Stefan Aigner dreht ab, das Stadion explodiert. Durch den Ausgleich gegen Wolfsburg schaffte die SGE es 2013 endlich wieder in der Europa League. (Quelle: imago images / Jan Huebner)

Eintracht-Legende Alex Meier sagte über ihn, sein Weggang wäre „menschlich und sportlich eine Katastrophe.“ Bruno Hübner adelte ihn zur „Stütze des Teams und Integrationsfigur des Vereins.“ Die Rede ist von Fanliebling Stefan „Aiges“ Aigner. Von 2012 bis 2016 trug er das Trikot mit dem Adler, ehe er der Eintracht überraschend den Rücken kehrte und nach München ging.

Einer von vielen

Im Sommer 2012 schloss sich der damals 24-jährige Außenstürmer an ablösefrei von 1860 München an den Main. Sein Wechsel erregte damals kein großes Aufsehen. Er kam als einer jener Neuzugängen, die Trainer Armin Veh nach dem Wiederaufstieg um sich scharte. Neben Kevin Trapp, Bastian Oczipka, Martin Lanig, Takashi Inui, Olivier Occean und weiteren war Aigner eben nur einer von vielen Neuzugängen. Für Aufsehen sorgte dann aber seine Leistung auf dem Platz: In seiner ersten Saison machte er alle 34 Spiele, schoss neun Tore und bereitete acht weiter vor. Unvergessen, wie er am letzten Spieltag den Ball zum 2:2-Ausgleichstreffer gegen Wolfsburg jubelnd über die Linie begleitete – die Eintracht schaffte es damit zum ersten Mal seit 2006 ins internationale Geschäft.

Heimweh

Nach vier Jahren, 121 Bundesligaspielen und 25 Toren und 25 Vorlagen für Eintracht Frankfurt holte „Aiges“ das Heimweh ein. Obwohl die Eintracht ihm sehr am Herzen lag, begründete der Außenstürmer seinen plötzlichen Abgang damals folgendermaßen: „Wer mich kennt weiß, dass ich seit Kindesbeinen ein „Sechzger“ bin. Jetzt freue ich mich auf meine Heimat und die Löwen.“ Maßgeblich dürfte wohl auch eine Rolle gespielt haben, dass die Münchner mit Thomas Eichin und Trainer Kosta Runjaic einen Neustart wagen wollten und Aigner von dem Projekt überzeugt war. Viele Eintracht-Fans konnten dennoch ihren Augen nicht trauen, als ein Gesicht der Eintracht plötzlich seine sieben Sachen packte und in die zweite Liga hinabstieg. Hübner sagte damals, dass „im harten Fußballaltag auch Menschlichkeit noch einen Wert haben sollte“, und man den inzwischen 28-jährigen auch deshalb habe ziehen lassen.

Von der Integrationsfigur zum Wandervogel

Bei 1860 war Aigner sofort Stammspieler und Kapitän. Die Freude hielt allerdings nur kurz, nach nur vier Pflichtspielen mit zwei Toren und einer Vorlage verletzte sich der Blondschopf mit einem Anriss des Innenbandes im Knie. Aigner fiel zwei Monate aus. Die Löwen holten währenddessen in neun Spielen nur magere sieben Punkte. Im Februar verlor Aigner die Binde, am Ende der Saison stiegen die Sechzger sogar in Liga Drei ab. Der Traum von der Rückkehr in die Heimat scheiterte krachend. Aigner wechselte nach nur einem Jahr erneut den Verein, spielte eine Saison in den USA für die Colorado Rapids. Auch dort wurde er nicht glücklich. Zurück in Deutschland zog es ihn zum berühmt-berüchtigten KFC Uerdingen. Der Verein aus der dritten Liga, der so gern eine zweite TSG Hoffenheim wäre aber nur Kevin Großkreutz im Kader hat. Uerdingen spielte schwach. Aigner lieferte dennoch – sechs Tore, acht Vorlagen. 

