Eintracht Frankfurt musste sich Borussia Dortmund trotz einer kämpferisch überzeugenden Leistung mit 0:1 geschlagen geben. Die Mannschaft von Cheftrainer Adi Hütter zeigte sich im Vergleich zu den vergangenen Auswärtsauftritten deutlich verbessert, belohnte sich für ihren Einsatz aber nicht mit Punkten. Vor allem defensiv präsentierten sich die Hessen wesentlich stabiler. Das spiegelt sich auch in der Spielerbenotung der SGE4EVER.de-Leser wider. Mit Noah Atubolu steht einmal mehr der Frankfurter Schlussmann ganz oben auf dem Treppchen. Auch Noel Aseko und Elias Baum wussten zu überzeugen.
Noah Atubolu: Noah Atubolu erwischte einen richtig guten Tag und hielt seine Mannschaft mit mehreren starken Paraden lange im Spiel. Vor allem seine Rettungstat im Eins-gegen-Eins gegen Serhou Guirassy war schlichtweg Weltklasse. Doch auch abseits dieser Glanzparade strahlte der Keeper eine enorme Sicherheit aus, behielt bei hohen Bällen stets den Überblick und war ein zuverlässiger Rückhalt. Beim entscheidenden Gegentreffer war er machtlos. Dass es bis zum Schluss spannend blieb, war vor allem sein Verdienst. Der verdiente beste Adler des Abends!
Noel Aseko: Das war die richtige Antwort! Nach seinem schwachen Auftritt gegen Leipzig zeigte Noel Aseko in Dortmund, welches Potenzial in ihm steckt. Der zentrale Mittelfeldspieler war enorm präsent, bissig in den Zweikämpfen und warf sich mit viel Leidenschaft in die Partie. Immer wieder störte er das Dortmunder Aufbauspiel und hielt im Zentrum energisch dagegen. Ein Auftritt, der deutlich machte, warum die Eintracht im vergangenen Sommer viel Geld für den Youngster in die Hand genommen hat. In dieser Verfassung ist Aseko definitiv ein Kandidat für die erste Elf. Gerne mehr davon!
Elias Baum: Neue Position, starke Leistung! Elias Baum musste auf der für ihn ungewohnten linken Abwehrseite ran und machte seine Sache bemerkenswert gut. Der Youngster hatte seine Gegenspieler defensiv weitgehend im Griff, agierte aufmerksam und ließ sich auch von der Dortmunder Offensivqualität nicht aus der Ruhe bringen. Gleichzeitig suchte er immer wieder den Weg nach vorne und schaltete sich mutig ins Angriffsspiel ein. Einzig beim letzten Pass fehlte noch die nötige Präzision, um aus seinen Vorstößen echte Torgefahr entstehen zu lassen. Dennoch war Baum der beste Frankfurter Verteidiger und unterstrich einmal mehr, wie wertvoll er für die SGE sein kann.
Lilian Brassier: So langsam wird deutlich, warum Adi Hütter den Franzosen unbedingt in seinen Reihen haben wollte. Lilian Brassier zeigte in Dortmund eine ausgesprochen griffige Vorstellung, warf sich in jeden Zweikampf und machte den gegnerischen Angreifern das Leben schwer. Der Innenverteidiger agierte giftig, körperbetont und mit der nötigen Entschlossenheit. Manchmal schoss er dabei vielleicht etwas über das Ziel hinaus und wirkte in seinen Aktionen ein wenig überhitzt. Doch gerade diese kompromisslose Herangehensweise tat der Frankfurter Defensive gut. Brassier scheint immer besser in Frankfurt anzukommen.
Robin Koch: Geht es beim Kapitän endlich wieder bergauf? Nach zuletzt schwierigen Wochen zeigte Robin Koch in Dortmund eine weitere Leistungssteigerung. Der Innenverteidiger behielt im Abwehrzentrum überwiegend den Überblick, präsentierte sich insbesondere in der Luft wieder gewohnt stark und ging entschlossen in die Zweikämpfe. Zwar war auch diesmal nicht alles fehlerfrei – nach einem Patzer musste ihn Atubolu mit einer starken Parade vor Schlimmerem bewahren –, insgesamt wirkte Koch aber deutlich gefestigter als noch vor einigen Wochen. Die Formkurve des Abwehrchefs zeigt langsam, aber sicher wieder nach oben.
Raphael Onyedika: Viel Licht, aber auch ein entscheidender Schatten. Raphael Onyedika überzeugte über weite Strecken mit seiner Zweikampfstärke und einem guten Gespür für die Räume im Mittelfeld. Der Nigerianer stopfte immer wieder Löcher und versuchte nach Ballgewinnen, das Spiel schnell nach vorne zu verlagern. Das gelang allerdings längst nicht immer. Besonders ärgerlich war sein Verhalten vor dem Dortmunder Führungstreffer: Gegen Jobe Bellingham, der das entscheidende Tor vorbereitete, rückte Onyedika zu zögerlich heraus und ließ seinem Gegenspieler zu viel Raum. Eine Szene, die eine ansonsten ordentliche Vorstellung spürbar trübte.
