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Laura Freigang will mit ihrer Eintracht nach Europa. Foto: IMAGO / Kessler-Sportfotografie

Große Ziele trotz Umbruch – Freigang glaubt an die neue SGE

„Das ist schon etwas Besonderes. Ich glaube, jedes Fußballerherz schlägt ein bisschen höher bei diesen Klängen“, schwärmt Laura Freigang im Podcast „Aufstehen mit der Eintracht“, angesprochen auf die Champions League-Hymne. „Da wollen wir natürlich hin. Ich habe das ja schon mal erlebt, auch im Deutsche Bank Park. Wenn ich gefragt werde, was meine Lieblingsfußball-Erinnerungen sind, dann sage ich immer das Barcelona-Spiel.“ Damals erzielte die SGE-Kapitänin im Rückspiel vor heimischer Kulisse den 1:0-Führungstreffer. Am Ende ging die Partie aber doch mit 1:3 verloren. „Das war schon etwas ganz Besonderes. Aber wir stehen gerade am Anfang.“ Den ersten Schritt haben die Frauen der Frankfurter Eintracht aber bereits getan. Aktuell befindet sich die SGE in der zweiten Qualifikationsrunde für die Königsklasse. Durch den gestrigen 8:0-Sieg gegen Nikosia ist die Mannschaft von Cheftrainer Niko Arnautis ins Finale eingezogen. Dort trifft die Mannschaft auf Malmö FF. Der Sieger der Partie zieht dann in die finale dritte Qualifikationsrunde ein. Ein langer Weg, aber Freigang will sich auf ihr Spiel konzentrieren. „Wir gehen davon aus, dass wir jedes Spiel gewinnen und wollen das auch. Wir haben die Qualität. Aber man muss das natürlich auf den Platz bringen, auch mit der nötigen Überzeugung. Weiter geht es am Samstag. Das ist eine gute Mannschaft.”

Hinter der Eintracht liegen vier Wochen intensive Vorbereitung. Die 28-Jährige zieht persönlich ein positives Fazit. „Mir persönlich geht es sehr gut. Ich habe wirklich Zeit gehabt fit zu werden. Die letzten Saisons war es so, dass ich aus einem Turnier mit der Nationalmannschaft gekommen bin. Da war man nicht gut eingespielt und musste innerhalb kürzester Zeit fit werden.“ Jetzt habe sie das Gefühl, dass die Mannschaft sich gut zusammengefunden habe. „Wir haben viel gemacht in den vier Wochen. Natürlich gab es auch viele Veränderungen. Deswegen braucht es immer eine gewisse Zeit, bis man sich einspielt. Aber umso besser, dass wir die Zeit hatten.“ In den bisherigen vier Testspielen verzeichnete die SGE drei Siege und ein Unentschieden. Dabei kassierte die Mannschaft insgesamt nur drei Gegentore. „Wir haben jetzt kein Torspektakel gezeigt. Aber um ehrlich zu sein, nach der Hinrunde letztes Jahr freue ich mich über eine stabile Defensive. Man sagt das immer so floskelhaft: Eine Defensive gewinnt die Spiele. Wir brauchen eine stabile Defensive. Da kann ich auch ein, zwei Tore weniger schießen, wenn wir dafür ein, zwei Tore weniger kriegen. Aber im besten Fall haben wir beides.“

Frankfurt als Teil großer Geschichten

Im Kader der SGE-Damen hat sich im Sommer einiges getan. Langjährige Leistungsträgerinnen haben den Verein verlassen, dafür ist viel junger, frischer Wind dazu gestoßen. „Wir müssen uns neu finden, aber wir haben echt gute neue Spielerinnen, von denen ich mir viel erhoffe und erwarte. Ich bin gespannt, was wir diese Saison auf den Platz bringen können. Wir haben viel Potenzial.“ Nur müsse man das jetzt auch umsetzen. Dafür steht die Mannschaft mit der Champions League-Qualifikation vor der ultimativen Probe. „Ich erwarte von unserer Mannschaft, dass wir da zeigen, dass wir das wollen. Und wenn wir mit dem Willen auf den Platz gehen, dann sollten wir das auch hinbekommen.“ Bei den Neuzugängen blickt Freigang besonders euphorisch auf Larissa Mühlhaus, Hanna Bennison und Danique Tolhoek. „Ich habe das Gefühl, wir haben Spielerinnen, die am Ball sehr, sehr viel können. Wenn ich jetzt an Larissa denke: Sie hat einen besonderen Touch. Auch Hanna, die mit unfassbar viel internationaler Erfahrung zu uns kommt und unfassbar viel Elan und Energie einbringt. Vorne Danique mit ihren Torjäger-Qualitäten. Sie braucht natürlich noch ein bisschen, um reinzukommen, weil sie länger verletzt war.“

