Igor Matanovic will bei der SGE angreifen. (Foto: IMAGO / Kessler-Sportfotografie)

Obwohl Eintracht-Angreifer Igor Matanovic bereits seit dem 30.08.2021 bei der Frankfurter Eintracht unter Vertrag steht, hat der 21-Jährige noch kein einziges Pflichtspiel für die Hessen absolviert. Hintergrund ist, dass der Kroate direkt nach seinem Wechsel für zwei Jahre zum FC St. Pauli zurück verliehen wurde, im letzten Sommer führte ihn sein Weg dann per Leihe wieder in die zweite Bundesliga, dieses Mal ging es zum Karlsruher SC. Der Auftrag war klar: Spielpraxis sammeln und sich so das nötige Selbstvertrauen und die nötige Spielhärte für die SGE zu holen.

Nach dieser Spielzeit ist klar, dass dieser Auftrag komplett erfüllt wurde. In 32 Spielen für die Karlsruher erzielte Matanovic 14 Tore und legte weitere sieben auf und entwickelte sich so zu einem Fixpunkt im Karlsruher Spiel und zu einem der besten Stürmer im deutschen Unterhaus. Und das, obwohl er zu Beginn nur als Joker zum Einsatz kam und erst ab dem 10. Spieltag zur Stammelf gehörte. Schnell war daher klar, dass der 1,94-Meter-Mann im Sommer zur SGE zurückkehren und hier seine Chance bekommen wird.

Im Interview mit dem „Kicker“ betonte er nun, dass er sich sehr auf die SGE freue: „Das ist ein besonderer Verein, mit sehr viel Power, die sich auch von außen auf den Platz überträgt. So etwas genießt jeder Spieler.“ Rückblickend sei er „extrem dankbar“ für das Jahr beim KSC, seinen Aufstieg bei den Badenern habe er als „stetigen Fortschritt“ wahrgenommen: „Das Wichtigste war die Spielzeit, die mir zuvor auf St. Pauli gefehlt hatte. Dann, dass wir als Team in einen Flow kamen. Auch andere wie Paul Nebel haben sich da enorm entwickelt.“

Nachdem er bereits die Vorbereitung auf die vergangene Saison in Frankfurt absolviert hatte und dann nach schwankenden Leistungen verliehen wurde, sehe er sich nun besser gewappnet: „Vor allem komme ich diesmal mit ganz anderem Selbstbewusstsein an, mit einer viel breiteren Brust. Ich habe jetzt die Überzeugung, wirklich weiterhelfen und ein Teil der Mannschaft werden zu können. Das war vor einem Jahr schwieriger.“ Daher habe er auch genügend Selbstvertrauen, sich eine größere Rolle zuzutrauen. „Mit meiner Statur kann ich im Sturm eine Facette einbringen, wie sie Frankfurt zuletzt nicht mehr hatte. Die Eintracht hat immer auch von solchen Typen profitiert, wenn ich an Namen denke wie Sebastien Haller, Alex Meier oder Bas Dost. Das empfinde ich als großen Ansporn“, gab der 21-Jährige an.

Dabei gab er auch einen Einblick in die Gespräche mit der Eintracht, die ihm nach der Winterpause klar gemacht habe, dass er in diesem Sommer bei den Hessen eine echte Chance bekommen soll. „Aber mir war sehr wichtig, den Fokus bis zum Ende voll beim KSC zu behalten, nicht schon im März mit dem Kopf in Frankfurt zu sein“, erklärte er und erinnerte sich an die Gespräche vor seinem Wechsel von St. Pauli nach Frankfurt im Jahr 2021: „Markus Krösche hat mir von Anfang an deutlich gemacht, welche Qualitäten er in mir sieht, und einen klaren Plan aufgezeigt. St. Pauli war mein Verein, für den ich 13 Jahre gespielt habe. Und ich wollte auch noch zu Hause bleiben. Ich fand es wichtig, in jungen Jahren bei den Eltern und der Familie zu sein, eine gewisse Komfortzone zu behalten.“ Aber: „Bis 2023 lief es aber nicht wunschgemäß. Zwischenzeitlich wollte St. Pauli die Leihe gar beenden. Es gab kurze gute Phasen, aber auch viele schlechte. Wobei ich sagen würde: Vor allem waren es lehrreiche Phasen. Im Nachhinein bin ich froh, das alles so erlebt zu haben.“ Ihm gehe es hier vor allem um seine persönliche Weiterentwicklung: „Ohne diese negativen Erfahrungen wäre ich wohl nicht der, der ich jetzt bin. Ich habe früh gelernt, geduldig zu bleiben bei Rückschlägen und Verletzungen. Und in solchen Phasen kannst du teilweise auch besser an Schwächen arbeiten. Ich bin überzeugt, dass mich das stärker gemacht hat.“

