Fredi Bobic freut sich über mehr Geld – und will Abraham auf keinen Fall verkaufen.

Hitzige Diskussionen, Meinungsverschiedenheiten, ein klarer Gedankenaustausch – die Gesprächsrunden zwischen Trainer Niko Kovac, Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner werden nicht immer einem Kaffeekränzchen ähneln. Die Ansichten der Macher können mächtig auseinander gehen, wie Bobic der „Bild“ sagte: „Da ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen.“ Das Ziel dieser Runden ist allerdings klar definiert: Den offenen Worten sollte ein Ergebnis folgen, „wir wollen mit einer klaren Strategie rausgehen.“

Ein Blick auf die Arbeit von Bobic, der vor etwas mehr als 13 Monaten auf Heribert Bruchhagen folgte, zeigt diesen Ehrgeiz. „Seit ich hier bin, ist schon sehr viel Bewegung bei Eintracht drin. Und ich muss wirklich anerkennen, dass alle bemüht sind, den Klub richtig nach vorne zu bringen, meine Vorstands-Kollegen genauso wie der Aufsichtsrat“, zieht der 45-Jährige ein Résumé. In der Tat ist von dem Verein, der nach dem geglückten Klassenerhalt in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg im Mai 2016 vor einem Scherbenhaufen stand, nicht mehr viel übrig geblieben.

13 Monate Bobic – Viel Bewegung bei der Eintracht

Sicherer Klassenerhalt, DFB-Pokal-Finale erreicht, die Erlaubnis für den Bau einer neuen Geschäftsstelle bekommen, die ersten Planungen für einen Stadionausbau vorangetrieben, die Kommunikation mit dem Jugendleistungszentrum verbessert, das Scouting auf eine neue Ebene gehoben, im Social-Media-Bereich die Meisterschaft erreicht und vor wenigen Wochen den Rekordtransfer mit Sebastien Haller gestemmt – die Entwicklung der Eintracht hat mächtig an Fahrt aufgenommen. Ob alle Vorangehensweisen, wie etwa die hohe Fluktuation im Kader oder manche öffentlichen Dispute (Causa Lukas Hradecky oder Alex Meier), optimal sind, lässt sich freilich bestreiten. Dennoch: Die in kürzester Zeit gestiegene Anzahl an Premiumpartner, der neue Hauptsponsor Indeed oder auch die Tatsache, mit der Deutschen Börse einen Ärmelsponsor an Land gezogen zu haben, sprechen für den angestrebten Weg des Vereins.

Ein weiterer wichtiger Punkt von Bobic ist die nötige Transparenz: „Ich versuche auch, alle mitzunehmen in der Frankfurter Gesellschaft. Weil wir uns einfach öffnen und verbessern müssen! Sonst bleibt das immer ein Gewurschtel.“ Die Eintracht konnte fast 16 Millionen Euro – vorausgesetzt der Deal von Jetro Willems geht über die Bühne – für neun Neuzugänge ausgeben. Schon jetzt bedeutet dies eine Rekordsumme für die Eintracht, die vor zwölf Monaten noch einen Transferüberschuss von sechs bis sieben Millionen Euro erzielen musste. Erhalten die Verantwortlichen in den nächsten Wochen noch eine Finanzspritze, die den finanziellen Spielraum vergrößert?

Investoren wollen Eintracht mit 10 Millionen helfen

„Wir versuchen die Idee der Verbreiterung der finanziellen Basis kurzfristig umzusetzen“, sagte Finanzvorstand gegenüber „Sport Bild“. Demnach sollen 10 Millionen Euro Soforthilfe in den kommenden drei bis vier Wochen für die Verstärkung des Kader fließen. Das Geld kommt von Gönnern der Eintracht, wie etwa Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing einer ist. Für die Gönner handelt sich dabei um eine Risiko-Anlage, im Gegenzug gibt es weder Genussscheine noch Anteile am Klub. Kommt die Eintracht dem Ziel Frankenbachs so einen weiteren Schritt näher? Der forderte zuletzt: „Wir wollen unsere Transferbilanz verbessern. Dabei versuchen wir, Spieler zum Beispiel für fünf, sechs oder sieben Millionen Euro zu verpflichten, die wir nach einiger Zeit für 30,35 oder 40 Millionen verkaufen können.“

