Sportvorstand Fredi Bobic will die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft der Eintracht stellen.

Aktuell noch im unteren Tabellendrittel angesiedelt, was wirtschaftliche Aspekte angeht, will die Eintracht in den kommenden Jahren weiter nach oben. Stück für Stück will Sportvorstand Fredi Bobic die Weichen dafür stellen. Die Mannschaft ist dabei nur ein entscheidender Faktor. Das Umfeld, die Infrastruktur und die Vermarktung gehören ebenso dazu.

Rekordtransfers mit wenig Risiko – Hasebe entscheidet über Verbleib

Die ersten Schritte wurden dieses Jahr bereits im sportlichen Bereich getan. Mit Sebastien Haller und Jetro Willems wurden innerhalb einer einzigen Transferphase die zwei teuersten Zugänge der Vereinsgeschichte verpflichtet. Ein Risikounternehmen? Mitnichten, wie Bobic gegenüber „fussball.news“ zugab: „Man muss sagen, dass wir uns dieses Geld ja verdient haben und es uns nichts bringt, es irgendwo zu horten.“ Die Ausgangslage in der Bundesliga mit einer sehr ausgeglichenen Situation haben es im Endeffekt unausweichlich gemacht, das Geld in die Hand zu nehmen. Ein allzu großes Risiko bestand bei den Personalien allerdings nicht: „Wir haben diese Spieler beobachtet, wussten, welche Qualität sie mitbringen und dass sie diese wahrscheinlich auch auf Anhieb abrufen können. Wir waren uns folglich relativ sicher, dass das Risiko nicht zu groß ist.“ Im Fall Haller hat sich die Investition scheinbar schon nach dem ersten Drittel der Saison gelohnt und auch Willems besitzt das Potenzial zum Leistungsträger und Publikumsliebling.

Doch nach der Transferphase ist vor der Transferphase. Im Winter könnte sich in jedem Fall etwas auf der Abgangsseite tun. Talente wie Aymen Barkok oder Max Besuschkow haben aktuell kaum Chancen auf Einsatzzeiten. Diese werden sicherlich nochmal geschmälert, sollten Marco Fabian und Omar Mascarell zur Rückrunde wieder fit sein. Bobic schließt hier Leihgeschäfte nicht aus. Doch auch der nächste Sommer liegt nicht in allzu weiter Ferne. Neben der Personalie Meier läuft dort auch der Vertrag von Makoto Hasebe aus. Beim Japaner gibt es aber ein klares Gentlemen-Agreement: „Das läuft über ein offenes Gespräch und gewissermaßen per Handschlag – er ist ein toller Kerl und ein Musterprofi.“ Sein großes Ziel sei die Weltmeisterschaft 2018, wo er sein Land sehr wahrscheinlich als Kapitän anführen wird. Und danach? „Wenn er nach der WM das Gefühl hat, dass es nicht mehr für die Bundesliga reicht, dann wird er uns das offen mitteilen. Ist er hingegen fit und bereit dafür, wird er ein weiteres Jahr bei uns spielen.“ So einfach ist es manchmal.

Vertragsverlängerung mit Kovac? Eintracht arbeitet an attraktivem Umfeld

Deutlich schwieriger gestalten dürfte sich die Vertragsverlängerung von Niko Kovac. Der Kroate und sein Team sind noch bis 2019 an die Eintracht gebunden. Die wiederum würde gut daran tun, den Coach langfristig zu binden. Das Tief der vergangenen Rückrunde hat man gemeinsam überstanden und dem Verein Kontinuität gegeben. Eine Eigenschaft, die im schnelllebigen Fußballgeschäft dieser Zeit eine Rarität ist. Kovac wurde zuletzt gefragt, ob er sich derzeit auf dem Immobilienmarkt umschaue. Seine Antwort darauf war allerdings sehr vielsagend: „Ich habe hier doch niemanden.“ – seine Familie, abgesehen von seinem Bruder Robert, lebt nach wie vor in Salzburg. Seine beiden Töchter sollen – wie er in Frankfurt – den Faktor Kontinuität erleben und deshalb in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. Ausgeschlossen ist eine langfristige Zusammenarbeit deshalb trotzdem nicht und Spekulationen über einen Abgang möchte der Sportvorstand keinen Zündstoff geben: „Dieses Thema gehen wir ganz unaufgeregt an und zerbrechen uns nicht den Kopf darüber. Niko fokussiert sich auf die Eintracht und ich merke, wie viel Spaß ihm unser Projekt hier macht. Etwas zu bewegen, das Umfeld und eine Mannschaft zu entwickeln, eine Perspektive zu haben.“ Das wiederum sei im gesamten Staff der Fall: „Die Zusammenarbeit mit Nikos gesamtem Trainerteam verläuft derart vertrauensvoll, dass ich nicht wüsste, warum wir uns an Spekulationen beteiligen sollten.“ Bobic ist voll des Lobes für den 46-Jährigen, der sich vor allem dadurch auszeichne, geduldig mit den Spielern zu sein und sie sukzessive weiterzuentwickeln.

