Nina Lührßen geht inzwischen in ihre dritte Saison bei Eintracht Frankfurt und gehört seit ihrer Ankunft zum Stammpersonal. Im vereinseigenen Podcast „Eintracht vom Main“ beschrieb sich die Linksverteidigerin selbst als ehrgeizig: „Ich würde mich als ehrgeizig beschreiben. Ich bin sowohl im Training als auch im Spiel hart am Arbeiten.“ Sie wolle jedes Spiel und möglichst viele Zweikämpfe gewinnen. „Ich ärgere mich über kleine Fehler und bin teilweise nachdenklich.“ Lührßen sei eine Spielerin, „die viel erreichen möchte.“
Bei der Eintracht kommt die 26-Jährige auf der linken Abwehrseite zum Einsatz. Die Position der Außenverteidigerin biete ihr einen „gewissen Freiraum.“ „Natürlich hat man auch Aufgaben, die man erfüllen muss. Aber man ist ein Stück weit frei, indem man vorne mithelfen kann und nicht nur hinten gebunden ist.“ Als Innenverteidigerin sei das in dieser Form vergleichsweise schwierig. Lührßen bereite es große Freude, „nach vorne zu gehen, Vorlagen zu geben und ein paar Schüsse aufs Tor abzugeben. Das gefällt mir am meisten an der Position. Man ist irgendwie überall dabei.“
Schon in der Jugend war sie auf der linken Seite zu Hause. „Ich war im linken Mittelfeld. Wir haben häufig 4-4-2 gespielt.“ Bereits damals lernte die junge Spielerin, die Balance zwischen Offensive und Defensive zu halten. „Wenn die Außenverteidigerin hinterlaufen hat, war ich auch hinten.“ Bei ihrem Jugend- und Ex-Verein Werder Bremen sammelte sie zudem Erfahrungen als Schienenspielerin in einer Dreier- beziehungsweise Fünferkette. „Es war schon immer außen. Ich glaube, in der Mitte wäre es schwierig für mich, weil man außen die Außenlinie hat.“
Zwölf Jahre verbrachte die gebürtige Bremerin bei den Grün-Weißen. Dort lernte sie das Fußballspielen und reifte zur Profi-Spielerin. „Ich bin bei Werder groß geworden.“ Bereits mit 16 Jahren feierte sie ihr Debüt in der zweiten Bundesliga für die erste Mannschaft. Zuvor hatte sie davon geträumt, „bei den Frauen mitspielen zu dürfen. Ich war sehr froh, dass ich erst einmal mittrainieren durfte und mit 16 fest in die Frauenmannschaft hochgekommen bin. Das hat mich sehr gefreut“, blickte sie zurück. „Dass ich da direkt gespielt habe, zeigt, dass ich damals sehr, sehr viel Vertrauen vom Verein und vom Trainer bekommen habe.“ Die Zeit bei Werder bereitete ihr große Freude. „Ich habe über nichts nachgedacht, außer über Fußball. Ich hatte beziehungsweise habe immer noch sehr viel Spaß am Fußball.“ Ihre Jahre in Bremen waren allerdings auch von Höhen und Tiefen geprägt. „Natürlich guckt man auf die Aufstiege, aber wir hatten davor die Abstiege, die sehr hart waren. Abstiege gehören auch dazu, sodass man im nächsten Jahr wieder aufsteigen kann. Wir haben es Gott sei Dank immer wieder geschafft. Das ist auch nicht selbstverständlich.“
Auch persönlich entwickelte sich Lührßen weiter. Früher sei sie schüchtern und introvertiert gewesen, habe auf dem Platz mit niemandem gesprochen und die Menschen um sich herum kaum wahrgenommen. „Da habe ich mich enorm entwickelt. Ich bin als Mensch viel offener geworden. Ich bin nicht mehr die kleine schüchterne Nina, sondern eine erwachsene Nina, die auch viel spricht.“ Entscheidend sei dabei das Umfeld gewesen: „Wenn man sich wohlfühlt, wird man offener.“
Der nächste Schritt führte nach Frankfurt
