Fredi Bobic, seit 2016 Sportvorstand in Frankfurt, will mit seiner Eintracht stetig „überperformen“. (Foto: imago/Thomas Frey)

Er ist der Architekt des Frankfurter Erfolges und hat binnen weniger als drei Jahren aus einem Abstiegskandidaten einen Pokalsieger und Anwärter auf die Champions League gemacht. Fredi Bobic, der in Frankfurt 2016 noch sehr argwöhnisch empfangen wurde, sprach am Sonntagvormittag im „Doppelpass“ auf Sport1 über die aktuelle Situation, mögliche Abgänge und Zugänge, seinen Lieblingsstürmer im eigenen Team und über Querelen mit der Stadt. Thema war außerdem auch das Aus von drei Weltmeistern im DFB-Team, ein Ex-Trainer und die Champions League. Fredi Bobic über…

… seinen Job: „Ich sehe ihn immer noch als schönsten Job an. Es gibt nichts Schöneres. Es macht Spaß, die Entwicklung der Jungs zu sehen. Wenn man sieht, wo der eine oder andere herkommt und wie der Weg ist. Dieses ganze Thema. Wenn du mit jungen Leuten zusammenarbeiten darfst, ist das eine große Freude. Bei manchen liegst du richtig, bei manchem falsch. So ist das im Fußball. Aber wenn du dir ansiehst, was los ist in der Stadt, die Fans siehst. Die Menschen sind glücklich. Wenn du ihnen diese Emotionen geben kannst, ist das die schönste Freude im Fußball.“

… die aktuelle sportliche Lage: „Wir spielen Woche für Woche sehr konstant, Die Mannschaft spielt sehr attraktiv. Adi Hütter hat dem Team seinen Stempel aufgedrückt. Wir haben die Spieler dafür, die es umsetzen. Die ganze Saison ist sehr, sehr rund. Wir hoffen natürlich, dass wir es genauso am Saisonende abschließen können. Es wird nicht einfach werden bei den Mannschaften, die um uns rum sind. Wir fühlen uns oben aber sehr, sehr wohl.“

… die dauerhafte Performance über die Grenzen hinaus: „Wir wollen uns nicht zufriedengeben, sondern immer weiter antreiben. Wir wollen besser werden, obwohl wir wissen, wo wir hingehören. Irgendwo zwischen Platz 9 und 12, was das Budget angeht. Aber intern, um das Team herum, treiben wir an. Wir wollen besser sein als das, was normal sein sollte und überperformen.“

… den neuen Trainer Adi Hütter: „Der Trainer ist ein sehr, sehr wichtiger für uns. Adi kam hier rein und hat es nicht einfach gehabt. Er hat es unfair vorgefunden. Die Spieler kamen alle peu á peu zurück. Er hat die Spieler nie zusammengehabt. Erst nach der ersten Länderspielpause hat er die Mannschaft für sich gehabt. Dann hat es gegriffen. Wir waren von der Mannschaft überzeugt. Der Trainer zeigt auch, dass er die richtige Wahl war. Er funktioniert im Team super und geht absolut voran.“

… die drei Stürmer: „Es ist schon interessant, als die drei Jungs das erste Mal zusammengespielt haben. Adi Hütter hat das auch genau in Stuttgart gemacht. Sie haben super performt. Dass die Vergleiche gemacht werden, ist ganz normal. Aber es war eine andere Zeit, ganz anderen Fußball. Da gab es noch kein HD. Sie sind sehr wichtig für die Mannschaft und liefern ab. Nicht nur mit Toren, sondern auch wie sie für die Mannschaft arbeiten. Sie wissen, dass sie nur funktionieren, wenn die Jungs dahinter funktionieren. Sie sind ein wichtiger Teil des Ganzen.“

… Abgänge der drei Stürmer: „Die spannendste Aktie am Markt wird Luka Jovic sein, aufgrund seines Alters, der Art, wie er die Tore macht. Der wichtigste Spieler für mich ist Sebastian Haller. Tore, Vorbereitungen. Er ist sehr komplett. Er macht vieles über dem Durschnitt. Der Fußballexperte sieht das. Das macht ihn wichtig für das Team. Ein sehr, sehr wichtiger Spieler. Ich würde gerne alle drei behalten. Das ist klar. Aber alle haben Verträge bei uns und keine Klauseln. Alle fühlen sich in Frankfurt wohl. Das ist Fakt.“

… über mögliche Abgänge im Sommer allgemein: „Ich bin da Realist. Die Spieler können dort das fünf, sechs, siebenfache verdienen. Da geht es weniger um die Ablöse, sondern um das Gehalt. Wenn einer gehen sollte, ist es Verhandlungssache, wie teuer die Ablöse wird. Wir haben keine Klauseln. Das wird schon schwer. Ich schaue mir an, was da so reinkommt. Aber auch der Spieler ist wichtig. Will der überhaupt wechseln? Das hängt auch von der sportlichen Situation ab. Wenn wir die Champions League schaffen, was für uns ein Meistertitel wäre, ist das natürlich einfacher.“

… über mögliche Neuzugänge: „Aktuell ist es so, dass die Spieler sehr gut funktionieren, aus aller Herren Länder. Jetzt sind wir in der Situation wo wir uns das eine oder andere qualitativ leisten werden in Zukunft. Ich denke an alle Positionen. Da geht es um Qualität und um Spieler, die hungrig sind. Wir suchen immer das, was zu Stadt und Verein passt. Talent haben sie alle, aber sie müssen eine unheimliche Mentalität besitzen. In die ganz große Schublade werde ich nicht reingreifen. Wir brauchen Spieler, die sich noch entwickeln. Vielleicht den einen oder anderen, die auf dem Abstellgeleis stehen und sich bei uns nochmal entwickeln und die Qualität haben. Wir merken sehr schnell, ob ein Spieler dir was vorspielt oder nicht.“

