Ein ganz bitterer Nachmittag für die Frankfurter Eintracht in London. Nach zwei katastrophalen Halbzeiten endete das Testspiel zwischen der SGE und dem Brentford FC mit 0:7. Die Eintracht wird schnell ihre Lehren daraus ziehen müssen. Das Spiel ging auch in dieser Höhe vollkommen in Ordnung, weil es erschreckend leistungsgerecht war.
Am sonnig heißen Samstagnachmittag empfing der Brentford FC die Frankfurter Eintracht im Brentford Community Stadium. Es war der erste so richtige Gradmesser für die neue Saison. Die Testspiele der SGE fielen in der Sommervorbereitung bis zu diesem Zeitpunkt alle sehr positiv aus. Mit Ausnahme von vielleicht Premier League-Aufsteiger Hull City (2:0 für die SGE) waren die Gegner aber alle mehrere Ligen schwächer als das Team von Adi Hütter. Mit dem Brentford FC wartete allerdings der Vorjahresneunte der stärksten Liga der Welt auf die SGE. Der Klub aus dem Westen Londons verpasste in der Vorsaison die Qualifikation zum europäischen Geschäft nur knapp – ähnlich wie die Eintracht. In Anbetracht der Tabellensituation trafen sich die beiden Vereine also ungefähr auf Augenhöhe. Aufgrund der Ligen-Zugehörigkeit waren die Briten vielleicht sogar etwas favorisiert.
Cheftrainer Adi Hütter stellte – wie bereits gewohnt – im 4-2-2-2 System auf. Als Doppelspitze starteten der formstarke Jonathan Burkardt gemeinsam mit Younes Ebnoutalib. Dahinter rangierten Ritsu Doan und Can Uzun, deren Rücken von Oscar Höjlund und Raphael Onyedika abgesichert wurde. In der Innenverteidigung vertraute der Trainer auf Robin Koch und Neuzugang Otávio, während die Außenverteidigerrollen von Keita Kosugi auf Links und Elias Baum auf Rechts übernommen wurden. Im Tor startete Kaua Santos.
Eine Schrecksekunde gab es schon beim Aufwärmen: Der eigentlich gesetzte Hugo Larsson rotierte spontan aus der Startelf raus, sodass Höjlund spontan zum Einsatz kam.
Blitzstart Brentford, dann patzt Santos
Und Brentford startete wie die Feuerwehr. Nach einem Freistoß in der 2. Minute wurde der einlaufende Kevin Schade gut in Szene gesetzt, sodass er frei vor Santos zum Abschluss kam und unbedrängt zur Führung für Brentford einschieben konnte. Und Brentford machte weiter Druck und fand immer wieder Räume. Die SGE fand in der Anfangsphase wenige Mittel, sich dem immer stärker werdenden Druck der Engländer zu entziehen. Gerade die Innenverteidiger der Hessen standen immer wieder in Zwei-gegen-Zwei-Situationen wieder, weil Brentford schnell und präzise in die Spitze spielte. Die SGE spielte ein hohes Gegenpressing, erarbeitete sich dabei aber kaum Ballgewinne. Richtig offensiv gefährlich wurden die Schützlinge von Hütter folgerichtig nicht. Ein erster Abschluss von Kosugi aus spitzem Winkel wurde von Brentford-Keeper Caoimhi Kelleher mühelos entschärft. Gefährlicher blieben die Premier League-Teilnehmer. Wann immer sie in Richtung Eintracht-Strafraum kamen, wurde es brenzlig. So auch nach einer Ecke in der 12. Minute. Ein satter Schuss von Mamadou Sangaré landete erneut im Tor von der Eintracht. Santos war dran an dem Ball, ließ ihn aber durchflutschen. Klarer Torwartfehler des Brasilianers. Auch nicht ganz ohne Schuld war hier Baum, der die Eckballflanke unbedarft in die Mitte köpfte, wo Sangaré Maßnehmen konnte. Dennoch: Diesen Schuss hätte Santos halten müssen.
