Nach dem torreichen 3:3 zum Bundesliga-Auftakt bei Union Berlin wollte Eintracht Frankfurt im ersten Heimspiel der Saison die ersten drei Punkte einfahren. Stattdessen setzte es für die Mannschaft von Adi Hütter eine deutliche 1:4-Niederlage gegen den FC Augsburg. Die Eintracht fand über weite Strecken nicht zu ihrem eigenen Spiel und offenbarte erneut erhebliche Probleme in der Defensive. Nach dem Seitenwechsel verlor die SGE innerhalb weniger Minute komplett das Spiel. Auch offensiv blieb vieles hinter den Erwartungen zurück. Nach drei Treffern in Berlin konnte die Eintracht gegen Augsburg deutlich weniger Druck entwickeln. Jonathan Burkardt und Younes Ebnoutalib hatten zwar ihre Momente, insgesamt fehlte es der Offensive aber an Durchschlagskraft. Gleichzeitig konnte auch das Mittelfeld seine Qualitäten nur phasenweise auf den Platz bringen.
Kaua Santos, Otavio und Mario Götze verloren im Vergleich zum Pokal ihren Startelf-Platz. Dafür standen Neuzugang Noah Atubolu, sowie Jeremiaha Maluze und Fares Chaibi in der ersten Elf.
An der Leser-Bewertung gemessen, betrug die durchschnittliche Mannschaftsleistung gegen FC Augsburg der elf zensierten Spieler den Wert 3,95. Die Leistungen innerhalb einer Kategorie sind von oben nach unten zu bewerten. Der erste Spieler einer Kategorie hatte das beste Gesamtergebnis, der letzte Spieler das Schlechteste innerhalb der Kategorie.
Die Einzelnoten der über 410 abstimmenden SGE4EVER.de-User im Überblick:
Jonathan Burkardt: Brachte die Hessen mit einem tollen Kopfball früh in Führung. Arbeitete gut mit und gab vor allem als Ballverteiler in der Spitze eine gute Figur ab. In Halbzeit tauchte er dann aber komplett unter und bekam kaum noch Unterstützung von den Teamkollegen. Gerade von einem Spieler seiner Qualität hätte offensiv aber in der zweiten Hälfte deutlich mehr kommen müssen – auch im Hinblick auf das Thema Verantwortung.
Younes Ebnoutalib: Nach seinem Dreierpack in Berlin konnte Ebnoutalib diesmal nicht an seine Gala-Vorstellung anknüpfen. Der Stürmer arbeitete zwar und versuchte, sich in die Partie einzubringen, bekam aber deutlich weniger Unterstützung aus dem Mittelfeld. Insgesamt fehlte ihm vor allem in der ersten Hälfte die Durchschlagskraft und das Quäntchen Glück, das ihn in Kombination zum Spieler des Auftaktspiels gemacht hatte.
Lilian Brassier: Brassier erlebte keinen Einstand, der die Diskussionen um die dünne Frankfurter Defensive verstummen lassen dürfte. Der Franzose wirkte über weite Strecken nicht souverän und hatte immer wieder Schwierigkeiten, die Augsburger Angriffe zu verteidigen. Gerade in den entscheidenden Situationen fehlte die nötige Konsequenz. Ein Auftritt, der deutlich Luft nach oben lässt, wenngleich er von allen Abwehrspielern wohl noch am besten abschnitt.
Keita Kosugi: Kosugi hatte auf seiner Seite ordentlich zu tun und bekam defensiv immer wieder Probleme. Der Japaner konnte seine Stärken nach vorne kaum einbringen, weil die Eintracht insgesamt zu wenig Kontrolle hatte. Offensiv war er aber sehr umtrieb – vor allem in der ersten Hälfte.
Raphael Onyedika: Onyedika konnte seine körperlichen und defensiven Qualitäten diesmal nicht so zur Geltung bringen wie erhofft. Im Zentrum hatte die Eintracht immer wieder Probleme, Zugriff auf das Spiel zu bekommen. Der Neuzugang war bemüht, konnte die fehlende Stabilität im Mittelfeld aber nicht auffangen. Für ihn bleibt es eine Partie, aus der er einiges lernen dürfte.
Mario Götze: In einer Phase, in der die Eintracht bereits deutlich den Faden verloren hatte, waren seine Möglichkeiten begrenzt. Insgesamt blieb auch sein Auftritt eher unauffällig. Es bleibt dabei, dass Götze leider kein Spieler ist, der das Ruder im Spiel herumreißt, wenn die Kollegen am schwimmen sind. Aber gerade das wäre eine Qualität, die der Mannschaft gut zu Gesicht stünde.
