Andreas Möller ist seit vergangenem Jahr Chef des Nachwuchsleistungszentrums. (imago images / Jan Huebner)

Es war ein kleiner Paukenschlag mitten in der Corona-Krise. Die beiden Ex-Profis Thomas Broich und Jerome Polenz übernehmen ab kommender Saison die U15 von Eintracht Frankfurt. Zwei ausgewiesene Fußball-Experten wagen den Sprung ins Trainergeschäft. Und das ausgerechnet am Riederwald. Ein starkes Zeichen. Und Grund genug für uns einmal einen Blick in die Nachwuchsschmiede der Adler zu werfen. Dort ist es auf den Plätzen derzeit ruhig. Der Spiel-und Trainingsbetrieb ruht in der Corona-Krise, die Nachwuchs-Adler sind ausgeflogen und halten sich individuell zuhause fit. Doch nicht nur das Internat wird derzeit umgebaut, die gesamte Eintracht-Jugend wird dieser Tage umfassend neu ausgerichtet.

Geballte Profi-Kompetenz für den Riederwald

Vor einem halben Jahr hatte Andreas Möller die Rolle als neuer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums übernommen. Nicht ohne heftigen Gegenwind von Teilen der aktiven Fanszene. Doch es tut sich etwas seit Möllers Übernahme. Den Coup um Broich (325 Bundesligaspiele) und Polenz (129) hatte zwar nicht er, sondern Fredi Bobic eingefädelt. „Er hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass zwei richtig gute Jungs da sind, die gerne ins Trainergeschäft kommen möchten. Wir haben ihnen ab Januar Hospitationen bei unseren Mannschaften ermöglicht. Sie haben hier reingeschnuppert und Erfahrungen gesammelt“, erzählte Möller kürzlich im Interview mit dem vereinseigenen Sender. „In Gesprächen habe ich sofort gespürt, dass sie sich in der Materie sehr gut auskennen. Wie sie Fußball leben, was sie inhaltlich sehen und wie sie die Spielanalyse rüberbringen, das hat uns beeindruckt.“

Ervin Skela wird U17-Trainer bei der Eintracht.

Der Welt- und Europameister nutzt die aktuelle Zeit, um Dinge abzuarbeiten, die bislang im Tagesgeschäft zu kurz kamen. Plätze auf Vordermann bringen, Organisatorisches modifizieren und Trainerteams zusammenstellen stehen auf seiner Agenda. In letzterem Punkt könnten zwei ehemalige Frankfurter Fanlieblinge demnächst in der Eintracht-Jugend einsteigen. Wie mehrere Medien berichten, soll Ervin Skela zeitnah einen Vertrag als Trainer der U17 unterschreiben. Skela, der 93 Spiele für die Eintracht absolvierte und bislang als Eintracht-Botschafter fungierte und darüber hinaus Teil der Fußballschule war, sammelte bei Hessen Dreieich bereits Trainererfahrung, stieg hier mit der U17 bis in die Verbandsliga auf.

Alex Meier soll in Nachwuchs eingebunden werden

Alex Meier soll im Sommer zurück zur SGE kehren.

Und auch Alex Meier soll demnächst seine Erfahrung am Riederwald einbringen. Der Frankfurter „Fußballgott“, der seine Karriere im Frühjahr nach einem Australien-Abenteuer beendet hatte, wird im Sommer bei der Eintracht beginnen. Sein genauer Tätigkeitsbereich ist offiziell noch nicht bekannt, könnte aber laut „Bild“ bei der U12 der Eintracht liegen. Doch nicht nur prominente Gesichter sollen das Nachwuchsleistungszentrum nach vorne bringen. Auch an einer einheitliche Spielkonzeption im Jugendbereich wird gearbeitet. „Dabei geht es um die Art und Weise, wie wir im Jugendfußball spielen und für was wir stehen wollen. Das beste Beispiel dafür sind die Profis mit ihren Leistungen in den vergangenen Jahren. Das möchten wir den Jungs gemeinsam mit den Trainern vermitteln.“ Das Projekt Spielkonzeption liegt in den Händen von Matthias Borst, der zuvor beim dänischen Hauptstadtklub Bröndby IF mit dem Ex-Leipzig-Coach Alexander Zorniger als Videoanalyst tätig war. Gemeinsam mit Möller und dem Technischen Direktor Marco Pezzaiuoli wird an einer einheitlichen Spielphilosophie gearbeitet. „Die Spielkonzeption erst mitzuentwickeln und im zweiten Schritt in die Tat umzusetzen, ist für uns die perfekte Konstellation“, erklärte der angehende Trainer Thomas Broich seine Motivation für einen Trainereinstieg in Frankfurt. Er und Kollege Polenz sowie die Nachwuchstrainer sind in das Projekt involviert. Ziel ist ein Playbook, mit dem Spielweise und Trainingssteuerung vereinheitlicht werden.