Abraham bleibt unverkäuflich

Es sind Summen, die aktuell kein Spieler aus dem Kader auch nur ansatzweise einbringen könnte. Mit dem Verkauf von Bastian Oczipka für 4,5 Millionen Euro zum FC Schalke 04 gelang erstmals seit dem Abgang von Torhüter Kevin Trapp – der für knapp acht Millionen Euro 2015 zu Paris Saint-Germain ging – ein höherer Transfererlös – immerhin der dritthöchste in der Vereinsgeschichte. Können die Hessen mit der neuen Finanzspritze weitere Abgänge von Leistungsträgern verhindern – und zugleich neue holen? Torhüter Lukas Hradecky kündigte seinen Verbleib bereits an, bei Abwehrchef David Abraham lässt Bobic nicht mit sich reden. Das Interesse vom türkischen Klub Trabzonspor wird mit klaren Worten abgeschmettert: „Da brauche ich gar nicht drauf eingehen, das interessiert mich nicht!“ Der 31 Jahre alte Italo-Argentinier gehöre zu den Spielern, „die wir unbedingt halten möchten.“ Abrahams Vertrag läuft noch bis 2019, weshalb kein Verkaufsdruck bestehe.

Ferner würde ein Abgang des Führungsspielers die Defensivsorgen der Verantwortlichen weiter vergrößern. Vorne hat die Eintracht kaum noch Lücken offen, hinten allerdings wackelt es erheblich. Das Bollwerk der vergangenen Hinserie ist noch lange nicht in Sicht. Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Carlos Salcedo stehen mit Abraham, Marco Russ, Andersson Ordonez und Noel Knothe nur vier Innenverteidiger zur Verfügung, wobei der Status der letzten drei genannten Akteure mit einem Fragezeichen versehen werden muss. Ein Transfer Abrahams würde demnach richtig schmerzen, auch wenn Bobic selbstbewusst hinzufügt: „Das wichtigste ist, dass wir Alternativen in der Hinterhand haben und das haben wir sehr oft.“

De Guzman soll Führungsfigur sein

Eine davon hieß in diesem Sommer Jonathan de Guzman. Der vom SSC Neapel gekommene Mittelfeldspieler zeigte sofort seine Klasse am Ball und präsentierte sich vom ersten Moment als Führungsspieler. Die jungen Spieler würden hochschauen und sich daran orientieren, freut sich Bobic: „Da kommt eine Führungsstruktur rein, eine kleine Achse, die wir in der Mannschaft auch brauchen.“ Kovac erfreute sich ebenfalls schon öffentlich an den Fähigkeiten von de Guzman.

Besitzt der Trainer, so die Frage an Bobic, tatsächlich eine Ausstiegsklausel über 10 Millionen Euro? Es würde erklären, weshalb die vermeintlichen Kandidaten Bayer 04 Leverkusen und Borussia Dortmund schnell zurückzogen und sich mit anderen Übungsleitern – Heiko Herrlich und Peter Bosz – ausstatteten. „Dazu werde ich Ihnen nichts sagen“, setzte der Sportvorstand sein Pokerface auf und stellte klar: „Niko hat hier Spaß, ihm geht es nicht um irgendwelche Klauseln.“ Der Kroate wolle arbeiten und die Mannschaft deutlich weiter nach vorne bringen. „Da“, zeigt sich Bobic optimistisch, „sind wir noch nicht am Ende!“

- Werbung -

52 Kommentare

  1. @50 Dr. Hammer
    siehst Du jetzt, wie wichtig zizou ist?
    Ich schreibe es zur Strafe auch 50 mal ab.

Keine Kommentare mehr möglich.

- Werbung -