Fast zwei Jahre ist es her, als Eintracht-Legende und Europa-League-Held Sebastian Rode in seinem letzten Spiel seiner Profikarriere vor heimischer Kulisse gemeinsam mit Makoto Hasebe verabschiedet wurde. Von der Bildfläche ist der inzwischen 35-Jährige aber nie verschwunden, auch in der Zeit nach seiner Karriere ist Rode aktiv unterwegs. In einem Interview mit „Absolut Fußball“ sprach er darüber, blickte auf das erfolgreiche Europa League-Jahr 2022 zurück und gewährte Einblicke in seine Zukunftsplanungen. „Ich genieße die Zeit, vor allem mit der Familie. Wir haben einige Reisen unternommen, die echt spektakulär waren. Neuseeland, Brasilien und jetzt auch Südafrika, wo man die Menschen und Kulturen kennenlernen kann.“ Während der aktiven Karriere fehlte Rode die Zeit, diese Reisen zu unternehmen. „Das ist Lebenszeit, die so wahrscheinlich nicht wieder kommt und vorher mit dem Fußball nicht möglich war. Ansonsten war ich ein halbes Jahr in der Reha, habe mein Knie fit gemacht und eine Teilprothese bekommen. Das läuft auch jetzt deutlich besser.“
Rode trauert Trapp nach: „Wäre schön gewesen, wenn er noch da wäre“
Zu seinem ehemaligen Club fühlt sich der gebürtige Seeheim-Jugenheimer weiterhin verbunden. „Ich habe einige Projekte, bin bei der Eintracht im Stadion, wenn es möglich ist. Ohne Druck kann ich mir das auf der Tribüne anschauen als Fan.“ Rode war zudem beim Champions-League-Halbfinalspiel zwischen PSG und dem FC Bayern in Paris vor Ort, „um einerseits Kevin Trapp und Marc Neppe zu besuchen, die beim FC Paris arbeiten.“ Besonders das Treffen mit dem Ex-Frankfurter Keeper war von Emotionen gefüllt. „Es war schön, ihn mal wieder zu sehen. Wir waren zweimal essen und haben uns ausgetauscht. Auch schön zu sehen, wie ruhig er das Leben in Paris genießt und vom Sportlichen oder allgemein zufrieden ist. Er spielt und macht da seinen Ding. Er spielt sehr sehr gut und hat auch am Wochenende sehr sehr gut gehalten“, schwärmte Rode. „Man kommt schon auf die eine oder andere Anekdote zurück. Wir haben ja auch sehr sehr lange zusammengespielt, in der ersten Zeit bei Frankfurt schon. Er ist ein herausragender Torwart und hatte einen maßgeblichen Anteil am Europa-League-Titel.“ Die aktuelle Saison läuft für die SGE nicht so, wie sie es sich vor Beginn vorgestellt hat. Viele Fans lechzen deshalb nach Führungsspielern wie Rode oder Trapp. Für den Betroffenen könnten die Hessen einen von beiden gut gebrauchen. „Sportlich fehle ich sicherlich nicht“, schmunzelte Rode. Aber dafür die ehemalige Nummer 1. „Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass Trapp definitiv fehlen kann, wenn es nicht laufen sollte zu einem Zeitpunkt der Saison.“ Das sei der Fall. „Mit seinem Standing auch bei den Fans kann er viel Druck von der Mannschaft wegnehmen. So ist es. Das gehört im Geschäft dazu.“ Jetzt kommt es auf die aktuellen Spieler an. „Es gilt, Spieler zu entwickeln, die da reinrutschen und sich dahin entwickeln können.“ Das ist ein Prozess, der eine gewisse Zeit beansprucht. „Das entwickelt sich natürlich nicht in ein, zwei Jahren, sondern du brauchst eine gewisse Zeit bei dem Verein, um dann auch dieses Standing aufzubauen zu können.“ Genau da sieht Rode seinen Ex-Verein, weshalb ein Trapp-Verbleib dem Tabellenachten aus seiner Sicht gut getan hätte. „Bei dem Punkt sind wir noch, bei dieser Entwicklung, weswegen es schön gewesen wäre, wenn Trapp noch da wäre.“
Ex-Kapitän stärkt Neu-Kapitän: „Man muss Koch Zeit geben“
Mit dem Abgang des 35-jährigen Schlussmanns musste ein neuer Kapitän gewählt werden. Dessen Nachfolger heißt Robin Koch. Rode selbst hatte vor Trapp dieses Amt inne und kann aus Erfahrung sprechen, wie es ist, so viel Verantwortung zu tragen. „Es ist nicht immer einfach. Wenn es ganz gut läuft, hast du schöne Zeiten, Interviews zu führen, die positiv sind.“ Anders sieht es aber aus, wenn die Erfolge ausbleiben. „Wenn du dich aber im Druck- und Negativfall rechtfertigen musst, auch teilweise Woche für Woche, dann gehen dir irgendwann mal die Argumente aus. Dann wird es auch schwerer. Dann läufst du nicht mehr so leicht mit der Binde rum.“ Für den Ex-Bayern-Profi ist Koch dennoch der perfekte Mannschaftsanführer. „Trotzdem ist Robin für mich unangefochtener Stammspieler bei der Eintracht. Er ist extrem wichtig für die Mannschaft und auch ein super Typ, der erst seit einem Dreivierteljahr die Binde trägt. Deshalb muss man ihm auch Zeit geben.“
