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Foto: IMAGO / Kessler Sportfotografie

Passiv, fehleranfällig, lethargisch – Herzlich willkommen in der Realität

Eintracht Frankfurt hat im Heimspiel gegen RB Leipzig mit 1:3 verloren – und dabei vor allem eines vermissen lassen: die Grundtugenden, die ein Spiel auf diesem Niveau entscheiden. Gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um die europäischen Plätze wirkte die Mannschaft von Albert Riera über weite Strecken zu passiv, zu unentschlossen und defensiv zu anfällig.

Im Vergleich zum Sieg in Wolfsburg eine Woche zuvor blieb die Startelf unverändert, doch die Ausrichtung variierte. Statt der klaren Dreierkette agierte die SGE phasenweise in einer Viererkette, wobei Aurèle Amenda häufig als rechter Verteidiger eingesetzt wurde. Zwar zeigte der Schweizer eine engagierte Leistung, doch es war erkennbar, dass diese Rolle nicht seiner natürlichen Position entspricht. Im Zentrum spielten Oscar Højlund und Hugo Larsson, offensiver agierte Farès Chaïbi. In der Offensive liefen Arnaud Kalimuendo (links), Jonathan Burkardt (zentral) und Ayoube Amaimouni-Echghouyab (rechts) auf. Im Spielaufbau zeigte sich erneut das bekannte Muster: Nathaniel Brown rückte ins Zentrum ein, während die zentralen Mittelfeldspieler situativ auf die Außen auswichen. Die Idee dahinter war klar – Überzahl im Zentrum schaffen und dennoch Breite generieren. Doch diesmal funktionierte dieses System nicht.

Lethargie und Zweikampfverweigerungen

Das größte Problem lag nicht in der taktischen Ausrichtung, sondern in der Ausführung. Frankfurt war in den Zweikämpfen schlichtweg unterlegen. Es fehlte an Aggressivität, an Galligkeit und an Bereitschaft, sich in die direkten Duelle zu werfen. Die Folge: Ballverluste, kaum gewonnene zweite Bälle und eine Defensive, die ständig unter Druck stand. Leipzig konnte so immer wieder schnell umschalten und mit Tempo auf die Frankfurter Abwehr zulaufen. Gerade die zweiten Bälle waren ein entscheidender Faktor. Nahezu jede dieser Situationen landete bei den Gästen, wodurch Frankfurt kaum Zugriff auf das Spiel bekam. Hinzu kam ein mangelhaftes Deckungsverhalten. Die Abstände stimmten nicht, die Zuordnungen waren unsauber, und die Leipziger Spieler wurden viel zu oft nicht konsequent attackiert. Das 0:1 war sinnbildlich: Diomande konnte nahezu ungestört über das Feld dribbeln, hatte Zeit, sich den Ball zurechtzulegen – und traf. Eine Szene, die das defensive Verhalten der SGE schonungslos offenlegte. Das gleiche Bild auch bei den Gegentoren zwei und drei: Die SGE-Verteidiger waren viel zu weit weg, es gab niemanden, der „Mal dazwischenhaute“ und die Leipziger aufhielt. Die Adlerträger wirkten wie Zuschauer, die ehrfürchtig bestaunten, wie Leipzig online spielte.

Offensiv mit Ansätzen – aber ohne Konstanz

Dabei war die Eintracht offensiv keineswegs völlig harmlos. Im Gegensatz zu anderen Spielen zeigte man durchaus Mut im Passspiel und fand phasenweise gute Lösungen. Der Ausgleich zum 1:1 durch Hugo Larsson war das Resultat eines gelungenen Spielzugs – ein Beispiel dafür, dass die Mannschaft durchaus in der Lage ist, strukturiert nach vorne zu spielen. Doch diese Momente blieben zu selten. Es fehlte die Konstanz, um Leipzig dauerhaft unter Druck zu setzen.

Ein Spiel ohne die nötige Energie

Was besonders schwer wog, war die fehlende Intensität. In einem Spiel mit hoher Bedeutung – Samstagabend, Heimspiel, direkter Konkurrent im Kampf um Europa – wirkte die Eintracht über weite Strecken nicht bereit, dieses Spiel wirklich anzunehmen. Die Leidenschaft, die Zweikampfhärte, das „Anzünden“ des Stadions – all das, was Frankfurt in der Vergangenheit ausgezeichnet hat, war kaum zu sehen. Gerade in den entscheidenden Szenen fehlte die Konsequenz im Eins-gegen-Eins. Diese Schwäche zieht sich durch die gesamte Saison und wurde auch gegen Leipzig erneut sichtbar.

Kommentar:

Die 1:3-Niederlage gegen Leipzig ist verdient – und sie wirft Fragen auf. Nicht unbedingt nach der Taktik, sondern nach der Haltung. Denn Systeme können nur funktionieren, wenn die Grundtugenden stimmen. Die Eintracht hat in den vergangenen Wochen Fortschritte gezeigt, vor allem in der defensiven Stabilität. Gegen Leipzig fiel sie jedoch in alte Muster zurück: zu passiv, zu fehleranfällig, zu wenig Zugriff. Wenn Frankfurt im Kampf um die europäischen Plätze bestehen will, muss genau hier angesetzt werden. Denn ohne Aggressivität, ohne gewonnene Zweikämpfe und ohne Kontrolle über zweite Bälle wird es auf diesem Niveau nicht reichen. In der aktuellen Form scheint die SGE nicht nur Europa zu verspielen, sondern auch die Fans zu verlieren. Tausende verließen das Stadion bereits vor dem Schlusspfiff – und niemand nahm es ihnen krumm. Nach dem Spiel gab es von der Fanszene eine klare Ansage, nachdem sich die Mannschaft erst auf eine Runde durch das schon fast leere Stadion machte und dann erst in die Kurve kam.

