Als Marius Wolf im Winter 2017 von Hannover 96 zur Frankfurter Eintracht kam, kannten ihn nur echte Fußball-Experten. In seiner Zeit in Frankfurt war er aber so etwas wie der personifizierte Aufstieg der Hessen – ähnlich zu den ersten Erfolgen der SGE nach der Relegation 2016. Der Rechtsaußen spielte sich in den Fokus, überzeugte mit vollem Einsatz, Kampfgeist, Flexibilität, Drang nach vorne und wurde so schnell zu einem der Publikumslieblinge. Das Highlight folgte im Mai 2018, als er einer der Frankfurter Pokalhelden wurde, die den FC Bayern München im Finale des DFB-Pokals mit 3:1 besiegten. Dabei stand er wie so oft in seiner Frankfurter Zeit in der Startelf und überzeugte mit den oben genannten Tugenden. Nach dem Pokalsieg und insgesamt 38 Spielen für die SGE mit sechs Toren und elf Vorlagen ging die Reise des damals 23-Jährigen weiter zu Borussia Dortmund. Über die weiteren Stationen Hertha BSC und 1. FC Köln, landete der heute 30-Jährige im Sommer 2024 beim FC Augsburg, dem heutigen Gegner der SGE. Vor der Bundesliga-Partie hat sich der Rechtsfuß Zeit genommen, um im Interview mit SGE4EVER.de über seine Frankfurter Zeit, besondere Erinnerungen, den Wechsel nach Dortmund und natürlich das heutige Spiel und die Situation der beiden Klubs zu sprechen.
SGE4EVER.de: Marius, du hast von Januar 2017 bis Sommer 2018 bei der Eintracht gespielt, hier deinen Durchbruch in der Bundesliga gehabt und im Mai 2018 mit dem DFB-Pokal deinen ersten großen Titel gefeiert. Wie sind deine Erinnerungen an die Zeit in Frankfurt? Hast du bestimmte Momente, an die du gerne zurückdenkst?
Marius Wolf: „Ich habe sehr schöne Erinnerungen an meine Zeit in Frankfurt, sowohl an die Stadt als natürlich auch an den Verein, und auch viele Freunde, die in Frankfurt leben. Daher verfolge ich das Geschehen rund um den Verein auch immer noch aufmerksam. Die eineinhalb Jahre bei der Eintracht gehören zur prägendsten Zeit meiner bisherigen Karriere. Ich habe den Durchbruch in der Bundesliga geschafft und meine erste richtige Bundesliga-Saison gespielt. Klar, das bleibt natürlich immer besonders in Erinnerung. Und der Gewinn des DFB-Pokals zählt auf jeden Fall zu den schönsten Erlebnissen, die ich im Fußball erleben durfte. Das sind Momente, die man nie vergisst.“
Ist das Spiel gegen die Eintracht für dich noch immer ein besonderes und hast du noch Kontakt nach Frankfurt? Aus dem Kader ist nur noch Timothy Chandler übrig und Jan Zimmermann als Torwarttrainer.
„Diese Spiele sind immer noch etwas Besonderes. Ich habe auch immer noch Kontakt zum einen oder anderen Spieler oder zu so manchem Staffmitglied. Da ist die Freude immer groß, wenn man sich rund um die Begegnungen wiedersieht. Auch davon unabhängig sind Spiele gegen die Eintracht immer geil, weil sie viele Fans mitbringen und man sich auf eine tolle Stimmung freuen kann.“

In Frankfurt war es auch die Zeit von Niko Kovac, der mit der Eintracht einen Aufschwung eingeleitet hat und zu dem dir ein besonders gutes Verhältnis nachgesagt wurde. Wie hat die Zeit auf den heutigen Spieler Marius Wolf Einfluss?