„Alle jubelten – ich nicht“: Rode über das denkwürdige Barça-Los
Den Europa League-Triumph 2022 hat Rode bereits angerissen, doch nicht nur Trapp war als sicherer Rückhalt im Tor eine wichtige Stütze, auch der ehemalige zentrale defensive Mittelfeldspieler trug maßgeblich zum großen Gewinn bei. Eine Zeit, die Rode besonders in Erinnerung bleibt, vor allem das Viertelfinalduell mit dem glorreichen FC Barcelona war ein großes Highlight. „Wir haben uns das (die Auslosung, Anm. d. Red.) alle zusammen nach dem Training im Kino angeschaut. Dann kam das Los FC Barcelona. Alle jubeln.“ Außer Rode selbst: „Ich dachte mir: ‚Hä, was ist mit euch verkehrt?‘ Das hätte auch noch eine Runde später kommen können. Das wäre auch in Ordnung gewesen“, lachte er. „Am nächsten Tag im Training: Oli (Glasner, Anm. d. Red.) hat ja immer eine Ansprache gehalten. Er war schon voller Euphorie, voller Vorfreude. ‚Ey Barcelona, die passen genau zu unserem Spielstil.‘ Seine positive Art war ansteckend, sodass jeder daran geglaubt hat: Wir können Barcelona wehtun.“ Die damaligen Spieler bildeten zu der Zeit eine echte Einheit, wo jeder gemeinsam an einem Strang zog. Es gab nicht den einen Star, der herausstach. Vielmehr war die Mannschaft der Star. Für Rode war das der Schlüssel zum Erfolg. „Es ist nicht so, dass wir mit der besten Mannschaft oder mit der besten Qualität Europapokalsieger geworden sind, sondern du brauchst diese Chemie in der Mannschaft, natürlich auch dieses Momentum, dass es auch funktioniert, dass du dich mit deinen Mitspielern gut verstehst. Das war über all die Jahre, die ich mit verbringen durfte, immer ein Faustpfand von der Eintracht. Darüber ist sie immer erfolgreich gewesen.“
Trotz Kopfverletzung: Rode wollte weiterspielen
Mit diesem Teamspirit ist die SGE bis ins Endspiel in Sevilla marschiert. Dort wartete mit Glasgow Rangers ein großer traditionsreicher Fußballverein aus Schottland mit einer ebenfalls hervorragenden Fanbase. Rode führte die Mannschaft als Kapitän aufs Feld und war einfach unverzichtbar. Da konnte auch keine Kopfverletzung den Leader ausbremsen. Bereits nach fünf Minuten lag Rode blutend am Boden, nachdem sein Gegenspieler John Lundstram mit hohem Bein mit den Stollen den Frankfurter Kapitän an der Stirn getroffen hatte. Für den Europa-Cup-Helden kam aber eine Auswechslung überhaupt nicht infrage. „Das hatte ich in keiner Weise auf dem Schirm. Ich war jederzeit klar bei mir. Von daher hatte ich keine Gehirnerschütterung und egal was ist, irgendwie müssen die mich zusammenflicken. Dann kann ich auch weiterspielen, denn es kann nicht sein, dass ich jetzt in meinem Highlight-Spiel meiner Karriere nach fünf Minuten vom Platz muss.“ Ohne den Capitano wäre das Finale vielleicht zu Ungunsten der Mannschaft von Ex-Coach Oliver Glasner anders ausgegangen. Schließlich war es ein enges Duell, das erst im Elfmeterschießen entschieden wurde. „So ein Finale lebt natürlich von dieser absoluten Spannung. Es waren zwei Mannschaften, die jetzt nicht komplett über das Filigrane, das Technische gekommen sind. Da geht es natürlich heiß und hart her.“ Man habe aber gut dagegen gehalten. „Ich bin immer noch der Meinung, dass wir in der ersten Halbzeit zu wenig aus unseren Angriffen gemacht haben und da deutlich mehr rausholen müssen. Und so ist das Spiel verlaufen, wie jeder weiß.“
„War stolz auf die Mannschaft“