Kampf gegen viele Widerstände

Wie bereits beschrieben hatte der Mittelstürmer auch in Karlsruhe Anlaufprobleme – die er selbst so aber nicht wahrgenommen hatte: „Das war für mich kein Problem, weil ich es schon kannte, gegen Widerstände zu arbeiten. Ich beneide Spieler nicht, bei denen in jungen Jahren alles glattläuft. Auch wenn sich das sicher erst mal angenehm anfühlt. Aber ich bin froh, dass ich schon als junger Spieler gelernt habe, zu schlucken.“

Während er selbst also immer wieder mit Problemchen und Rückschlägen zu kämpfen hatte, habe die SGE aus seiner Sicht nie an ihm gezweifelt. „Den Eindruck hatte ich nie, im Gegenteil. Gerade Markus Krösche hat sich regelmäßig gemeldet. Auch in schlechten Phasen war die Eintracht immer für mich da. Als ich an der Schulter operiert werden musste, hat sich der Verein sofort um mich gekümmert. Und als St. Pauli die Leihe beenden wollte, hat Frankfurt immer zu mir gestanden. Deshalb habe ich überhaupt nicht gezögert mit der Verlängerung bis 2029 und freue mich extrem darauf, den Adler auf der Brust tragen“, erklärte er.

Die SGE hatte in den letzten Jahren immer wieder das Sturmsystem geändert und zuletzt mit einer klaren Neun und flinken Außenspielern agiert. Ein System, das zu ihm passen würde. Er habe „gerne flinke Spieler um mich herum, die viele Laufwege in die Tiefe machen. Kopfballverlängerungen gehören zu den Stärken, die ich dann besonders gut einbringen kann. Und ich liebe einfach die Zweikämpfe gegen große, starke Innenverteidiger, mich mit ganzer Wucht in die Duelle zu werfen, mich zu wehren.“ Einer dieser Spieler, die dann um ihn herum spielen könnte, könnte Hugo Ekitiké sein, der seit dem Winter in Frankfurt auf Torejagd geht. Auf das Zusammenspiel mit dem Franzosen freue er sich besonders: „Was Hugo technisch draufhat, ist bewundernswert. Das habe ich auch schon gesagt, als er noch nicht getroffen hat. Er hat sicher eine große Karriere vor sich.“ Aber Ekitiké sei nicht der einzige, auf den er sich freue: „Ich freue mich aber auf die ganze Mannschaft riesig. Auch auf einen Spielmacher wie Mario Götze, von dessen Ballsicherheit ich mir letzten Sommer schon etwas abschauen konnte.“

Dosierte Selbstkritik als Weg zum Erfolg

Dabei sehe er sich selbst aber noch nicht als kompletten Stürmer und gab an, dass er noch einige Baustellen habe: „Was mir sofort einfällt: der Offensiv-Kopfball. Auch wenn ich rein statistisch die zweitmeisten Kopfballduelle in der 2. Liga gewonnen habe. Aber die Bälle mit dem richtigen Timing platziert zu setzen – da muss ich noch konsequenter werden.“ Dies gelte auch beim Abschluss nach Flanken: „Ich muss noch präsenter werden im Strafraum, noch aggressiver Richtung ersten Pfosten starten. Wenn man sich anschaut, wie Erling Haaland das macht – da ist bei mir noch viel Luft nach oben. Es gibt genügend Baustellen, auch wenn ich mit meiner Entwicklung bis hierher sehr glücklich bin.“