Dass die Frankfurter Eintracht gegen einen individuell stark besetzten Gegner wie Leipzig verlieren kann, ist normal. In Frankfurt aber ist es wichtig, dass die Mannschaft alles gibt. Am vergangenen Samstagabend hatte man das Gefühl, dass das nicht so war. Und genau hier liegt das Problem, denn die Fallhöhe in Frankfurt ist mittlerweile groß. Die letzten Jahre haben eine gewisse Erwartungshaltung generiert. Und genau diese Erwartungen kann die Mannschaft derzeit nicht befriedigen. Es bedarf daher deutliche Änderungen in Frankfurt. Beim Einsatz der Mannschaft und bei den Erwartungen der Fans – denn derzeit, so ehrlich muss man sein, ist es nicht die Frankfurter Eintracht der letzten Jahre. Sondern „nur“ eine Mittelklasse-Mannschaft in der Bundesliga.

4 Kommentare

Fallback Avatar 1. g-block1978 21. April 26, 16:09 Uhr

In diesem Spiel wurde ganz klar dargestellt, dass der Sieg gegen den Abstiegskandidaten Wolfsburg, nur durch viel Glück und Unvermögen der Wolfsburger zustande kam und nicht durch die Überlegenheit der Eintracht. In der zweiten Hälfte hatte Eintracht auch bei diesem Gegner nichts mehr entgegen zu bringen. Gegen Leipzig hatte Eintracht von Anfang an nichts entgegen zu bringen, das 1:1 war schmeichelhaft, nur weil Larsson zufällig richtig stand, gabs diesen Treffer.
Keine Ahnung wo die Spielfreude, Einsatzbereitschaft, das kämpferische, bei der Eintracht geblieben ist. Riera hat es zumindest bislang nicht geschafft solche Akzente zu setzen, das die Mannschaft wieder in die Spur kommt. Ich bin bei seiner Art eh etwas argwöhnig, ob es ihm je gelingen wird das Feuer unter uns Fans zu entfachen und die Mannschaft dahin zu bringen, das sie für ihn aus dem Fenster springen.
Spieler wie Doan sitzen als Millionenenkauf auf der Bank, ein Spieler, der den Unterschied bringen kann, wenn er auf seiner Position spielt, das hat er schon gezeigt, nur unter Riera ist er bislang wie abgemeldet.
Götze hat man einen neuen Vertrag gegeben, er soll den "Kaisersitz" in der Mannschaft einnehmen, der Spieler, auf den alle aufschauen, da er Weltmeister ist. Was passiert ? nix, der kostet nur Geld.
Koch hat nach seinem neuen, dicken Vertrag, nix mehr gebracht, ein Schatten seiner selbst, als er neu zur Eintracht kam und den Abwehrchef machte, jetzt guckt er oft dem Ball hinterher.
Skihri, bei dem Namen werde ich schon nervös, den schmeißt er immer noch ins Spiel, obwohl der völlig von der Rolle ist, ich habe das Spiel verlassen, als er auflief, für mich einer der am Besten sofort zu einem neuen Verein geht.
Wir haben hinten und mitte Baustellen, der Sturm sollte gut genug sein, der muss nur besser gefüttert werden, aber Torwart, Abwehr und Mittelfeld, da muss sich einiges tun.
Und werft die Millionäre raus, die nur Mitläufer sind, da gibt es günstigere Alternativen.

Nur mal zu der KI bei Google : Die Aussage, dass Spieler aus dem Fenster springen müssen, stammt von Albert Riera, dem ehemaligen Trainer von Eintracht Frankfurt (Anfang 2026).

Da ist Riera schon Vergangenheit

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Fallback Avatar 2. einesgehtnochrein 21. April 26, 16:19 Uhr

Gutes Kommentar. Meines Erachtens hat Florian die Kerndefizite der Mannschaft offengelegt. Ich finde das Kommentar aber schon deswegen gut, weil es nicht in einem Trainer oder Spieler Bashing mündet, sondern sich mit den derzeitigen Schwächen des Teams befasst.

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Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 100 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. Ob Stehblock, VIP-Loge, Currywurst oder Handkäs-Häppchen - Hauptsache SGE4EVER.de! Denn der User unterstützt das Onlinemagazin mit einem monatlichen oder jährlichen Betrag und genießt zudem besondere Vorteile: Werbefreiheit, Gewinnspiele etc. 3. Block42 21. April 26, 16:47 Uhr

Die Spielanalyse kann ich in großen Teilen unterschreiben. Ich hatte das Spiel gerade etwas verdaut oder eher verdrängt - da reißt die Analyse die Wunde wieder auf.... Trotzdem Danke!

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Fallback Avatar 4. PeKa 21. April 26, 17:14 Uhr

Irgendwie scheinen alle das Ende dieser Saison herbeizusehnen, keiner will sich mehr verletzen, keiner gibt nochmal alles. Insbesondere die sogenannten Führungsspieler enttäuschen auf ganzer Linie.
Hätte das am Anfang der Saison nicht für möglich gehalten, aber die Liste der Mängel ist lang.
Nach der Saison erstmal sacken lassen, dann in die knallharte Analyse gehen und Konsequenzen ziehen. Aussitzen und warten, bis es besser wird, is nich.
Wir haben so viele spannende junge Leute im Kader, da muss doch ein Trainer was draus machen können.

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