Andersson Ordonez trotzt den aktuellen Witterungsverhältnissen und gibt sich standhaft.
Andersson Ordonez trotzt den aktuellen Witterungsverhältnissen und gibt sich standhaft.

Es war kein leichter Start, den Andersson Ordonez bei Eintracht Frankfurt hatte. Der im Winter für rund eine Millionen Euro vom ecuadorianischen Spitzenklub Barcelona SC Guayaquil gekommene Innenverteidiger musste gleich einen herben Rückschlag verdauen. Eine langwierige Außenbandverletzung setzte ihn für rund drei Monate außer Gefecht. Trainer Niko Kovac war zwischenzeitlich nicht mehr sicher, ob Ordonez in dieser Saison überhaupt noch würde spielen können. Der 23-Jährige zeigte sich bei seinen Einsätzen allerdings gut erholt und versucht in den kommenden Wochen, den Anpassungsprozess voranzutreiben.

Sein Debüt feierte er am 27. Spieltag gegen den 1. FC Köln, als er nach 75 Minuten eingewechselt wurde und sich einige Male gegen Anthony Modeste robust behaupten musste. Ordonez zeigte dabei sofort, was ihn ausmacht: Der Südamerikaner bezeichnet sich selbst als relativ schnell, robust und stark im Luftkampf. Obwohl der 1,86 Meter große Linksfuß laut Vereinsdaten „nur“ 69 Kilogramm wiegt, wirkt er sehr kräftig und athletisch. Es wundert nicht, dass Ordonez gerne Polizist geworden wäre, wenn ihn nicht sein Freund Freddy in der Jugend zum Fußball gebracht hätte. Mit zwölf Jahren wechselte der sechsfache U20-Nationalspieler zum Barcelona SC in die Jugendabteilung und blieb dort – mit Ausnahme eines einjährigen Leihgeschäfts zu CD El Nacional – bis das Angebot aus Frankfurt kam.

Davon zeigte sich Ordonez überrascht. Sein Berater kam erst sehr spät auf ihn zu und erzählte ihm vom Interesse der Hessen. „Dann wurde es sehr schnell konkret“, verriet er. Mit dem Wechsel an den Main ging ein Traum für ihn in Erfüllung. Sein Ziel ist klar gesteckt: „Ich will mich hier beweisen.“ Und seinem großen Idol nacheifern, dem ehemaligen spanischem Weltklassespieler Carles Puyol. „Er war bislang mit der Beste, den ich je gesehen habe“, sagte er mit großer Anerkennung. Champions-League-Sieger, Meisterschaften, nationale Pokalsiege, Europa- und Weltmeister – Puyol gewann alles und war nicht nur ein Siegertyp, sondern auch ein großes Vorbild, bei dem das Wörtchen Fair-Play – bei aller gebotenen Härte auf dem Feld – ganz oben stand.

Von einem solchen Werdegang ist der in Europa noch völlig unbekannte Ordonez freilich weit entfernt. Er ist gerade dabei, sich an die Bundesliga, die er als eine der „komplexesten und schwierigsten Ligen weltweit“ bezeichnet, zu gewöhnen. Ordonez erkannte drei Faktoren, die die höchste deutsche Spielklasse auszeichnen: „Erstens das Tempo. Zweitens erlebt man hier jedes Wochenende einen puren Abnutzungskampf. Drittens ist es die Regelmäßigkeit, mit der alle Mannschaften ihre Punkte einsammeln.“ Die Eintracht musste am eigenen Leib nach nur drei Zählern aus den vergangenen zehn Partien spüren, wie eng es in der Liga zugeht und wie schnell scheinbar sichere Vorsprünge wegkrachen können. Zwischen Europapokaltraum und Abstiegsangst – so lässt sich die Gemütslage am Main aktuell zusammenfassen.

Er hob allerdings das Positive hervor: Es sei alles nicht so schlecht und die Mannschaft habe weiterhin „Kontakt nach oben.“ Im Blickpunkt stehe zunächst allerdings einzig und allein die Partie gegen den FC Augsburg. Mit einem Sieg könnten die auf dem Relegationsrang platzierten Fuggerstädter auf neun Zähler distanziert und somit der Klassenerhalt endgültig perfekt gemacht werden. „Wir müssen die Lage nicht dramatischer darstellen, als sie wirklich ist“, bewahrte er Ruhe und nahm das Team in Schutz: „Wir haben nicht viele Siege erreicht, aber wir trainieren gut und arbeiten hart daran, dies zu ändern.“

Ordonez selbst nutzt jede Trainingseinheit, um sein körperliches Defizit aufzuarbeiten. Neue Kraft könnte ihm dabei seine Familie ab Sommer geben. Seine Frau und die acht Monate alte Tochter Cathy sollen dann aus Ecuador nach Deutschland kommen und den Innenverteidiger, der derzeit noch alleine in einer Wohnung lebt, unterstützen. Die Integration ist trotz des Kälteeinbruchs, am Mittwochvormittag schneite es gar im Frankfurter Raum, bislang gut gelungen. In seiner Heimat pendeln die Temperaturen derzeit zwischen 25 und 31 Grad, weshalb Ordonez bei seinem Startelfdebüt gegen den SV Werder Bremen am 28. Spieltag bei milden Temperaturen mit Handschuhen auflief. Das Heimweh sei dennoch „nicht mehr so akut. Ich habe mich zurzeit damit angefreundet, alleine zu leben.“

Der einzige Ecuadorianer in der Bundesliga, dessen Nahziel ein Platz in der Nationalmannschaft ist, tastet sich noch langsam heran an die neue Umgebung und war beeindruckt von der Atmosphäre in den deutschen Stadien. „Ich war positiv angespannt“, gab er zu und freute sich darüber, dass ihm Kovac das Vertrauen gab und ihn aufbot. Er ging vor allem nach der 1:3-Auswärtsniederlage gegen Borussia Dortmund selbstkritisch mit seiner Leistung um und musste sich eingestehen, noch nicht bei 100 Prozent sein zu können. Ordonez scheint sich dennoch auf einem guten Weg zu befinden und arbeitet auf allen Ebenen an sich und seiner Integration. Dolmetscher Stephane Gödde, der ihn bei Presseterminen begleitet, lobte seinen Willen, die deutsche Sprache zu lernen und dadurch im neuen Land weiter voranzukommen.

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