Während also die Weichen für die Eintracht-Zukunft gestellte werden, scheint die kurzfristige Hoffnung, dass es bald ein Adler vom Riederwald mal wieder den Sprung zum gestandenen Bundesligaprofi in Reihen der SGE schafft, derzeit noch in weiter Ferne. Mit Jabez Makanda und Fynn Otto haben zwei Youngster einen Profi-Vertrag zur neuen Saison unterzeichnet. Doch bis auf Aymen Barkok, der zurzeit an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen ist, schaffte es in den zurückliegenden Jahren kein Talent aus der Eintracht-Jugend zu Einsatzzeiten. Sahverdi Cetin war auf einem guten Weg zu seinem Bundesliga-Debüt, wurde durch die Corona-Pause vorerst ausgebremst.

Top-Talente vor Absprung

Zwei Leistungsträger der aktuellen A-Junioren-Mannschaft, die zuletzt eine beachtliche Leistungsentwicklung hinlegte, gehen daher einen anderen Weg. Abdulkerim Cakar, mit acht Toren bester Schütze der Elf von Andreas Ibertsberger, wird laut „Sport Bild“-Bericht die Eintracht ablösefrei verlassen. Sein Jugendvertrag läuft im Sommer aus, ein Angebot der Eintracht entsprach offenbar nicht den finanziellen Vorstellungen des U18-Nationalspielers. Auch Jacob Engel verlässt wohl die SGE. Den Linksverteidiger zieht es zum SC Freiburg. Hier soll er als Nachfolger von Christian Günter aufgebaut werden, hatte Marco Pezzaiuoli in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ angedeutet. Denn im Unterschied zur Eintracht können in Freiburg Talente in der U23 ans Profi-Geschäft herangeführt werden. Dieses Manko haben sie inzwischen auch in Frankfurt erkannt und arbeiten an einer Lösung. Eine eigene U23 müsste nach derzeitigem Stand in der Kreisoberliga starten.

Was wird aus der U23?

Patrick Ochs (re.) kickte mit einst an der Seite von Marco Russ bei der SGE.

Die Eintracht müsste auf eine Gesetzesänderung hoffen, doch der für 6. Juni anberaumte Verbandstag wurde wegen der Corona-Krise verschoben. Denkbar wäre ein anderes Szenario. Denn mitten in der Corona-Krise gab Hessenligist Hessen Dreieich bekannt, sich aus dem Seniorenfußball zurückziehen. Den Platz in der Hessenliga soll der neugegründete „International Soccer Club Rhein-Main“ übernehmen. Der bezahlte Fußball wird also vollständig in einen neuen Rechtsträger ausgelagert. Die Geschicke führt seit kurzem ein in Frankfurt bekanntes Gesicht: Patrick Ochs. Der Mann aus der Eintracht-Jugend und bis zu seinem Abgang nach Wolfsburg Fan-Liebling, hospitierte zuletzt bei der SGE und ist seit Ende 2019 im Vorstand beim Eintracht-Kooperationspartner in Dreieich. Nicht auszuschließen, dass das ein oder andere Talent in Zukunft den Weg vom Riederwald über Dreieich in Richtung Bundesliga nehmen könnte. Doch in ungewissen Corona-Zeiten bleibt das Zukunftsmusik.

