Das Warten hat nun ein Ende: Die dreiwöchige Länderspielpause ist vorbei. Alle Nationalspieler sind an Bord, die Akkus wieder aufgeladen – nun gilt es, in den Bundesligaalltag zurückzukehren. Die Frankfurter Eintracht bekommt es im Topspiel am Samstagabend um 18:30 Uhr mit RB Leipzig zu tun. Eine dankbarere Aufgabe hätte es durchaus geben können, schließlich konnten die Hessen bislang erst einmal als Sieger aus der Red Bull Arena gehen. Der kommende Gegner ist allerdings ähnlich holprig in die neue Saison gestartet wie die Mannschaft von Adi Hütter. Seit Sommer steht mit Martin Demichelis ein neuer Trainer an der Seitenlinie. Für den Frankfurter Chefcoach spielt all das jedoch keine Rolle. „Sie haben eine gute Mannschaft. Ich kenne die Qualität. Wenn sie Platz haben und ihre Geschwindigkeit ins Spiel bringen, sind sie auch bei Standardsituationen unangenehm.“
Hütter sieht kein Fitnessproblem
Hütter möchte unabhängig vom Gegner den Fokus auf die eigene Mannschaft richten. „Ich versuche, meiner Mannschaft das Bestmögliche zu geben. Wie können wir dieses Spiel gewinnen?“ Das sei immer der Ansatz des Österreichers, der von seinem Team die Umsetzung der eigenen Tugenden erwartet. „Wenn wir taktisch diszipliniert sind, wenn wir die Zweikämpfe annehmen“, werde seine Mannschaft die Möglichkeiten bekommen. Konkret bedeutet das: In Leipzig müsse man „mutig sein. Wir müssen gut verteidigen und viel laufen, weil Leipzig eine laufstarke Mannschaft ist.“ Das Spiel müsse man „von der ersten Minute annehmen.“ Gleichzeitig werde es Momente geben, „in denen wir uns vom Druck befreien müssen.“ Der Schlüssel zum Erfolg sei der erste und bislang einzige Ligaerfolg beim Nachbarschaftsduell mit Mainz 05, an den Hütter anknüpfen möchte. „Wenn wir so auftreten wie in Mainz, dann ist es sicherlich so, dass es auch für Leipzig nicht einfach wird.“ Verstecken wird sich die Eintracht keinesfalls. „Wir haben auch unsere Qualitäten. Wir glauben an unsere Stärken.“ Schließlich ist die SGE in der laufenden Spielzeit auswärts bislang noch ungeschlagen. Daran soll sich auch am kommenden Wochenende nichts ändern.
Dafür muss allerdings an den Defiziten gearbeitet werden, die sich in den ersten Spieltagen vor allem in der zweiten Hälfte bemerkbar gemacht haben. Im Zuge dessen wurde auch ein vermeintliches Fitnessproblem thematisiert. Hütter sieht die Ursache jedoch nicht im körperlichen Zustand. „Es hat gar nichts mit dem physischen Zustand zu tun“, wenn man nach dem Seitenwechsel drei Tore kassiere. Bei genauerem Hinschauen „ist es eine individuelle Geschichte, wo wir nicht gut verteidigt haben und unkonzentriert waren. Wir müssen versuchen, das schnellstmöglich abzustellen.“ Gefordert seien dabei sowohl die einzelnen Spieler als auch der Chefcoach selbst. „Ich muss mir auch Gedanken machen, wie wir das in der Pause besser hinbekommen, sodass sie sofort da sind.“ Auch wenn es für Hütter in dieser Form ein Novum ist, sieht er die Problematik nicht als taktische Frage. „Da müssen wir uns sowohl als Mannschaft als auch individuell verbessern.“
Luxusproblem im Sturm
Personell kann Hütter fast aus dem Vollen schöpfen. Heute konnte der Fußballlehrer erstmals seit der Länderspielpause mit der gesamten Mannschaft trainieren. Bei Jeremiaha Maluze gibt es Fortschritte zu verzeichnen. Der Innenverteidiger wurde laut Hütter teilweise ins Mannschaftstraining integriert, für das Spiel am Samstag ist der 21-Jährige allerdings weiterhin keine Option. Malik Pimpong kehrte leicht angeschlagen von der Nationalmannschaft zurück und wird deshalb ebenfalls nicht zur Verfügung stehen. Bei Can Uzun, der aufgrund von Belastungssteuerung in den letzten drei Nations-League-Spielen der Türkei nicht zum Einsatz kam, gab Hütter dagegen grünes Licht. „Ich habe mit ihm länger gesprochen. Er hat gut trainiert.“
Fit ist auch Ayoube-Amaimouni Echghouyab, der aufgrund der hohen Konkurrenzsituation in der Offensive bislang allerdings nur einmal in der Bundesliga in der Startelf stand. „Can Uzun und Ritsu Doan haben ordentliche Leistungen gebracht. Momentan muss er sich hintenanstellen“, begründete Hütter und stellte dem 21-Jährigen zugleich weitere Einsatzzeiten in Aussicht: „Trotz allem trainiert er gut und haut sich in allem rein.“ Echghouyab sei als klassischer Flügelspieler ein anderer Spielertyp, doch Hütter traue ihm zu, auch andere Positionen zu bekleiden. „Nichtsdestotrotz versucht er auch, andere Positionen richtig gut umzusetzen.“ Ein „Systemopfer“ sei der marokkanische Nationalspieler in Hütters Augen nicht. Allerdings könne es „wenn wir Dreierkette spielen, sein, dass da einer rausfällt.“
Spannend wird es vor allem im Sturmzentrum. Dort scharren mit Younes Ebnoutalib und Jonathan Burkardt zwei deutsche Nationalspieler, die unter Bundestrainer Jürgen Klopp zum Einsatz kamen, mit den Hufen. Das Duo kommt derzeit gemeinsam auf neun Scorerpunkte. Hütter hat somit ein echtes Luxusproblem. Wie wird dieses gelöst? „Als Klubtrainer kann man sich glücklich schätzen, nicht nur Stürmer zu haben, die mit ihren Toren einen guten Start hingelegt haben, sondern die gut zusammenpassen“, schwärmte der 56-Jährige und sprach sich damit grundsätzlich für eine Doppelspitze aus. Hütter sieht allerdings auch bei einer alleinigen Spitze Vorteile: „Auf der anderen Seite muss man auch immer flexibel sein. Wenn man als Trainer einen Spieler auf der Bank hat, der das Spiel beeinflussen kann, ist das einerseits ein Luxusproblem, andererseits ist es für einen Trainer wichtig, einen Spieler bringen zu können.“
Wie sich Hütter letztendlich entscheiden wird, wird sich in zwei Tagen zeigen.






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