Chancenlose Eintracht verliert Kapitän Koch verletzungsbedingt
Auch in der Folge fand Frankfurt keinerlei Lösungen nach vorne und blieb hinten sehr wackelig. Die eigentlich gut besetzte Offensive der Hessen blieb vollkommen wirkungslos. Die entscheidenden Spieler kamen nicht einmal an den Ball. Durch das hohe Pressen der Eintracht mit vielen Spielern in des Gegners Hälfte gelang es Brentford immer wieder Überzahlsituationen im Umschalten zu generieren, die die SGE vor große Probleme stellte. Uzun ließ sich gegen Mitte der ersten Hälfte immer tiefer fallen und half beim Spielaufbau. Das half der Spielkultur der Hessen spürbar, aber immer wieder lief die Eintracht in Gegenstöße des Gegners. In der 24. Minute war es Stürmer Igor Thiago, der knapp neben das Frankfurter Tor abschloss. Es dauerte bis in die 28. Minute als Baum nach einem sehenswerten Angriff der Eintracht von der Strafraumkante aus zum Abschluss kam. Für Brentfords Torwart war dies aber keine Herausforderung. Aber immerhin war hier mal ein Hauch von Torgefahr zu spüren. Vorausgegangen war eine schöne Kombination von Höjlund und Uzun. In der 30. Minute hätten die Männer aus London beinahe auf 3:0 gestellt. Nach einem weiten Abschlag von Kelleher waren beide Brentford-Stürmer frei durch. Otavio ging überhaupt nicht zum Ball. Santos war schon geschlagen, da legte Brentford noch einmal quer, sodass Koch in höchster Not zur Ecke klären konnte. Hohe Ballgewinne, wie von Hütter gefordert, gelangen der Eintracht überhaupt nicht, sodass die eingesetzte Manpower in Ballnähe wirkungslos verpuffte und die eigene Abwehr immer wieder in höchste Not brachte. So auch in der 40. Minute, als Brentford auf 3:0 erhöhte. Diesmal pressten die Engländer hoch. Schade ging im Vollsprint auf Koch, der sich etwas zu viel Zeit beim Abspiel ließ. Santos sprintete raus, verkürzte den Winkel auf Schade. Dieser legte mühelos quer auf Thiago, der dann einfach nur noch einschieben musste. Zu allem Überfluss verletzte sich Koch bei dieser Aktion, sodass es für den Kapitän nicht weiterging. Jeremiah Maluze kam ins Spiel. Damit ging es dann in die Halbzeitpause.
Eintracht geht in Halbzeit zwei vollkommen unter
Zur Halbzeit wechselte Hütter doppelt. Der heute schwache Otávio blieb auf der Bank und wurde von Arthur Theate ersetzt. Auch für Doan war Schluss. Für ihn kam Ayoube Amainouni-Echghouyab in die Partie. In der 47. Minute legten sich die Hausherren die Eintracht in deren Strafraum zurecht. Der Abschluss von Ouattara ging allerdings nur ans Außennetz. Trotzdem: Brentford war direkt wieder wach und aktiv. Und wieder erzielte Brentford das frühe Tor und erhöhte auf 4:0. Auf dem rechten Flügel setzte sich Ouattara erneut durch und zog aufs kurze Eck ab. Santos war dran, konnte den wuchtigen Einschlag aber nicht verhindern. Und in der 56. Minute ging es fast mit dem Teufel zu, dass es nicht 5:0 stand. Thiago schoss aus einem Meter an den Innenpfosten, nachdem Santos schon geschlagen war, woraufhin der Ball an den anderen Pfosten gelenkt wurde ehe die Eintracht klären konnte. In der 57. Minute prüfte Uzun Kelleher, der den Ball aber parieren konnte. Den Treffer zum 5:0 holte Brentford dann aber eine Minute später nach. Nach einer eigenen Ecke verlor die Eintracht den Ball, sodass die Hausherren wieder in Überzahl angreifen konnten. Maluze ließ sich von Lewis-Potter dann zu leicht abkochen. Der schlenzte dann sehenswert ins lange Eck. Und Brentford machte munter so weiter. Ein missglückter Seitenwechsel des eingewechselten Fares Chaibi auf den ebenfalls eingewechselten Ansgar Knauff wurde zum Bumerang. Das lange Zuspiel auf Knauff war ungenau, sodass dieser den Ball nicht gut annehmen konnte. Dann ging der Ball ohne Umwege direkt auf Thiago in die Spitze der mühelos vollendete. 0:6. Der direkt nächste Angriff der Hausherren ging durch die vollkommen überforderte Eintracht-Abwehr hindurch, sodass Schade zum 7:0 vollendete.
