Eintrachts Präsident Peter Fischer applaudiert dem Frankfurter Anhang. (Foto: imago/Jan Hübner)

Eintracht Frankfurt ist so viel mehr als Bundesligafußball. Und doch war auch die Profimannschaft samt dem immer noch glänzenden DFB-Pokal auf der diesjährigen ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins am Riederwald das große Thema. Damit einher geht ein immer größerer Mitgliederboom.

Ein Tag für die Geschichtsbücher – Pokalsieggefühle beim Duschen

523 stimmberechtigte Mitglieder fanden am Montagabend den Weg in die Wolfgang-Steubing-Halle am Riederwald und durften vor allem Präsidenten Peter Fischer lange lauschen. Das Vereinsoberhaupt schwärmte vom vergangenen Jahr, unvergesslichen Pokalerlebnissen und der damit verbundenen gestiegenen Außendarstellung der Eintracht. „Das Geschäftsjahr 17/18 ist sicherlich ein spannendes. Es ist vielleicht das außergewöhnlichste in 18 Jahren. Ganz subjektiv ist es auch das aufregendste, das ich mit Ihnen gemeinsam erleben durfte. Es war wirklich ein geiles Jahr“, blickte der 62-Jährige zurück. Im 18. Jahr ist Fischer bereits Präsident des eingetragenen Vereins. Im vergangenen Jahr durfte er mit der AG den ersten Titel feiern. Für ihn ein unvergesslicher Moment: „Jeder Eintrachtler wird immer wissen, wo er am 19. Mai 2018 war, als dieses Ding nach Hause kam. Dieser historische Sieg in Berlin hat seinen Weg in die Geschichtsbücher von Eintracht Frankfurt gefunden und wird immer und ewig in Erinnerung bleiben.“ Er selbst erinnere sich tagtäglich an den Triumpf in der Hauptstadt. „Beim Duschen und beim Zähneputzen, gewollt und ungewollt. Ich trage immer noch das Eintrittsbändchen.“ Gänsehaut bekomme er immer noch.

Eintracht meldet 67500 Mitglieder – und 180000 Feiernde am 20. Mai

„Der Vorstand hat 2018 Herausragendes geleistet. Ihr habt einen Titel geholt, den Klub zu einem Verkaufsschlager gemacht“, lobte er das Frankfurter Triumvirat um Fredi Bobic, Axel Hellmann und Oliver Frankenbach und machte sie für eine weiter Rekordmarke mitverantwortlich. „Es ist ungebrochen und unglaublich. Im Jahr 2015 hatte ich eine Mitgliederzahl von 30.000 präsentiert.“ 2016 waren es 35.000, 2017 40.000 und 2018 50000 führt er weiter aus. „Und wir sind weiter gewachsen: 67,500 Mitglieder! Kein Verein ist im zurückliegenden Jahr stärker gewachsen als Eintracht Frankfurt. Das ist nicht nur eine Zahl. Sie symbolisiert eine Stärke, die überall wahrgenommen wird.“ Binnen vier Jahren hat sich die Mitgliederzahl mehr als verdoppelt. Als nächstes soll die Marke von Ligakonkurrent VfB Stuttgart fallen. „Im Vergleich mit den anderen Bundesligisten stehen wir auf dem 6. Platz. Wir werden den VfB in den nächsten Wochen überholen. Fußballerisch haben wir das – Stand jetzt – schon.“ Darauf sei man stolz. Und der Verein habe das Potenzial für mehr. „Der Verein hat das Potenzial für 100.000 Mitgliedern. Wir durchbrechen diese magische Mauer irgendwann.“ Beim Pokalsieg – das erwähnte Vorstand Axel Hellmann am Rande – wurde diese Marke bei den Feierlichkeiten in Frankfurt bereits getoppt. 180.000 Menschen seien am 20. Mai 2018 in der Rhein-Main-Metropole unterwegs gewesen. Zahlen, die aufgrund der damaligen Sicherheitslage erst jetzt bekannt gemacht wurden.

