Am sechsten Spieltag der Bundesliga, am Freitagabend um 20:30 Uhr, steht für Eintracht Frankfurt einiges auf dem Spiel. Die angeschlagene und kriselnde SGE empfängt einen 1. FC Köln, der sich derzeit im leichten Aufwind befindet. Die Voraussetzungen für das Flutlicht-Eröffnungsspiel des anstehenden Bundesliga-Wochenendes könnten kaum unterschiedlicher sein: Während das 0:6 in Leipzig bei den Hessen noch nachhallt, haben die Gäste aus der Domstadt mit dem Derbysieg gegen Borussia Mönchengladbach Blut geleckt und einen wichtigen Sprung in der Tabelle gemacht.
„Natürlich haben wir das Spiel aufgearbeitet. Es war gar nicht so schwer, es zu verarbeiten“, erklärte Hütter. In den Köpfen der Spieler solle das zurückliegende Debakel deshalb nicht mehr nachwirken. „So habe ich es auch gestern im Training nicht wahrgenommen“, erklärte Hütter. Natürlich seien die Spieler enttäuscht gewesen. Jedem müsse bewusst sein, dass die Mannschaft nach diesem Auftritt Kritik habe einstecken müssen. Nach einem 0:6 gebe es schließlich „auch keine Argumente.“ Für Hütter und seine Spieler bleibe deshalb nur eines: „hart arbeiten.“ Das ist das richtige Stichwort: In zwei Tagen wartet auf die Frankfurter ein immens wichtiges, wenn nicht sogar „richtungsweisendes Spiel“ mit Blick auf die aktuelle Tabellensituation. Der Cheftrainer erwartet, dass seine Mannschaft am Freitagabend um 20:30 Uhr im Deutsche Bank Park „ein anderes Gesicht“ zeigt und „beißt, kratzt, zwickt.“ Sie müsse sich so präsentieren, „wie alle es erwarten.“
Gefordert ist eine geschlossene Mannschaftsleistung, mit der der zweite Saisonsieg und damit ein wichtiger Befreiungsschlag gelingen soll. Man wisse, „was wir am Freitag tun müssen.“ Es brauche „eine Mannschaft, wo jeder für jeden anderen kämpft.“ Hütter gibt sich dabei optimistisch: „Die Mannschaft ist in der Lage, das ist eine ordentliche Mannschaft.“ Allerdings gelte eine entscheidende Voraussetzung: „Es geht nichts von selber.“ Den Erfolg müsse sich die SGE „hart erarbeiten.“ Das gelinge nur durch „Leistung auf dem Platz und im Training.“ Mit Blick auf die Einheiten zeigte sich Hütter zuversichtlich: „Wenn ich das Training sehe, dann muss ich sagen, ja, die Mannschaft hat es verstanden.“ Nun müsse sie die Erkenntnisse auch auf dem Rasen umsetzen.
Hütter fordert mehr Widerstandsfähigkeit
Vor allem in Sachen Resilienz sieht der Coach Nachholbedarf. „Wenn ich eine Kritik üben darf: Wir sind für viele Gegner momentan zu bequem.“ Seine Mannschaft müsse „unangenehmer, unbequemer zu bespielen sein.“ Derzeit sei die Eintracht „zu angenehm zu bespielen. Das geht einfach nicht!“, legte Hütter den Finger in die Wunde. Am Freitag habe seine Truppe die Gelegenheit, das Gegenteil zu beweisen. Dabei appellierte der Coach an die beschworene „069-Mentalität.“ In jedem Spiel gehe es darum, „dass ich um jeden Meter kämpfe, dass ich laufe, bis ich nicht mehr kann, (…) und dass wir eine Mannschaft auf dem Platz sehen, die wirklich die 069-Mentalität mitbringt.“ Die Erwartungshaltung sei klar: „Das erwarten alle, die 60.000 hier, dass die Mannschaft kämpft, bis zum Umfallen.“
In Mainz und gegen Freiburg sei das der Eintracht gelungen. „Dann kommt wieder so ein Spiel wie in Leipzig dazwischen, was in der Form nicht geht und das ist das, was mich stört“, machte Hütter seinem Ärger Luft. Die Mannschaft sei in ihrer Entwicklung nicht so weit, wie er es sich wünsche. Der Fußballlehrer kann die Kritik der Medien deshalb nachvollziehen: „Deshalb ist die Kritik von eurer Seite absolut berechtigt.“ Die Botschaft für Freitag ist entsprechend eindeutig: „Wir müssen am Freitag ein Gesicht zeigen, wo man sagt, okay, die rackern bis zum Schluss.“ Sowohl im eigenen Stadion als auch auswärts müsse die Eintracht wieder unangenehmer und unbequemer werden.
