Adi Hütter bedankt sich nach dem verlorenen UEFA-CUP-Endspiel 1994 gegen Inter Mailand bei den Zuschauern, zuvor hatte er im Viertelfinale mit Salzburg die Eintracht ausgeschaltet. (Bild: imago/GEPA pictures)

Auf Eintracht-Trainer Adi Hütter wartet am Donnerstagabend ohne Zweifel eine „besondere Partie“, wenn der FC Salzburg in der Arena im Frankfurter Stadtwald gastiert. Im Sechzehntelfinale der Europa League geht es gegen seine eigene Vergangenheit. Beim letzten Aufeinandertreffen beider Teams im März 1994 verließ er schließlich als einer der Hauptfiguren mit den Österreichern den Platz als Sieger.

Noch immer hat Hütter eine besondere Beziehung zu Salzburg. Dort befindet sich auch heute noch sein Lebensmittelpunkt. Nicht nur, aber vielleicht auch gerade deshalb, weil die Mozartstadt so etwas wie die fußballerische Heimat des gebürtigen Vorarlbergers ist. 201 Mal schnürte er zwischen 1993 und 2000 die Fußballschuhe für den Verein, der damals noch SV Austria Salzburg hieß. Dazu kommen zwischen 2005 und 2007 40 Einsätze im Spätherbst seiner Karriere als Spieler für die Junioren des Klubs, der dann aber schon den Namen eines Brauseherstellers tragen sollte. Als Trainer war er anschließend von 2007-2009 im Jugendbereich tätig. 2014 zog es ihn nach Stationen beim SCR Altach und SV Grödig für eine Saison zurück nach Salzburg, wo als Coach der Profis ebenso wie als Spieler die Meisterschaft holen sollte. 

Eintracht ebnet Hütter den Weg zum Nationalspieler

Als Spieler erlebte Hütter bei der SV Austria seine wohl erfolgreichste Zeit der Karriere. In den Jahren 1994, 1995 und 1997 wurde er sowohl österreichischer Meister als auch Supercupsieger. In Salzburg wurde der mittlerweile 50 Jahre alte Fußballlehrer zudem Nationalspieler seines Landes – und das ausgerechnet unmittelbar nach den erfolgreichen Spielen gegen die Eintracht im Viertelfinale des damaligen UEFA-Cup-Wettbewerbs. Acht Tage nach dem Halbfinaleinzug hatte er seinen ersten von insgesamt vierzehn Einsätzen für die österreichische Landesauswahl, in denen ihm drei Treffer gelangen. 

Zuvor hatte Hütter, in Zeiten, in denen in Frankfurt mit Spielern wie Uwe Bein, Maurizio Gaudino und Anthony Yeboah ein gewisser „Fußball 2000“ zelebriert wurde, seinen wesentlichen Bestandteil zum Weiterkommen der Salzburger gegen die Hessen beigetragen. Zwar war die Eintracht um den damaligen Trainer Klaus Toppmöller als Herbstmeister nach sechs gespielten Partien in der Rückrunde in einer engen Tabelle auf Platz sechs der Bundesliga abgerutscht. Dennoch war die Favoritenrolle vor den beiden K.o.-Duellen klar verteilt. 

Das konnte Hütter am 3. März im von Salzburg ins mit 47.000 Zuschauern ausverkaufte Wiener Ernst-Happel-Stadion verlegte Spiel natürlich egal sein. In der 33. Minute drosch er den Ball mit einem Flachschuss humorlos am chancenlosen Torwart Uli Stein vorbei in die Maschen des Frankfurter Kastens. Das 1:0 war gleichzeitig der Endstand des Hinspiels. Zwischendurch war Salzburgs Trainer Otto Baric wegen einer Spuckattacke an Verteidiger Kakhaber Tskhadadze vom Schiedsrichter auf die Tribüne verbannt worden und Mittelfeldspieler Mirko Dickhaut in der 82. Minute mit Gelb-Rot vom Platz geflogen. 