Chance auf ein Happy End

Nach dreijähriger Odyssee hat Aigner in Wiesbaden eine neue Heimat gefunden

Fünf Pflichtspiele waren in der Saison 2019/2020 bereits gespielt, als Wehen Wiesbaden den inzwischen 32-jährigen von Uerdingen zurück nach Hessen holte und mit einem Ein-Jahres-Vertrag ausstattete. Für Cheftrainer Rüdiger Rehm stand „Stefans fußballerischen Qualität außer Frage.“ In der aktuellen Saison konnte Aigner den Abstieg in Liga Drei nicht verhindern, mit fünf Toren und beeindruckenden zehn Vorlagen war er allerdings eine tragende Säule der Wiesbadener. Als Leistungsträger und Leitwolf will man Aigner auch in der kommenden Saison in seinen Reihen wissen, zum Glück gab Aigner kürzlich bekannt, in Wiesbaden bleiben zu wollen. „Bei Wiesbaden passt es für mich einfach“, erklärte Aigner. „Der Zusammenhalt in der Mannschaft, das familiäre Umfeld, die Zusammenarbeit mit dem Trainerteam und einiges mehr haben mir die Entscheidung leicht gemacht. Ich freue mich sehr auf die neue Saison. Wir haben das Ziel, oben mitzuspielen.“ Nach dem was der Frankfurter Publikumsliebling nach seinem Wechsel aus der Mainstadt alles durch machen musste, würde man ihm vom Herzen gönnen, in Wiesbaden noch ein paar erfolgreiche Jährchen hinlegen zu können. 

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10 Kommentare

  1. War sein Spitzname nicht „Ilse“?
    Auf alle Fälle fand ich ihn immer super bei uns. Hatte immer Biss. Und sein Abgang war schon bedauerlich.

  2. Aigner war Legende, super typ. Hat damals aber leider einen Fehler gemacht mit seinem Wechsel zurück zu 1860..
    Hätte locker noch 3 Jahre Bundesliga spielen können!

  3. Auch wenn seine Sicht verstehe, dass er das Häuschen vom Scheich gerne genommen hat, hält sich mein Mitleid dann aber doch in Grenzen. Alles Gute trotzdem – hast mir hier viel Spaß gemacht!

  4. Super Typ !
    Gleichzeitig einer von vielen ehemaligen Eintrachtlern die dachten , noch mehr Glück wo anders zu finden. Bei den allermeisten ging das in die Hose. Das ist keine Schadenfreude !
    Forza SGE !

  5. Ja, das war schon ein klasse Kerl. Oder ist noch ein klasse Kerl.
    Immer alles gegeben.
    @4. dieter, deine Aussage stimmt aber nicht so ganz. Er ist wegen der Verbundenheit und der Heimat zu 1860 und nicht wegen Erfolg und so.
    Das war doch ein freiwilliger Abgang als ein Aufstieg zu was besserem.

    Aber es stimmt schon, einige suchten ihr großes Glück woanders und dachten sie wären der Superheld wegen einer oder gar ner halben prima Saison.
    Die meisten wurden eines besseren belehrt.
    Es ist aber auch manchmal so, dass man erst den richtigen Verein braucht.
    Super Beispiel ist der Wolf. Woanders auf dem Abstellgleis und bei u uns voll durchgestartet.

    Bin schon auf den ersten Transfer gespannt, ob Abgang und Neuzugang. Ein zweiter kostic für rechts, das wäre ein Träumen.

    Schönes Wochenende euch allen.

  6. Einer der Besten und Genialsten Spieler die wir je hatten. Egal was danach passiert ist.
    Forza SGE

  7. wegen der „Verbundenheit“ war der Wechsel weniger :)) der verrückte Scheich von 1860 hat ihm ein Apartment in Dubai extra versprochen.. In Dubai kann man übrigens Apartments noch total mit Cash zahlen 😀
    2-3 Jahre Bundesliga mehr wären finanziell aber vermutlich gleich gekommen..

  8. Zu 1:.
    Das mit dem Ilse war sein Name in der FR Kolumne Ballhorn. Aber nicht sein richtiger Spitzname

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