Nach 138 Spielen für Werder Bremen gelang Lührßen der nächste Karriereschritt. Im Sommer 2024 verließ sie ihre Heimatstadt und wechselte zu Eintracht Frankfurt. „Nach zwölf Jahren bei Werder ist es mir nicht so leicht gefallen“, offenbarte sie. Das habe allerdings nichts mit der Eintracht zu tun gehabt, sondern vielmehr mit ihrer Heimatverbundenheit. „Es ging darum, dass ich Bremen und meine Komfortzone verlasse. Meine Familie, meine Freunde, sie alle kommen aus Bremen. Ich bin dort groß geworden. Deshalb fiel es schwer, Abschied zu nehmen.“
Den Wechsel zu einem Top-drei-Klub der Bundesliga bereut Lührßen jedoch keineswegs. „Die Gespräche mit der Eintracht waren so gut. Ich habe mich direkt aufgehoben gefühlt, dass ich mir dachte, ich muss das machen, damit ich den nächsten Schritt gehe und aus der Komfortzone einmal rauskomme.“ Vor allem die sportlichen Perspektiven spielten für sie eine wichtige Rolle. „Damit man auch neue Trainingsinhalte kennenlernt. Natürlich war auch die Qualität eine andere, und um die internationalen Plätze haben wir auch nie mitgespielt.“
Der Wechsel nach Frankfurt bedeutete für Lührßen einen sportlichen Aufstieg. „Es war auf jeden Fall eine bessere Mannschaft. Das war für mich auch wichtig.“ Ihr Ziel war es, sich auch bei der SGE als Stammspielerin zu etablieren. „Es sollte auch hier klappen, immer zu spielen und mich zu etablieren, sodass ich eine Stammspielerin bin.“ Rückblickend lässt sich festhalten: Dieses Ziel hat sie erreicht. Lührßen ist froh über ihre Entwicklung in Frankfurt. „Ich bin sehr froh, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist. Ich bekomme viel Vertrauen vom Trainerteam. Ich fühle mich hier gut aufgehoben.“
Professionellere Bedingungen als in Bremen
Die Rahmenbedingungen in Frankfurt unterschieden sich deutlich von denen bei ihrem früheren Verein. „Ich habe mir an einem Tag alle Trainingsbedingungen samt Kabine und Küche angeschaut. Sowas hatten wir in Bremen nicht“, berichtete Lührßen. „Wir haben nach dem Training kein Essen und kein Frühstück bekommen. Wir hatten auch nie eine Sauna in der Kabine und kein richtiges Eisbecken.“ Für die Spielerin bedeutete der Wechsel deshalb eine große Umstellung. „Es war gefühlt alles neu für mich und alles professioneller als bei Werder damals.“ Zwar habe sich Werder inzwischen weiterentwickelt, doch während ihrer Zeit in Bremen habe es diese Bedingungen noch nicht gegeben. Auch die Trainingsmöglichkeiten seien in Frankfurt besser. „In Bremen war es oft so, dass wir auf den Kunstrasen mussten, sobald das Wetter schlecht war. Das gibt es hier gar nicht.“
Lührßen war mit dem klaren Anspruch in die Mainmetropole gekommen, sich direkt einen Stammplatz zu erarbeiten. „Das hat geklappt. Wie ich vorhin gesagt habe, habe ich sehr viel Vertrauen bekommen. Ich habe auch Zeit bekommen, um in die Rolle als Außenverteidigerin wieder hineinzufinden, weil ich davor Schienenspielerin war.“ Wie wichtig die Abwehrspielerin für die Mannschaft und Cheftrainer Niko Arnautis ist, verdeutlichen auch ihre Zahlen: In 67 Spielen für die Eintracht erzielte sie drei Tore und bereitete 17 weitere Treffer vor. Ihre Rolle habe sich im Laufe der Zeit weiterentwickelt. „Ich kann jetzt sagen, dass ich Stammspielerin und wichtig für die Mannschaft bin.“
Eine Konstante im schnelllebigen Frauenfußball