Erst „kalt den Rücken runtergelaufen“, dann eiskalt verwandelt 

„Ein unbeschreibliches Gefühl, mir ist es ganz kalt den Rücken runtergelaufen“, beschrieb der damals 24-Jährige nach dem Spiel laut Salzburger Nachrichten seine Gefühlslage nach seinem Treffer. Im Rückspiel am 15. März netzte er vor 26.000 Zuschauern im Frankfurter Waldstadion ebenfalls ein. Nachdem sich die Salzburger mit einem 0:1-Rückstand durch Gaudino in der 21. Minute und zehn Mann wegen einer Gelb-Roten Karte an Peter Artner kurz vor der Halbzeit ins Elfmeterschießen retteten, behielt Hütter vom Punkt die Nerven. „Er war scharf geschossen. Ich glaube, da hätte Uli Stein im Weg stehen können und ich weiß nicht, ob er ihn pariert hätte“, erinnerte sich er vor Kurzem in eine Interview auf der Homepage der Eintracht. Gekribbelt habe es bei seinem Gang zum Elfmeterpunkt, führte Hütter weiter aus.

Der Rest ist schnell erzählt: Stein und Heimo Pfeiffenberger trafen. Salzburgs Keeper Otto Konrad verwandelte schließlich den entscheidenen Elfmeter zum 5:4, zuvor hatte Manfred Binz verschossen. Nach einem 0:0 und 1:1 über den Karlsruher SC führte die Reise der Salzburger durch Europa noch bis ins Finale. Hier blieb der ganz große Coup aus. Die Österreicher unterlagen Inter Mailand im damals noch im Hin- und Rückspiel ausgetragenen Endspiel zweimal 0:1. 

Als Trainer schaffte es Hütter letzte Saison mit der Eintracht auf europäischer Bühne immerhin bis ins Halbfinale. Jetzt kommt es im selben Wettbewerb also zum Wiedersehen mit seinem alten Verein. Schon bei seinem Amtsantritt in der Mainstadt im Sommer 2018 nahm er seine guten Erinnerungen an die SGE mit nach Frankfurt. „Ich habe ja als Spieler hier schon einmal gegen die Eintracht gewonnen“, ließ er damals verlauten. Auch nach der Auslosung im Dezember kam Hütter nicht drumherum, über die Spiele im März 1994 zu sprechen: „Es ist ja nicht üblich, dass ein österreichischer Verein einen deutschen Bundesligisten aus dem Pokal schießt.“ Tatsächlich war dies in 17 vorangegangenen deutsch-österreichischen Duellen sogar das erste Mal der Fall. Für viele sei das damals überraschend gewesen. „Es war landesweit eine Riesensensation“, blickte er rund 26 Jahre später auf das Geschehen zurück. 

Die Sensation soll nun möglichst ausbleiben, zumal die Vorzeichen ganz andere sind. Die Eintracht gilt zwar wieder als Favorit, hat aber diesmal Hütter auf ihrer Seite. Und natürlich will er gegen seine Vergangenheit gewinnen. Für Freundschaften und Erinnerungen sei jedenfalls nicht viel Platz, sagte der Trainer im Vorfeld des Spiels und blickte ganz nüchtern auf die Partie: „Im Endeffekt spielt Eintracht Frankfurt gegen den FC Salzburg.“ Da mag er Recht haben. Nebenbei könnte er aber eine Geschichte, die der Fußball nun mal so schreibt, zumindest aus Adler-Perspektive zu einem guten Ende bringen.

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14 Kommentare

  1. DOST SCHON WIEDER VERLETZT.OH MANN WAREN ALLE MEDIZINER IM URLAUB.DAS IST UNFASSBAR ER TUT MIR LEID ABER WIR HÄTTEN IHN NIEMALS HOHLEN DÜRFEN.Das war ein Armutszeugnis unserer Medizinischen Abteilung

  2. @janamaus : hä? Also, DEN Zusammenhang musst du mir erklären… Was hat der verletzungszustand von Bas dost (hatte vorher ne Magen darm Verstimmung, nun muskuläre Probleme) *mit der medizinischen Abteilung zu tun??? Meinst du, dass sind wunderheiler, die einfach nur keinen bock haben zu arbeiten, oder was??
    Bas dost hat sich vielleicht einfach selber z. B. Nicht richtig aufgewärmt…. Eine eher wahrscheinliche möglichkeit
    … Aber es stimmt, er is sehr verletzungsanfällig… Und hat noch 3 Jahre Vertrag….

  3. @Deutz
    Jana hat es doch wohl eher so gemeint, dass man Dost gar nicht hätte holen sollen, wenn er so anfällig ist. Sie macht nur darauf aufmerksam, dass die medizinische Abteilung vor der Verpflichtung nicht gemerkt hat, wie ausgepowert sein Körper ja wohl ist.
    Und da gebe ich Jana 100% recht.

