Nicolai Müller konnte sich in der Hinserie nicht nachhaltig empfehlen und wagt den Sprung nach Hannover

Acht Spieler hat Eintracht Frankfurt aktuell an andere Vereine verliehen. Damit ist man im Erstliga-Vergleich an der Spitze zusammen mit der TSG Hoffenheim. International gesehen ist man allerdings damit noch ein ganz kleines Licht. Atalanta Bergamo zum Beispiel, mit denen einen Fan-Freundschaft besteht, haben sogar 53 Spieler bei anderen Klubs „geparkt“. Das Geschäft mit der Leihe wird im Profi-Fußball immer populärer. Man kalkuliert darauf, dass sich der Spieler gut entwickelt, ohne ihn ganz abzugeben. Meistens bekommt man sogar noch eine Leihgebühr und muss nur einen Teil des Gehalts zahlen. Die aufnehmenden Vereine profitieren selbstverständlich auch von diesem Deal, da sie meistens kleiner sind und für relativ wenig Geld einen hochwertigen Spieler bekommen.

Fünf Adlerträger schlossen sich im letzten Sommer einem anderen Verein an, drei starten ab dieser Rückrunde in ihr neues Abenteuer. Und dann gibt es noch einen weiteren Spieler, der offiziell ausgeliehen ist, aber trotzdem auf keinen Fall mehr zurückkehren wird. SGE4EVER.de wagt einen Zwischenblick auf den bisherigen Werdegang und gibt eine Prognose über die weitere Zukunft.

Daichi Kamada

Der Gewinner unter den Verliehenen ist gegenwärtig ohne Frage Daichi Kamada. Der Japaner wechselte zum belgischen Erstligisten VV St. Truiden und spielte eine beeindruckende Hinserie. Insgesamt elf Treffer und drei Vorlagen gelangen dem U23-Nationalspieler in dieser Zeit. Seinen Marktwert hat er auf transfermarkt.de daher auf 3 Millionen Euro hochgeschraubt. Dem Vernehmen nach besitzen die Belgier keine Kaufoption für Kamada. Ob er im Sommer seine Zelte wieder in Frankfurt aufschlägt, steht allerdings noch in den Sternen. Vieles wird davon abhängen, wie Kamada sich in der Rückrunde schlägt und welches Potenzial die Verantwortlichen noch in ihm sehen.

Marijan Cavar

Der jungen Marijan Cavar kam erst in der letzten Winterpause zur Eintracht und sollte die Zeit bekommen, um sich in seiner neuen Umgebung zurechtzufinden. Nach nur einem halben Jahr entschieden sich die Bosse allerdings dafür, den Bosnier zu verleihen. So ging es zum kroatischen Erstligisten NK Osijek. Beim Tabellendritten kam Cavar zu neun Einsätzen im zentralen und offensiven Mittelfeld. Ein Scorerpunkt gelang ihm derweil noch nicht. Dennoch trug er dazu bei, dass seine Mannschaft vor allem defensiv sehr gut steht und Anschluss an das Spitzenduo in Kroatien hält. Im Gegensatz zu Kamada können die Kroaten ihren Spieler am Ende mithilfe einer Kaufoption auch fest verpflichten. Über die Hohe gibt es keine Informationen.

Max Besuschkow

Max Besuschkow wechselte ebenfalls nach Belgien, allerdings zum Zweitligisten Royale Union Saint Gilloise. Dort kam er zu 20 Einsätzen in denen ihm eine Vorlage gelang. Im Gegensatz zu seiner letzten Leihstation, Holstein Kiel, kommt der gebürtige Tübinger also dauerhaft zum Einsatz und sammelt fleißig Spielpraxis. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Hessen weiter mit ihm planen, ist aber äußerst gering. Bereits unter Niko Kovac besaß Besuschkow einen schweren Stand, der sich unter Adi Hütter nicht änderte. Gut möglich, dass der Klub die Kaufoption am Ende zieht und der 21-Jährige im Nachbarland bleibt.

Aymen Barkok

Das Frankfurter Eigengewächs Aymen Barkok legte einen komentenhaften Profi-Aufstieg hin. Das Juwel schien drauf und dran sich bei seinem Heimatklub durchzusetzen, ehe seine Karriere ins Stocken geriet. Gemeinsam mit dem Verein einigte man sich auf eine Leihe zu Aufsteiger Fortuna Düsseldorf. Die Rheinländer sicherten sich eine Kaufoption, mussten allerdings einer Rückkauf-Option zustimmen. Denn, die Frankfurter sind überzeugt – Barkok besitzt enormes Entwicklungspotenzial. Doch eine Innenbandverletzung und anschließende muskuläre Probleme warfen ihn fast die komplette Hinrunde ins Verletztenlazarett. Erst zwei Einsätze unter Ex-Eintracht-Coach Friedhelm Funkel stehen zu Buche. Hinzu kommen drei Nominierungen in der zweiten Mannschaft. In der Rückrunde soll dies anders aussehen. So soll Barkok wieder fit sein und definitiv eine Alternative darstellen, um bei den Düsseldorfern die Mission Klassenerhalt mitzutragen. Verbleib weiterhin offen.