Die Eintracht gewann keinen einzigen Zweikampf, spielte beinahe körperlos und ging auch in der Höhe verdient immer weiter unter. Immer wieder fand Brentford Zuspiele hinter die SGE-Kette und die Hessen wussten teilweise überhaupt nicht wie ihnen geschah. In der Schlussviertelstunde kam die Eintracht immer mal wieder zu Abschlüssen. Das lag aber auch daran, dass Brentford ordentlich durchgewechselt und mehrere Gänge zurückgeschaltet hatte. Zählbares brachten die Offensivbemühungen der SGE aber nichts ein. So plätscherte das Spiel in den letzten Minuten einfach dem Abpfiff entgegen. Auch der freche Freistoß von Chaibi in der 89. Minute aufs kurze Eck brachte keine Gefahr ein. Der Abpfiff kam dann einer Erlösung gleich. Und – so deutlich muss man sein – dieser Spielstand war leistungsgerecht und ging daher auch in dieser Höhe vollkommen in Ordnung
Erkenntnisse:
- Die Eintracht hat mit ihrem Pressingfußball große defensive Probleme mit langen Bällen hinter die eigene Kette.
- Die Abwehr braucht dringend Verstärkung. Otávio und Maluze sind wohl noch keine Alternativen für die ersten Elf.
- Santos machte im Tor kein Fehlerfreies Spiel. Gerade das 0:2 ging auf seine Kappe.
- Burkardt und Ebnoutalib müssen gefüttert werden. In diesem Spiel hatte die SGE zwei wirkungslose Spieler auf dem Feld.
- Uzun scheint für das Spiel der Eintracht unersetzlich zu sein. Fast jegliche Kreativität geht über ihn.
- Knauff brachte nochmal Energie und Einsatz – auch beim Stande von 0:7.






56 Kommentare
8 - 12? Wo nimmst Du diesen Optimismus her?
Welche Vereine landen denn hinter uns?
Ich erhoffe nach diesem Test nix mehr von unseren Eintracht in dieser Saison und finde auch das der Verein mehr Rückschritte macht, als einen Fuss nach vorne zu setzen! Sorry, aber es ist mein absolutes Wohlempfinden gegenüber unsere Mannschaft und unserer Eintracht.
Ich schreib jetzt lieber mal nix.
Das Frage ich mich auch, aber es gibt noch andere Vereine in dieser Liga die noch schlechter und jahrelang Tranferpolitik betreiben als wir. Mich würde es auch diese Saison nicht wundern, wenn SV Elversberg vor uns landet und Futkeu noch 3 Dinger uns reinschenkt!
Die Aussage ist zu billig! Hast du das Spiel denn live verfolgt? Es geht nicht ums verlorene Spiel, sondern um das wie!!!
Man liest so gar nichts von den Verantwortlichen… Die müssen sich wahrscheinlich auch erst mal sammeln, denn das war ein Schlag ins Kontor. Okay, man kann auch sagen, sie sind auf der Rückreise…
Jetzt, mit einigen Stunden Abstand, hat es auch sein Gutes. Die Stimmung schien so gut zu sein und das hätte ja durchaus verleiten können, dass man notwendige Investitionen unterlässt und hofft, dass es schon irgendwie geht. Nach diesem Spiel dürfte klar sein, dass wir auf den Außenverteidiger -Positionen, in der Innenverteidigung und im Tor dringenden Handlungsbedarf. Und jetzt kann keiner mehr sagen, er hätte es nicht gewusst…
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