Man merkt schnell, dass Matanovic sehr kritisch mit sich selbst ist, wenn man Gespräche und Interviews von ihm selbst liest. Daher galt er teilweise sogar als zu selbstkritisch. „Tatsächlich ist mir das schon zum Verhängnis geworden. Eine Zeit lang habe ich mir auf St. Pauli jede Kleinigkeit vorgeworfen, mich selbst gegen mich aufgehetzt. Selbstkritik ist sicher wichtig. Aber wenn von zehn Aktionen neun gut sind, man sich selbst aber nur über die eine schlechte definiert, dann ist es einfach nicht mehr gesund.“ Er habe sich aber auch hier deutlich weiterentwickelt: „Natürlich nervt es, frei am Tor vorbeizuschießen. Aber ich weiß inzwischen, dass es immer wieder passieren wird. Nicht nur mir, auch allen anderen.“

Hilfe habe er dabei von seinem Vater bekommen, mit dem er schon früh viele, sehr ehrliche Gespräche über Fußball führte. „Das war anfangs nicht immer einfach. Aber es waren entscheidende Momente, die mich sehr früh haben reifen lassen. Mental hat mich mein Vater extrem weitergebracht“, erklärte der Kroate, dessen Eltern während des Jugoslawien-Kriegs nach Hamburg kamen. Obwohl er in Hamburg geboren und aufgewachsen war, und er bis zur U19 für Deutschland spielte, entschied er sich für das Heimatland seiner Eltern, Kroatien zu spielen. „Ich bin in Hamburg aufgewachsen und Deutschland extrem dankbar, gerade wegen der Erfahrungen meiner Eltern. Am Ende war es trotzdem eine Herzensentscheidung. Wenn eine EM oder WM lief, hat mein Herz doch immer etwas mehr für Kroatien geschlagen, wenn ich ehrlich bin“, erklärte er diese Entscheidung.

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8 Kommentare

  1. Es gibt auch nichts geileres in Deutschland als den Adler auf der Brust tragen zu wollen, denn nur dann bist du ein echter Adler !
    Hau rein Junge, du bekommst deine Zeit dich zu präsentieren.

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  2. Ich freu mich sehr auf den Jungen. Ich habe ihn ab und zu in der zweiten Liga beobachten können. Immer hat er mich überzeugt. Er ist ein typischer 9er, der uns absolut guttun wird.
    Wellcome back! Forza SGE

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  3. Es ist toll, von ihm selbst zu lesen, wie aufgeräumt und klar er im Kopf ist und wie wohl er sich bei der Eintracht fühlt. Es stimmt auch zuversichtlich, dass er den Weg der Eintracht und seine Vorgänger immer mit Spannung verfolgt hat.

    Dass ich mich sehr auf das Duo Ekitiké/Matanovic freue, habe ich hier an anderer Stelle schon vor einer Weile geschrieben, das könnte echt passen. Ich hoffe, Dino hat den Mut, auch des öfteren mal beide zugleich aufzustellen.

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  4. Ich hab schon letztes Jahr gedacht, das wird knapp… Aber da war Muani noch da. Als wir dann doch blitzartig verkauft, habe ich mir gedacht schade, dass er verliehen worden ist…

    Also ich wäre absolut zufrieden, wenn er in der ersten Saison 5 Tore schießen würde. In erster Linie hoffe ich einfach, dass er der wandSpieler sein könnte, der uns zwischendurch immer wieder fehlt.

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  5. Mal sehen wann wir den internationalen Kader melden müssen und ob es bis dahin ausreichend Spieleindrücke gibt. Das wäre schon ein krasser Schritt, von Liga 2 in die internationale Bühne am Donnerstagabend.
    Ich würde es ihm gönnen.

    Gruß SCOPE

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