Danny Blum

Auf die Kanarischen Inseln trieb es Danny Blum. Der Offensivallrounder schloss sich UD Las Palmas, dem Ex-Klub von Kevin-Prince Boateng an. Über die Ergänzungsrolle kam der ehemalige Nürnberger dort allerdings nicht hinaus. Lediglich zwei Vorlagen konnte er in 13 Einsätzen beim Zweitligisten beisteuern. Die Spanier dümpeln derzeit im grauen Tabellen-Mittelfeld, obwohl sie über kurz oder lang zurück ins Oberhaus der La Liga aufsteigen wollen. Eine Kaufoption liegt vor, ob sie nach derzeitigem Stand allerdings gezogen wird, dürfte bezweifelt werden.

Deji Beyreuther

Der Frankfurter Youngster schloss sich zur Rückrunde dem Viertligisten Chemnitzer FC an. Nachdem er zwar einige Male beim Profikader auf der Bank saß, aber nicht zum Einsatz kam, entschloss man sich Deji Beyreuther Spielpraxis zu ermöglichen. CFC-Sportvorstand Thomas Sobotzik nutzte seine guten Kontakte zur Eintracht und lotste Beyreuther kurz vor Weihnachten nach Sachsen. In Chemnitz besteht die Option bei Aufstieg, dass der 19-Jährige im Anschluss noch ein weiteres Jahr bleibt. Eine explizite Kaufoption existiert nicht. Die Eintracht wird ihm aber sicher keine Steine in den Weg legen.

Nicolai Müller

Nicolai Müller ist der zweite im Bunde, der sich zur Winterpause hat ausleihen lassen. Dem Offensivspieler gelangen zwar zwei Treffer, doch zu häufig pendelte er zwischen Bank und Tribüne. Bei Hannover 96 möchte er sich nun durchsetzen und „eine Chance, mehr zu spielen“, wie er im vereinseigenen Interview erklärt. Erst einmal soll Müller bis Saisonende bei den Niedersachsen bleiben. Wie es dann mit ihm weiter geht, steht noch in den Sternen. Am Main besitzt er noch einen Vertrag bis 2020.

Felix Wiedwald

Felix Wiedwald kehrte vor der Saison zurück an seine alte Wirkungsstätte. In Frankfurt erhoffte der Torhüter sich einen offenen Konkurrenzkampf mit Frederik Rönnow. Nach der Verpflichtung von Kevin Trapp rückte er aber mindestens ins dritte Glied. Selbst für die Europa-League wurde er nicht gemeldet, da man nicht auf Local Player Jan Zimmermann verzichten konnte. Nun geht es zum MSV Duisburg, wo er ebenfalls schon zwischen den Pfosten stand. Bis mindestens Sommer 2018 wird er dort geparkt. Die Wahrscheinlichkeit ist aber hoch, dass er nicht mehr zurückkehrt.

Andersson Ordonez

Zugegeben: Die meisten werden es mittlerweile vergessen haben, doch Andersson Ordonez ist seit letztem Winter an LDU Quito in Ecuador verliehen und damit noch offiziell ein Spieler der SGE. Zurückkommen wird er aber ganz bestimmt nicht mehr. Bereits vor einigen Wochen berichtete Vereinsboss Esteban Paz: „Wenn wir nächstes Jahr die 500.000 Dollar nicht bezahlen, wird der Spieler offensichtlich von der Eintracht nicht verpflichtet, wenn wir zahlen, wird er in diesem Moment Teil von LDU sein. Heute sind die Spielerrechte bei LDU, die wirtschaftlichen Rechte aber noch nicht, bis wir das Abkommen abgeschlossen haben.“ Gegenwärtig laboriert Ordonez noch an einer schweren Fußverletzung. Seinen letzten Einsatz bestritt er am 3. Juli 2018 beim 2:1-Sieg gegen CD Catolica. Nach 37 Minuten musste er mit einem Mittelfußbruch verletzt den Platz verlassen.