Fischer und Hellmann bremsen Erwartungshaltung – Rückendeckung für Hütter

Treibt Trainer Adi Hütter die Entwicklung seiner Mannschaft voran und kann sich mit dieser am Ende der Saison wieder für das internationale Geschäft qualifizieren, dürfte die magische Zahl von 100.000 Mitgliedern nicht in weiter Ferne liegen. Der Österreicher präsentierte sich am Montagabend ebenfalls den Mitgliedern und stellte sich erstmalig vor. Neben dem DFB-Pokal, der ein letztes Mal in den Räumen der Frankfurter Eintracht zu finden war und in vier Tagen den Weg zurück zum Fußballbund antreten wird. „Es tut mir unglaublich weh, dass wir den Pokal nächstes Jahr nicht hier haben werden. Trotz allem glaube ich, dass wir den eingeschlagenen Weg versucht haben, so weiterzuführen, wie er mit dem Pokalsieg angefangen hat“, blickte Hütter wehmütig zur Trophäe neben ihm, wohlwissend, dass die Blamage von Ulm mittlerweile mehr als ausgemerzt ist. „Dreimal hintereinander nach Berlin fahren ist doch langweilig. Man kann im Mai ja auch woanders hinfahren“, richtete Peter Fischer seinen Traum von Baku an den Cheftrainer. Obgleich er den Druck von Hütter nahm: „Ich bin froh, dass insbesondere die vielen Mitglieder von Eintracht Frankfurt eins nicht in sich haben: Die absolut überstiegene, teils nicht nachvollziehbare Erwartungshaltung. Alle, die hier waren, haben Nürnberg erlebt.“ Mit den vorhandenen Möglichkeiten spiele man in Frankfurt tollen Fußball, der Anhang stellt Rekorde auf. Trotz Geisterspiel in Marseille gab es kein Team in Europa (Champions League und Europa League), das auswärts mehr Fans aufbot. „Wir ziehen durch Europa und gewinnen sechs Spiele. Wir liefern überzeugende Leistungen ab. Wir sollten aber eins nie vergessen, das darf ich seit 18 Jahren sagen, wir wissen wo wir hinkommen und durch wie viele Täler wird gegangen sind.“ Hütter solle folglich gewiss sein, „dass hier keine Verrückten sind. Macht weiter auf diesem Weg. Dafür drücken wir euch alle Daumen.“

Gutgelaunte Funktionäre bei der Mitgliederversammlung: Die Vorstände Fredi Bobic, Oliver Frankenbach (beide vorne) mit Sportdirektor Bruno Hübner und Trainer Adi Hütter (dahinter).

Rekordumsatz bei den Profis – Problemstelle Stadt

Auch Hellmann schlug in dieselbe Kerbe wie Präsident Fischer: „Wir müssen aufpassen, dass sich die Dinge nicht verselbständigen, dass am Ende alles andere als ein internationaler Platz eine Enttäuschung ist.“ Die wirtschaftlichen Möglichkeiten der anderen Mitbewerbe um das europäische Geschäft seien klar größer. „Wir haben in den letzten Jahren überperformt und uns über dem Markt entwickelt. Wir sollten die Kirche ein Stück weit im Dorf lassen. Wenn wir in der Rückrunde Erfolg haben wollen, ist es gut, beide Beine auf dem Boden zu behalten.“ Das sagt Hellmann, obgleich er auch einen Rekordumsatz von 160 Millionen Euro, ohne Transfererlöse und einem Personaletat von 55 Millionen Euro präsentieren konnte: „Das wird das erfolgreichste Jahr der AG-Geschichte.“ Aktuell arbeite man bereits an Stellschrauben, um noch mehr Mittel zu generieren. Ein großes Projekt auf der Agenda ist nach wie vor der Stadionausbau und ein möglicher Kauf. „Grundsätzlich arbeiten wir seit dreieinhalb Jahren an dem Thema. Wir bekommen relativ wenig Resonanz darauf.“ Und das obwohl man unter Zeitdruck stehe. Auch in Sachen Neubauprojekt Proficampus stehen die Bagger still. „Wir können erst anfangen, wenn wir den Erbpachtvertrag haben.“ Der lasse aber aus unbekannten Gründen weiter auf sich warten. „Wir brauchen dringend eine infrastrukturelle Verbesserung. Uns läuft die Zeit davon. Die Stadt muss sich hier bewegen und das schneller als bisher“, konnte er sich an dieser Stelle einen Seitenhieb Richtung Frankfurter Politik nicht verkneifen.

Lob für Fischers soziale Courage – „Eintracht Frankfurt steht für etwas“

Die Eintracht hat an Profil gewonnen. Auch wenn man in den Verhandlungen mit der Stadt daraus noch keinen Nutzen ziehen konnte, hat man außerhalb des Platzes doch einen großen Imagegewinn verbuchen können. Axel Hellmann stellte die Frage: „Ist es Zufall, dass in dem Jahr, in dem ein Klub solche Stellung bezieht, eine Mannschaft, die aus 18 Nationalitäten besteht, in einer Stadt in der es hunderte Kulturen gibt, der Pokalsieger 2018 herkommt?“ Er glaube nicht an Zufälle. „Es ist das Signal, was zum Ausdruck kommen musste.“ Lob kassierte auch Fischer von ihm, der im vergangenen Jahr die Debatte im Verein um die AfD eröffnete: „Es hat diesem Klub ein Profil gegeben und eine Klarheit, mit der wir sagen können: Eintracht Frankfurt steht für etwas. Das hat uns richtig gutgetan“, stellt der Marketingvorstand klar. Fischer erinnerte sich an die Zeit vor einem Jahr: „Ich habe jedem geraten, sich zu prüfen, bevor er die Unterschrift setzt. Seit diesem Zeitpunkt sind 17.000 Menschen mehr in diesen Verein eingetreten.“ Und es dürften immer mehr werden.

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