Auf der Gegenseite blickt die Adlerträgerin aber auch mit einem weinenden Auge auf die zahlreichen Abgänge. Beispielsweise wechselte Geraldine Reuteler, die zusammen mit Freigang zur Eintracht kam, zum FC Arsenal. „Wer bekommt acht Jahre mit seiner besten Fußballfreundin für das gleiche Team auf dem gleichen Platz? So viele Minuten, die wir uns geteilt haben auf dem Feld. Das erlebt man selten. Wieso sollte ich mich jetzt beschweren, wenn die Dame dann den Schritt zu einer Champions League gewinnenden Mannschaft macht? Ich freue mich einfach für sie.“ Dazu sei London von Frankfurt auch schnell zu erreichen. Eine weitere langjährige Mitspielerin, die ebenfalls zukünftig in der englischen Hauptstadt spielt, ist Nicole Anyomi. Sie läuft für die London City Lionesses auf. „Ich freue mich auch für Niki, die glaube ich in Frankfurt so richtig Fuß gefasst hat und ihre Qualitäten wirklich zeigen konnte. Auch in der Nationalmannschaft hat sie sich durchgesetzt. Ich glaube, das gilt für viele Spielerinnen. Elisa Senß nenne ich da auch gerne. Von Mepen über Essen, Leverkusen, Eintracht und dann Real Madrid. Ich freue mich einfach diese Dinge zu sehen und dass Eintracht Frankfurt Teil dieser Geschichte ist. Und dann können wir uns ja alle besuchen, würde ich sagen.“

„Kämpfe für meine Sache“

Trotz all der Vorfreude auf die neue Saison hat die gebürtige Kielerin keine ganz einfache Zeit hinter sich. Aktuell ermittelt der DFB gegen sie aufgrund drei verpasster Doping-Tests. Das Verfahren kann sich noch einige Monate ziehen. Im schlimmsten Fall droht Freigang eine zweijährige Sperre. Die 28-Jährige bleibt trotzdem positiv. „Ich versuche in der Sache auch eine Chance zu sehen. Ich bin einfach dankbar für jeden Tag, den ich auf dem Platz und mit der Mannschaft habe. Das gibt einem noch eine ganz andere Perspektive, weil man auf einmal mit solchen Tatsachen konfrontiert wird. Das rüttelt einen dann schon auf. Aber ich konzentriere mich weiter auf die Sachen, die ich mache.“ Unangenehm sei es ihr nicht über das Thema zu sprechen. Sie wolle damit offen umgehen. „Ich kämpfe für meine Sache, kämpfe für die Dinge, die ich tue.“

Ihr Augenmerk liegt auf den bevorstehenden Aufgaben. „Die nächsten beiden Spiele müssen wir gewinnen. So ist mein Denken. Danach können wir weiter schauen. Mein Fokus ist gerade einfach nur mit der Mannschaft, unseren Stil zu finden, unser Zusammenspiel zu finden. Ich will, dass wir vom Platz gehen und zufrieden sind mit dem, was wir gemacht haben.“ Das sei letztes Jahr im Europapokal das Frustrierendste gewesen. Die Mannschaft zeigte damals durchaus gute Leistungen, blieb aber insgesamt doch unter ihren Möglichkeiten. Die Eintracht-Kapitänin zeigt sich kämpferisch: „Wenn wir rausgehen, alles auf dem Platz lassen, dann bin ich offen für verschiedene Ausgänge. Aber jetzt gerade will ich einfach, dass wir es schaffen unsere Qualität auf den Platz zu bringen.“ Die Männer von Eintracht Frankfurt werden in diesem Jahr definitiv keine europäischen Nächte erleben. Eine extra Motivation für die Frauen sei das aber nicht. „Das brauchen wir gar nicht. Ich will, dass wir in die Champions League einziehen und dann im Deutsche Bank Park wichtige Spiele bestreiten können“, erklärt Laura Freigang. Eine Sache liegt ihr dabei aber zusätzlich am Herzen. „Wir wollen den Frauenfußball auch in Frankfurt groß machen. Da hilft es natürlich, wenn man erfolgreich ist. Wir wollen erfolgreich sein.“

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