„Ich habe mir vorgenommen, voranzugehen. Ich war natürlich Teil des Problems letzte Woche, als wir nach der Halbzeit gegen Augsburg eingeknickt sind. Genau wie gegen Union Berlin. Da nimmst du dir als Führungsspieler noch mehr vor, voranzugehen und zu helfen, die Konstanz aufrecht zu erhalten.“ Das sagte Eintracht Frankfurt-Stürmer Jonathan Burkardt nach dem 3:1-Sieg gegen den FSV Mainz 05. In der vergangenen Saison standen die Führungsspieler der Eintracht in der Kritik. Zu oft brach die SGE nach Gegentoren oder kleineren Rückschlägen ein und ergab sich mehr oder weniger kampflos. Burkardt gelobte Besserung und zeigt jetzt spätestens seit dem Mainz-Spiel, dass es keine leeren Worthülsen waren.
Das Offensichtliche vorweg: Der 26-Jährige schießt Tore und ist somit unersetzlich für die hessische Offensive. Das sieht auch die Leserschaft von SGE4EVER.de so, die ihn gegen den SC Freiburg zum Spieler des Spiels kürten. Seit dem Auftakt gegen den FC Union Berlin, in dem der Nationalspieler ohne Scorer blieb, traf er in jedem Bundesligaspiel. Mit drei Toren und einem Scorer ist er nach seinem Sturmkollegen Younes Ebnoutalib aktuell zweitbester Scorer der Eintracht. Tore sind sein Job und bei einem Stürmer vom Kaliber „Jonathan Burkardt“ durchaus auch zu erwarten. Das rechtfertigt alleine noch keinen Text wie diesen hier.
Fighter, Leader, Identifikationsfigur
Was ich vor allen Dingen herausstellen möchte, ist der Einsatz des gebürtigen Darmstädters. Unermüdlich findet man Burkardt in jedem Abschnitt des Spielfeldes. Egal ob in vorderster Front am vollstrecken oder aber in hinterster Linie beim Verteidigen oder in der Konterabsicherung – Burkardt ist der erste Verteidiger seines Teams. Der viel gelobte Harry Kane vom FC Bayern München ist dafür bekannt, dass er seinem Team mit Einsatz hilft, Zweikämpfe spielt und neben seiner Rolle als klassischer „Neuner“ auch mal den Spielmacher gibt. Kane führte in dieser Saison bislang 22 Zweikämpfe. Burkardt ist mit 39 geführten Zweikämpfen in fast doppelt so viele Duelle verstrickt. Die Quote von 38 Prozent gewonnenen Zweikämpfen ist zwar niedriger als die von Kane (50 Prozent), aber es zeigt, dass ich der Frankfurter für keinen Zweikampf zu schade ist. Fakt ist: Burkardt hat in dieser Saison schon mehr Zweikämpfe geführt als Sechser Raphael Onyedika. Er hat nur drei Duelle weniger geführt als Dauerbrenner Robin Koch. Mit Burkardt hat die Eintracht einen Stürmer unter Vertrag, der auch einen Mehrwert leistet, wenn er keine Top-Assists bekommt und netzt. Er ist ein Spieler, der hilft wo er kann. Sei es defensiv oder offensiv. Das ist sehr viel wert.
Sobald Cheftrainer Adi Hütter den Ex-Mainzer vom Platz nimmt, geht auch spürbar Präsenz der Eintracht verloren. Burkadt ist ein Antreiber, ein Motivator und ein geht mit Leistung voran. Ganz wichtig ist auch seine Körpersprache. Bei Fehlern seiner Mitspieler zeigt er keine Frustration, sondern tut sein möglichstes, den Fehler auszubügeln. Bei eigenen Fehlern – und ja, auch Burkardt macht Fehler – behält er den Kopf oben und versucht diese auszubessern. Er hält, was er versprochen hat und zeigt derzeit eindrucksvoll, wie wichtig er für Eintracht Frankfurt ist. Und das nicht nur wegen seiner verlässlichen Torquote.
Die Art und Weise macht den Unterschied
In den vergangenen Wochen war immer mal wieder Tim Kleindienst von Borussia Mönchengladbach in den Medien. Der Kapitän der „Fohlen“ monierte bei seinen Mitspielern Einsatz, Wille und Bereitschaft, alles für seinen Verein auf dem Platz zu lassen. Klar, Gladbach steckt in einer sportlich deutlich brisanteren Lage als die Eintracht (Gladbach ist aktuell Tabellenletzter der Bundesliga). Aber auch Frankfurt hat mit fünf Punkten aus vier Spielen keinen idealen Saisonstart hingelegt und gerade vor dem Auswärtssieg in Mainz war die Stimmung alles andere als gut. Insofern ist die Situation dahingehend durchaus vergleichbar. Symptomatisch: Prompt flog Kleindienst in der nächsten Partie nach seiner harschen Kritik mit „Gelb-Rot“ vom Feld. Auch Burkardt kritisierte die Leistung seines Teams zuvor, aber nahm sich mit in die Verantwortung, gelobte Besserung und lieferte daraufhin. Wenn Kleindienst wissen möchte, wie man als Stürmer eine Mannschaft anführen kann, so sollte er seinen Blick nach Frankfurt richten, denn Burkardt macht es aktuell vor.
Er identifiziert sich mit dem Verein, gibt in seinen ehrlichen und bodenständigen Interviews immer sich selbst eine Mitschuld und hängt sich aktuell rein, wie kaum ein anderer. Kein Wunder, dass auch Bundestrainer Jürgen Klopp nicht auf die Dienste des Frankfurters verzichten möchte in der Nationalmannschaft. Er ist ein kompletter Spieler, der in den letzten Wochen auch mental einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Wenn er verletzungsfrei bleibt, wird er auch weiterhin eine elementare und unverzichtbare Rolle für die Eintracht einnehmen.






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