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Axel Hellman übernimmt interimsweise das Amt des Sportvorstandes bei der Eintracht. Foto: IMAGO / HMB-Media

Hellmann will „Klarheit in Entscheidungen und in der Kommunikation in und um den Klub bringen“

Die Frankfurter Eintracht hat turbulente Tage hinter sich. Nur zwei Tage nach dem Heimsieg gegen Köln gab die SGE auf dessen eigenen Wunsch die Trennung von Sportvorstand Markus Krösche bekannt. Auf der Mitgliederversammlung am Montag hatte dieser dann Gelegenheit, sich emotional von den anwesenden Eintracht-Fans zu verabschieden.

Krösches Posten möchten die Frankfurter möglichst bald neu besetzen. Bis ein neuer Mann für diese Aufgabe gefunden wird, begleitet  Axel Hellmann, der zudem zum Vorstandsvorsitzenden berufen wurde, interimsweise das Amt des Sportvorstandes. In einer Pressekonferenz äußert sich der 55-Jährige Jurist über seine aktuellen Aufgaben, Krösches Amtszeit und die Zukunft der Eintracht.

„Ich fand die Entscheidung des Aufsichtsrates absolut richtig, keine Lücken aufkommen zu lassen“, stellt Hellman schnell klar. „Ich bin der Überzeugung, dass in einem funktionierenden Vorstand eines Bundesligaklubs am Ende diejenigen, die fachlich die beste Eignung haben, auch die Verantwortung bei diesen Themen tragen müssen.“ Bei der Suche nach einem Nachfolger für den Posten des Sportvorstandes werde es sich zeitlich eher um Wochen als um Monate handeln.  

„Richtiger Zeitpunkt, um den Vorstandsvorsitzenden zu implementieren“

Anschließend begründet Hellmann die Einführung der Rolle des Vorstandsvorsitzenden, die er nun selber ausführt:  „Die sportliche Aufgabe, die man in dieser Position zu erfüllen hat, ist überschaubar. Aber ich glaube, dass in dem Prozess, in dem sich der Betrieb befindet – mit einer Bandbreite an Veränderungen im Transfermarkt, bis hin zu Großprojekten, die der Klub angehen will, und der grundsätzlichen Ausrichtungsfrage – es dem Betrieb gut tut, wenn zentrale Themen auch zentral gebündelt werden. Deswegen ist es auch ein richtiger Zeitpunkt gewesen, den Vorstandsvorsitzenden zu implementieren und auch entsprechend zu besetzen“, betont er.

Schon in den vergangenen Tagen wurde ausführlich über die neue Transferstrategie der Eintracht diskutiert, die sich nun weniger abhängig von ihrem vorherigen Geschäftsmodell machen will, das vor allem darauf ausgelegt war, junge Spieler günstig zu verpflichten, weiterzuentwickeln und schlussendlich teuer zu verkaufen. „Für mich ist es wichtig, dass wir keine 180-Grad-Drehung dessen machen, was wir in den letzten Jahren gemacht haben. Eine Frage, auf die das gerne reduziert wird, ist: Gehen wir einen völlig anderen Weg bei der Verpflichtung von Spielern oder modifizieren wir nur? Ich glaube, das Wort Modifikation ist das Zauberwort“, beschreibt Hellman den von ihm gewünschten zukünftigen Weg. Man müsse gewisse Dinge nun an Markt und Möglichkeiten anpassen.

In der Vorsaison verpasste die Eintracht zum ersten Mal seit sechs Jahren den Einzug in einen europäischen Wettbewerb. Im Sommer stand ein Umbruch an, bei dem mehrere Stammspieler den Verein verlassen hatten. Der Saisonstart verlief insgesamt eher holprig. Trotzdem sieht Hellmann bei der Eintracht nach wie vor den Anspruch, in den kommenden Jahren erneut möglichst dauerhaft im internationalen Fußball vertreten zu sein: „Die Ambition in diesem Klub kann nicht sein, zu sagen, wir sind am Ende mit Mittelmaß zufrieden. Das gibt auch die Entwicklung der letzten Jahre, aber auch die der strategischen Ideen, die wir außerhalb des Sports haben, nicht her“, bekräftigt er. „Wenn wir die Idee haben, dass wir auch über ein neues Stadion nachdenken, in bestimmten Feldern zu wachsen und 200.000 Mitglieder für diesen Verein zu gewinnen, dann ist die regelmäßige Teilnahme an europäischen Wettbewerben ein Grundsatzziel dieses Klubs.“

