Nikolov bei seinem letzten Pflichtspiel für die Eintracht im Mai 2013
Oka Nikolov bei seinem letzten Pflichtspieleinsatz für die Eintracht gegen den VfL Wolfsburg im Mai 2013.

Seit Anfang des Jahres steht der frühere Eintracht-Torwart Oka Nikolov als Co-Trainer an der Seitenlinie bei den Spielen des amerikanischen MLS-Clubs Philadelphia Union. SGE4EVER.de war in den USA und hat mit ihm über seine aktuelle Situation bei Philadelphia sowie seine Zukunftspläne gesprochen. Die Eintracht spielt hierbei für Nikolov nach wie vor eine große Rolle.

SGE4EVER.de: Oka, wie geht es dir und wie läuft es aktuell in Philadelphia?
Oka Nikolov: Danke, gut. Wir haben nur noch 2 Spiele in der regulären Saison und können uns am Wochenende für die Playoffs qualifizieren, das ist Philadelphia erst einmal davor gelungen. Von daher sind wir sehr zufrieden mit der Saison.

Wie läuft das denn genau ab mit den Playoffs?
In der MLS gibt es eine Eastern Conference und eine Western Conference. Beide haben jeweils zehn Teams. Wir spielen in der Eastern Conference, da Philadelphia an der Ostküste liegt. Die Top-6 der jeweiligen Conference qualifizieren sich für die MLS CUP Playoffs. In den Playoffs spielen dann als erstes der Drittplatzierte gegen den Sechstplatzierten und der Viertplatzierte gegen den Fünftplatzierten. Heimvorteil hat dabei das Team mit der besseren Platzierung, da es nur ein Spiel gibt. Im Halbfinale spielt dann der Gewinner mit der schlechteren Platzierung gegen den Erstplatzierten und der Gewinner mit der besseren Platzierung gegen den Zweitplatzierten. Hier gibt es jeweils ein Hin- und ein Rückspiel. Danach kommt das Finale der jeweiligen Conference auch mit Hin- und Rückspiel. Der Gewinner des Finales spielt dann gegen den Gewinner des Finales der anderen Conference in einem entscheidenden Championship-Match. Heimvorteil hat dabei das Team, das in der regulären Saison mehr Punkte geholt hat. Ganz einfach, oder? (lacht)

Die Unterschiede zum Modus in der Bundesliga sind deutlich erkennbar – wie sieht es mit dem Rest aus?
Ich meine, am Ende ist alles Fußball, aber das Drumherum ist schon sehr unterschiedlich. In der Bundesliga beschwert man sich schnell über die Reisezeiten, wenn man eine Woche in Berlin spielt und die nächste in München. Hier fliegen wir bis zu sechs Stunden zu unserem Auswärtsspiel, haben bis zu drei Stunden Zeitverschiebung. Während es bei einem Spiel schneit, sind es beim nächsten Spiel 35 Grad. Das ist schon gewöhnungsbedürftig. Außerdem werden die Gehälter zum Großteil von der Liga kontrolliert, was die Liga sehr spannend gestaltet.

Also gibt es keinen FC Bayern der USA?
So ist es. Beispielsweise dürfen sich die schlechter platzierten Teams zur neuen Saison als erstes an den talentierten Spielern von der Uni bedienen, bevor die in der abgelaufenen Spielzeit erfolgreichen Clubs zugreifen dürfen. Dadurch werden diesen Vereinen für die neue Saison bessere Chancen eingeräumt und die MLS bleibt ausgeglichener. Natürlich gibt es auch Favoriten, aber genauso gut gibt es immer wieder Überraschungen.

Kommst du denn dann überhaupt noch dazu, dich weiterhin mit der Eintracht zu beschäftigen und dir die Spiele anzusehen?
Auf jeden Fall. Das ist heutzutage durch das Internet ja sehr leicht und natürlich stehe ich auch weiterhin mit vielen Mitarbeitern und Freunden der Eintracht in Kontakt. Die meisten Spiele kann ich mir sogar morgens live anschauen bevor wir dann am Abend selbst spielen.

Rudi Bommer hat vor kurzem in einem Interview mit „FLW24“ bemängelt, dass die Führungsspitze der Eintracht „gar keinen Wert auf den Rat älterer ehemaliger Spieler“ lege und führte dabei unter anderem auch deinen Namen auf. Vorstandsmitglied Axel Hellmann behauptete jedoch im Sommer bei einem Treffen mit Fans aus dem offiziellen Eintracht-Forum, dass bereits viele Ehemalige eingebunden seien, aber eben noch nicht mit höchster Verantwortung im sportlichen Bereich. In Bezug auf dich persönlich wurde weitergehend protokolliert: “Oka Nikolov soll und will eingebunden werden. Es ist zurzeit noch unklar, was Oka machen will und daher steht auch noch nicht fest, wie er eingebunden werden wird.” Was sagst du dazu?
Das ist richtig. Mein Ziel war und ist es immer gewesen, irgendwann wieder bei der Eintracht zu arbeiten. Nur wusste ich direkt nach meinem Karriereende nicht in welcher Position. Deshalb habe ich die letzten Jahre bewusst genutzt, um verschiedene Positionen innerhalb eines Vereins zu bekleiden und dadurch zugleich meine fachliche Kompetenz zu erweitern. Denn wenn man immer für ein und denselben Arbeitgeber tätig ist, so wie in jedem anderen Beruf auch, besteht die Gefahr der Betriebsblindheit. Ich wollte über den Tellerrand schauen, neue Erfahrungen bei anderen Vereinen in verschiedenen Funktionen sammeln und von dem neu erlangten Wissen profitieren. Da erlebt man Dinge, die lernt man nicht in der Theorie, sondern nur in der Praxis. Deshalb habe ich von meinen letzten Jahren sehr profitiert und mir wichtiges Know-How angeeignet.

