Im Trainingslager der Eintracht in Katar hat sich Thomas Kilchenstein für die Frankfurter Rundschau mit Pirmin Schwegler unterhalten.

Frankfurter Rundschau: Herr Schwegler, das Trainingslager in Katar begann eher holprig. Wie sehr stört das?

Pirmin Schwegler: Das stört gar nicht und ist nicht schlimm. Das sind alles Dinge, die sich regeln lassen. Und die Laufeinheiten, die wir stattdessen gemacht haben, tun uns gut. Es ist doch so: Wenn man hierher fährt, weiß man, auf was man sich einlässt. Hier herrscht eine andere Kultur, andere Einstellungen. Mich hat das nicht überrascht, aber ich war als Jugendnationalspieler schon mal in Doha.

Frankfurter Rundschau: Aber viel Zeit hat die Mannschaft nicht mehr.

Pirmin Schwegler: Nein, wir müssen hier einiges aufarbeiten. Diese vier Wochen sind enorm wichtig, um körperlich fit zu werden und Kraft zu tanken. Die muss bis zum Ende reichen.

Frankfurter Rundschau: Und zum Anfang auch, mit Braunschweig und Düsseldorf warten gleich zwei Brocken.

Pirmin Schwegler: Ja, wir dürfen uns nichts mehr erlauben. Ein Spiel herschenken, das darf es nicht geben.

Frankfurter Rundschau: Sind die nächsten drei Monate bis zum Saisonende vielleicht die wichtigsten in Ihrer Karriere? Es entscheidet sich, ob Sie bei Aufstieg bei der Eintracht bleiben oder bei Nichtaufstieg wechseln?

Pirmin Schwegler: Jede Phase in meiner Karriere war wichtig und hat mich weitergebracht. Aber die nächsten Monate sind entscheidend für den Verein und, ganz klar, auch für meine Zukunft.

Frankfurter Rundschau: Sie haben zuletzt bei Aufstiegsaspiranten deren Geschlossenheit gelobt und sanft kritisiert, dass diese kompakte Einheit der Eintracht noch fehle.

Pirmin Schwegler: Im Sommer ist die Mannschaft umgekrempelt worden. Das war ein normaler Prozess. Wiedergutmachung nach dem Abstieg war angesagt, das ist uns bislang gut gelungen. Aber andere Vereine, wie etwa St. Pauli, haben eher auf das Kollektiv gesetzt. Deshalb sind die uns in diesem Bereich noch einen kleinen Schritt voraus. In diesem Punkt ist für uns noch einiges drin. Es gibt darüber hinaus ja noch viele Punkte, in denen wir uns verbessern können.

Frankfurter Rundschau: Welche denn?

Pirmin Schwegler: Das müssen wir intern beraten. Aber ich habe mir in der Pause noch mal eine paar Spiele von uns angeguckt, vor allem die Niederlagen, und festgestellt, dass wir da spielerisch besser waren. Das heißt: Nicht immer gewinnt die bessere Mannschaft. Viel geht über den Kopf und den Siegeswillen. Und das werden Punkte sein, die am Ende entscheidend sind. Jedem von uns ist bewusst, wie wichtig der Aufstieg für den Klub ist. Wir werden alles tun für dieses Ziel. Wir müssen nichts riskieren, nur das tun, was wir können.

Frankfurter Rundschau: Was muss besser werden?

Pirmin Schwegler: Ich will nicht vom Negativen reden. Wir haben eine hohe Qualität und viel Potenzial in der Mannschaft. Aber in der Rückrunde hat es uns einen Knacks gegeben, dass wir nicht mehr getragen wurden. Das Umfeld muss positiv sein. Wenn im Stadion Euphorie herrscht, bekommt die Mannschaft einen extremen Schub. Das kann ein entscheidender Faktor sein. Wir müssen weiterhin im Stadion die beste Stimmung haben. Jeder, der ein Herz für den Verein hat, weiß, dass es nur gemeinsam geht, nicht gegeneinander. Natürlich müssen wir als Mannschaft auch ein Zeichen setzen. Das ist auch eine Frage der Mentalität.

Frankfurter Rundschau: Haben Sie denn diese Typen in der Mannschaft?

Pirmin Schwegler: Nicht jeder ist nach außen gerichtet, das ist klar. Aber wir haben diese Typen, die ein Team anschieben können. Und wir sind auf dem richtigen Weg. Es entwickeln sich einige Junge zu Führungsspielern, die ich natürlich unterstütze. Und schauen Sie sich Heiko Butscher an, das ist einer, der ein Team führen kann. Ihn muss man schnell ins Boot holen.

Das Gespräch führte Thomas Kilchenstein.

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2 Kommentare

  1. Schwegler is echt ein klasse Typ! Ich bin froh das der nach dem Abstieg bei uns geblieben ist!
    Er ist nicht nur ein guter Fußballer sondern weiß auch was er sagt…ich würde ihm in keinem Punkt des Interviews wiedersprechen oder bin anderer Meinung als er…

    Mach weiter so Pirmin!

  2. Ich weiss nicht, ob das selbstverständlich für einen Kapitän ist, aber ich finde es sehr gut, dass er sich einige Spiele nochmal angeschaut hat um daraus einige Schlüsse zu ziehen.
    Hoffe mal Schwegler bleibt dann auch bei Aufstieg.

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