Transfers sind das Herzstück des Fußballgeschäfts. Ein Spieler weckt mit starken Leistungen Interesse, ein Verein unterbreitet ein Angebot, beide Seiten einigen sich auf eine Ablösesumme und voilà ein Spielerwechsel ist vollzogen. Ein vereinfachte Darstellung, die die Realität nur halbwegs wiedergibt. In der Praxis gestaltet sich das ganze Prozedere nämlich viel komplizierter, bei dem es um viele Faktoren geht. Neben der sportlichen Perspektive spielt das große Geld eine zentrale Rolle. Ausstiegsklausel, Bonuszahlungen, Gehalt, Berater, die einen großen Einfluss nehmen, etc. Der Transfermarkt ist nichts anderes als ein freier Wettbewerb, wo Angebot und Nachfrage aufeinandertreffen und dadurch selbst reguliert wird. Bei wachsender Nachfrage steigt automatisch das Angebot und damit auch der verbundene Preis. Europa-Granden wie Paris St.-Germain, Manchester City oder der FC Chelsea stellen solche Entwicklungen und Dynamiken vor keine Herausforderungen, die jedes Jahr astronomischen Summen in Transfers investieren.
Eintracht-Modell findet Anerkennung
Nicht jeder Verein wird von einem steinreichen Investor dermaßen unterstützt und ist finanziell auf Rosen gebettet. Vergleichsweise „kleinere“ Clubs wie Eintracht Frankfurt müssen einen strategischen Plan entwickeln, um wirtschaftlich aber auch sportlich zu florieren. Seit der erfolgreichen Relegation 2016 erlebt die Eintracht von Jahr zu Jahr einen sportlichen wie finanziellen Aufstieg. Ex-Manager Fredi Bobic hat diesen Weg erfolgreich initiiert, der bravourös von seinem Nachfolger Markus Krösche fortgesetzt wird. Die Hessen haben in den letzten Jahren den Ruf als Talentförderer erlangt. Junge, noch unbekannte talentierte Spieler aus dem Ausland werden für einen niedrigen Preis verpflichtet, denen stets eine sportliche Perspektive geboten wird. Besonders am französischen und skandinavischen Markt bedient sich Frankfurt gerne. Gerade der DFB-Pokalsieg 2018, der Triumph in der Europa League 2022 und die erstmalige Teilnahme an der Königsklasse eine Saison später sorgten für ein höheres nationales wie internationales Ansehen und machten den Verein insgesamt deutlich attraktiver. Beim großen deutschen Traditionsclub bekommen die Spieler die Möglichkeit, sich einen Namen zu machen und sich ins Schaufenster für Spitzenclubs zu schießen. Sie verhelfen der SGE zum sportlichen Erfolg und bescheren ihr große Geldsummen: Die „Büffelherde“ (119,7 Mio. Euro), Jesper Lindström (30 Mio. Euro), André Silva (23 Mio. Euro), Randal Kolo Muani (95 Mio. Euro), Hugo Ekitiké (95 Mio. Euro), Willian Pacho (40 Mio. Euro) usw. Sie alle ließen die Frankfurter Kasse klingeln. Hugo Larsson, Oscar Hojlund und Love Arrhov sind weitere Kandidaten. Diese Strategie schien für mehrere Jahre ein Alleinstellungsmerkmal des Europa-Cup-Siegers von 2022 zu sein. Doch der Transfermarkt ist dynamisch und schnelllebig. Das eigene Konzept machte sich auch außerhalb der Frankfurter Stadtgrenzen bemerkbar, inzwischen wird dieses von vielen Vereinen nachgeahmt. Die Folge: „Früher ist vielleicht ein Klub in ein Land gereist, heute sitzen mehrere Vereine auf denselben Tribünen. Dann steigt mit der Nachfrage der Preis – das ist ganz normale Marktwirtschaft“, erklärte Timmo Hardung Ende März in einem Interview mit „web.de“. Doch ein Aspekt, der in Bezug auf die Transfereinnahmen der Eintracht oft vernachlässigt wird, sind die teilweise hohen Summen, die die Eintracht investiert hat: Hugo Ekitiké kostete die Eintracht insgesamt 31 Mio. Euro. Olympique Marseille freute sich über ein Geldregen von 26 Mio. Euro für Elye Wahi, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wahi avancierte damit hinter Ekitké zum zweitteuersten Zugang in der Historie der Adler.
