leben eigentlich ist, wenn man mal keinen Druck hat. Da haben die ersten Gedanken angefangen. Dann ist es mit meiner Leistung wieder bergauf gegangen, vor allem im Frühjahr.“ Trotzdem sei es nicht mehr so gewesen, wie er es sich vorgestellt hatte und gewohnt war: „Die Siege haben sich nicht mehr so richtig angefühlt, wie sie es hätten müssen. Dafür waren die Niederlagen doppelt und dreifach so schlimm. Die Waage hat dann nicht mehr gestimmt, ich konnte mich über den Erfolg nicht mehr so freuen können.“ Nachdem Hinteregger immer mehr so gefühlt hatte, fiel die endgültige Entscheidung zu einem Zeitpunkt, an dem auch er selbst diesen wohl nicht erwartet hatte. „In Barcelona, wo wir eigentlich den größten Erfolg der Vereinsgeschichte gefeiert haben, habe ich mich zwar extrem gefreut und es war einer der besten Abende, aber ich bin in den Bus eingestiegen und habe mir gedacht, dass wir jetzt hoffentlich noch den Sieg in der Europa League holen, aber dann Zeit ist für ein neues Leben, für einen neuen Abschnitt“, verriet der Linksfuß.

Er verriet, dass er diesen Schritt und diesen Entschluss natürlich oft hinterfragt hat. „Ich habe gekämpft, obwohl der Entschluss im Nachhinein immer gefestigt war. Wenn ich zuhause angekommen bin, war ich nicht mehr wirklich glücklich. Und wenn ich daran zurück denke, dann war es für mich leider immer klar, dass es Zeit ist aufzuhören“, so der 67-fache Nationalspieler. Der Sieg in der Europa League sei dann der „Höhepunkt“ gewesen und so wurde die Entscheidung zum „besten, was mir passieren konnte. Und da gilt es Danke zu sagen, dass ich so aufhören konnte.“

„Muss mich wirklich sehr entschuldigen!“

Vor allem in den letzten Tagen machte Hinteregger immer wieder Schlagzeilen mit seinem „Hinti-Cup“. Hier hatte er erst mit einem FPÖ-Politiker mit rechten Tendenzen zusammengearbeitet, dann diese Zusammenarbeit aufgelöst und anschließend mit mehrere Interviews Fragezeichen hinterlassen und die Überschriften bestimmt. Ein Fakt, der ihm leid tue, wie er erklärte: „Grundsätzlich habe ich erst, als ich wieder nach Frankfurt und Deutschland gekommen bin, gemerkt, dass die Sache ein großes Thema war. Das war mir in der Zeit in Österreich nicht so bewusst. In der Hinsicht muss ich mich wirklich sehr entschuldigen.“ Er betonte, dass er hier „mediale Beratung und Hilfe gebraucht“ hätte und er das „total unterschätzt“ habe.

Ein Leben mit Eintracht-Werten

Ihm sei wichtig, dass die Leute wissen, dass er mit rechtem Gedankengut nichts zu tun habe. Dies hätten die Fans und die Menschen in Frankfurt gemerkt: „Ich habe in Frankfurt tausende Leute kennengelernt und ich glaube jeder weiß wie ich bin und wie ich ticke. Und dass ich mit der ganzen Sache nichts zu tun habe.“ Hier sei der Verein Eintracht Frankfurt, der sich seit Jahren gegen Extremismus, rechte Politik, Hetze und Diskriminierung einsetzt, der richtige Klub für ihn gewesen – heute und in Zukunft: „Da habe ich mich natürlich angeschlossen und das habe ich so mit gelebt. Und so werde ich auch bis zu meinem Tod leben. Daher möchte ich mich für meinen medialen Fehler, die ich gemacht habe, entschuldigen. Dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist, war nicht meine Intention. Ich habe die Eintracht mit all meinen Werten gelebt und werde sie auch bis zu meinem Tod so weiterleben.“