In ihren ersten beiden Jahren bei der SGE erlebte Lührßen zwei große Kaderumbrüche. Trotz wiederkehrender Wechselgerüchte ist sie dem hessischen Bundesligisten treu geblieben und hat sich zu einer Konstante entwickelt. „Das zeigt ein Stück weit die Entwicklung der Eintracht, dass wir solche Spielerinnen verlieren. Trotzdem haben sie sich in Frankfurt weiterentwickelt und es verdient, den nächsten Schritt zu machen.“ Für Lührßen selbst ergibt sich daraus die Chance, eine feste Größe im Team zu bleiben. „Mit dem Gefühl bin ich nach der Sommerpause hierhergekommen.“ Es sei ein besonderes Gefühl, „wenn man sagen kann, dass ich nach zwei Jahren eine Konstante bin.“ Auch diese Entwicklung sei für sie neu. „Vor ein paar Jahren war es gar nicht so. Wenn ich in die Vergangenheit schaue, gab es bei Werder gar nicht, dass eine Spielerin nur zwei Jahre da war. In der Hinsicht hat sich der Frauenfußball auch entwickelt und ist viel, viel schnelllebiger geworden. Es ist mittlerweile selten, dass eine Spielerin zehn Jahre bei einem Verein ist.“
Schnelle Integration und gute Teamchemie
Nach dem großen Umbruch im Sommer befand sich die Eintracht zunächst in einer Findungsphase. „Als wir nach der Sommerpause hierhergekommen sind, wusste man auch nicht genau, wie es sein wird.“ Dennoch habe sich die neu formierte Mannschaft schnell gefunden. „Man hat von Anfang an gemerkt, dass alle, die dazugekommen sind, super drauf sind und gut kicken können und dass es darum geht, sich wieder als Mannschaft zu finden. Ich finde, dass wir es relativ schnell geschafft haben, die neuen Spielerinnen zu integrieren.“
Auch abseits des Platzes stimme die Chemie. „Auch außerhalb des Platzes haben wir eine gute Harmonie im Team. Wenn ich das mit der letzten Saison vergleiche, würde ich schon sagen, dass sich viele wahrscheinlich viel, viel wohler fühlen. Die Chemie in unserem Team ist sehr, sehr gut.“ Die positive Stimmung innerhalb der Mannschaft spiegelt sich bislang auch in den Ergebnissen wider. Die Adlerinnen belegen den dritten Platz in der Bundesliga und stehen im Achtelfinale des Europa Cups. Lührßen sieht vor allem die gewachsene Konstanz als wichtigen Faktor für den Erfolg. „Wir haben die Konstanz drin, die uns ein bisschen gefehlt hat. Wir holen trotz der ganzen Veränderungen im Sommer unsere Punkte. Natürlich hatten wir in den Spielen eine Halbzeit, die vielleicht nicht so gut war, aber am Ende haben wir die Spiele gewonnen. Das zeigt unseren Charakter und die Mentalität, die sich entwickelt hat. Wir haben immer diesen Siegeswillen, egal, wie es steht. Das ist ein Stück weit die Eintracht-DNA geworden“, lobte die Abwehrspielerin.
Der Europa-Cup-Titel als großes Ziel
Mit der Eintracht hat Lührßen noch viel vor. Besonders der Europa Cup weckt ihren Ehrgeiz. In der vergangenen Saison waren die Hessinnen im Halbfinale ausgeschieden. „Der größte Reiz besteht darin, dass wir letzte Saison leider im Halbfinale ausgeschieden sind, wo man ehrlich sagen muss, dass wir das wahrscheinlich schon im Hinspiel verloren haben.“ In dieser Spielzeit soll es mit dem Titelgewinn klappen. „Der Reiz ist, dass wir weiterkommen wollen. Es sollte schon unser Ziel sein, dann im Finale zu stehen. Das ist der größte Reiz, weil wir wissen, dass wir dahingehören.“ Dafür müsse die Mannschaft allerdings ihre Stärken konsequent auf den Platz bringen. „Wir müssen es in den Spielen umsetzen. 80 Prozent reichen gegen diese Gegner, die in dem Wettbewerb sind, nicht. Wir brauchen die Eintracht-DNA in jeder Minute.“






Ein Kommentar
Ich bin froh, dass sie nicht auch noch weggegangen ist. Ich finde besonders ihre Flanken und Ecken bringen Gefahr. Gegen Hafnarfjördur war eine fast direkt drin, aber die Torfrau war groß und hat sie noch herausgelenkt.
Gruß SCOPE
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