Gespräche innerhalb des Vereins

Als eine seiner ersten Amtshandlungen beschreibt Hellmann die persönlichen Gespräche mit mehreren Führungspersonen des Vereins: „Ich habe in den letzten zwei Tagen lange mit dem Trainer, dem Kapitän, den Führungspersonen und natürlich auch mit dem Sportdirektor Timmo Hardung gesprochen. Dabei war die allererste Frage: Ihr seid Führungskräfte, die jahrelang unter Markus gearbeitet haben, seht ihr hier für euch eure Zukunft?“, erzählt er. „Meine Erwartungshaltung ist, du musst zu 100 Prozent für diese Aufgabe brennen, darfst nicht halbschwanger sein, sondern musst sagen, Jawoll, da sehe mich.“

Ein zielführendes Gespräch habe Hellmann dabei vor allem mit Sportdirektor Timmo Hardung geführt: „Ich hatte in dem Gespräch, das ich mit ihm geführt habe, den Eindruck, dass er total brennt und auch klare Vorstellungen hat, wie er den Job jetzt angehen wird, auch in der Interimsführung durch mich“, so der Jurist. „Für mich gibt’s nur: Entweder ist einer da und macht es zu 100 Prozent, dann mache ich ihn aber auch stark. Oder er brennt nicht, weil er es nicht mitbringt, dann geht man auseinander. Das Signal, das ich gesehen habe, ist, dass er brennt.“

Einen schon seit längeren intensiven Austausch habe Hellman mit Cheftrainer Adi Hütter gehabt. „Ich kenne ihn als Persönlichkeit, auch in der Weiterentwicklung zu seinen vorherigen drei Jahren bei uns, sehr gut. Deswegen weiß ich, dass er seinen Kosmos komplett im Griff hat“, versichert er. „Da mache ich mir gar keine Gedanken. Er braucht auch einen gewissen Rahmen für Dinge, die organisatorisch bewerkstelligt werden müssen. Wir haben darüber gesprochen, ob es da Themen gibt, die man optimieren kann. Was davon will er stärker beeinflussen, was ist seine Erwartungshaltung an den Sportdirektor und welche besteht in meine Richtung? Das haben wir relativ gut besprochen.“  In der aktuellen Situation könne er sich keine stärkere Präsenz als die von Hütter vorstellen.

„Ich entscheide Dinge lieber schnelle, als sie liegen zu lassen“

Als besonders wichtig bei seinen Aufgaben als Sportvorstand betrachtet Hellmann die Notwendigkeit, bei den für ihn neu dazugekommenen Themen, möglichst schnelle Entscheidungen zu treffen: „Eine Interimsphase wird immer dann zum Problem, wenn man das Gefühl hat, es wird nichts entschieden und Dinge bleiben liegen. Ich glaube, allen sollte aus der Erfahrung meiner Tätigkeit hier und der Zusammenarbeit, die wir haben, klar sein, dass ich Dinge lieber schneller entscheide, als sie liegen zu lassen. Dafür muss ich wissen, welche Themen auf dem Tisch liegen“, betont er. „Das sind Vertragsfragen, das sind klimatische Themen, das sind Organisationsfragen im sportlichen Bereich, die man verstehen muss, und bei denen man vielleicht Begradigung vornehmen muss.“

Daraus, dass das Jahr 2026 bis jetzt kein erfolgreiches für die Eintracht war, macht Hellmann keinen Hehl. „Das Jahr ist fast vorbei und wir können diese Gesamtwahrnehmung nur noch auf dem Platz verbessern“, gibt er zu. „Ob uns das gelingt, ist in den nächsten Wochen hauptsächlich dem Zusammenwirken von Trainer und Mannschaft in die Hände gelegt. Die Schwankungen, die wir dieses Jahr hatten, wollen wir nicht mehr zulassen, sondern auch Klarheit in Entscheidungen und in der Kommunikation in und um den Klub bringen.“

„Sportliche Herausforderung, aber keine Unternehmenskrise“

Auch wenn die Eintracht ihre sportlichen Ziele zuletzt nicht erfüllen konnte, sieht der Jurist den Verein gerade finanziell für die Zukunft gut abgesichert. „Es war eine sportliche Krise, jetzt ist es eine sportliche Herausforderung, aber keine Unternehmenskrise. Das gilt auch für die finanziellen Verhältnisse. Dieser Klub ist wirtschaftlich stabil aufgestellt“, beschreibt er die Situation aus seiner Sicht. „Wir haben sportliche Herausforderungen über den Sommer mitgenommen, da kam es uns sicher nicht entgegen, dass Transfermärkte anders reagiert haben als in den letzten Jahren. Aber ehrlicherweise habe ich auch deswegen keine Schweißperlen auf der Stirn, weil ich weiß, dass wir auf allen Positionen eine super Qualität hier im Betrieb haben.“

