Seit vergangenem Februar ist Albert Riera Cheftrainer von Eintracht Frankfurt. In seinen fast drei Monaten im Amt polarisierte der Spanier durch diverse Sprüche auf Pressekonferenzen. Egal, ob eine positive oder negative, jeder Eintracht-Fan wird sich vermutlich spätestens nach seinen ersten zehn Bundesliga-Spielen eine Meinung über den 44-Jährigen gebildet haben. So auch Promi-Fan und Kult-Comedian Henni Nachtsheim. Der 69-Jährige ist seit über 50 Jahren brennender SGE-Anhänger und sprach im Interview mit der „Bild-Zeitung“ kürzlich über Riera und dessen Vorgänger.
„Wenn jemand sehr, sehr laut trommelt, steigert er die Erwartungshaltung bei anderen. Das habe ich auch bei mir gemerkt“, urteilte Nachtsheim über die mediale Präsenz des derzeitigen Trainers. Aktuell tourt der „Badesalz“-Star mit dem Bühnenstück „Adlerherzen“ von Stadt zu Stadt. Sportlich fiele ihm jedoch zum aktuellen Zeitpunkt ein Urteil über Riera schwer: „Er hat in seinem letzten Verein sehr gute Arbeit gemacht, auch wenn es eine andere Liga war. Ich hab’ ihm jedenfalls einen riesigen Kredit gegeben. Ich fand es auch mutig und gut, jemanden zu präsentieren, mit dem keiner gerechnet hat. Doch im Moment bin ich skeptisch, ich weiß nicht genau, wo die Reise hingeht.“
„Gerade macht er uns das Gastgeber-Dasein ein bisschen schwer“
Generell schätze er es, wenn der Cheftrainer seines Herzensvereins auch eine gewisse Verbundenheit zu Frankfurt und der Umgebung zeige. „Wir sind ja gastfreundlich, manchmal zwar ein bisschen störrisch, aber keine Sturköpfe. Gerade macht er uns das Gastgeber-Dasein ein bisschen schwer“, gestand Nachtsheim. Zuvor beschäftigte die Eintracht mit Dino Toppmöller einen Trainer, der genau diese erwünschte Verbundenheit ausgestrahlt habe. Über die Entscheidung von Markus Krösche, Toppmöller während einer sportlich biederen Phase zu entlassen, wolle Nachtsheim nicht urteilen. Dafür hätten sich die Entscheidungen des Sportvorstands in den vergangenen Jahren zu häufig als richtig entpuppt: „Deshalb fände ich es vermessen, den Klugscheißer zu geben. Aber ich war wirklich traurig, dass er gehen musste, weil ich ihn als Typ total sympathisch und authentisch fand“, sagte der Comedian und Sänger über den Ex-Eintracht-Coach.
Auch die anderen Ex-Trainer der jüngeren SGE-Geschichte möge er zum Großteil noch bis heute. Über Oliver Glasner sagte er: „Ich fand es total schade, dass es bei seinem Abgang so gerappelt hat. Denn es hat hier vorher unglaublich gut geklappt. Ganz ehrlich: Seit er weg ist, bin ich Fan von Crystal Palace.“ Der österreichische Fußballlehrer wird die Londoner im kommenden Sommer verlassen, ein Wechsel zu einem anderen englischen Klub gilt dabei als wahrscheinlich. Dennoch würde sich Nachtsheim freuen, den Europa-League-Sieger-Trainer von 2022 irgendwann noch einmal im Deutsche Bank Park an der Seitenlinie zu sehen.
„Er war natürlich der Retter!“
Mit Adi Hütter sei er dahingegen als Person nie wirklich warm geworden, obwohl er auch ihn fachlich äußerst schätze. „Ich hatte manchmal das Gefühl, dass er sich eine Maske aufsetzt, und das meine ich gar nicht böse. Aber er weiß, dass die Branche oft ein Haifischbecken ist, und wollte sich so vielleicht ein wenig Schutz schaffen“, sagte Nachtsheim. Dadurch könne er nachvollziehen, weshalb er Hütter als weniger nahbar in Erinnerung habe. Ein besonderes Lob hatte der gebürtige Wuppertaler zudem für Niko Kovač übrig. Der heute 54-Jährige sicherte in der Relegation 2016 gegen den 1. FC Nürnberg den Klassenerhalt der Frankfurter Eintracht: „Er war natürlich der Retter!“, sagte Nachtsheim und ergänzte: „Und dann schlagen wir mit ihm die Bayern im Pokalfinale – das war schon eine stolze Leistung. Ich finde ihn mega-sympathisch und bewundere ihn dafür, wie er den Job in Dortmund macht.“ Wie bei Glasner würde sich der 69-Jährige auch beim momentanen BVB-Coach eines Tages über eine Eintracht-Rückkehr freuen.
