Nicht nur zehn, sondern schon elf Spieltage sind vorbei. Wie ist die derzeitige Situation der SGE einzuordnen? (Foto: Heiko Rhode)

Nach Elf Spieltagen steht die Frankfurter Eintracht auf Tabellenplatz neun. Eine Fußballweisheit besagt, dass die Tabellenplatzierung bis zum ersten Drittel der Saison unbedeutend ist, da die meisten Mannschaften tabellarisch noch sehr nahe beieinander liegen. Das erste Saisondrittel haben die Hessen nun hinter sich, bisher 17 Punkte eingefahren und liegen auf Tabellenplatz neun. Ist das ein Grund, enttäuscht zu sein? Immerhin sind die Ambitionen klar – die Europa-League sollte möglichst wieder erreicht werden. Auch wenn das nach außen hin nie so deutlich formuliert wird, so spricht der Kader eine eindeutigere Sprache. Namen wie André Silva, Bas Dost oder Kevin Trapp sind schwer mit Mannschaften in Verbindung zu bringen, die nicht europäisch vertreten sind.

Doch zuerst einmal sollte sich der eifrige Eintracht-Verfolger mit der Gesamtsituation auseinandersetzen, bevor er seine Stirn in besorgte Falten wirft. Denn defacto liegen derzeit drei Punkte zwischen der neuntplatzierten Eintracht und Tabellenplatz fünf. Doch schaut man sich die letzten Jahre mal zum Zeitpunkt des elften Spieltages an, so wird eines deutlich: Die letzten Spielzeiten war die Punkteausbeute im ersten Saisondrittel üppiger.

Einordnender Überblick

Die Platzierungen der SGE jeweils am elften Spieltag der vergangenen vier Jahre:

Saison 2016/2017 21 Punkte Tabellenplatz fünf
Saison 2017/2018 18 Punkte Tabellenplatz sieben
Saison 2018/2019 20 Punkte Tabellenplatz vier
Saison 2019/2020 17 Punkte Tabellenplatz neun

 

Schaut man auf die nackten Fakten, so hatte die Eintracht im ersten Saisondrittel so wenig Erfolg, wie seit vier Jahren nicht mehr. Aber dies soll mit Nichten die Botschaft dieses Artikels sein. Denn woran lag es denn, dass man in den letzten Jahren stets so erfolgreich war und die erste Saisonhälfte immer herausragende Punktzahlen lieferte? Das Stichwort ist (unter Anderem) Spielglück.

Fehlendes Spielglück

Gegen Bremen gab die SGE den Heimsieg in letzter Sekunde aus der Hand. (Bild: Heiko Rhode)

Von fehlendem Glück zu sprechen, klingt nach einer schlechten Ausrede für schwache Leistungen, aber in diesem Fall stimmt das nicht ganz und das ganze lässt sich auch faktisch untermauern.
In der Saison 2016/2017 begann der kometenartige  (wenn auch bisher kurze) Aufstieg des Aymen Barkok. Am elften Spieltag traf er kurz vor Schluss per sehenswertem Schlenzer zum 2:1 Endstand gegen Werder Bremen. Oder wir alle erinnern uns an das herrliche Seitfallzieher-Tor, mit dem Sebastién Haller eine Saison später gegen den VfB Stuttgart in aller letzter Sekunde den Heimsieg buchte.

Es gibt eine Statistik, die misst, in welchen Spielminuten Teams ihre Tore schießen. Besonderes Augenmerk richten wir nun auf die Kategorie der Tore ab der 90. Spielminute. In der Saison 2017/2018 erzielte die Eintracht vier Tore in der Nachspielzeit und stellte damit den Bundesliga-Höchstwert der Saison. Ein Jahr darauf, in der gerade vergangenen Spielzeit, gelangen den Frankfurtern sogar ganze fünf Treffer nach Ablauf der regulären 90 Minuten. Lediglich Borussia Dortmund schaffte mehr. Wenn es also einem Team gelingt, in den wenigen Nachspielminuten eine Vielzahl an Toren  zu schießen, dann ist das in großem Maße auf Spielglück zurückzuführen. Dieses Spielglück fehlte den Hessen bisher in dieser Saison. Mehr noch, gegen Bremen fing man sich in der Nachspielzeit noch den unglücklichen 2:2 Ausgleichstreffer und im letzten Europa-League Spiel gegen Standard Lüttich verlor man das Spiel sogar noch mit 1:2 durch ein Gegentor in der Nachspielzeit.

