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Larissa Mühlhaus wechselte vor der Saison aus Bremen zur SGE. Foto: IMAGO / Beautiful Sports

Mühlhaus: „Wenn die Gegner schlafen, bin ich da“

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„Ich war schon oft in Frankfurt, weil ich hier viele Freunde habe. Ich mag die Stadt sehr“, erklärt Larissa Mühlhaus im Interview bei „EintrachtTV“. „Hier kann man viel erleben. Von außen denkt man ja oft: Frankfurt Hauptbahnhof, alles ein bisschen Durcheinander und Chaos. Aber es gibt sehr schöne Orte hier.“ Die Stürmerin kam durch ihren Wechsel von Werder Bremen erst vor einigen Wochen an den Main. Eigentlich stammt sie aus dem hohen Norden.

Mühlhaus kommt aus einer Fußballerfamilie. Durch ihre Brüder hatte sie selbst schnell den Ball am Fuß. Beim SV Eidelstedt machte die gebürtige Hamburgerin erstmals auf sich aufmerksam. Anschließend hatte sie ein Zweitspielrecht und spielte gleichzeitig für die zwei großen Hamburger Fußballvereine. „Teilweise hatte ich Samstag ein Spiel für St. Pauli und Sonntag für den HSV. Das habe ich aber nicht lange gemacht. Das war zu viel.“ Schließlich zog es sie fest zu den Rothosen: „Ich war immer HSV-Fan. Ich bin in Hamburg aufgewachsen. Da muss man sich für einen Verein entscheiden.“ Nachdem ihr dort der Sprung in die erste Mannschaft gelang, zog es die 23-Jährige schließlich zu Werder Bremen und damit erstmals in die Bundesliga. „Die erste Saison war sehr aufregend. Vieles war neu für mich. Durch das Vertrauen aus dem ganzen Verein konnte ich das in meiner zweiten Saison dann mit Toren und Vorlagen bestätigen.“ Insgesamt 17 Mal knipste die Angreiferin und sicherte sich damit im letzten Jahr die Torjägerkanone. Dadurch katapultierte sich Mühlhaus nicht nur auf sämtliche Scouting-Listen, sondern auch in die Aufmerksamkeit der Medien. „Man nimmt schon ein bisschen den Druck wahr. Ich habe auch Erwartungen an mich selbst. Aber ich will einfach frei aufspielen. Wenn wir gewinnen, ist alles gut. Aber wenn ich Chancen liegen lasse, knabbere ich daran schon ein bis zwei Tage.“

Mühlhaus und die besondere Nummer 47

Die Torjägerin entschied sich im Sommer schließlich für einen Wechsel zur Frankfurter Eintracht. Hier läuft sie mit der Rückennummer 47 auf. „Eigentlich wollte ich die Sieben haben. Aber die war vergeben. Ich mag es, wenn eine Nummer eine Bedeutung hat. Es ist eine Anspielung auf die Postleitzahl von meinem Heimatort Lurup.“ Genau wie ihr Idol Cristiano Ronaldo ist sie ein Profi in Sachen Elfmeter. In der vergangenen Saison stellte sie dabei mit neun Elfmetertoren einen neuen Rekord auf. Was ist das Rezept für den perfekten Strafstoß? „Gute Frage. Ich habe da mittlerweile einen Rhythmus. Wenn ich den Ball nehme, habe ich schon eine Schrittreihenfolge drin. Irgendwann wurde es selbstverständlich. Ich bin einfach von mir selbst überzeugt, dass ich den Ball reinmache. Ich entscheide immer kurz vorher, welche Ecke die Torhüterin mir gibt. Klar hat es auch schon ein paar Mal nicht funktioniert. Aber ich freue mich immer, wenn ich der Mannschaft helfen kann.“ Generell ist die deutsche Nationalspielerin eine Instinkt-Fußballerin: „Ich bin eine entspannte Person und das versuche ich auch auf dem Platz auszustrahlen. Ruhe und Geduld. Aber ein bisschen zocken muss man schon. Zu viel auch nicht, sonst kriegt man noch Ärger vom Trainer. Aber klar: Spaß muss sein.“

Vom ersten DFB-Tor bis zum wachsenden Rampenlicht

Dass Mühlhaus mit ihren Leistungen längst auch beim DFB auf dem Radar steht, überrascht angesichts ihrer Entwicklung kaum. Nachdem sie zunächst mehrfach auf Abruf nominiert worden war, gehörte sie zuletzt fest zum Kreis der deutschen Nationalmannschaft. Dabei versucht die Angreiferin, sich nicht zu viele Gedanken über ihren Status zu machen: „Ich war ein paar Mal auf Abruf. Das letzte Mal war ich fest dabei. Ich versuche, die Zeit dort zu genießen und viel mitzunehmen. Es ist wichtig, von den erfahrenen Spielerinnen zu lernen. Ich gebe einfach immer mein Bestes.“ Ein Erlebnis dürfte ihr dabei besonders in Erinnerung bleiben: ihr erstes Tor im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. „Es war auf jeden Fall ein Gänsehautmoment. Ich wurde eingewechselt und direkt ein paar Minuten später habe ich getroffen. Das war wie im Traum. Diesen Moment werde ich niemals vergessen“, schwärmt Mühlhaus. Die Entstehung des Treffers passte dabei durchaus zu ihrer Spielweise. Lange überlegen muss die Torjägerin vor dem gegnerischen Kasten selten: „Ich nehme den Ball immer so, wie er kommt. Wenn die Gegner schlafen, bin ich da.“

