Djibril Sow ist auf dem Weg der Besserung – und möchte dann seine Ablösesumme durch Leistung zurückzahlen.

Djibril Sow ist Eintracht Frankfurts Rekord-Neuzugang. Noch nie bezahlten die Hessen mehr für einen Spieler. Mit vielen Vorschusslorbeeren kam der Mittelfeldspieler von den Young Boys Bern in den Stadtwald. Zum Bundesligastart am Sonntag gegen die TSG Hoffenheim kann der Schweizer mit senegalesischen Wurzeln jedoch noch nicht zeigen, was in ihm steckt – eine Sehnenverletzung im Oberschenkel zwingt ihn zum Pausieren. Der Heilungsprozess verläuft jedoch gut. Mit dem Team hat er schon wieder ein wenig trainiert. Sow könnte also schneller zurück sein, als zunächst befürchtet. Dann möchte er seine hohe Ablöse rechtfertigen.

Dass sich der 22-Jährige gleich zu Beginn seiner Zeit bei der Eintracht verletzte, könne man nicht ändern, auch wenn es zunächst natürlich ein „Riesenschock“ für ihn gewesen sei, wie Sow in einem Interview mit der „FR“ erzählt. Aber „wenn man immer nur hinterhertrauert und sich fragt, warum ist das passiert, dann dauert das alles, glaube ich, ein bisschen länger“, sagt er. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, geht er die Sache positiv an – und es hat ihm wohl geholfen: „So ist es schneller ausgeheilt als gedacht, ich habe in dieser Woche schon ein bisschen mit der Mannschaft trainiert. Es ist sehr gut gelaufen.“

Ist er zurück auf dem Platz, möchte er versuchen, seine Ablösesumme von kolportierten zehn Millionen Euro und „das Vertrauen durch Leistung zurückzuzahlen“, das sei sein Ziel. Wie das aussehen könnte, beschreibt Sow, der sich neben dem Spielfeld als „ruhig und introvertiert“ bezeichnet, folgendermaßen: „Auf dem Platz versuche ich, meine ganze Energie und Aggressionen rauszulassen und mich auszuleben.“ Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic bescheinigte Sow bei seiner Verpflichtung Ende Juni „technische, strategische und athletische Fähigkeiten.“

Das sind als defensiver Mittelfeldspieler sicher keine schlechten Attribute. Woran es Sow selbst in seinen Augen ein wenig mangeln würde, sei das Einschalten ins Offensivspiel. „Eigentlich bin ich treffsicher“, erklärt der Rechtsfuß. Aber: „Als Sechser ist der Weg zum Tor dann doch ziemlich weit.“ Er würde gerne öfter zu Torchancen kommen, „ich tauche aber nicht so oft wie ich sollte in dieser Zone auf“, betont er und möchte daran bei seinem neuen Klub arbeiten.

Schlechte Erinnerungen an die Eintracht

Bevor es Sow 2017 erst nach Bern und dann in diesem Sommer nach Frankfurt verschlug, war er für Borussia Mönchengladbach aktiv. Von dort hat er eine dunkle Erinnerung an die Hessen mitgenommen. Er verschoss gegen die Eintracht beim Elfmeterschießen im Pokal-Halbfinale von 2017. Am Bökelberg wurde er damals hauptsächlich im Unterbau eingesetzt. Sich in diesen jungen Jahren der Verantwortung in der Lotterie vom Punkt zu stellen, ist beachtenswert, aber es war wohl auch jugendlicher Leichtsinn bei der Entscheidung mit dabei. Spontan habe er sich dafür entschieden, als er in die Augen seiner Mitspieler gesehen hatte. „Da habe ich gemerkt, dass sie sehr verunsichert waren. Ich habe in der Jugend früher häufig Elfmeter geschossen, deshalb hatte ich eigentlich ein gutes Gefühl. Aber es ist natürlich was anderes, wenn man in so einem Stadion in so einem Spiel dem Torwart gegenübersteht…“, erläutert Sow. Am Ende traf Branimir Hrgota den entscheidenden Elfmeter und die SGE zog ins Finale gegen Borussia Dortmund ein. 