Ein Grund zur Sorge?

Doch ist das ein Grund zur Sorge? Mit dem Glück ist das so eine Sache, mal hat man es und mal geht der Ball eben an den Pfosten und der gegnerische Torwart hat einen Sahnetag, wie zuletzt beim 0:1 in Freiburg. Dennoch, die Eintracht spielt mittlerweile auf einem sehr hohen Niveau. In beinahe jeder Partie kontrollieren die Mainstädter das Spiel und überzeugen durch gute Spielzüge und vollen Einsatz.

Und ein wichtiges Argument fehlt noch: Von Schalke 04 abgesehen, hat die Eintracht schon gegen jedes Team gespielt, dass derzeit in der Tabelle über ihr steht. In einem solchen Programm 17 Punkte zu holen, ist eine Leistung, auf die man durchaus stolz sein kann. Ab jetzt sollten die vermeintlich einfacheren Aufgaben kommen. Freiburg zum Beispiel steht derzeit auf Tabellenplatz Vier, aber musste bisher fast ausschließlich gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte antreten.

Und dann, um den Kreis der Weisheiten zu schließen, gibt es da ja noch die alte Weisheit, die vom „Glück des Tüchtigen“ spricht. Und fehlende Tüchtigkeit kann man den Adlerträgern nun wirklich nicht vorwerfen. Der Kader ist qualitativ so gut wie vielleicht noch nie zuvor, die richtigen „Pflichtsieg-Spiele“ kommen erst noch und die Mentalität des Teams ist intakt. Es besteht also durchaus Grund für Optimismus im Frankfurter Stadtwald.

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12 Kommentare

  1. Es besteht also Grund zu Optimismus ?
    Da braucht ihr 23 Pflichtspiele um endlich auf den Zug aufzuspringen ?
    Statistik ? Laufwerte ? Eckbälle ? Zuschauerzahlen ? Entwicklung ? Fans ? Liebe zum Verein ?
    Tausende Fragen , doch nur eine Antwort : Wir lieben unsere Eintracht !
    Punkt !
    Forza SGE !

  2. Die späten Gegentore gegen Bremen und Lüttich waren kein Pech sondern taktische Dummheit.
    War nicht letzte Saison gerade das 2. Drittel besonders erfolgreich , so dass jetzt droht , dass der Abstand sogar größer wird.
    Hat das einer parat ?

  3. Diese Saison wird das 3. Drittel besser – breite des Kaders, Lerneffekte – Optimistisch.

    Pokal (RBL) und EL auf der Kippe – wir wollen weiterkommen, klar, aber wenn nicht, fällt eine Belastung weg.

    Wäre gut, Defensive stärken, zB im Winter, Jovic Leihe für Rückrunde, und weniger selber schwächen mit roten Kadde – Heimstärke ist enorm, auswärts Punkte schwach, wir spielen gut, aber nicht clever genug. Mehr dreckische Siege usswärts, effektiv, keine roten Karten, (ganz wenige) Fans keinen Ausschluss verursachen, noch abgebrühter vorne knipsen.

  4. Fußball ist leider kein Wunschkonzert und jeder der schon einmal Aktiv gespielt hat weiß mindestens 50 Prozent spielen sich im Kopf ab wir brauchen einfach mal einen Lauf,gerne auch in der 95 minute das Siegtor. Habe selbst lang genug gespielt dann ging irgendwann alles von selbst. Es gab aber auch Zeiten da ging gar nichts. Absolute Kopfsache und der damit am besten umgehen kann ist kloopo.

  5. ‚Filip Kostic war bereits gestern angeschlagen von der serbischen A-Nationalmannschaft zurück nach Frankfurt gereist.‘
    (hr)

    Dachte mir sowas schon, nachdem er am Donnerstag nicht im Kader stand. Hoffe es ist nix wildes.