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6 Kommentare

  1. Danke für den Bericht aus der Jugend!

    Schade dass zwei Talente weg sind. Aber so ist das eben. Wenn Freiburg die bessere Perspektive bietet ist das doch einzusehen und gut so. Kann man nur von lernen und seine Strategie weiter anpassen. Im Artikel steht nicht, wo Cakar hin will. Naja, wenn er woanders mehr Geld bekommt soll er das halt machen. Ob er damit gut beraten ist weiß ja vorher keiner. Alles Gute trotzdem!

  2. Die Jugendarbeit kann noch so gut sein, die Eintracht muss den Jungs eine Perspektive anbieten können. Das kann Sie momentan für (die älteren) Nachwuchsspieler derzeit nicht. Weder gibt es eine U23, noch steht die Eintracht dafür auf Nachwuchsspieler in den eigenen Reihen zu setzen. Da sind uns Freiburg und Hoffenheim leider weit voraus. Nicht ganz zufällig deshalb der Wechsel des LV auch nach Freiburg. Die (in Freiburg) haben eine andere Philosophie dort als wir. Zudem ist bei uns der Sprung direkt von den A-Junioren in den Profikader oft zu groß.
    Ich hoffe man schafft es (auf welchem Weg auch immer) eine U23 in einer höheren Amateurspielklasse zu etablieren und nach ein paar Jahren auch eine gängige Durchlässigkeit zwischen U23 und Profimannschaft zu haben. Da muss man halt die U23 auch ernst nehmen und intensiv fördern. Das war davor irgendwie nichts halbes und nicht ganzes. Ich habe sogar die Argumente verstanden, weshalb man die U23 dicht gemacht hat, da sie kaum noch Nutzen in der damaligen Form hatte. Aber ich glaube man hat jetzt verstanden (in solchen Zeiten wie jetzt vielleicht noch mehr), dass eine (andere) U23 doch eine gute Basis sein kann um wieder eine gute Adresse im Nachwuchsbereich zu werden. Von daher sehe ich Licht am Ende des Tunnels, leider hat man durch falsches Taktieren etliche Jahre jetzt verloren. Aber Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Die Weichen werden auf jeden Fall in letzter Zeit gestellt, das ist sehr lobenswert.

  3. Eine Kooperation mit Dreieich wäre auch nicht verkehrt, wenn wir mit unserer U23 ganz unten anfangen müsste. Da man die Jungs aber auch weiter betreuen, zum Beispiel mit Zusatztraining . Wenn Hütter Cetin in der Bundesliga einsetzt ( hat er ja schon mehrfach angedeutet, dass er viel von ihm hält ) wäre das auch ein gutes Zeichen.

  4. man kann die U23 von früher überhaupt nicht mehr mit den heutigen Maßstäben und Erfahrungen vergleichen, damals war das wirklich aufgrund der Gesamtsituation in Verein und AG sowie höchstens mittelmäßiger Arbeit im NLZ ein Muster ohne Wert.
    Auch wenn sich in den letzte 3 Jahren schon einiges entwickelt hat, neue Strukturen und Prozesse beginnen zu greifen, über Nacht wird trotzdem nicht alles besser. Auch ich befürworte in der Zwischenzeit wieder eine U23 und vielleicht hilft hier sogar Corona etwas, wodurch viele unterklassige Vereine in ernsthafte Schwierigkeiten geraten und eventuell wird sogar irgendwo eine Lizenz frei.
    Was die eigenen Talente der U19 angeht, da bin ich aktuell eigentlich ziemlich gelassen, denn wenn es unter den gegebenen Bedingungen nicht für die Profis reicht, dann reicht es eben nicht und sie müssen ihr Glück woanders suchen. Das ist bei anderen Vereinen nicht anders und die positiven Beispiele sollte man auch nicht zu hoch und nicht zu oberflächlich bewerten, auch dort fallen Talente durch den Rost.
    Die Eintracht wird sich auch hier entwickeln und voran kommen, eins nach dem anderen.
    Forza SGE !

  5. Aus meiner Sicht müsste man mit Wehen Wiesbaden ne Kooperation eingehen.

    Im Sommer sollten wie noch nicht, aber Corona sollte die Meinung eventuell geändert haben.

  6. Ich denke Adi könnte die Jungs auch einige Minuten spielen lassen. Dann wurden Sie evtl nicht abwandern.
    Er ist mir da zu unflexibel und unmutig!

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