Heute sieht sich Sow als reiferen Spieler, der „viel weiter“ ist als zu seiner Zeit am Niederrhein. Dabei hat ihm vor allem der Wechsel zu den Young Boys geholfen: „Damals hatte ich drei Spiele gemacht, heute kann ich sagen, ich habe zwei Meistertitel geholt, in der Champions League und der Nationalmannschaft gespielt. Es ist sehr viel passiert in den letzten zwei Jahren.“ Deswegen will und kann er die zwei Spielzeiten in Bern, wo er auch unter dem aktuellen Eintracht-Coach Adi Hütter trainierte, nicht als Rückschritt sehen. „Ich habe ja, wie erwähnt, vorwiegend in der zweiten Mannschaft der Borussia gespielt, und wenn man von dort zu einem Topverein in der Schweiz geht, dann ist das kein Rückschritt.“ Es sei für ihn zum damaligen Zeitpunkt die beste Lösung gewesen, um so viel wie möglich spielen und sich weiterentwickeln zu können, erläutert er weiter.

Die Zeit für einen Wechsel war reif

Jetzt also Eintracht. Nicht nur Sow selbst war klar, dass er dieses Jahr einen Tapetenwechsel brauchte. „Ich habe zum Schluss gemerkt, dass mich die Spiele in der Schweiz nicht mehr richtig fordern, das war wie eine Stagnation meines Leistungsvermögens.“ Auch sein Trainer in Bern, Gerardo Seoane, und Sportchef Christoph Spycher, ehemaliger Eintracht-Linksverteidiger und Kapitän, haben ihm einen Wechsel ins Ausland nahegelegt. Letzterer habe Sow darüber hinaus „nur Gutes“ über seinen alten Verein erzählt. 

Von Anfang an habe der mit einem Vertrag bis Ende Juni 2024 ausgestattete Neuzugang bei seiner Entscheidungsfindung ein gutes Gefühl gehabt. Dazu hätten auch die beeindruckenden Spiele im Europacup in der vergangenen Saison beigetragen – und der Auftritt der Adler-Fans im selbigen Wettbewerb. „In Bern hatten wir 15 000 Zuschauer, als es um die Qualifikation für die Champions League ging. Und hier ist gleich alles ausverkauft mit fast 50 000, wenn es um die Europa League geht. Da hat man natürlich sehr viel Lust auf so einen Verein.“

Die Überredungskünste des Gelson F.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor für die Entscheidung Sows an den Main zu wechseln, dürfte wohl auch sein Landsmann sowie Freund Gelson Fernandes und dessen Überredungskünste gewesen sein. „Er hat nur geschwärmt. Er hat mir immer gesagt: Du musst kommen, du musst kommen. Ich kenne Gelson schon lange, er ist ein toller Typ, deshalb habe ich ihm auch geglaubt.“ Die ersten Eindrücke aus Frankfurt täuschen ihn nicht und geben Fernandes recht, zumindest wenn man Sows Worten Glauben schenken darf: „Er hat nicht gelogen, es ist eine sehr sympathische, interessante Mannschaft mit vielen Nationalitäten. Hier fühlt man sich schnell wohl.“ Beste Voraussetzungen also, um die Rekord-Ablösesumme in Leistung umzumünzen. 

- Werbung -

5 Kommentare

  1. Für heute gegen Hoffe denke ,oder besser vermute ich,das wir uns die Punkte teilen werden.
    So ähnlich wie der Kick gestern Gladbach gegen Schalke.
    Das ist nach Bern(5:1)der zweite härtere Gegner.

  2. @ Redaktion, für Sow zahlte die Eintracht 9 Mio,für Hinteregger 12Mio,also ist der aktuell Frankfurts Rekordzugang.

  3. …dass sind die offiziellen Presseangaben, von anderen Angaben geht die Redaktion auch nicht aus…

Keine Kommentare mehr möglich.

- Werbung -