Der Deutsche Bank Park soll wieder zur Festung werden
Im Prestigeduell mit dem „Effzeh“ geht es für die Adler auch darum, den Nimbus der Heimmacht zurückzugewinnen. Schließlich wartet die Eintracht seit März auf einen Heimsieg. Damals gelang gegen den späteren Absteiger 1. FC Heidenheim ein 1:0-Erfolg. Dass die SGE vor heimischer Kulisse so lange ohne Erfolgserlebnis geblieben ist, kann Hütter nur schwer nachvollziehen. „Ich kann es nicht verstehen, wie man auch in meiner dreijährigen Amtszeit über einen so langen Zeitraum nicht gewinnen kann“, erklärte der Österreicher. Umso beeindruckter zeigte er sich von der Unterstützung der Anhänger: „Was unsere Fans in Leipzig wieder aufgeführt haben, wie sie uns bis zum Schluss unterstützt haben, ist beeindruckend.“
Auch im Deutsche Bank Park wünscht sich Hütter bedingungslosen Rückhalt – und vor allem eine Mannschaft, die diesen mit Leistung zurückzahlt. „Hier haben wir 60.000, die ins Stadion kommen und uns unterstützen, und das Einzige, was sie sehen wollen, ist, dass wir von der ersten bis zur letzten Minute marschieren.“ Der Deutsche Bank Park soll wieder zur Festung werden. Doch das gehe nicht von heute auf morgen und lasse sich auch nicht durch bloße Worte erreichen. Entscheidend sei, „dass wir es auch auf dem Platz umsetzen, dass wir unangenehm werden, dass die Mannschaften wieder hierherkommen und sagen: Okay, hier hängen die Kirschen höher.“ Dafür müsse die Eintracht „auf dem Platz hart und richtig arbeiten.“
Koch bleibt Kapitän – Hütter nimmt Führungspieler in die Pflicht
Um den Grundstein für eine Trendwende zu legen, setzt Hütter weiterhin auf Abwehrchef Robin Koch. Der 30-Jährige soll die Mannschaft am Freitag erneut als Kapitän aufs Feld führen. Nach seinem schwachen Auftritt in Sachsen und seiner Auswechslung war Koch ins Zentrum der Kritik geraten. Hütter sieht es deshalb als seine Aufgabe, „ihn zu unterstützen und trotz allem ihm das Vertrauen zu geben.“ Der Coach hält weiterhin viel von seinem Kapitän, der sich seit der Übernahme der Binde in einer Formkrise befindet. „Im Fußball ist es auch so, dass man manchmal in einer Phase ist, wo es einfach nicht läuft.“ Dennoch ist Hütter überzeugt, dass der gebürtige Pfälzer bald wieder zu seiner gewohnten Stärke zurückfindet. „Mit seiner Erfahrung, mit seiner Klasse sollte es nicht so lange dauern. Weil ich ihn auch eigentlich als sehr, sehr guten Verteidiger sehe, der mit dem Kopf stark und fußballerisch gut ist. Ich bin davon überzeugt, dass Robin schnellstmöglich wieder zu seiner alten Form findet“, erklärte der Trainer.