  6. Ich mag das Thema. Danke an die Redaktion. SPIELGLÜCK – ein sehr unterschätzter Faktor. Aber genau dieses Spielglück hat mehr als nur einen Finger an der Waage ob gut oder schlecht.

    Gladbach ist mit ner Menge Spielglück Tabellenführer. Hätten wir auswärts mehr Spielglück, wären wir Erster. Früher haben wir uns teilweise die Punkte ergauntert. Mittlerweile sind wir selten schlechter – es fehlt dann oft das Spielglück.

    Das Spielglück hat Kovac die letzten Wochen gefehlt. Uns zur Freude (was das 5:1 angeht).

    Das Spielglück in seiner reinsten Form hat Schalke vorletzte Saison zum Vizemeister gemacht.

    Der letzte Kölner Abstieg lag überwiegend am mangelnden Spielglück, nicht an der Perdormance.

    Unser Pokalsieg…. klar, war das ne mental überragende Leistung. Aber wir hatten auch ohne Ende Spielglück. Wissen wir alle.

    Man kann das ewig weiterführen (1954, 1966 als Beispiel)…. was, wenn Fjörtoft den 18-fachen Übersteiger net rein macht? Was, wenn Okocha 93 das Ding gegen den KSC an den Pfosten knallt? Wie würden wir heute reden?

    Um die großen Erfolge zu feiern, brauchst du eben ab und an dieses Spielglück. Das wunderbare an der Sache ist: mittlerweile ergaunern wir uns nur noch selten dieses Spielglück. Meistens erarbeiten wir uns das. Blöd ist: jetzt versuchen die anderen gegen uns zu gaunern. Da müssen wir noch lernen. Aber auch das ist ein Prozess.

  7. @Liebe Redaktion, was macht eigentlich der Andy Möller so im Nachwuchs? Gibt es Infos und mal einen Bericht dazu oder arbeitet er wie ein Geist und niemand hat ihn dort gesehen und weiß welche Zukunftspläne er hat? Könnte mir auch vorstellen, dass man noch ein wenig Gras über alles wachsen lassen möchte, bis er seinen ersten öffentlichen Auftritt bekommt.

  8. Endlich mal ein mit Optimismus vollgepackter Bericht über unsere SGE mit Tatsachen und Fakten und dann gleich wieder die…..ja aber,Schreiber.
    Klar dürft Ihr, keine Frage , i
    ich jedenfalls nehme den Artikel in der blöden Länderspielpause wie er ist und blicke ebenfalls voller Optimismus und Vorfreude auf die nächsten Spiele in die Zukunft.
    Allen ein schönes Wochenende
    FORZA SGE

  9. Falette möchte unbedingt in der Winterpause wechseln.
    Schade auch.Ein feiner Kerl

  10. Ich sehe es ähnlich, wie @2 jim panse.
    Immer wieder ähnliche Defensivfehler in den letzten Spielminuten. Gegen Werder 2 Punkte gekostet, zuhause gegen Lüttich das vielleicht in der Endabrechnung ausschlaggebende Gegentor und das brutale Tor gegen uns in Lüttich. Sorry, da muss ein Abwehrchef die Ordnung herstellen und unser Trainer muss dies organisieren. Die Leistung der SGE ist ingesamt in Ordnung, spielerisch und einstellungsmässig.

  11. Ich schmeiss es einfach mal so rein – obwohl ich selbst die Antwort nicht weiß – ist Trapp da einfach noch ein ticken erfahrener, seine Abwehr in den letzten Minuten zu stabilisieren?

  12. Jeder von Euch hat recht, aber das Spielglück gehört auch zum Fußball, das ist bei den Auswärtsspielen noch nicht zurück, aber bei den Heimspielen haben wir es doch geschafft.
    Darauf hoffe ich nach der Pause sehr, denn ohne ein Quentchen Glück geht garnichts im Leben, das ist mit das wichtigste, man muss nur dran glauben.

    Also weiter spielen und kämpfen dann kommt auch das Glück zurück.

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