„Niko Kovac war für mich persönlich sehr wichtig und wir hatten eine super gemeinsame Zeit bei der Eintracht. Er hat viel und intensiv mit mir gearbeitet und einen großen Anteil daran, dass ich bislang so viele Bundesliga-Spiele bestritten habe. Er war ein großer Faktor und hat mich sehr weit gebracht. Wir haben immer noch ein sehr gutes Verhältnis. Wenn wir uns rund um die Spiele treffen, tauschen wir uns gerne aus.“
Du bist damals von der SGE zu Borussia Dortmund gewechselt – kannst du uns nochmal etwas in die Entscheidungsfindung damals mitnehmen?
„Als Kind hatte ich zwei große Träume, zum einen Fußballprofi zu werden und dann für den Verein zu spielen, von dem ich Fan war. Ich war von Kindesbeinen an Dortmund-Fan und das war schon der entscheidende Faktor, als ich damals vom Interesse der Borussia erfahren habe. Es war keine Entscheidung gegen die Eintracht, sondern für mich war einfach schnell klar, dass ich für Dortmund spielen möchte. Der Abschied war dann schon schwer, weil ich mich in Frankfurt sehr wohlgefühlt habe. Es war damals aber auch klar, dass Niko Kovac und auch noch weitere Spieler die Eintracht verlassen werden. Das hat sicher auch eine Rolle gespielt, aber eine sehr untergeordnete.“
Du spielst mit dem FC Augsburg eine starke Saison, ihr steht einen Platz hinter der SGE. Wie schätzt du eure Saison und eure Form – besonders mit dem Blick auf das Spiel gegen die SGE – ein?
„Wir hatten eine große Veränderung im Sommer und einen holprigen Start bzw. eine Hinrunde, die nicht so verlief, wie erhofft. Wir haben uns dann aber gefangen und sind insgesamt auf einem guten Weg. An der einen oder anderen Stelle haben vielleicht etwas die Punkte gefehlt. Doch wir haben uns spielerisch definitiv weiterentwickelt. Wir haben eine junge und gute Mannschaft mit vielen Spielern, die auch Partien entscheiden können. Das Team ist im Kollektiv gefestigt und wir spielen insgesamt eine gute Saison, können vier Spieltage vor Saisonende den Klassenerhalt perfekt machen. In der Tabelle sind wir einen Platz hinter der Eintracht. Da ist die Saison sicherlich nicht so gelaufen, wie erhofft. Es wird ein interessantes Spiel mit offenem Ausgang. Wir werden definitiv alles reinwerfen, um den Heimsieg zu holen. Dafür kommen wir am Samstag ins Stadion.“
Welche Art von Spiel erwartest du und wie wollt ihr es angehen? Bei der Eintracht gab es zuletzt einige Probleme – ist das etwas, wo ihr ansetzen und was ihr ausnutzen wollt?
„Ich gehe davon aus, dass es ein intensives, schnelles und körperliches Spiel wird. Frankfurt ist auch eine Mannschaft, die auf Konter setzt und schnelle Ballgewinne haben will. Wir wollen und müssen dagegenhalten und versuchen, selbst in die Umschaltmomente zu kommen und Chancen zu kreieren. In den vergangenen Wochen hat uns stark gemacht, dass wir die Konter gut ausgespielt haben und zu Abschlüssen kamen. Die Mannschaft, die das besser umsetzen wird, wird am Ende gewinnen. Wir haben ein Heimspiel und wollen die drei Punkte in Augsburg behalten.“
Zum Schluss ein Blick in die Glaskugel: Wo landet der FC Augsburg am Ende der Saison und wo die Eintracht?
„Das ist schwer zu sagen. Es sind zwar nur noch vier Spiele, aber in denen ist in alle Richtungen noch ein bisschen was möglich. Mit einem Sieg am Samstag könnten wir auf drei Punkte an Frankfurt herangekommen. Wir haben ein Restprogramm, in dem wir alle Gegner schlagen können. Es ist unser Ziel, in diesen Spielen so viele Punkte wie möglich zu holen. Dann wird man sehen, wohin uns das am Ende führt. Ich gehe davon aus, dass die Eintracht auch mit dem Ziel in die letzten Spiele geht, diese auch zu gewinnen und in der Tabelle noch ein bisschen nach oben zu klettern. Es ist aber immer schwer, in die Glaskugel zu schauen.“
Marius, vielen herzlichen Dank für die Zeit, die du dir für SGE4EVER.de genommen hast, und weiterhin alles Gute für dich!