… eine Verpflichtung von Kevin Trapp: „Wir werden sehen, wie schwer es wird. Es sind viele Spieler, die ausgeliehen ist. Trapp, Rode, Hinteregger. Die Frage stellen wir uns, wenn wir ungefähr wissen, wo es hingeht. Welche Möglichkeiten haben wir, welches Budget haben wir. Daran wird es hängen.“

… die eigene Haltung in Zeiten der Euphorie: „Ich bleibe wie ich bin in den Aussagen. Unaufgeregt und fokussiert, auf das, was kommt. Es geht darum, auch schon an die nächste Saison zu denken. Was passiert, wenn wir nicht wieder Europa schaffen, wenn wir in die Europa League einziehen oder gar die Champions League. All diese Möglichkeiten muss ich besprechen. Wie können wir den Kader besser machen? Der ganz normale Wahnsinn. Das hast du aber genauso, wenn du gegen den Abstieg spielst.“

… die Doppelbelastung: „Da gibt es nichts zu jammern, wir freuen uns. Da haben wir das ganze Jahr drauf hingearbeitet. Aber die Doppelbelastung im DFB-Pokal haben wir uns ja schnell weggenommen. (lacht) Europa League ist schon eine andere Belastung. Wir gehen es aber positiv an. Auf solche Festspiele freust du dich doch. Das spürt auch jeder, dass in Frankfurt jeder Lust auf Europa hat.“

… den Disput mit der Stadt Frankfurt: „Das ärgert mich wahnsinnig. Das Stadion ist eigentlich toll, hat eine tolle Atmosphäre. Auch architektonisch ist es schön. Es ist 2005 gebaut und wir haben nur Stress damit. Es ist kaum Platz da und jetzt auch noch Schimmel. Die Jungs sind nur unterwegs. Es sind keine schönen Umstände dort. Es ist dramatisch. Und wir zahlen richtig Asche. Mietminderung könnte man denken, aber das ist mit der Stadt nicht einfach. Es ist mit der Stadt nicht einfach, wo viele politische Interessen mitspielen. 2020 werden wir uns bemühen, da selbst mehr zu machen. Wir haben ein klares Konzept vorgelegt, wie wir es machen wollen. Gemeinsam. Wenn man da von politischen und persönlichen Interessen abrückt, kann es funktionieren.“

… die Trendwende der Bayern unter Niko Kovac: „Ich spreche gerne über ihn. Die Wucht und Größe des FC Bayern ist anders. Da wird alles genau angeschaut und jeder versucht seine Meinung unterzubringen. Das war nicht einfach für ihn. Aber er hat sich durchgesetzt. Kämpfend und durchsetzen ist in seiner DNA. Der Erfolg gibt ihm Recht. Ich freue mich für ihn, weil er sich durchgesetzt hat und seiner Linie treu geblieben ist. Es wurde ja auch darüber diskutiert, dass er die Kabine verloren hätte. Dennoch hat er auch einiges angenommen. Am Ende des Tages wird er Deutscher Meister mit den Jungs. Leider ist das für die Liga so.“

… die Ausbootung der drei Weltmeister Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels im DFB-Team:Ich war überrascht über die Endgültigkeit des Bundestrainers. Aber wenn du Entscheidungen treffen musst, musst es eben machen. Entscheidungen können hart sein, dass Spieler enttäuscht sind, ist normal. Die Endgültigkeit kann man diskutieren, denn sie sind nicht 36, 35, 33. Ich habe ein Comeback mit 32 gegeben. Das Gespräch war absolut korrekt, der Zeitpunkt war nur fragwürdig. Eleganter hätte man es lösen können. Wenn man den Verein nimmt, kann es unglücklich sein, aber vielleicht auch glücklich. Niko Kovac hat es ja gesagt. Die Jungs sind jetzt richtig heiß.“

 

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6 Kommentare

  1. Kleine Bemerkung: die Aussage zum Pokalausscheiden war ironisch gemeint. Das hat er danach auch klargestellt. Er empfindet es nicht als belastend, die paar Spiele mehr zu haben.

  2. Keine Klauseln bei unseren Spielern?
    Das ist klasse und eine tolle Entwicklung gegenüber zum vergangenen Jahr!
    Bin gespannt, ob das wirklich so stimmt und was die Transferperiode mit sich bringt.
    Zumindest bei Rebic habe ich mit einer gerechnet.
    Wieso wurde nicht gefragt, ob man bei Hinti und Rode eine Klausel besitzt. Das wäre interessant gewesen.

  3. Weiß jemand über die Personalie Torro Bescheid? Ist er noch verletzt oder schon im Mannschaftstraining

  4. Aktuell spielt Inter.
    Keita und Perisic sitzen zumindest auf der Bank. Scheinen also nicht verletzt zu sein.
    Zudem wurde die Startelf im Gegensatz zu Frankfurt etwas routiert.

  5. @3: Torro ist im Mannschaftstraining und soll im Test in der Länderspielpause auflaufen – so der aktuelle Plan.

    LG

  6. 2-0 für Inter heute. Knapper Arbeitssieg. Brozovic verletzt raus in der 42. („kein gutes Zeichen für die Partien gegen Frankfurt und Milan“). Perisic und Keita wohl noch nicht ganz fit. Nainggolan nicht dabei. Mit Icardi weiterhin Eiszeit, hat sich im Stadion nicht blicken lassen.

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