Nach der Karriere sei es für ihn jetzt an der Zeit erst einmal „in den nächsten Tagen und Wochen“ komplett abzuschalten: „Es ist jetzt schon viel Ballast von mir gefallen. Ich bin jetzt sehr happy, dass alles so gekommen ist, denn es wäre sehr, sehr schwer weitergegangen. Ich werde die Entscheidung in mir reifen lassen.“ Jetzt sei es Zeit für seine Hobbies, bei dem er auch auf Unterstützung der Frankfurter Fangemeinde hofft: „Ich werde jetzt viel Hubschrauber fliegen und mich da bestens ausbilden und hoffentlich den ein oder anderen Eintracht-Fan an Bord begrüßen.“

Rückblick voller Dankbarkeit und Stolz

Die Zeit in Frankfurt, so Hinteregger in einer Botschaft direkt an die Fans sei „Weltklasse“ gewesen: „Ich erinnere mich immer noch an den Empfang im Stadion, als ich fix hier her gewechselt bin. Da bekomme ich noch heute Gänsehaut. Ich denke gerne an jedes einzelne Tor und daran, was wir alles erlebt haben, wo wir überall waren und wo wir hingereist sind.“ Die Zeit in Frankfurt und die Unterstützung der Fans sei das gewesen, „wovon ich immer geträumt habe, als ich mit vier Jahren angefangen habe, Fußball zu spielen.“ Er betonte außerdem, dass er sich des Öfteren in Frankfurt blicken lassen werde und betonte fannah und direkt wie er ist: „Es war mit die geilste Zeit in meinem Leben und ich werde immer mit großer Dankbarkeit, mit großem Stolz und geehrt zurückblicken!“

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72 Kommentare

  1. wie geht’s weiter? Ich hoffe ja sehr, dass wir Ndicka zum bleiben bewegen können, mindestens für ein Jahr oder Vertrag mit fetter Klausel für 23. Denn ohne Hinti und ohne Ndicka wird es knapp in der IV

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  2. @qworulz
    WAS?? Die Bild lockt mittlerweile mit hetzerischen Schlagzeilen? Es wird alles immer schlimmer..Scheiss Medien..

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  3. Es ist wirklich pervers was hier in Teilen (aus beiden Lagern!) abgesondert wird. Das ist schon mal per se doppelt traurig: Inhalt und diese Spaltung im Fanlager.

    Für mich ganz persönlich offenkundig:
    – Hintis Gesundheit steht über allem. Man hat nur das eine Leben!
    – Er hat sicherlich Fehler gemacht, die so nicht passieren dürfen (unabgestimmte Insta-Stellungnahme, Nicht-Erreichbarkeit für den Verein in so einer Situation)
    – Sich dafür zu entschuldigen ist richtig und damit auch gut!
    – Er ist nichts rechts, keiner hat ihm das unterstellt, nur leider etwas naiv ab und an und eben nicht gänzlich ein Profi im Umgang mit der Öffentlichkeit und dem Arbeitgeber (nicht schlimm, aber recht offensichtlich)
    – Dass jetzt allerdings in Teilen die SGE oder Peter Fischer für Hintis Karriereende verantwortlich gemacht werden, ist doch absurd! Was hat die Eintracht denn falsch gemacht? Profifußball ist ein Millionen-Business. Dass da evtl. mit Spielern geredet wird, dass man jemanden verkauft, weil die Kassen leer sind, ganz normal. Dass ein sensibler Spieler damit schwer umgehen kann, kann ich persönlich sehr gut nachvollziehen und nachempfinden. Aber so ist das Geschäft. Die Eintracht hat sich öffentlich sehr gut dargestellt und sich trotz aller Umstände die gegen den Spieler gestellt.
    – Fazit für mich: Hinti war nie der Musterprofi aus verschiedenen Gründen. Ein geiler Charakter, bestimmt ein toller Mensch. Aber jetzt hat er für sich eine richtige und mutige Entscheidung getroffen, weil er offenbar zumindest teilweise psychische Probleme hat. Gesundheit geht vor. Und ich finde die Eintracht hat sich komplett vorbildlich verhalten.