Nach kräftezehrenden 120 Minuten und Drama im Elfmeterschießen war Party angesagt. Rode durfte als Kapitän den Europapokal in die Luft stemmen. „Ich war unglaublich stolz auf die Mannschaft, unglaublich happy, aber auch erschöpft von allem, dann noch mit der Wunde, die ich am Kopf hatte. Insgesamt unglaublich stolz für den gesamten Verein, für alle Fans, diesen Titel geholt zu dürfen.“ Rode gilt als sehr ehrgeizig. Als er mit seinen Eltern Urlaub in Holland machte und dort mit Menschen Fußball spielte, wurde er mit Berti Vogts verglichen, wie er selbst erzählt. Als robuster zentraler defensiver Mittelfeldspieler musste der Ex-Dortmunder viele Zweikämpfe führen, die er auch gerne geführt hat. Der Preis, den er allerdings zahlen musste, war hoch. Mit vielen Verletzungen hatte er zu kämpfen. Aktuell macht ihm das Knie zu schaffen, weshalb er sich einem Eingriff unterziehen musste. Ob das Fußballspielen wieder klappt? Schließlich soll Rode Teil der Traditionsmannschaft werden. „Das probieren wir jetzt aus, die Tradi-Mannschaft-Saison startet ja jetzt wieder. Da bin ich beim Charly (Körbel, Anm. d. Red.) bei dem ein oder anderen Spiel dabei. Für viele Minuten wird es nicht reichen, aber vielleicht für paar Minuten, um auf dem Feld zu stehen.“ Aber es gibt Fortschritte. „Mir geht es echt viel besser als vor der OP. Was die Medizin heutzutage alles möglich macht, ist schon faszinierend und ich hoffe, dass es weiterhin noch besser wird und dann auch gut bleibt.“
„Mein Herzblut liegt an der Eintracht“: Ex-Spieler offen für neue Rolle
Gute Aussichten hat Rode dafür definitiv auf eine Karriere im Management- oder Trainerbereich. Erste Erfahrungen hat er bereits auf dem Buckel. „Ich habe zum Beispiel im Januar bei der U17-Nationalmannschaft als Co-Trainer hospitiert. Was ich mir gut vorstellen könnte ist, mir da einen Einstieg zu schaffen. Es hat extrem viel Spaß gemacht im Austausch mit den jungen leistungsfähigen Spielern.“ Diese Erfahrungen bei seinem Herzensverein einzubringen, kann sich die Vereinslegende gut vorstellen. „Die Eintracht ist natürlich immer in meinem Herzen. Der Kontakt ist nie abgerissen. Wenn da eine Möglichkeit besteht, bin ich auch dafür offen. Es ist noch nichts festgelegt, von daher mal schauen, was die Zukunft bringt.“ Eine Zusammenarbeit in dem Bereich muss für beide Seiten Sinn ergeben. „Es muss natürlich für beide passen. Nicht nur für mich, sondern auch für die Eintracht. Wie gesagt, ich habe immer noch große Wertschätzung. Mal wird sehen, wohin die Reise führt, ob da eine Möglichkeit besteht. Wie gesagt, mein Herzblut liegt an der Eintracht. Da würde ich schon gerne weiter etwas zurückgeben.“ Dafür hat Rode mit einem Sport-Manangement-Lehrgang an der Uni St.-Gallen ein gutes Fundament geschaffen. „Es war sehr interessant. Indirekt nach meiner Karriere habe ich das angeschlossen. Es gab vier verschiedene Schwerpunkte. Einerseits Leadership und Management, strategisch-operatives Geschäft, Marketing und einmal Digitalisierung, was ja auch immer wichtiger wird und interessanter ist.“ Dieser Lehrgang hat sich auf jeden Fall gelohnt. „Extrem wichtige Erfahrung, coole Leute, die man da trifft aus einem großen Netzwerk, was heutzutage auch immer wichtiger wird, dass man Netzwerk hat und Leute kennt, die im sportlichen Bereich gut funktionieren. Das hat mir extrem viel gebracht. Das kann ich nur weiterempfehlen. Von daher mal schauen, ob mir das in der Praxis dann auch irgendwas weiterhilft.“
Im heutigen modernen Fußballgeschäft wächst mit Sportdirektoren und Sportvorständen eine Generation heran, wo sich auch Rode sieht. „Das ist nichts, was man leichtfertig nebenbei macht, sondern man muss da auch reinwachsen. Aber sicherlich ist das, wo ich mich zurechtfinden könnte.“ Und am besten bei dem Verein, wo er die erfolgreichste Zeit seiner Karriere erlebte: Bei der Frankfurter Eintracht. Das würden sich sicherlich viele Fans wünschen, weil Rode sich weiterhin mit dem Verein identifiziert und die Wertschätzung vieler Anhänger spürt. „Ich bin oft genug im Stadion, allein die Leute, die immer noch ein Foto machen wollen. Ich denke mal, eigentlich müsste jeder ein Foto haben, aber auch in den Aussagen und Sonstiges. Das bekomme ich schon mit und das freut mich auch sehr, dass ich da so respektiert und wertgeschätzt werde.“






Ein Kommentar
bester Mann
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