Zu seinem persönlichen Lieblingstrainer habe sich dennoch keiner der Coaches aus den vergangenen zehn Jahren gemausert. Dieser Platz sei weiterhin für ein Bundesliga-Urgestein reserviert: „Ich weiß, dass ich mich jetzt total unbeliebt mache, aber wen ich wirklich mochte, war Friedhelm Funkel“, gestand er. Obwohl die Mannschaft unter Funkel nicht den ansehnlichsten Fußball gespielt habe, schätze er bis heute die Echtheit des 72-Jährigen. Im Hier und Jetzt träume er von einem anderen Spanier auf der SGE-Trainerbank, der nicht Albert Riera heiße. Als absoluten Wunschtrainer nannte er demnach Xabi Alonso, auch wenn er wisse, dass das voraussichtlich nicht passieren werde: „Es ist vermutlich der größere Anreiz, den FC Liverpool zu trainieren als Eintracht. Zumindest noch…„, scherzte er.
Zum Großteil trafen Krösche und Co. in den vergangenen Jahren also den Trainergeschmack des Kult-Comedians. Ob sich Nachtsheim noch von Riera überzeugen lässt, könnten wohl die letzten vier Bundesliga-Spiele der laufenden Saison zeigen. Die Frankfurter Eintracht musste zuletzt im Kampf um Europa den Kürzeren ziehen, als sich der SC Freiburg den siebten Tabellenplatz sicherte.






11 Kommentare
Henni hat Ende der 80er oft in meiner Nähe auf der Gegentribüne gesessen. Damals war bei den Plätzen noch fast freie Auswahl, auf jeden Fall viel Platz, ausverkauft nur gegen den FCB. Hin und wieder haben wir uns über das Spiel aufgeregt, oder uns auch an den gleichen Dingen erfreut, auf jeden Fall trägt er den Adler im Herzen und wenn er sagt er ist skeptisch bei AR, da pflichte ich ihm absolut bei.
Aus meiner Sicht werden die letzten 4 Spiele diese Ansicht kaum ändern, da müsste schon ein Wunder geschehen.
Ehrlich offene Aussagen von Henni, in vielem nachvollziehbar.
Zu Riera wird eine möglichst objektive Meinungsfindung echt schwierig. Trainer mit seinen doch sehr offensiven Aussagen, verlieren schnell an Rückhalt, wenn Auftreten und Erfolg damit nicht im Einklang sind.
Wenn sich Überzeugung dann mehr als Selbstherrlichkeit herauskristallisiert, bröckelt unvermeidbar der Rückhalt bei Spielern, Mannschaft, Klubführung und Fans. Dass Riera nicht die besten Antrittsvoraussetzungen vorfand, nämlich eine unfitte Mannschaft mit einem unausgewogenen Kader, sollte jedoch - trotz berechtigter Kritikpunkte - auch bedacht werden, fairerweise.
Vielleicht bekommt Riera noch die nächste Saison, mit seiner Vorbereitung, mit einem Kader, in dem sich auch seine Vorstellungen finden. Vielleicht überzeugt er noch. Wenn's schiefgehen sollte, auch für MK eine knifflige Angelegenheit. Ich persönlich maße mir keine Einschätzung an.
Angenehmes Interview wie immer mit Henni! Ich kann mich seinen persönlichen Trainer-Einschätzungen uneingeschränkt anschließen. Bei Funkel muss ich allerdings hinzufügen, dass die Sympathie und Wertschätzung erst viele Jahre nach seiner aktiven Zeit bei der Eintracht wuchs. Denn während seiner Amtszeit stolperte die Eintracht meist im unteren grauen Mittelfeld herum und kämpfte darum sich in der Liga zu etablieren. Da haderten auch viele (auch ich) an seiner defensiven Taktik.
