Nach der bitteren 1:3-Heimniederlage gegen RB Leipzig richtet sich der Blick der Eintracht-Fans nun nach vorn und zwar auf das Auswärtsspiel beim FC Augsburg. Dabei kommt es nicht nur sportlich zu einem spannenden Duell, sondern auch zu einem Wiedersehen mit alten Bekannten: Kristijan Jakić und Marius Wolf. Beide Spieler feierten mit der Eintracht die größten Erfolge in der jüngeren Vereinshistorie. Während Wolf 2018 mit der Eintracht den DFB-Pokal gewann, war Jakić ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, die 2022 in der UEFA Europa League triumphierte. Grund genug, um auf einige Akteure zu blicken, die sowohl für die Hessen als auch für die Fuggerstädter im Einsatz waren. Ein Blick auf die personellen Überschneidungen zeigt, dass beide Vereine in den vergangenen Jahren immer wieder durch gemeinsame Spieler verbunden waren. Ein genauerer Blick auf ihre Werdegänge bei beiden Klubs lohnt sich.
Abwehrchef, Publikumsliebling, Europapokalsieger
Mit Martin Hinteregger verbindet man in Frankfurt vor allem große Emotionen und sportliche Erfolge. Im Januar 2019 wurde der Innenverteidiger zunächst vom FC Augsburg ausgeliehen, nachdem er dort in Ungnade gefallen war, weil er öffentlich Kritik an Trainer Manuel Baum geäußert hatte. In der Rückrunde kam er für die Eintracht auf 14 Bundesligaeinsätze und überzeugte mit kompromisslosem Zweikampfverhalten sowie großem Einsatzwillen. Damit überzeugte er nicht nur die Fans, sondern auch die Verantwortlichen. Der Österreicher wurde zur Saison 2019/20 fest verpflichtet. Infolgedessen entwickelte sich Hinteregger endgültig zur festen Größe: Insgesamt absolvierte er 101 Pflichtspiele für die SGE und erzielte dabei bemerkenswerte 13 Tore. Sein größter Erfolg folgte 2022 mit dem Gewinn der UEFA Europa League. In diesem Wettbewerb stand er in elf Partien auf dem Platz und war ein zentraler Baustein des Triumphs. Von der UEFA erhielt er zudem einen Platz in der Mannschaft der Saison. Seine Zeit in Augsburg hingegen war deutlich wechselhafter. Beim FCA stand er zwischen 2016 und 2019 unter Vertrag und kam dort auf über 83 Pflichtspieleinsätze. Zwar zeigte er bereits dort starke Leistungen, geriet – wie oben bereits erwähnt – aber mehrfach in Konflikte mit den Verantwortlichen, was einen deutlichen Kontrast zu seiner Rolle in Frankfurt darstellt, wo er zum absoluten Publikumsliebling avancierte.
Laufmaschine im Schatten der Stars
Kristijan Jakić gehörte ebenfalls zur Europa-League-Mannschaft von 2022. Der Kroate wechselte 2021 von Dinamo Zagreb zur Eintracht und brachte es dort auf 82 Einsätze und zwei Tore. In seinen ersten beiden Saisons bei der SGE kam der heute 28-Jährige in der Bundesliga auf fünfzig Spiele, meist als defensiver Mittelfeldspieler oder in einer hybriden Rolle zwischen Mittelfeld und Abwehr. Auch in der ersten Frankfurter Champions League-Saison kam er in allen internationalen Spielen zum Einsatz. Seine Stärken lagen klar in der Balleroberung und im Schließen von Räumen. Diese Qualitäten waren im System des damaligen Trainers Oliver Glasner von großer Bedeutung. In seiner letzten Frankfurter Saison kam er nur noch sporadisch zum Einsatz, weshalb er sich für einen Wechsel zum FC Augsburg entschied, wo er wieder mehr Verantwortung übernehmen konnte. Im Januar 2024 auf Leihbasis und im Sommer dann fest verpflichtet, knüpfte er an seine bekannten Stärken an und entwickelte sich schnell zu einer festen Größe im zentralen Mittelfeld.
„Hard-Kohr“ als Kartensammler
Dominik Kohr ist ein Spieler, der durch seine robuste Spielweise polarisiert. Seine erste prägende Bundesliga-Phase erlebte er beim FC Augsburg, für den er zwischen 2014 und 2017 102 Pflichtspiele absolvierte. 2019 wechselte Kohr als gestandener Bundesligaspieler zu Eintracht Frankfurt. Bei den Hessen kam er auf 49 Einsätze und war insbesondere aufgrund seiner Mentalität ein wichtiger Bestandteil des Teams, das sowohl national als auch international auf ihn setzte. Kohr ist kein Spieler für die Highlight-Clips, aber einer, der durch seine Intensität und Präsenz Partien beeinflussen kann. Durch seine kompromisslos harte Spielweise erlangte er den Spitznamen „Hard-Kohr“, der sich auch statistisch widerspiegelt. Der aktuelle Mainzer sammelte bisher 107 Gelbe Karten in der Bundesliga und damit nur drei weniger als Rekordhalter Stefan Effenberg, der beeindruckende 110 Karten in 370 Spielen sah. Den Spitzenwert könnte er in der aktuellen Spielzeit also egalisieren. Auch bei den Platzverweisen ist Kohr mittlerweile der unangefochtene Spitzenreiter. Neunmal wurde er in der höchsten Spielklasse Deutschlands vom Feld gestellt (sechsmal Gelb-Rot, dreimal Rot). Seit November ist er der alleinige Rekordhalter und überholte mit der Roten Karte gegen die TSG 1899 Hoffenheim am 11. Spieltag Luiz Gustavo und Jens Nowotny.