Younes Ebnoutalib: Ein undankbarer Abend für den Frankfurter Angreifer. Gegen die körperlich robusten Dortmunder Verteidiger hatte Younes Ebnoutalib einen schweren Stand, ließ sich davon aber nicht entmutigen. Der Stürmer blieb beweglich, suchte immer wieder die Lücken und arbeitete auch gegen den Ball fleißig mit. Seine größte Gelegenheit hatte er, als er vor Gregor Kobel auftauchte, im Dortmunder Schlussmann aber seinen Meister fand. Auch wenn offensiv längst nicht alles gelang, war Ebnoutalib bemüht, Akzente zu setzen. Unter dem Strich etwas auffälliger als sein Sturmpartner Jonathan Burkardt.
Fares Chaibi: An Einsatz und Laufbereitschaft mangelte es Fares Chaibi auch in Dortmund nicht. Der Algerier war wie gewohnt fleißig unterwegs, half regelmäßig in der Defensive aus und versuchte, dem Frankfurter Offensivspiel Struktur zu verleihen. Zu Beginn des zweiten Durchgangs boten sich ihm gleich zwei aussichtsreiche Schussgelegenheiten, doch einmal mehr offenbarte sich seine Schwäche im Abschluss. Hier fehlt dem Mittelfeldspieler weiterhin die nötige Konsequenz. Insgesamt war Chaibi dennoch der aktivere der beiden offensiven Mittelfeldspieler und wusste deutlich mehr Akzente zu setzen als Ritsu Doan.
Jonathan Burkardt: Viel gearbeitet, wenig Ertrag. Jonathan Burkardt spulte auch gegen Borussia Dortmund wieder ein enormes Pensum ab, lief die gegnerischen Verteidiger unermüdlich an und rieb sich in zahlreichen Duellen auf. Im entscheidenden Moment fehlte dem Torjäger diesmal allerdings die gewohnte Kaltschnäuzigkeit. Gleich zweimal kam er aus aussichtsreicher Position zum Abschluss, konnte seine Gelegenheiten aber nicht nutzen. Ansonsten gelang es ihm nur selten, sich gegen die gut organisierte Dortmunder Hintermannschaft entscheidend in Szene zu setzen. Ein gebrauchter Abend für den sonst so zuverlässigen Angreifer.
Ritsu Doan: Der Japaner suchte in Dortmund nach seiner Form. Zwar war Ritsu Doan auch in Dortmund bemüht, forderte immer wieder den Ball und versuchte, Verantwortung zu übernehmen. Doch sobald er das Spielgerät am Fuß hatte, fehlten ihm häufig die zündenden Ideen. Zu oft blieb er hängen, traf die falsche Entscheidung oder konnte aus aussichtsreichen Situationen keinen Ertrag ziehen. An seinem Einsatzwillen gibt es weiterhin wenig auszusetzen, spielerisch blieb er aber über weite Strecken blass. Möglicherweise hätte ihm eine frühere Auswechslung gutgetan. Von einem Spieler seiner Qualität darf die Eintracht jedenfalls deutlich mehr erwarten.
Nnamdi Collins: Ein schwieriger Start, danach immerhin stabilisiert. Nnamdi Collins hatte gerade in der Anfangsphase einige Probleme mit den schnellen Dortmunder Angriffen und wirkte defensiv nicht immer sattelfest. Bereits in der vierten Minute bot sich ihm zudem eine gute Gelegenheit in der Offensive, doch der Rechtsverteidiger legte sich den Ball zu weit vor und vergab damit eine aussichtsreiche Möglichkeit. Im weiteren Verlauf steigerte sich Collins, nahm die Zweikämpfe entschlossener an und kämpfte sich zunehmend in die Partie. Auch wenn er weiterhin nicht frei von Unsicherheiten agierte, war eine positive Entwicklung zu erkennen. Für eine bessere Bewertung reichte es diesmal dennoch nicht.







Ein Kommentar
Was Can bei seinem jüngsten Einsatz erneut meinte demonstrieren zu dürfen, kommt sehr dicht an das heran - oder übertrifft es noch, was Elye Wahi des Öfteren, insb. aber gg. den SC sich mal geleistet hat.
Auch wenn Can hier wohl wg. der späten Einwechslung gar nicht erst erwähnt ist, sollte es m.E. bei derart provokanten Auftritten im Benotungsblock ne gesonderte Einordnung geben.
Festgehalten werden darf aber auch nochmal, dass bei allem berechtigten Wohlwollen angesichts des merklich stabileren, spielerisch verbesserten, Mannschaftsgegefüges - wir mit einem derart unterdurchschnittlichen bzw. bundesligauntauglichen OM nicht nur gg. den BVB ohne Punkte bleiben werden.
Daher kann ich mir gut vorstellen, dass nicht nur im Umfeld, sondern wohl auch intern, trotz unserer nominell relativ breiten Besetzung im MF, darüber nachgedacht werden dürfte, inwiefern man insb. mit Can und Lits die richtigen Spieler hat, um aus der 2. Tabellenhälfte wieder ansatzweise rauszuklettern - und ob im Winter auf diesen Positionen nochmal gezielt Transferbewegungen veranlasst werden sollten.
[Im Übrigen wäre Lits so etwas wie Arbeitsverweigerung oder Provokation m.E. sicherlich nicht zu unterstellen. Während es bei Can schon sehr schwer fällt, dies nicht zu tun.]
Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.