Ich befürchte, dass es Riera hier in Frankfurt sehr schwer haben wird die Kurve zu kriegen. Die Medien haben ihn sowieso schon zum Abschuss frei gegeben. Bereits bei seiner Antrittsrede habe ich mir trotz aller Begeisterung gedacht, "Junge, halt den Ball etwas flacher!" Als Spanier wusste ich, wie er das alles meinte, aber ich wusste auch, dass man ihm jedes Wort auf die Goldwaage legt. Spanier neigen in ihrer Begeisterung zur Übertreibung. Gerade das mit dem Balkon hätte er sich unbedingt sparen sollen. Dieser Satz wird immernoch von Journalisten allzu gerne missbraucht, um ihn bei Niederlagen zu attackieren. Und mit dieser ausgelaugten Mannschaft kannst Du kaum eine neue Spielart einführen. Gegen Leipzig war es leider ein Offenbarungseid. Das Team hat fertig! Ich habe keine Erwartung mehr diese Saison.
Selbst wenn die Eintracht tatsächlich nicht auf Platz 7 landet, kann es sein, dass man mit Riera den Neuaufbau startet. Alles andere wäre ein Fehler-Eingeständnis von Krösche und eine weitere Niederlage für die Verantwortlichen. Der Sommer wird aber so oder so sehr interessant in Frankfurt.
Krösche und Riera werden sich zusammensetzen und dann wird sich zeigen, ob nach den ersten Monaten die Ziele und Vorstellungen noch die gleichen sind. Krösche wird genaue Vorstellung haben, welche Spieler gehen, wer kommen könnte und welche Spieler auch in Zukunft eine tragende Rolle spielen werden. Riera wird auch eigene Vorstellungen haben, aber das wird schon zusammen passen müssen. Wenn der Vorstand und besonders Krösche nicht zufrieden ist, wird er Riera entlassen und seinen Fehler eingestehen. Ich glaube nicht, dass der Verein das Risiko eingeht mit einem Trainer in die Vorbereitung zu gehen, bei dem jetzt schon so viele Zweifel aufkommen!
Genau, dass MK und der Trainer die neue Saison grundsätzlich gemeinsam planen, klar.
Falls MK dann jedoch Riera entlassen würde, wäre dies nach der unnötigen Verlängerung der Verträge Toppmöllers samt Co.Trainern dann erneut eine Entscheidung, die Eintracht sehr teuer kommen und berechtigte Fragen des Vorstands und auch des Aufsichtsrats
zwingend erforderlich machen würden.
„Ich weiß, es wird einmal ein Wunderrr geschehn…“
Im Vergleich der ersten 10 Bundesliga-Spiele der genannten Trainer bei Eintracht Frankfurt sichert sich Albert Riera mit 15 Punkten die beste Bilanz, während Niko Kovac und Adi Hütter mit jeweils 9 Punkten den schwächsten Start erwischten [1, 2, 3] .
## Vergleich der Startbilanz (Erste 10 Bundesliga-Spiele)
| Trainer | Siege | Remis | Niederlagen | Punkte | Ø-Punkte |
|---|---|---|---|---|---|
| Albert Riera (2026) | 4 | 3 | 3 | 15 | 1,50 |
| Dino Toppmöller (2023) | 3 | 5 | 2 | 14 | 1,40 |
| Oliver Glasner (2021) | 2 | 6 | 2 | 12 | 1,20 |
| Niko Kovac (2016) | 3 | 0 | 7 | 9 | 0,90 |
| Adi Hütter (2018) | 2 | 3 | 5 | 9 | 0,90 |
## Einordnung der Leistungen
* Albert Riera: Der Spanier übernahm das Team Anfang 2026 von Dino Toppmöller [4] . Mit 15 Punkten aus den ersten 10 Partien (u. a. 4 Siege, 3 Remis) lieferte er den statistisch stärksten Einstand in diesem Vergleich [1, 3] .
* Dino Toppmöller: Sein Start in der Saison 2023/24 war geprägt von vielen Unentschieden (5 in 10 Spielen). Trotz der stabilen Punkteausbeute von 14 Zählern wurde er im Januar 2026 nach einem schwachen Rückrundenstart entlassen [4, 5] .