Vom Hoffnungsträger zum Ergänzungsspieler
Für viele Fans etwas weiter in der Vergangenheit angesiedelt ist Michael Thurk. Der Offensivspieler lief zwischen 2006 und 2008 für Eintracht Frankfurt auf und kam in dieser Zeit auf 47 Einsätze in der Bundesliga, im DFB-Pokal und UEFA-Cup, in denen er sieben Treffer erzielte. Mit seinem Wechsel zur Eintracht erfüllte sich Thurk den Traum, für seine Heimatstadt aufzulaufen. Der Wechsel vom direkten Rivalen 1. FSV Mainz 05 sorgte im Vorfeld für viel Aufmerksamkeit und hohe Erwartungen. Sportlich konnte Thurk jedoch nur selten überzeugen. Zwar gelang ihm ein starker Einstand mit einem Hattrick im UEFA-Cup gegen Bröndby IF, doch in der Bundesliga blieb seine Torausbeute überschaubar. Unter Trainer Friedhelm Funkel fand er meist keinen festen Stammplatz und kam häufig nur als Ergänzungsspieler zum Einsatz. Insgesamt verlief seine Zeit bei der Eintracht daher eher enttäuschend und blieb hinter den Hoffnungen zurück. Seine erfolgreichere Phase erlebte Thurk beim FC Augsburg. Dort wurde er in der 2. Bundesliga zu einem der gefährlichsten Angreifer der Liga. In der Saison 2009/10 erzielte er beispielsweise 23 Tore in 33 Spielen und sicherte sich damit die Torjägerkanone. Insgesamt kommt er für Augsburg auf 114 Pflichtspiele und 56 Tore. Dies macht ihn zu einer prägenden Figur der Vereinsgeschichte.
Der flexible Außenbahnspieler
Mit Marius Wolf findet sich auch ein moderner, vielseitiger Spieler in dieser Liste. Wolf wechselte im Jahr 2017 von Hannover 96 zur Eintracht und absolvierte 31 Bundesligaspiele, in der er mit fünf Toren und neun Vorlagen maßgeblich auf sich aufmerksam machte. In Frankfurt erlebte er seinen sportlichen Durchbruch und entwickelte sich zum Stammspieler auf der rechten Außenbahn. Auch im Finale des DFB-Pokals kam er sechzig Minuten zum Einsatz, bevor er durch Mijat Gacinovic, dem Torschützen zum 3:1-Endstand, ausgewechselt wurde. Seine Leistungen brachten ihm damals sogar einen Wechsel zu Borussia Dortmund ein. Sein Weg führte ihn später unter anderem auch zum FC Augsburg, wo er seit 2024 unter Vertrag steht. Dort ist der fünfmalige deutsche Nationalspieler gesetzt und auf der rechten Seite ein wichtiger Leistungsträger für die Fuggerstädter.
Erfahrung und Tempo im Mittelfeld
Mit Halil Altintop und Marcel Heller finden sich auch zwei weitere Offensivspieler in dieser Liste. Altintop lief zwischen 2010 und 2011 für die SGE auf und kam in dieser Zeit auf 52 Pflichtspiele, in denen ihm fünf Tore gelangen. Der türkische Nationalspieler wurde damals mit der Erwartung verpflichtet, der Offensive mehr Durchschlagskraft zu verleihen, konnte diese Hoffnungen jedoch nur phasenweise erfüllen. Dennoch brachte er seine Erfahrung ein und war vor allem mannschaftsdienlich unterwegs. Seine Zeit in Frankfurt endete mit dem Abstieg in 2. Bundesliga. Erfolgreicher lief es für Altintop beim FC Augsburg, wo er von 2013 bis 2017 spielte. Dort entwickelte er sich zu einem wichtigen Bestandteil der Mannschaft, absolvierte fast 130 Pflichtspiele und trug maßgeblich dazu bei, dass der FCA sich in der Bundesliga etablierte.
Die Zeit von Marcel Heller bei Eintracht Frankfurt war vor allem von einem frühen Hype geprägt, den er aber langfristig nicht bestätigen konnte. Nach seinem Wechsel 2007 zeigte er zunächst vielversprechende Ansätze und fiel durch sein Tempo und seine Dribbelstärke auf. Allerdings wurde seine Entwicklung früh durch Verletzungen ausgebremst, wodurch er nie eine konstante Rolle im Team fand. In den folgenden Jahren pendelte er zwischen Ersatzbank, Kurzeinsätzen und der zweiten Mannschaft. Insgesamt blieb seine Bilanz überschaubar, und der erhoffte Durchbruch in der Bundesliga gelang ihm in Frankfurt nicht. Beim FC Augsburg präsentierte sich Heller später deutlich gefestigter. Als erfahrener Spieler wechselte er 2017 zum FCA und blieb dort eine Spielzeit, in der er 24 Bundesligaspiele absolvierte. Dort war er zwar ebenfalls kein absoluter Stammspieler, konnte seine Qualitäten auf der Außenbahn aber einbringen. Im Vergleich zu seiner Frankfurter Zeit trat er eher als erfahrener Ergänzungsspieler auf. Insgesamt war seine Phase in Augsburg unspektakulärer, aber stabiler und konstanter.
Auch wenn Eintracht Frankfurt und der FC Augsburg sportlich nur selten in direkten Konkurrenzsituationen stehen, zeigen die zahlreichen personellen Überschneidungen, wie eng die Wege beider Vereine immer wieder verlaufen.






Ein Kommentar
Schöner Lesenswerter Bericht. Sind doch schon viele Spieler die in beiden Vereinen spielten. Unvergessen Natürlich Martin Hinteregger.
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