Im Hintergrund laufen entsprechend die Arbeiten, um dem Trainer ein Umfeld zu schaffen, in dem er langfristig und erfolgreich wirken kann. Dazu gehört neben den wirtschaftlichen Aspekten, die Marketingvorstand Axel Hellman immer weiter vorantreibt wie zuletzt durch die Kooperation mit der Deutschen Bank, unter anderem auch die Infrastruktur. Eine neue Geschäftsstelle und das Thema Stadion liegen dabei im Vordergrund: „Auf lange Sicht geht es darum, etwas zu bauen, was auch in 20 Jahren noch zeitgemäß ist und dem Profifußball zu jeder Zeit gerecht wird. Das betrifft auch das Nachwuchsleistungszentrum und das Stadion.“ Personen seien austauschbar, „aber die Zukunft des Vereins sollten sie immer im Blick haben.“ Aktuell sei man in konstruktiven Gesprächen mit der Stadt. Ziel ist es, selbstverantwortlich für das Stadion zu sein und dort in eine agierende Rolle hineinzukommen. Davon abhängig wiederum ist auch der Ausbau des Stadions. Denn eins ist für Bobic klar: „Die Argumente volles Stadion und tolle Fans – die allein locken keinen Spieler mehr hierher. Das Umfeld, die Trainingsbedingungen, alles was dazu gehört, muss optimal sein. Wir wollen hier nicht nur Tradition konservieren, sondern zukunftsorientiert agieren.“

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8 Kommentare

  1. Ach, wenn man doch nur mehr über die genauen Zahlen wüsste. Das Geld welches nur rumlag und in Spieler investierte, ist damit auch das Geld gemeint, welches immer so als Festgeld gehandelt wurde und zwischen 7 bis 15 Mio. lag. Ist dieses Konto nun leer, weil man auch auf die 10 bis 20 Mio. von den „neuen Freunden“ hofft. Ja, es gab wesentlich mehr Fernsehgelder und man steigert vielleicht auch den Wert der Spieler, aber bekommt man diesen Mehrwert auch, wenn man absteigt und verkaufen muß und ja, die Verträge gelten vielleicht auch für Liga 2, aber halten wird man die Spieler dann trotzdem nicht können. Will aber mal davon ausgehen „das sie wissen, was sie tun“!

  2. @grantler:

    Ich gehe eigentlich nicht davon aus, dass etwas vom Festgeld genommen wurde bzw. wenn, nur ein kleiner Teil. Das hätte man ja schon in der vergangenen Transferperioden machen können. Es ging ja ganz offiziell letztes Jahr erstmal darum, die Saison zu überbrücken und finanziell wieder gut da zu stehen, weil eben in der vorangegangenen Winterperiode Transfers im Vorgriff vorgenommen wurden.

    Das musste man diese Saison nicht mehr tun. Dazu hat sich das Fernsehgeld erhöht, mit Indeed gab es mehr vom Trikotsponsor, die Logen und Business Seats wurden scheinbar komplett verkauft und man hat durch die Deutsche Börse noch mal etwas Geld dazu bekommen. Irgendwer vom Vorstand (ich glaube Hellmann) hat vor Kurzem gesagt, dass man notfalls noch mehr Geld hätte investieren können.

    Zu deinem zweiten Punkt. Selbstverständlich gibt es die Gefahr einen Abstiegs für einen Verein wie uns immer. Genauso wie für 12-13 andere Vereine auch. Gerade das Beispiel Köln zeigt doch, dass selbst ein Verein, der scheinbar gerade den Anschluss an die Ligaspitze geschafft hat und durch einen absoluten Rekordtransfer unglaublich viel Geld eingenommen hat, plötzlich wieder in eine existenzielle Krise schlittern kann. Aber durch gute Transfers (die oft auch etwas mehr kosten) verringert man ja das Risiko eines Abstiegs, der wiederum finanziell noch um einiges höher ausfallen würde, als das Geld, dass wir für Haller und Willems gezahlt haben. Wichtig ist vor allem, dass sich die Gehälter im Rahmen bewegen und wir nicht wie der HSV oder Bremen vor einigen Jahren Spieler verkaufen müssen, weil ihr Gehalt uns zu teuer ist.
    Man kann ja nicht aus Angst vor einem Abstieg stets nur Spieler kaufen, die auch in der zweiten Liga liebend gerne bei uns Spielen wollen, kaum was kosten und kaum was an Gehalt kosten.

    Ich denke, die Transfers, die wir diesen Sommer getätigt haben, waren die perfekte Mischung. Ein paar Leihen, die alle bezahlbar sind bei Spielern, bei denen man sich nicht sicher war (Rebic, Wolf, Salcedo, Jevic). Junge, hungrige Spieler, von denen ein Teil jetzt schon weit genug ist, um uns zu helfen, die jedoch dafür auch etwas mehr kosten (Haller, Willems). Ein paar ältere Spieler, die Erfahrung haben und führen können (Boateng, Fernandes, de Guzman) und ein paar eher günstige Spieler, die uns in der Breite verstärken oder etwas für die Zukunft sind (Da Costa, Kamada).

    Und bisher ist diese Konzept sehr gut aufgegangen. Und das ist sowieso das A und O. Neben dem Geld einnehmen und Spieler irgendwann teuer zu verkaufen, muss man dieses auch wieder sinnvoll investieren. Wenn ich mir überlege, dass Köln Cordoba für 17 Mio. geholt hat und wir Haller für 7, dann spricht das schon Bände…

  3. bzw bei bundesanzeiger ‚eintracht frankfurt‘ eingeben. Da findest du den Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2016 bis zum 31.12.2016

  4. …Das Festgeldkonto wurde laut Bobic für die Transfers nicht angefasst, darauf befinden sich nach wie vor zwischen 5-10 Mio. Bobic sagte nur mal, was ich mir schon gedacht habe, dass die vorangegangene Saison bewusst gespart wurde, um das Geld in der letzten Transferperiode einzusetzen. Der Verein wurde von Bruchhagen also wirklich Schuldenfrei übergeben. Die vielen Verkäufe waren also nur eine Sparmassnahme. Ebenfalls ist der Deal mit der Kapitalerhöhung durch die Eintrachtgönner noch nicht durch. Die erwarteten 10-15 Mio Euro werden also noch als Gutschrift erwartet. Soweit sind mir die Vermögensverhältnisse zumindest bekannt.

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