Planungssicherheit. Reguliertes Verkehrsaufkommen. Entspanntere An- und Abreise. Das klingt gut. Fast so, als würde der Stadionbesuch bei Eintracht Frankfurt künftig schon auf dem Weg zum Deutsche Bank Park zur Wellnessveranstaltung. Parkplatz vorab buchen, entspannt anreisen, Auto abstellen, Fußball schauen und anschließend gemütlich wieder nach Hause fahren. So zumindest die Theorie.
Am Dienstag veröffentlichte die Frankfurter Eintracht weitere Parkanweisungen auf ihrer Homepage mit dem Titel „Parken bei den Heimspielen der Eintracht: PreBooking wird erweitert“ die genau so etwas vermitteln sollen. Eintracht Frankfurt erweitert das sogenannte PreBooking. Künftig ist auch der Waldparkplatz nur noch mit einem vorab gekauften Parkticket befahrbar. Grundsätzlich ist das sogar eine vernünftige Idee. Wer ein Ticket besitzt, weiß, dass er einen Parkplatz bekommt. Das nervige Glücksspiel, ob man Stunden vor Anpfiff noch irgendwo unterkommt, entfällt. Gleichzeitig weiß die Eintracht im Voraus, wie viele Fahrzeuge zu erwarten sind.
Bis hierhin: gute Sache. Dann kommt allerdings der Preis.
Aus fünf werden zehn Euro
2015/2016 kostete das Parken auf dem Waldparkplatz fünf Euro. Ein Jahr später wurden daraus sechs, zuletzt sieben, acht und neun Euro. Künftig werden im PreBooking zehn Euro fällig. Aus dem einstigen Fünfer ist damit innerhalb von rund zehn Jahren ein Zehner geworden. Natürlich ist in dieser Zeit vieles teurer geworden. Auch bei der Eintracht. Eintrittskarten, Essen, Getränke und praktisch alles, was zu einem Stadionbesuch gehört, kosten heute mehr als früher. Dass auch Parkgebühren nicht auf ewig auf demselben Niveau bleiben, dürfte jedem klar sein.
Aber zehn Euro? Vor allem der Vergleich innerhalb des neuen Systems macht die Sache bemerkenswert. Andere Parkmöglichkeiten sind laut Eintracht bereits ab sechs Euro buchbar. Für den beliebten Waldparkplatz werden dagegen zehn Euro fällig. Planungssicherheit gibt es also für alle – die besonders attraktive Variante der Planungssicherheit kostet nur etwas mehr. Willkommen in der kleinen Mehrklassengesellschaft der Frankfurter Parkplatzwelt. Das Ärgerliche daran: Der höhere Preis bedeutet schließlich nicht, dass die Bedingungen rund ums Stadion plötzlich luxuriöser werden.
Zehn Euro für Schlamm inklusive
Wer wissen möchte, wie exklusiv Parken rund ums Waldstadion aussehen kann, darf einen Blick auf das Foto aus dem Januar 2026 vom Gleisdreieck werfen. Schlamm. Matsch. Pfützen. Reifenspuren.
Bei schlechtem Wetter verwandeln sich manche Flächen rund um das Stadion in eine Landschaft, bei der Gummistiefel fast sinnvoller erscheinen als Eintracht-Sneaker. Schuhe dreckig, Auto dreckig – und wer besonderen Wert auf ein sauberes Gefährt legt, darf nach dem Stadionbesuch noch ein paar Euro für die Waschanlage einplanen. Vielleicht ist das der bislang übersehene Premiumcharakter: Andere bezahlen viel Geld für eine Schlammpackung. Bei der Eintracht gibt es sie rund ums Auto gleich dazu.
Natürlich betrifft das nicht jeden Parkplatz und nicht jeden Spieltag. Es zeigt aber das grundsätzliche Problem: Die Preise entwickeln sich schneller weiter als die Qualität des Angebots.
Das eigentliche Problem beginnt hinter der Schranke
Denn ein reservierter Parkplatz löst zunächst einmal nur eine Frage: Wo stelle ich mein Auto ab? Die Frage, wie ich dort hinkomme und vor allem wieder wegkomme, bleibt bestehen. Wer näher am Stadion parkt, kennt die teilweise langen Rückstaus auf den Zufahrtsstraßen. Vor dem Spiel kann die Fahrt auf den letzten Kilometern zur Geduldsprobe werden. Nach dem Abpfiff beginnt sie häufig von vorne. Dann steht man auf dem Parkplatz, bewegt sich meterweise Richtung Ausgang und hat reichlich Zeit, die vergangenen 90 Minuten noch einmal vollständig zu analysieren.
Wer das vermeiden möchte, kann weiter entfernt parken. Dann wartet stattdessen der Fußmarsch. 20 oder 30 Minuten sind je nach Parkplatz keine Seltenheit. Die Auswahl lautet also überspitzt formuliert: laufen oder warten. Das PreBooking kann zumindest das Chaos bei der Parkplatzsuche reduzieren. Das ist ein Fortschritt. Aus einer schwierigen Verkehrssituation wird dadurch aber noch lange keine gute.