Der teure Kurswechsel
Ein weiterer Aspekt ist auch das Dilemma zwischen sportlichen Ambitionen, die beim Verkauf von Schlüsselspielern einerseits gefährdet werden, und Transfererlöse, die der Verein andererseits dringend benötigt. Im vergangenen Sommer wurde die Transferstrategie deswegen ein wenig angepasst, im Fokus standen neben Talenten aus dem Ausland erfahrene und etablierte Bundesligaspieler, die nicht nach einem Jahr beim erstbesten Angebot die Biege machen. Ritsu Doan, Jonny Burkardt und Michael Zetterer sind hier die drei Musterbeispiele. Doan, der bei Arminia Bielefeld und beim SC Freiburg erfolgreich auf Torejagd ging, hatte die Chance, in die englische Premier League zu wechseln, entschied sich aber Zugunsten der Adler für einen Verbleib in der Bundesliga. Vom „Projekt“ Eintracht Frankfurt zeigte sich der inzwischen 27-Jährige überzeugt, Ex-Coach Dino Toppmöller buhlte intensiv um die Dienste des Japaners und Doan selbst identifiziert sich vollumfänglich mit dem Club. Gleiches gilt auch für Burkardt, den man nach fast einem Jahr im Trikot mit dem Adler auf der Brust als Identifikationsfigur betiteln darf. Gebürtiger Hesse, 25-Jahre jung, als Kind in Eintracht-Bettwäsche geschlafen: Bei seiner Vorstellung machte er klar, dass er seinen aktuellen Arbeitgeber nicht als Sprungbrett sehe. Es ist gut vorstellbar, dass der deutsche Nationalspieler nach erfolgreichen Jahren bei Mainz 05 bei seinem Herzensclub in Rente geht. Ob dieses Modell aufgegangen ist? Schwierig zu beurteilen, günstig war dieses Unterfangen jedenfalls nicht. Insgesamt 42 Millionen Euro blätterten die Verantwortlichen für das Duo hin, wovon jeweils die Hälfte in den Schwarzwald bzw. nach Rheinhessen flossen. Doan erlebt eine durchwachsene Saison, steht bei vier Toren und fünf Vorlagen in der Bundesliga und findet nicht richtig ins System rein. Unter Toppmöller agierte er des Öfteren als Schienenspieler, womit er fremdelte. Unter Nachfolger Albert Riera kommen die Fähigkeiten des Flügeltechnikers bisher gar nicht zum Vorschein und er wartet bisher auf seinen ersten Scorerpunkt. Auch die ständigen Positionswechsel machen Doan zu schaffen.
Burkardt kann hingegen mit zehn Toren in 17 Ligapartien auf eine deutlich bessere Bilanz blicken. Allerdings ist er im Vergleich zu seinen Vorgängern kein Tempo-, sondern vielmehr ein Pressing- und Strafraumstürmer, der gefüttert werden muss. Das System musste zum Leidwesen der Defensive angepasst werden, indem die Kette deutlich höher stand. Burkardt ist zudem verletzungsanfällig und verpasste zehn Bundesligaspiele aufgrund einer Wadenverletzung, die er sich in der Champions League gegen Atalanta Bergamo zugezogen hatte. Und vom Trainerwechsel scheint der Torjäger bis dato nicht zu profitieren, zu oft hing er in der Luft und nahm deshalb kaum Spielgeschehen teil. Immerhin zeigt die Formkurve zuletzt etwas nach oben. Gegen Köln traf er zum 1:0 und leitete das zweite Tor mit einer starken Flanke ein. Beim 1:2-Erfolg in Wolfsburg hatte er beim zweiten Treffer von Arnaud Kalimuendo seine Aktien. Keeper Zetterer wechselte gegen eine Ablöse von immerhin circa sechs Millionen Euro in die Mainmetropole, wo er mit Kaua Santos um einen Stammplatz duelliert und zwischen Nummer 1 und 2 pendelt. Zuletzt konnte er nach erneuter Santos-Verletzung keine Eigenwerbung für sich betreiben, als er in Wolfsburg zweimal einen Bock schoss. Zu seinem Glück blieben beide Patzer aber unbestraft.
Zurück zu den Wurzeln
Da die SGE hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben und von einem großen Verletzungspech verfolgt gewesen war, wurden die Vereinsbosse im Winter nochmal auf dem Transfermarkt aktiv. Auch hier nahmen sie eine Planänderung vor. Zurück zu den Wurzeln, denn der Fokus richtete sich wieder auf Talente, diesmal in Deutschland. Ayoube Amaimouni-Echghouyab von der zweiten Mannschaft der TSG Hoffenheim und Younes Ebnoutalib von der SV Elversberg schlossen sich dem Bundesligisten an. Der ehemalige Kraichgauer ist zweifelsohne voll eingeschlagen, mit seiner Technik sowie seinem Spielwitz belebt er die rechte Flügelseite und steht bei zwei Toren plus zwei Vorlagen. Ebnoutalib erzielte gleich in seinem Debüt gegen Borussia Dortmund sein erstes Tor für seinen Herzensclub, verletzte sich aber in seinem zweiten Einsatz bei der 2:3-Pleite in Stuttgart schwer. Dennoch ist davon auszugehen, dass Ebnoutalib aufgrund seines Potenzials eine große Rolle spielen kann. Seinen Innenbandriss am Knie hat der Deutsch-Marokkaner erfolgreich auskuriert und sammelte bereits wieder erste Einsatzminuten in Wolfsburg und gegen Köln. Schon mit den Nürnberg-Eigengewächsen Can Uzun und Nene Brown sowie der von der BVB-Jugend stammende Nnamdi Collins hat Markus Krösche aufs richtige Pferd gesetzt. Alle drei sind mögliche Abgangskandidaten im Sommer und könnten der Eintracht den nächsten Geldregen bescheren. Des Weiteren soll die SGE Interesse an BVB-Talent Elias Benkara haben. Der 18-Jährige ist gebürtiger Frankfurter und soll offen gegenüber einem Wechsel in seine Geburtsstadt stehen. Die Eintracht bliebt also weiterhin ihrem Ruf als Talentförderer treu, wenngleich sie in Sachen Förderung des eigenen Nachwuchses weiterhin hinterherhinkt. Elias Baum kommt nach einer starken Zweitligasaison mit Elversberg auch unter Albert Riera nicht zum Zug und Alexander Staff soll unzufrieden sein und mit einem Abgang liebäugeln. Aber auch das kann sich in Zukunft wie die Transferstrategien ändern.






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