    Insofern wäre es – auch aus Respekt vor allen Betroffenen – super, wenn wir uns jetzt wieder etwas mehr miteinander beschäftigen könnten, Politik und Angriffe gegeneinander außen vor lassen und uns wieder um Fußball, Transfers und die neue Saison kümmern.

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  4. @53 ich denke es wurden auf beiden Seiten Fehler gemacht.

    Evtl hätte die Eintracht die Aussage mit der nicht Erreichbarkeit von Hinti nicht veröffentlichen sollen – das war kontraproduktiv für alle Seiten.

    Auch einen Besuch eines Eintrachtverantwortlichen bei Hinti wäre denkbar gewesen, wenn man weiß, wie Hinti so tickt.

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  5. 53. chrysge: Vielen Dank! Ich hoffe inständigst, dass möglichst viele User Politik und Angriffe gegeneinander außen vor lassen (teilweise total uninformierte oder nur einseitig informierte Menschen geben grenzwertiges ab…echt weit unter der Gürtellinie und mich traurig stimmend was hier manchmal abgeht) und wir uns wieder um Fußball, Transfers und die neue Saison kümmern. Leider gibt es aber User hier, die gerade bei solchen Themen abgehen wie’n Zäpfchen um bewusst sehr viel zu posten und um politische Meinungen zu platzieren. Ich finde das sehr anstrengend und verliere langsam die Lust zwischen dem ganzen Kram noch „übriggebliebene“ Posts zum Thema Fussball zu suchen.

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  6. Ich habe einen Traum…
    Die Wogen sind geglättet, der Sturm ist verzogen und „Uns“ Hinti geht es wieder richtig gut
    und er kehrt nach seiner Regeneration wieder auf den Rasen zurück, mit dem Adler auf der Brust.
    Wie gesagt, nur ein Traum, denn Hinti hat die Verbundenheit zur SGE, zu uns Fans in seltener Treue bekundet, die Geschlossenheit in der Eintrachtfamilie gelebt, ein echtes Idol. Hinti come back, if you can.
    Auf jeden Fall sollte es ein tolles Abschiedsspiel für Hinti geben, mit einem allem drum und dran und auch einem Sondertrikot.

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  7. @euroadler

    Das geht klar auf meine Kappe, dämlicher Tippfehler. Sogar 2x in diesem thread, das zweite mal vermutlich wegen dämlicher autovervollstandigung des Handys.
    Bei aller inhaltlichen Schärfe der Auseinandersetzung war das tatsächlich nicht von mir beabsichtigt.
    Mea culpa

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  8. @54
    Wie stellst du dir das vor mit einem Besuch bei Hinti, der nicht erreichbar war?

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  9. Keine Ahnung, was das Management jetzt falsch gemacht hat, dazu stecke ich zu wenig drin. Fakt ist, dass man während Hintis Formkrise Porzellan zerdeppert hat und anschliessend nicht zu einer konstruktiven Problemlösung in der Lage war. Daher ist für mich jedes Tor, das Benzema im Supercup gegen uns schießt, ein Eigentor von Krösche. Aber vielleicht schießt er ja gar keins. Allgemeiner gesagt wird die Mannschaft jetzt ohne Bergretter – und Bergretter-Ersatz: Ilsanker – spielen müssen. Weiß nicht, ob sich Glasner diese Baustelle gewünscht hat. Auf alle Fälle freuts die Liga-Konkurrenz.

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  10. @Grüssmann

    Benzema netzt seit Jahren auf jeder Bühne gegen jeden Verteidiger. Aber wie du Ursache und Wirkung verknüpfst, ist ja dein Problem..

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  11. OK, wir halten fest: Erst war die Medienhetze (ganz am Anfang linksgrün) und jetzt zusätzlich das langfristige Versäumnis der Verwaltung dafür verantwortlich, dass da Moartin nicht mehr da ist.

    Arg skurril dat Janze. Keine Worte meinerseits mehr zur Causa Hinteregger, lohnt sich nicht.

