Bruno Hübner beobachtet den Markt ganz genau.

Während die Spieler von Eintracht Frankfurt im kalifornischen Chula Vista auf dem Trainingsplatz aktiv sind und Trainer Niko Kovac seine Mannen auf die neue Saison vorbereitet, vertreibt sich Sportdirektor Bruno Hübner auf dem Transfermarkt die Zeit. Es gibt noch eine Menge zu tun im Eintracht-Kader, unabhängig von der Personalie Bastian Oczipka, der vom FC Schalke 04 umworben wird. Hübner bestätigte das Interesse der Königsblauen am Rande des Trainingslagers. Doch es gilt nicht nur auf der Linksverteidiger-Position einen adäquaten Ersatz für einen eventuellen Abgang Oczipkas zu suchen, auch an anderen Stellen in den Reihen der Mannschaft muss noch nachjustiert werden.

Das wird vor allem der Fall sein, wenn Torwart Lukas Hradecky den Verein verlassen sollte. Beide Parteien beteuern, dass sie gerne weiter zusammenarbeiten wollen. Das ist der Eintracht aber nicht genug. Sie möchte das Arbeitspapier des Finnen gerne verlängern. Hradecky tut sich jedoch schwer damit, seine Unterschrift darunter zu setzen, dennoch möchte er seinen aktuellen Vertrag gerne erfüllen, wie er kürzlich verlauten ließ. Schon seit mehr als einem halben Jahr wird über eine Verlängerung des Kontrakts gesprochen, einig wurden sich Verein und Spieler sowie Berater bis jetzt jedoch noch nicht. Was damals noch wie Formsache aussah und nur eine Frage der Zeit war, ist heute zu einer zähen Angelegenheit geworden, die sich auch zehn Tage nach Trainingsbeginn nicht geändert hat.

Die Lage um Hradecky ist nicht zu vergleichen mit der von Oczipka. „Es ist eine ganz andere Situation. Er kam nicht auf uns zu, da gibt es kein Angebot“, erklärt Hübner. Einen unterschriftsreifen Kontrakt seitens der Eintracht hat der Torhüter nach wie vor auf seinem Schreibtisch liegen, allerdings gebe es „keinen neuen Stand“ zu vermelden. Außerdem sagt Hübner: „Hier im Trainingslager werden keine Gespräche geführt, mit niemanden.“ Möchte die Eintracht ihren Keeper im nächsten Jahr jedoch nicht ablösefrei verlieren, sollte sich das zeitnah ändern.

Der Schuh drückt vorne und hinten

Auch in der Innenverteidigung herrscht derzeit eine Vakanz. Noch bevor Carlos Salcedo in Frankfurt angekommen ist, verletzte sich der geliehene Neuzugang. Beim Confed-Cup holte er sich im ersten Spiel gegen Portugal eine Schulterecksgelenksprengung ab – Rückkehr voraussichtlich Ende September. Derzeit arbeitet „El Titan“ in seiner Heimat an seinem Comeback und befindet sich dort laut Hübner in guten Händen. Der Spieler informiert den Verein regelmäßig über den Stand der Dinge. „Salcedo trainiert richtig gut“, berichtet der gebürtige Wiesbadener und sagt weiter: „Wir sind total zufrieden und halten an dem Plan fest: Drei Monate!“. Dieser Umstand ist für Salcedo natürlich mehr als unglücklich, das weiß auch der Sportdirektor: „Für ihn ist es schade, er war motiviert und wollte in der Anfangsformation stehen.“ Dennoch habe der Verteidiger den Rückschlag gut weggesteckt, betont Hübner, „dementsprechend kommt er noch motivierter zurück.“

Für Alexander Meier (li.) gilt es zunächst, wieder auf die Beine zu kommen.

Der 56-Jährige richtete den Blick daraufhin weiter nach vorne und sprach die Offensive an. Der Ausfall von Kapitän Alexander Meier, der kurz vor Trainingsstart am Knöchel operiert werden musste und nur wenige Tage später an Borreliose erkrankt ist, stellt die Verantwortlichen der Eintracht eventuell vor eine weitere Herausforderung. Je nach dem wie lange Meier fehlen wird, sollten sich die Hessen vielleicht auch im Angriff um einen Ersatz kümmern. Das wird aber vom weiteren Krankheitsverlauf abhängen und davon, wie die Maßnahmen greifen werden. Im Moment dürfe der von den Fans zum „Fußballgott“ ernannte Meier „seinen Körper nicht belasten.“ Der Verein unterstützt ihn natürlich auf dem Weg zurück. Wann er wieder auf dem Platz stehen wird, ist unklar, die Eintracht vertraut da auf die Meinung des behandelnden Internisten.

Hübner hält die Augen also in beide Richtungen des Marktes auf. Im Trainingslager stünden die Verhandlungen aber nicht im Fokus, denn die Gespräche müssten vor Ort geführt werden, was natürlich nicht heißt, dass der Markt aus dem fernen Amerika nicht weiter beobachtet werde. Die sportliche Vorbereitung scheint in den Vereinigten Staaten aber im Vordergrund zu stehen.