7 Kommentare
Hättest gerne bei uns bleiben können. Aber es wird wohl der schnöde Mammon gewesen sein...
War er nicht zu Hannover 2 abgeschoben worden und hat bei uns eine neue Chance bekommen? Praktisch aussortiert?
'Hättest gerne bei uns bleiben können. Aber es wird wohl der schnöde Mammon gewesen sein...'
Da brauchste net spekulieren, er hat es im Interview erklärt. Einfach lesen. :)
Und zu deinen Fragen:
Ja, er wurde bei H96 aussortiert und schlug in Frankfurt ein. Das war ein ordentlicher Deal von Bobic: für 0,5 Mio gekauft, für 5 Mio verkauft. Nach gut nem Jahr.
„Frankfurt war eine der prägendsten Zeiten meiner Karriere!“
Klingt erst mal ganz nett, aber angesichts der kurzen Zeit eher nicht sehr überzeugend.
Ich war jedenfalls damals sehr enttäuscht, dass er gegangen ist.
Wenn ich das Geblubber höre, wird mir schlecht. Dem hats bei uns so super gefallen, dass er die erste Gelegenheit genutzt hat, sich an den gedeckten Tisch zu setzen.
Soll doch wenigstens ehrlich sein.
Eine Zeit kann aber doch trotz der Kürze prägend sein, oder? Zum Beispiel dann, wenn man seinen Durchbruch geschafft hat und einen Pokal gewonnen hat.
Enttäuscht war ich auch, aber das eine schließt das andere doch nicht aus.
Das kannst Du so sehen.
Ich hatte ja auch das Wort "eher" geschrieben.
Man kann es aber auch so sehen, wie PeKa.
Und ehrlich gesagt, je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr tendiere ich auch in diese Richtung.
Überleg doch mal, die Eintracht hat diesem Menschen die Karriere gerettet. Der war eigentlich schon abgeschrieben, in der zweiten (!) Mannschaft von Hannover 96.
Dann spielte er hier eine halbwegs erfolgreiche Saison, die aber definitiv Hoffnung auf noch mehr macht. Und dann geht er.
Übrigens für eine damals in seinem Vertrag festgeschriebene lächerliche Ablöse 5 Mio. Euro.
Der Marktwert war damals gestiegen zum Ende der Saison 2017/18 auf 10 Mio. Euro laut transfermarkt.de geklettert.
War bestimmt für seine Gehaltsverhandlungen mit Dortmund auch nicht von Nachteil.
Ich weiß, viele sehen es als Erfolg von Bobic, war es vielleicht auch, aber im Prinzip hatte ich den Eindruck dass wir auf den Arm genommen worden sind.
Ich weiß, es ist illusorisch, in diesem Business Treue zu erwarten. Und dennoch finde ich's blöd, dass er nicht (wenigstens noch eine Saison) bei uns geblieben ist. Und dann auch noch so ein aalglattes Interview. Tut mir leid, brauche ich nicht.
Hahaha :)
Schaut euch das mal an..
https://www.kicker.de/de-zerbi-mit-rotwein-bier-und-der-sge-auf-youtube-zum-klassenerhalt-1213533/video
De Zerbi sagt, dass Kolo Muani bei ihm auf dem rechten Flügel spielt...weil er das damals bei der SGE auch machte.
So viel zu YouTube-Wahrheiten :)
Wenn ich sagen müsste, was der bei uns spielte, würd ich sagen: kompletter Stürmer!
Alleine vorne, gern die Position verlassend und in den Zwischenräumen unterwegs, mitspielend.
Sowie teilweise als Stoßstürmer..an der letzten Linie wartend, um zum Konter durchzubrechen. Doch definitiv kein Flügelspieler.
Naja, de Zerbi hat in der Liga ja einen, der ihm das sagen könnte (Glasner). Vielleicht ist er so frei, gg Palace spielt Tottenham nicht mehr.
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