Außerdem nahm Hellmann Bezug darauf, wie die meist hohen Transfererlöse in den letzten Jahren vom Verein investiert wurden. Besonders bemerkenswert: Transferüberschüsse habe es dabei nicht gegeben. „Wir haben alles, was wir eingenommen haben, wieder in die Mannschaft gesteckt, weil wir kein Bankkonto füllen, sondern in den Sport investieren. Das immer auch in dem Interesse, die Spieler zu entwickeln und daraus den nächsten Transfererlös zu erzielen, den wir wieder in die Spieler stecken können.“

„Wir hatten mit Markus hervorragende Ergebnisse“

Gegenüber Krösche verliert Hellmann während der gesamten Pressekonferenz kaum negative Worte und hebt vor allem die Erfolge hervor, die die SGE unter seiner Amtszeit verbuchen konnte: „Wir hatten mit Markus hervorragende Ergebnisse und gute Jahre. Es steht völlig in den Sternen, ob wir so erfolgreiche Jahre mit einem europäischen Titel in Zukunft haben werden. Dass wir das anstreben, ist klar, aber das weißt du nicht. Insofern werde ich ganz sicher nicht aus Arbeitsmethodik ein Ergebnis, das hervorragend war, in Frage stellen.“

Trotzdem will Hellmann auch nicht verschweigen, dass seiner Meinung nach unter Krösche als Sportvorstand auch Fehlentscheidungen getätigt wurden: „Dass Fehler gemacht worden sind, dass wir uns ein paar Biotope geleistet haben, in denen nicht optimal entschieden worden ist, wissen alle und wurde auch von Markus auf seiner Pressekonferenz eingeräumt“, stellt er klar. „Es werden halt auch manchmal falsche Entscheidungen getroffen, die haben wir auch alle in unseren Ressourcen schon getroffen.“ Aus diesem Grund sei das nicht der Maßstab für ihn.

Darüber, welche Fähigkeiten Krösches Nachfolger mitbringen sollte, sei man sich innerhalb des Vereins grundsätzlich einig: „Es muss jemand sein, der in der Entwicklung von Spielern grundsätzlich seine Stärken unter Beweis gestellt hat. Und wir sind uns auch einig, dass es am Ende darum geht, die Stärkung eigener Ressourcen voranzutreiben.“

3 Kommentare

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Ich wünsche mir, dass bald wieder Ruhe einkehrt bei der SGE. Zumindest intern.

Und wenn ich mir was zu Weihnachten wünschen darf, dass keine Infos mehr an die Presse und vorallem nicht an die BLÖD durchsickern

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Avatar Der User hat SGE4EVER.de mit mind. 100 € finanziell unterstützt, als es um den großen Relaunch 2024 ging. Ob Stehblock, VIP-Loge, Currywurst oder Handkäs-Häppchen - Hauptsache SGE4EVER.de! Denn der User unterstützt das Onlinemagazin mit einem monatlichen oder jährlichen Betrag und genießt zudem besondere Vorteile: Werbefreiheit, Gewinnspiele etc. 2. Block42 22. Oktober 26, 19:03 Uhr

Es ist gut das Hellmann da gerade so positiv und mit vielen Gesprächen voran geht. Dann kommt niemand auf die Idee sich jetzt ausruhen zu dürfen und ich glaube wenn so ein Hellmann ins Büro kommt, weiß jeder was zu tun ist. Das klingt zumindest alles sehr besonnen, ruhig und mit Weitblick. Hoffen wir das der neue Mann/Frau zeitnah vorgestellt wird und unsere Eintracht in eine erfolgreiche Zukunft führt. Mit Hütter wurde der erste gute Schritt im Sommer vollzogen und ich bin optimistisch, dass das passende Puzzleteil gefunden wird!
Eintracht Frankfurt!

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Fallback Avatar 3. frankfurter jung 22. Oktober 26, 19:30 Uhr

Da du auch eine Frau für die Krösche Nachfolge für möglich hältst...
Du meinst aber hoffentlich nicht Voss-Tecklenburg? Ich denke, in ihrer unendlichen Selbstüberschätzung würde die den Job sogar annehmen.
Was Hellmann angeht, so hoffe ich, dass er sehr bald uneingeschränkt seinen ursprünglichen Tätigkeitsbereich beackern kann, indem der AR sehr schnell einen neuen Sportvorstand benennt. Die Aufgabe des Sportvorstandes würde Hellmann grandios überfordern.

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