Besonders beeindruckt zeigt sich die 23-Jährige bei der Nationalmannschaft von Klara Bühl. „Sie ist eine Ausnahmespielerin. Linker und rechter Fuß. Top“, lobt Mühlhaus die Bayern-Offensivspielerin. Gleichzeitig hat sie durch ihre Auftritte im DFB-Dress gemerkt, dass auch die öffentliche Aufmerksamkeit größer geworden ist: „Ich habe auf jeden Fall gemerkt, dass ich mehr im Rampenlicht stehe, seit ich bei der Nationalmannschaft war. Es kommen mehr Fans auf einen zu, die Fotos machen wollen.“ Auch die Berichterstattung nehme deutlich zu: „Die Medien pushen das schon sehr. Sowohl positiv als auch negativ.“

Eintracht als „Match“ für Mühlhaus

Bei der SGE ist die Generalprobe vor dem Ligastart geglückt. Dabei bezwang die Eintracht mit Olympique Lyon eine Spitzenmannschaft mit 2:1. Mühlhaus nahm in der ersten Halbzeit zunächst auf der Bank Platz: „Die erste Elf war sehr stark. Sie haben sehr kompakt gespielt. Lyon hat sehr gute Einzelspielerinnen. Was uns ausmacht, ist, dass wir ein Team sind. Jeder hat sich für den anderen reingeworfen. Ich glaube, dass das 0:0 zur Halbzeit schon ein sehr gutes Ergebnis war.“ Am Ende erzielte die Angreiferin nach ihrer Einwechslung den Führungstreffer und brachte ihre Mannschaft damit auf die Siegerstraße. Bei der Eintracht ist die gebürtige Hamburgerin Teil eines großen Umbruchs im Sommer. Sie selbst sieht die Veränderungen gelassen. „Es ist immer etwas Neues, wenn man in ein neues Team einsteigt. Aber seit Tag eins hat es zwischen den alten und neuen Spielerinnen gematcht. Dazu haben wir uns schnell aneinander und an die Abläufe gewöhnt. Wir haben ein gemeinsames Ziel. Die Testspiele waren gut. Aber es braucht einfach Zeit. Jetzt bin ich mal gespannt, wie es in der Liga läuft.“ Dabei spielt der Zusammenhalt innerhalb der Truppe eine große Rolle. „Wir haben jetzt schon abseits des Platzes viel Zeit zusammen verbracht. Das schweißt einfach zusammen und dann klappt es oft auch auf dem Platz. Das ist sehr wichtig für eine Mannschaft.“ Für die gebürtige Hamburgerin war es der erste große Wechsel und zugleich der erste Abschied aus der unmittelbaren Heimatnähe. Anpassungsschwierigkeiten hat sie dabei aber nicht. „Ich lasse immer gerne alles auf mich zukommen. Bisher lief aber alles gut.“

Große Ziele, aber der Fokus liegt auf Köln

Der Wechsel zur Eintracht soll für Mühlhaus nun der nächste Schritt ihrer Entwicklung sein. Mit der Weltmeisterschaft am Horizont könnte sich die Angreiferin in Frankfurt auch für weitere Einsätze im DFB-Trikot empfehlen. Ausschlaggebend für ihren Wechsel sei das allerdings nicht gewesen. „Aber klar: Eintracht Frankfurt ist ein großer Verein. Ich wollte den nächsten Schritt machen und Champions League spielen. Ich möchte hier einfach meine Rolle finden und schauen, was möglich ist. Natürlich ist die WM ein Ziel. Aber wie gesagt: Ich lasse alles gerne auf mich zukommen.“

Dabei denkt Mühlhaus durchaus groß. Eine Weltmeisterschaft in Brasilien, die Olympischen Spiele in Los Angeles oder die Europameisterschaft im eigenen Land sind Turniere, die die 23-Jährige unbedingt erleben möchte: „Von solchen Turnieren träumt jedes Kind. Dafür spielt man Fußball und natürlich sind das alles Ziele von mir. Dafür gebe ich jeden Tag im Training mein Bestes. Ich bin gespannt, wo die Reise hinführt.“

Und diese Reise nimmt nun richtig Fahrt auf. Zunächst wartet zum Bundesliga-Auftakt der 1. FC Köln, nur wenige Tage später steht bereits das Champions-League-Duell mit Paris Saint-Germain auf dem Programm. Mühlhaus will sich von der Aussicht auf die große europäische Bühne aber nicht vom ersten Schritt ablenken lassen: „Ich schaue von Spiel zu Spiel. Klar hat man die Champions League im Kopf, aber ich bin jetzt erstmal gespannt auf Köln. Wir sind sehr fokussiert. Wir wollen in der Liga dominieren.“

Danach darf der Blick auf PSG gehen – und auf ein besonderes Europapokalspiel vor heimischer Kulisse. „Darauf freuen wir uns. Die Fans werden uns anfeuern und alles geben“, so Mühlhaus. Dass die Schlagzahl zu Saisonbeginn hoch ist, sieht die Torjägerin nicht als Problem: „Es ist intensiv durch die ganzen Spiele, aber wir sind gut vorbereitet.“

Ein Kommentar

Fallback Avatar 1. culo blanco 21. August 26, 14:58 Uhr

Geht mir auch so, was hab ich nachts im Traum schon für Tore gemacht...
Spaß beiseite, bei den ganzen Abgängen ein sehr guter Zugang. Weiß, wo das Tor steht, trifft auch in der Nationalelf, integriert sich schnell und kommt sympathisch rüber. Was will man mehr.

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