ÖPNV löst kein Parkplatz-Problem
Und natürlich gibt es noch die Standardantwort auf praktisch jede Parkplatzdiskussion rund um das Waldstadion: den öffentlichen Nahverkehr. Auch die Eintracht verweist bei ausverkauften Parkflächen ausdrücklich darauf. Wer kein Parkticket bekommen hat, soll das Auto stehen lassen und mit Bus und Bahn kommen. Das RMV-KombiTicket ist schließlich Bestandteil der Eintrittskarte. Für viele Fans aus Frankfurt und dem direkten Umland ist das tatsächlich die sinnvollste Lösung. Wer eine gute S- oder Straßenbahnanbindung hat, braucht das Auto zum Waldstadion nicht. Aber Eintracht Frankfurt besteht eben nicht nur aus Fans, die direkt an einer Frankfurter Straßenbahnhaltestelle wohnen.
Zehntausende kommen aus einem weiten Einzugsgebiet. Gerade für Menschen aus kleineren Orten wird die Rechnung bei Abendspielen schnell kompliziert. Erst zum Bahnhof fahren, umsteigen, nach dem Abpfiff zurück – und dabei hoffen, dass Anschlussverbindungen funktionieren und spät am Abend überhaupt noch eine vernünftige Verbindung nach Hause besteht. Dazu kommen immer wieder Baustellen, Sperrungen und Ausfälle. Aus „Fahr doch einfach mit dem ÖPNV“ kann dann eine ziemlich lange Nacht werden.
Wer am nächsten Morgen arbeiten muss oder Kinder mit ins Stadion nimmt, wird sich zweimal überlegen, ob eine Rückkehr irgendwann tief in der Nacht tatsächlich die entspanntere Variante ist.
Das Auto wird nicht verschwinden
Genau deshalb greift die Debatte häufig zu kurz. Natürlich ist es sinnvoll, möglichst viele der knapp 60.000 Zuschauer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Stadion zu bringen. Niemand kann ernsthaft wollen, dass jeder einzelne Besucher mit dem eigenen Auto vorfährt. Aber es wird weiterhin eine erhebliche Zahl an Menschen geben, für die das Auto die praktikabelste Möglichkeit ist. Und diese Fans verschwinden nicht dadurch, dass Parkplätze reduziert, verteuert oder komplizierter zugänglich werden. Zumal die Perspektive rund um das Stadion ohnehin nicht danach aussieht, als würde das Parkplatzangebot in den kommenden Jahren größer.
Gerade deshalb müsste die entscheidende Frage lauten: Wie schafft man für diejenigen, die auf das Auto angewiesen sind, ein vernünftiges Angebot? PreBooking kann ein Teil dieser Antwort sein. Sogar ein guter. Es verhindert unnötigen Suchverkehr. Fans wissen vor der Abfahrt, ob sie einen Platz haben. Niemand muss mehr auf Verdacht Richtung Waldparkplatz fahren, nur um dort festzustellen, dass nichts mehr geht. Genau deshalb ist die Entscheidung, auch dort auf eine Reservierungspflicht umzustellen, nicht grundsätzlich falsch.
Gute Idee, stolzer Preis
Was einen faden Beigeschmack hinterlässt, ist das Drumherum. Ausgerechnet im Zuge dieser Umstellung steigt der Preis für den Waldparkplatz auf zehn Euro. Gleichzeitig bleiben die bekannten Probleme bestehen: Staus bei der Anreise, lange Wartezeiten nach dem Spiel, teilweise weite Fußwege und Parkflächen, die bei schlechtem Wetter nicht unbedingt den Eindruck vermitteln, man habe gerade für ein Premiumprodukt bezahlt.
Eine Reservierung macht aus einem matschigen Parkplatz eben keinen guten Parkplatz. Und der permanente Verweis auf Bus und Bahn hilft denjenigen wenig, für die der öffentliche Nahverkehr keine ernsthafte Alternative darstellt. Die Eintracht spricht von einer „entspannteren An- und Abreise“. Ob das neue System tatsächlich dazu führt, wird sich zeigen. Dass PreBooking mehr Planungssicherheit bringt, steht außer Frage. Spannend wird es vor allen Dingen an den ersten Heimspieltagen. Nämlich dann, wenn sich alle Fahrzeuge in die Schlange stellen, die eben davon noch nichts mitbekommen haben – viele Diskussionen beim Ordner inklusive. Wer also einen Parkplatz gebucht hat, sollte sicherheitshalber gerade am Anfang noch mehr Zeit mitbringen…
Für zehn Euro darf man sich allerdings schon fragen, ob künftig nicht wenigstens ein kleiner Mehrwert drin ist. Ein sauberer, nicht vermatschter Parkplatz wäre ein Anfang.