Noah Atubolu: Atubolu musste erneut viermal hinter sich greifen und konnte seine Mannschaft diesmal nicht wie beim Auftakt in Berlin mit mehreren starken Paraden im Spiel halten. Allerdings sollte man ihm die Niederlage nicht anlasten. Bei mehreren Gegentoren war die Defensive zu offen beziehungsweise zu passiv. Atubolu zeigte einzelne gute Aktionen, beim 1:2 patzte er aber selbst unnötig. Ein Fluch der aktuellen Eintracht-Keeper.
Ritsu Doan: Doan blieb ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Der Japaner versuchte, über seine technische Qualität und seine Bewegungen Räume zu schaffen, konnte Augsburg aber nur selten ernsthaft vor Probleme stellen.
Can Uzun: Uzun zeigte erneut, warum so viele Hoffnungen auf ihm liegen, konnte dem Spiel aber nicht dauerhaft seinen Stempel aufdrücken. Immer wieder suchte er den Weg in die gefährlichen Räume, blieb dabei jedoch häufig zu unpräzise. Gerade in einer Partie, in der die Eintracht offensiv kaum Lösungen fand, hätte es mehr von seiner Kreativität gebraucht. Teilweise hatte man das Gefühl, dass er im Spiel stark die Lust verlor und beinah pomadig agierte.
Robin Koch: In Halbzeit eins ohne Probleme. Nach dem Seitenwechsel schaffte er es aber überhaupt nicht den nötigen Grip auf das Feld zu bringen. Leider ein Umstand, der ihn schon letzte Saison begleitete. Koch ist weiterhin kein Spieler, der die Mannschaft vor dem Auseinanderfallen bewahrt.
Elias Baum: Baum erwischte einen ganz schwachen Nachmittag. Beim 1:1 verlor er Ibrahimovic komplett aus den Augen und ließ sich beim Ausgleich anköpfen. Auch bei den zwei weiteren Gegentoren wirkte der Rechtsverteidiger immer wieder vogelwild und bekam defensiv überhaupt keinen Zugriff. Adi Hütter reagierte schließlich und nahm Baum für Chandler vom Feld. Auch das ist – bei aller Liebe für den Publikumsliebling – besorgniserregend.






2 Kommentare
Um die Qualität der Neuzugänge zu beurteilen, bedarf's noch einiger Spiele.
Was sich bisher jedoch schon (wieder) abzeichnet: Es fehlt ein Boss.
Ob Robin überhaupt nochmal diesbezüglich an die Leistungen seiner ersten und zweiten Saison anknüpfen kann, mag man erhoffen oder bezweifeln - ein Führungsspieler wie aktuell dringender denn je einer gebraucht wird, dürfte er nicht mehr werden. In meinen Augen müsste man baldigst ein Gespräch mit ihm führen: "Entweder du übernimmst Verantwortung wie es für einen Kapitän eigentlich unabdingbar ist [also: nach Gegentoren kein pussyhaft-ratloses Haareraufen, keine larmoyant-hilfesuchenden Blicke in die Gesichter der Mitspieler mehr...] oder die Binde wird im Winter weitergereicht".
Auch bei Raphael ist derzeit nicht absehbar, inwiefern er das Ruder übernehmen kann bzw. will, um kollapsartige Situationen wie in den 2 ersten Saisonspielen aufzufangen - oder noch besser - erst gar nicht entstehen zu lassen. Von Lilian würde ich das - Stand jetzt - erst gar nicht erwarten, da ich in ihm nicht den Typ dafür sehe... Wobei ich auch den "Krieger" gestern bei weitem noch nicht erahnen konnte. Noah nehme ich mal aus, da er sich wohl auch noch ne Weile orientieren darf und sollte.
Bliebe eigentlich nur Mario. Ja, ich kann mich an Spiele erinnern, wo er allein durch seine Spielintelligenz und offensive Kreativität Spiele gezogen hat: auf der 10 und nahezu im Alleingang, is schon paar Jährchen her. Ich weiß gar nicht, ob man ihn daran überhaupt noch erinnern darf oder sollte. Vielleicht findet Adi ja noch einen Schalter, um Mario nochmal bei der Ehre zu packen. Der richtige Augenblick wäre jetzt allemal.
Ob mit/durch oder gänzlich ohne: also nach MK:
Im Winter sind die fehlenden Defensiv-Zugänge unabdingar. Und die Profile sind klarer denn je: Reif, schnell, kommunikations-, orga- und leaderfähig.
PS
Vielleicht noch das zu HZ1: Ja und Wow, das hat über weiteste Strecken Spaß - und Lust auf mehr gemacht. Auch wenn Augsburg uns dazu höflich eingeladen hat.
Doan müsste eine 6 bekommen. Er war fast nicht anwesend. Baum ist meines Erachtens zu hart benotet ebenso Brassier.
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