„Alles gut!“

Was das angeht, hat Hübner festgestellt, dass es sich unter der Sonne Kaliforniens ganz gut leben und trainieren lässt. Zwar sei die Unterkunft ganz im Gegensatz zum Wintertrainingslager in Abu Dhabi „etwas bescheidener ausgefallen“, aber der Verein ist zufrieden mit den Bedingungen vor Ort. „Alles gut!“, beschreibt der ehemalige Profi die Lage. Hübner ist sich im Klaren darüber, dass die „USA in Sachen Trainingscamps noch nicht so weit ist.“ Die Eintracht möchte hier beratend zur Seite stehen, so solle die amerikanische Fußballlandschaft aus dem Aufenthalt der Hessen etwas lernen, denn schließlich „wollen wir so eine Reise wiederholen.“ 

Noch bis zum 18. Juli ist der Eintracht-Tross durch Amerika unterwegs, insgesamt also gute zwei Wochen. Am Ende wird sich die Mannschaft für jeweils wenige Tage am Stück an drei unterschiedlichen Standorten aufgehalten haben. Nach Seattle und Chula Vista wartet noch die Stadt Columbus im Staate Ohio auf die Hessen. „Fünf Tage vergehen schnell“, weiß Hübner und befürchtet deswegen, dass es nicht zu dem berühmt berüchtigten Lagerkoller kommen wird. „Die Reisen sind anstrengend, da sind die Spieler froh, wenn sie mal runterfahren können.“

Das gilt natürlich auch für die Umfänge, die der Übungsleiter trainieren lässt. Wie nicht anders zu erwarten, fordert Kovac seine Spieler auch in dieser Vorbereitung und verlangt ihnen alles ab. Der erste seiner Schützlinge muss deswegen schon ein wenig kürzer treten: Mittelfeldspieler Danny Blum hat derzeit mit einer Muskelverhärtung im linken Oberschenkel zu kämpfen. Das sei jedoch nicht weiter schlimm, dennoch kommt der Flügelflitzer nicht drum herum, es in den nächsten Tagen ein bisschen langsamer angehen zu lassen.

Was Bruno Hübner sonst noch zu sagen hatte, seht ihr im folgenden Video:

#SGE-Sportdirektor Bruno Hübner mit den ersten Eindrücken vom Trainingscamp in Chula Vista und dem aktuellen Stand der Kaderplanung. Was er sonst noch zu sagen hatte, lest ihr morgen bei uns.

Posted by SGE4EVER.de – Eintracht Frankfurt on Sonntag, 9. Juli 2017

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12 Kommentare

  1. OT: Zu Barkok
    http://dailycannon.com/2017/07/report-arsenal-table-bid-for-frankfurt-wonderkid-aymen-barkok/
    Überschift lautet: Arsene Wenger verfolgt die Entwicklung des WUNDERKINDS von Eintracht Frankfurt, Aymen Barkok und es heißt sie hätten vor kurzem ein Angebot abgegeben, um den Zuschlag für den kreativen Mittelfeldspieler zu erhalten.
    Hier wird dann eine Summe über 8,8m GBP genannt, welch sich in EUR auf knapp unter 10 Mio belaufen würde. Wenger beobachte ihn schon seit geraumer Zeit.
    Er sei vielseitig eingesetzt worden, im ZM, auf den Flügeln, aber er würde die 10er Position des Spielmachers bevorzugen.
    Im Artikel wird er vom Spielertyp mit Goretzka verglichen.

    Na, wahrscheinlich wollen sie einen neuen Özil.

  2. Warum glaubt ihr, der Lukas hat seinen neuen Vertrag auf dem Schreibtisch liegen? Könnte doch auch in der Küche liegen oder sonstwo.

  3. Sollte Hradecky bleiben, so wird er jeden Cent den er diese Saison verliert, in der nächsten Saison von seinem neuen Arbeitgeber erstattet bekommen. Statt einer saftigen Ablöse für uns, gibt es ein saftiges Handgeld für ihn. Der neue Club spart sich so eine hohe Ablöse und der Spieler bekommt was er will. Wir gehen leider leer aus.

    Nur wenn ein „großer“ Club seine Nummer 1 noch verlieren sollte (Leverkusen z.B.) könnte sich das ändern. Hoffentlich will Leno (wegen der WM) unbedingt weg um sich international zu beweisen.

  4. Wie geil die Hübner-Pose ist. Da fehlen noch zwei Colts links und rechts und ein Cowboyhut!

    Gruß SCOPE

  5. @dribbelstaedter
    Danke für den Link.
    WOW! 44 Mios, dass ist eine Hausnummer. Nicht auszudenken wenn wir 2 weitere Spiele sprich 6 Punkte mehr geholt hätten.

  6. Barkok wäre ein riesiger Verlust in meinen Augen.
    LH sollte jedoch sofort durch eine neue Nr. 1 abgelöst werden.
    Geht er bekommen wir noch gutes Geld. Bleibt er, verrottet er auf der Tribüne und verliert enorm an Wert.
    Das weiß er und wird freiwillig gehen.

  7. @8 schnellmatz:
    diese Option wurde doch schon diskutiert und es würde keinem etwas bringen.
    Für SGE wäre es sportlich zu riskant wenn dadurch ein guter Tabellenplatz verspielt wäre (das Wort „Abstieg“ benutze ich hier nicht). Und für ca. 2 Mio (Differenz zum geforderten Gehalt LH) bekommst du keinen adäquaten Ersatz auf dem Markt.

  8. Ich sehe auch immer noch keinen Sinn und keinen Grund ihn auf die Tribüne zu setzen. Wenn er der bessere ist, muss er spielen. Uns selbst schwächen macht keinen Sinn. Und er erfüllt ja seinen Vertrag.

  9. Wäre es nicht so etwas wie Erpressung, wenn man Lukas mit der Tribüne drohen würde ?
    Er will ja seinen Vertrag erfüllen.
    Wir hätten für ein Jahr einen guten Torwart, der mithilft, die Klasse zu halten oder auch höhere Ziele zu erreichen.
    (Wie es letzte Saison möglich gewesen wäre…..)
    Wenn er dann gehen will, wäre alles in Ordnung, arbeitsrechtlich sowieso, moralisch aber auch. Finde ich.

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