10 Kommentare
Naja in der Innenstadt parkt man für 4,50€ pro Stunde. Da sind die 10€ für knapp 5 Stunden schon ein schnapp. Wir parken seit Jahren schon in niederrad. Wenn man früh genug dran ist, parkt man in der Bürostadt kostenlos sonst halt das vorgebuchte Parkhaus. Wir haben eine Gruppe gebildet und sind mind.3 eher meist zu 4 im Auto wenn man sich das teilt sind es 2€ pro Person. Und man läuft halt bei gutem Wetter und braucht 15-20 min zu Fuß. Oder eine Bahnstation wobei diese immer überfüllt ist also laufen wir. Verkehrschaos gibt es nicht so extrem wie direkt am Stadion. Ist doch überall so. Faulheit kostet mehr Geld. Wer also direkt am Stadion parken will zahlt mehr als außerhalb.
Zum Thema Faulheit:
Ich hatte mal während Corona einen nebenjob bei der Flaschenpost und musste oft in Altbauten in den 3./4./5. stock Kisten hochschleppen. Die Menschen haben dafür teils 4-5 € mehr pro Kiste als beim Rewe usw. bezahlt. Da kostet eben die eigene Faulheit auch mehr Geld. Und da finde ich das Gejammer wegen dem Parkplatz dann auch Quatsch.
Und noch dazu: Was viele leute im Stadion für Bier ausgeben oder ihre Becher im Block wegwerfen. Ist auch alles Geld.
Mit anderen Worten muss jeder selbst wissen was einem etwas wert ist und was nicht.
Immerhin handelt es sich hier nur um Angebote und keine Pflichten.
Wie bei einem Amateurverein, nur in teuer.
SGE4ever lenkt ein wenig ab: Parkplätze ....
Was hält das SGE4ever-Team denn von dieser unfassbaren Transfer-Phase?
Wo ist denn Euer Fazit vom Deadline-Day?
Na, da freue ich mich doch drauf. :-D
Guter Artikel!
Vor 30 Jahren gab es Eintrittskarten schon ab 5 Mark…jetzt kostet der Parkplatz im schlammigen oder staubigen (je nach Wetterlage) Wald 10 Euro, finde ich persönlich happig in Zeiten in denen für viele das Geld sowieso schon knapp ist.
Nicht jeder ist gut zu Fuß und ich finde nicht, dass man neben den recht hohen Eintrittspreisen auch noch bei Parkplätzen zugreifen muss (unabhängig ob fünf Euro oder zehn Euro).
Der Fussball geht immer mehr weg von den Leuten die ihn ausmachen (mal ausmachten), das finde ich schade.
Im Zusammenhang mit der geplanten Multifunktionshalle auf dem Gelände war doch auch von einem neuen Parkhaus die Rede, oder verwechsle ich da was? Ist natürlich die Frage, was das dann kosten wird.
Puh, tut mir echt leid, aber wir haben doch im Moment wirklich andere Probleme als die Parkplätze und deren Preise. Wenn ich mir die Inflation der letzten zehn Jahre anschaue, dann ist der Preis vermutlich gar nicht gestiegen, sondern nur inflationär angepasst. warum sich jetzt über ein Parkplatz echauffieren? Ich empfinde den Artikel als typisch deutsches Gemotze … hauptsache man hat was zu meckern und verliert damit den Blick für wirkliche Probleme.
Ich finde den Ansatz gar nicht so schlecht. Man sollte vielleicht noch viel mehr auf Parkfläschen setzen, die im Umkreis von 30 km gute Park und Bahnanbindung bietet oder feste Routen aufzeigen, von denen man parken und in bis zu 40 min Fußweg den Weg zum Stadion absolvieren kann. Es wird genug Firmen Parkplätze geben, die besonders am Wochenende leer stehen. Das Problem wird sich in einer Stadt wie Frankfurt nie komplett lösen lassen und 10 Euro sind wie weiter oben geschrieben ja leider Standard geworden... Die Überschwemmungen sind allerdings ein Problem fürs Rad, zu Fuß und die Autos. Da sollte das eingenommene Geld investiert werden, damit die neuen Adidas Samba Eintracht Frankfurt Schuhe auch im Stadion noch glänzen. 😉
Ist immer noch ein Schnapper, bedenkt was die Leute in den USA zahlten um am Stadion zu parken 75 - 300 USD, man über was regt ihr euch auf ?
Zum einen will man Knallerfußballer sehen, die kosten richtig Geld, Geld was Eintracht diese Saison wohl nicht mehr hatte und dann noch fast umsonst parken. Wo in einer Großstadt kann man für 10€ bei einem Großevent noch einen halben Tag parken ?
Hinterfragt mal eure Ansichten
Ist wie in der Politik, immer mehr vom Endverbraucher oder hier vom Fan.
Der Organisationsansatz mag ja vernünftig sein, aber im Milliardengeschäft Fußball könnte dieser Service vielleicht kostenfrei sein. Was kommt als nächstes...
Von was lenken wir ab? Was haben wir von diesem Ablenkungsmanöver, von dem du sprichst? Da würde ich dich um eine Erklärung bitten.
Die Einschätzung zur Transferphase kommt, das verspreche ich dir. Dass du dich darauf freust, freut mich.
Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.