Gleichzeitig nahm er seinen Spielführer in die Pflicht. Koch müsse wieder dahin kommen, „dass er die Zweikämpfe sucht und gewinnt“. Zudem erwarte Hütter von ihm, „dass er als Führungsspieler seine Stimme dazu verwendet, dass er auch einteilt.“ Gerade in der ersten Halbzeit in Leipzig habe man das vermisst. Dort habe es klare Abläufe für das Anlaufen gegeben, die auf dem Feld jedoch nicht konsequent umgesetzt worden seien. „Es hat nicht funktioniert, weil wir es auf dem Platz nicht korrigiert haben, was aber gar nicht so schwer gewesen wäre. Das erwarte ich von Robin.“ Zum Sündenbock wolle er den Abwehrchef dennoch nicht machen. Koch sei „nicht der Hauptschuldige“, betonte Hütter. Er sei kein Trainer, „der mit dem Finger auf irgendwen zeigt: Der ist hauptschuldig. Nein. Fakt ist, dass ich Trainer der Mannschaft bin. Auf einzelne Spieler zu zeigen, mache ich nicht.“
Stattdessen müsse die Frage lauten: „Wie schaffe ich es, dass die Jungs bestmöglich ein Spiel absolvieren können?“ Von Koch erwarte er als Führungsspieler und Kapitän, mit guten Leistungen voranzugehen. Das könne allerdings nur im Kollektiv gelingen: „Es kann nicht einer allein sein, wir müssen versuchen, es gemeinsam besser zu machen.“ Lob fand der Fußballlehrer dafür, wie Koch sowohl mit seiner Auswechslung gegen RB Leipzig als auch mit der anschließenden öffentlichen Kritik umgegangen sei. „Ich habe mit Robin gesprochen, der es auch eingesehen hat und es nicht für schlimm empfunden hat.“ Natürlich sei es nie angenehm, als Kapitän ausgewechselt zu werden. Koch habe die Entscheidung jedoch „sehr gut aufgefasst.“
Maluze vor der Rückkehr – Doppelsturm als Option
Unterstützung für die Defensive könnte bald auch von Jeremiaha Maluze kommen. Beim 21-Jährigen seien Fortschritte zu erkennen. In dieser Woche sei der Youngster wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Für die Partie gegen Köln komme ein Einsatz allerdings wohl noch zu früh. Hütter mahnte in diesem Zusammenhang zur Geduld: „Es ist immer wichtig, dass wir nicht gleich wieder den einen, den anderen suchen und gleich wieder reinschmeißen. Wir müssen schon behutsam mit unseren Jungs umgehen.“
Offen bleibt außerdem die Frage nach der taktischen Ausrichtung: Doppel- oder Einzelspitze? Wie üblich wollte sich Hütter nicht zu tief in die taktischen Karten schauen lassen. Klar ist jedoch, dass bei einer Dreierabwehrkette ein Offensivspieler weichen müsste. Das könnte Ritsu Doan oder Can Uzun treffen, die in Leipzig über weite Strecken blass geblieben waren. Denn Eine Doppelspitze schloss der Trainer jedenfalls nicht aus. „Freitag ist wieder ein anderes Spiel. Möglicherweise spielen wir wieder mit zwei Spitzen.“
Die endgültige Antwort gibt es wie gewohnt rund 60 Minuten vor dem Anpfiff. Dann wird sich zeigen, ob Eintracht Frankfurt den Worten ihres Trainers Taten folgen lässt – und ob sie gegen den 1. FC Köln den ersehnten Befreiungsschlag schafft.






3 Kommentare
Hauptsache nicht die 0049-Mentalität..
Jetzt erstmal alles negative aus dem Kopf bekommen.
Danach einfach unsere dna auf den Platz bekommen und nicht aufgeben.
Bitte einmal zu Null.
„Net viel gebabbel… Frankfurt makes trouble“
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