Im Fußball gelang ihm kein Treffer, dafür netzt er beim Billard umso besser
Bereitete im Fußball einen Treffer vor, doch selbst gelang ihm nie einer. Dafür locht er beim Billard ordentlich ein.

Du sprichst die verschiedenen Funktionen an, welche waren das mitunter?
Naja, ich habe in der Eintracht Fußballschule gearbeitet, mich um internationale Projekte gekümmert, ich war Torwarttrainer bei der Mazedonischen Nationalmannschaft, Sportlicher Leiter beim JFC Frankfurt und jetzt eben Co-Trainer bei Philadelphia in der MLS.

Und was hat dir am besten gefallen?
Alles hat seinen gewissen Reiz. Ich muss aber sagen, dass ich mich am wohlsten fühle, wenn ich mit den Profimannschaften und deren Betreuer zusammenarbeite. Wahrscheinlich, weil ich mich da nach all den Jahren als aktiver Spieler zu Hause fühle.

Demnach weißt du jetzt, was du machen möchtest?
Ja, ich möchte in der sportlichen Leitung einer Profimannschaft tätig werden. Ich arbeite in Philadelphia viel mit der dortigen sportlichen Leitung zusammen und sehe, wo meine Stärken liegen und was mich begeistert.

Das heißt, dass du nach den Playoffs deine Trainertätigkeit schon wieder beenden wirst?
Der Trainerjob bereitet mir unheimlich viel Freude – vor allen Dingen hier in Philadelphia. Wir haben ein tolles Team, angefangen vom Zeugwart über die einzelnen Spieler, die Trainerkollegen bis hin zum Management. Nur wer steckt sich nicht gern Ziele? Außerdem bin ich ja auch noch jung. (lacht) Von daher werde ich weiterhin als Trainer arbeiten, aber eben auch versuchen, mein Ziel zu erreichen.

Die sportliche Leitung ist also dein selbsterklärtes Ziel. Kannst du die Begeisterung an dieser Aufgabe näher erläutern?
Gerne. Zum einen ist es die Zusammenarbeit mit dem Trainer. Gemeinsam zu analysieren, auf welchen Positionen die Mannschaft Bedarf hat, um die angestrebte Spiel-Philosophie umsetzen zu können und auf Dauer konkurrenzfähig zu sein. Dann die Zusammenarbeit mit den Scouts, um passende Spieler aus der ganzen Welt für diese Positionen zu finden. Da hilft natürlich auch mein eigenes Netzwerk, das ich über die Jahre aufgebaut habe. So konnte ich in Philadelphia dazu beitragen, Tranquillo Barnetta für uns zu gewinnen. Aber natürlich auch die Zusammenarbeit mit dem Management: Welche Spieler sind finanziell realistisch und passen ins Budget? Als Bonus, denke ich, dass ich durch meine Vergangenheit und meinen Ruf die Möglichkeit habe, Spieler von einem Verein zu überzeugen. Wenn das einer authentisch kann, dann doch hoffentlich ich. (lacht) Das ganze klingt jetzt natürlich etwas einfacher als es in Wirklichkeit ist, da sehr viele Faktoren eine Rolle in der sportlichen Planung spielen. Eine der größten Herausforderungen in der heutigen Schnelllebigkeit des Fußballs ist es, eine gewisse Stabilität in einen Verein zu bringen und auch langfristig ein Team formen zu können, ohne nach jeder Saison einen kompletten Umbruch zu haben.

Umbruch ist abschließend ein passendes Stichwort zur Eintracht der gegenwärtigen Saison: Was hältst du vom derzeitigen Team der SGE?
Ich bin nicht nahe genug dran, um das richtig beurteilen zu können, aber ich denke, dass das Trainerteam um Niko Kovac einen hervorragenden Job macht. Gerade im mentalen Bereich, der enorm wichtig ist bei einem Umfeld, wie es in Frankfurt existiert. Die Stimmung, die zum Ende der letzten Saison in Frankfurt herrschte war sehr euphorisch und selbstbewusst, das hat sich dann auch ausgezahlt. Ich denke, dass man einige tolle Talente vor der Saison geholt hat und hoffe, dass man diese auch langfristig halten kann, um sich ein Grundgerüst aufzubauen und sich so stetig Jahr für Jahr verbessert.

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2 Kommentare

  1. Ich bleibe dabei: Oka Nikolov würde ich nach wie vor in unseren Reihen begrüßen. Sehr sympathisches Interview, das einmal mehr zeigt, dass er einfach durch und durch ein Adler ist. Also liebe Verantwortlichen nehmt den Hörer in die Hand.

  2. Da hat er Recht der gute Oka, wir können nicht jedes Jahr einen Umbruch haben. Fände es toll wenn man ihn im Sportvorstand aufnehmen könnte, dort einlernen und dann irgendwann Hübner ersetzen. Oka kann Spieler bestimmt sehr authentisch von der Eintracht überzeugen oder vielleicht auch mal ein Talent halten. Bobic/Hellmann auf geht’s schnappt ihn euch!!

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