- Werbung -

10 Kommentare

  1. Hallo Julian,
    danke für Deinen interessanten Bericht. Ich hätte dazu mal ein paar grundsätzliche Fragen, ich weiß nicht, ob ihr das beantworten wollt/könnt. Dinge wie Vertragslaufzeiten und Kaufoptionen sind ja „vertrauliche“ Daten, die die Eintracht (meines Wissens) nicht im Internet veröffentlicht. Wie kommt ihr an solche Daten? Stellt ihr eine entsprechende Anfrage an die EF-Pressestelle? Wie ist denn da generell die Zusammenarbeit? Wird sge4ever eher als Partner oder eher als Konkurrent wahrgenommen? Werdet ihr offiziell und inoffiziell mit Infos versorgt?
    Wie gesagt, ich will keine sensiblen Interna wissen, darum geht es mir nicht. Mich würde viel eher interessieren, wie diesbezüglich die Presse- und Informationsarbeit der Eintracht ist, ob ihr davon profitiert und was es sonst noch für interessante Quellen gibt (wenn diese nicht „sensibel“ sind).
    Gruß
    Fozzi

  2. Hallo Fozzi,

    vielen Dank für dein Lob. Ich versuche da mal zufriedenstellend drauf zu antworten. SGE4EVER.de sammelt sowohl eigene Information, verarbeitet aber auch Informationen Dritter. Die Vertragslaufzeiten werden i.d.R. von der Eintracht kommuniziert. Über etwaige Kaufoptionen hat der Verein entweder aus eigenem Interesse informiert oder wir haben sie eigens recherchiert oder eben durch die Verwertung unserer journalistischen Kollegen aufgenommen.
    Wir werden von Eintracht Frankfurt nicht inoffiziell mit Informationen versorgt, arbeiten aber vertrauensvoll mit dem Klub zusammen. Wir sind regelmäßig bei Presserunden, Pressekonferenzen und Trainingslagern dabei und werden vom Verein – wie alle anderen Medien auch – mit Pressemitteilungen versorgt. Wir betreiben aber, wenn es nötig ist, eine gewisse Eigeninitiative, und treten in den Dialog mit den verschiedenen Ansprechpartnern der Eintracht. Aber auch das ist völliger Usus in der gesamten Medienlandschaft. Aus diesen Quellen ziehen wir die für uns wichtigen Informationen und stellen sie unseren Leserinnen und Lesern zur Verfügung

    Wir hoffen, wir konnten dir einen kleinen Einblick damit verschaffen.

    Viele Grüße
    Julian

  3. @Julian
    Super, dank Dir für Deine ausführliche Antwort. Sehr interessant! Gibt EF denn Pressemitteilungen, zB per eMail wie ein Newsletter, raus, die ihr regelmäßig bekommt? Bekommt ihr von EF auch mal ein direktes Feedback auf eure Artikel – positiv wie negativ, zB in Form einer Richtigstellung?

  4. Kamada und Barkok sollten mMn zurückgeholt werden. Beim Rest bin ich skeptisch ob die uns nochmal weiterhelfen können.

  5. Bei Kamada sehe ich es auch so, vor allem haben wir auf der Position gar nicht so viele. Klingt verheißungsvoll. Müller traue ich eine gute Rückrunde zu bei H96. Beyreuther schreibe ich auch noch nicht ab. Die drei könnten es noch packen aus meiner Sicht. Bei Barkok glaube ich nicht das es für die erste Mannschaft in Düsseldorf reicht. Dann wird es auch für uns kaum reichen. Den Rest sehe ich auch ohne Chance.

    @Fozzi und Julian
    Super Frage und super Antwort

  6. @Fozzi

    Ja, die Pressemitteilungen werden in regelmäßigen Abständen an die Abonnenten verschickt. Spielerwechsel, Vertragsverlängerungen, Verletzungen oder andere wichtige Themen werden vom Verein dort direkt kommuniziert.
    Sicherlich gibt es hin und wieder untereinander einen Diskurs. Insgesamt ist das aber immer sehr professionell, sowohl positiv und negativ, aber auch nicht regelmäßig. Bei offenkundigen Falschmeldungen darfst du dir sicher sein, dass sich ein Verein mit dem verbreitenden Medium auseinandersetzt 🙂

  7. Mal was anderes: was ist mit der strafzumessung der uefa bzgl. Der Vorkommnisse in der EL? Gibt’s da was neues?

  8. „Die aufnehmenden Vereine profitieren selbstverständlich auch von diesem Deal, da sie meistens kleiner sind und für relativ wenig Geld einen hochwertigen Spieler bekommen.“

    Wie kann man so etwas schreiben, wenn man sich auch nur ein bisschen mit Fußball beschäftigt?

    Lieber Autor, stellen Sie sich bitte mal vor, was wäre, wenn Leihen generell verboten oder auf ein Limit von maximal drei pro Verein beschränkt wären.

    Wo wären dann die 53 Talente von Bergamo (oder die paarhundert, auf denen Chelsea, Juve und Co schon die Hand draufhaben)? Genau. Bei den kleineren Vereinen. Die vielleicht auch mal die Chance hätten, mit so einem Spieler Kasse zu machen, nachdem dieser sich entwickelt hat, und den finanziellen Abstand nach oben zu verkleinern. Leihgeschäfte, wie sie aktuell geregelt sind, dienen zu 99% dazu, dass die Schere zwischen großen und kleinen Vereinen weiter auseinander geht.

Keine Kommentare mehr möglich.

- Werbung -