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  12. Es war eine kleine Minderheit, hier und ebenso in der sonstigen Öffentlichkeit, die auf Hinteregger mehr oder weniger losging.
    Man sieht ja hier bei den Kommentaren an den Likes und Dislikes, wie die öffentliche Meinung zu dem Thema ist. Ich bin mir sicher, dass mindestens 80% der Eintrach-Fans hinter Hinteregger stehen und gerne gehabt hätten, dass er weiter spielt.
    Aber die Minderheit hat sich leider durchgesetzt. Heute hat es sich in Deutschland leider eingebürgert, dass Minderheiten so laut schreien, dass man denkt sie wären die Mehrheit und sich auch so verhalten, was nicht wirklich demokratisch ist. Das war schon bei Corona so und setzt sich im Kleinen beim Thema Hinteregger fort.
    Nun ist er weg und ein paar Wenige können sich freuen……

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  13. @57
    Danke. Oft unterschiedliche Meinungen,aber in der Sache vereint, so muss es sein. Adlergruß

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  14. Ich ruder zurück…

    „die Minderheit hat sich leider durchgesetzt und ein paar Wenige können sich freuen“

    Sach ma, Tom, glaubst du allen Ernstes ein von Depression und Burnout geplagter Martin Hinteregger würde noch mal auflaufen, wenn man seinen Rücktritt nicht akzeptiert hätte?

    Herrschaftszeiten, heit is wieda nix zu bled!!!

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  15. @57. begoni, dann sehe ich meinen Post über dich / an dich als gegenstandslos an, da nur ein Tippfehler.
    Wie du schon sagst, auch wenn viel Schärfe im „Spiel“… das wäre zu viel des Guten.
    Am Ende alle vereint, so passt es von 64. euroadler.

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  16. @65 wutzelspeck

    Es geht nicht darum, ob es durch einen anderen Umgang mit ihm zu verhindern gewesen wäre, was aber durchaus hätte sein können, sondern darum, dass eine Minderheit ihre moralischen Vorstellungen über den Rest der Bevölkerung stülpen will.

    Aber das versteht ihr sicher nicht.

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  17. Wir? Ja danke, ich lass mich gerne im Pluralis Majestatis anreden, allerdings Ihr dann bitte groß schreiben.

    Oder willst du tatsächlich implizieren, ich gehöre zu der Gruppe, die sich sich über Hintis Abgang freut? Dann schleich di, denn das ist eine, Martin würde sicher frank und frei dreckige sagen, Lüge, zu der du in keinem meiner Beiträge auch nur den leisesten Hinweis finden wirst.

    Aber klär mich auf: es gibt also eine mächtige Minderheit, deren langer Arm und Einfluss so weit reichen, dass sie das Vertragsverhältnis zwischen Eintracht Frankfurt und Martin Hinteregger manipulieren kann. Und schreib mir bitte auch, welche moralischen Vorstellungen dieser Mächtigen Einfluss auf Hintis Erkrankung und Karriereende hatten.

    Was hast du gemeint, als du schriebst, die Minderheit hätte sich in der Causa Hinteregger gegen die Mehrheit durchgesetzt und wo kann man darüber abstimmen, ob ein Spieler, der selbst gekündigt hat und wohl an einer ernsthaften Störung leidet, weiterhin aufzulaufen hat. Ach, wär ja eh egal, selbst wenn man das könnte, wäre es wohl eine gestohlene Wahl gewesen.

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  18. Ich bin Hinteregger dankbar für das, was er in Frankfurt geleistet hat. Als Typen habe ich ihn immer gemocht und werde das auch weiterhin tun. Nachdem die ganze Sache rund um Sickl von den Medien hochgekocht wurde, hätte Hinti sicherlich mal die F…se halten und auf das ein oder andere Interview verzichten müssen. Der Rückzug vom Profifußball ist aller Ehren wert und kostet Hinti sicherlich auch ein paar Millionen. Aber ich hoffe, dass er hin und wieder mal in Frankfurt vorbeischaut. Leute wie unser ehemaliger Übungsleiter A…f H….er dürfen das schließlich auch, obwohl ich den im Gegensatz zu Hinteregger nicht so gerne in Frankfurt sehe.

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