* Oliver Glasner: Er startete 2021 sehr zögerlich mit nur zwei Siegen und sechs Unentschieden [6] . Dennoch führte er die Eintracht am Ende dieser Saison zum historischen [Gewinn der Europa League](https://de.wikipedia.org/wiki/Oliver_Glasner) [7, 8] .
* Niko Kovac & Adi Hütter: Beide Trainer starteten mit lediglich 9 Punkten. Kovac übernahm die SGE 2016 in einer prekären Lage und rettete sie erst in der Relegation, während Hütter 2018 nach dem schwierigen Start eine Erfolgsserie startete, die bis ins Europa-League-Halbfinale führte [2, 9, 10] .
Ich habe diesen Vergleich übrigens nicht gemacht, weil ich die Leistungen der Trainer miteinander vergleichen wollte. Das würde meines Erachtens auch wenig Sinn machen, da die Ausgangslage zu unterschiedlich war. Ich habe sie aber gemacht um darzulegen, auf welch hohem Anspruchsniveau wir einen neuen Trainer kritisieren.
@einesgehtnochrein - Danke für diese Übersicht, sehr Interessant. Ich glaube einfach, dass es Riera nicht schafft eine gewisse Euphorie zu Erzeugen und das Umfeld mitzunehmen. Auch die Spieler scheinen nicht zu der Philosophie von ihm zu passen (ich denke da an Doan, Götze, Knauf, Uzun, ...) - das sind alles herausragende Spieler, die aber auch unter Dino ihr Potential nicht so richtig abrufen können. Ich denke da spielt Mentalität, Spielsystem und natürlich auch das Spielsystem eine Rolle - ich habe da wirklich Bedenken, das Riera der richtige ist um diese Punkte zu verbessern.
Ich denke, Riera muss eine Fehlentscheidung der sportlichen Leitung ausbaden. Die Entscheidung zu einem Trainerwechsel fiel im Nachhinein zu spät. Riera war daher von Anfang an zum Punkte sammeln verdammt. Da haben wir und die Medien ja noch von einem 6. Platz geträumt. Er stand also von Anfang an unter einem enormen Erwartungsdruck. Diesen Druck hat er durch eine Reihe von sinnfreien Aussagen befördert. Ich bin dennoch überzeugt, dass er ein guter Trainer ist. Wie andere Trainer (in der oberen Tabellenhälfte) auch, benötigt er aber Zeit, seine Spielphilosophie umzusetzen. Diese Zeit sollte man im geben.
Ich muss leider sagen, dass AR mit Uzun, Doan und Götze weitere unnötige Problemfelder geschaffen hat. Dazu kommen die meist langweiligen spielerischen Vorträge des Teams, von dem er behauptet, dass ihm die Qualität fehlt. Andernfalls, so wirkt es, würden es einen komplett anderen Fußball spielen, angefangen bei den Einwürfen. Damit bin ich auch schon bei den PKs, die ich zu Beginn noch spannend, mittlerweile aber eher lächerlich und redundant finde. Da schwafelt sich einer was zurecht und bemüht immer wieder die gleichen Plattitüden. Glauben schenke ich dem jedenfalls nicht mehr. Unter diesem Aspekt ist wohl auch die Länge der gestrigen PK zu sehen…
Alles in allem hat sich seit dem Trainerwechsel wenig getan. AR spielt defensiver und kassiert folglich weniger Tore. DT hat hochgestanden und viele Tore geschossen. Unter AR schießen wir wenig Tore, unter DT bekommen wir viele. Also wer Spektakel mag, der kann sich nur DT zurückwünschen.
Ich bin bei AR also ebenfalls skeptisch und würde nur noch die kommenden 2 Spiele abwarten. Wenn wir da voll punkten, darf er die Saison beenden und nach anschließenden Gesprächen würde ich schauen, ob eine weitere Zusammenarbeit fruchtbar erscheint. Verlieren wir weiter Boden zum SCF oder der Abstand bleibt bestehen, würde ich das Projekt beenden und AM wieder bis zum Finale auf die Bank setzen. Danach guckt man neu und hakt die Saison als verloren ab.
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