  4. Danke für den ‚Schwachsinn‘ Scheppe. Du meinst also, die SgE hat keine medizinische Abteilung, die sich vor einer Verpflichtung mit den Kandidaten beschäftigt? Na, dann weißt Du ja alles besser.
    Muss man hier immer gleich so grob werden, wenn man anderer Meinung ist?
    Nicht unterschiedliche Meinungen sind in diesem Forum das Problem, sondern das manche meinen gleich mit unverschämten oder beleidigenden Antworten darauf reagieren zu müssen.
    Das macht hier keinen Spaß mehr.

  5. Ich empfinde das Wort Schwachsinn nicht als grob. Nicht meine Wortwahl, aber auch kein Drama. Und Scheppe ist auch keiner, der mit verbalen Ausfällen auffällt.

    Ich glaube schon, dass er genug durchgecheckt wurde. Im Moment hat er einfach einen schlechten Lauf gesundheitlich. Ich hoffe, dass er jetzt wieder komplett auf die Beine kommt. Er hat schon gezeigt, dass er je nach Gegner eine große Hilfe ist.

  6. @5 Ich glaube mal das das ganz anders gemeint war. Nämlich in Bezug auf die Bewertung der medizinischen Abteilung. Und da bin ich voll bei Scheppe. Die aktuelle Situation von Dost hat reichlich wenig mit Voraussicht und falscher Einschätzung zu tun. Die Probleme von Dost im muskulären Bereich sind auch in Frankfurt erst zum Vorschein gekommen, als das Training für ihn massiv angezogen wurde. In Portugal scheint es etwas weniger Dampf beim Training zu geben. Magen/Darm passiert jedem mal. Kommt eben gerade zum ungünstigen Zeitpunkt, aber das passiert auch in anderen Clubs. Selbst bei der hervorragenden medizinischen Abteilung der Bayern gibt es immer wieder Fälle, dass neu verpflichtete Spieler erstmal ausfallen oder an den Rhytmus in der BL gewöhnt werden müssen.

  7. Bas Dost war bisher nicht als besonders Verletzungsanfällig bekannt, das fing scheinbar erst letzte Saison an. Hier hab ich ein bisschen den Eindruck, dass es sich um eine Aneinanderreihung unglücklicher Umstände handelt. Warum jetzt Dost als personifizierter Sündenbock für mangelden Personalpolitik und mangelndem Erfolg herhalten soll, ist mir nicht klar. Wenn es uns gelungen ist, die Stürmer im Spielaufbau zu integrieren, hat Dost meistens gut mitgespielt. Wenn wir es als Mannschaft schaffen, den Ball spielerisch zum 16er (des Gegners) zu bekommen, werden wir sehen können, was er wirklich wert ist. Silva und Pacenzia hängen auch zu oft in der Luft und bekommen keine Bälle.
    Der Wechsel der medizinischen Abteilung vor der Saison ist mir völlig unverständlich. Wir hatten in der letzten Saisons so wenig Muskelverletzungen wie selten – auch weil Bobic endlich Medizin, Reha, Training und Kondition sinnvoll verzahnt hat. Jetzt haben wir einen Mediziner, der unter der Woche nicht greifbar ist und ua die Behandlung von Dost deligieren muss. Wie kommt man nur auf so ein Konstrukt, das von Anfang an solche kritischen Schnittstellen aufweist???

  8. 5. Strolch: Man kann es auch echt übertreiben mit dem „sich persönlich angegriffen fühlen“, aber wenn es dich verletzt hat, entschuldige ich mich dafür.

  9. Seit dem fast jedes Spiel im Fernsehen/PC übertragen wird, habe ich kaum ein Eintracht-Spiel weltweit verpasst. Wenn doch, ging es schief mit unserer Eintracht. Aufgrund von karnevalistischen Verpflichtungen verpasse ich vermutlich gleich zwei Spiele, heute und am Montag. „Fußball-Mafia UEFA/DFB“! Entschuldige mich schon jetzt bei Euch! Alaaf Euer Grantler; die nächsten Tage als Optimist verkleidet 🙂 🙂 🙂 😉

  10. @11. Scheppe Kraus. Ja sau geil der Adler im Wohnzimmer! Danke für den Link!

    Und heute Abend soll es krachen. Auf geht’s Eintracht!

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