Der erste Schritt ist eindrucksvoll gemacht, doch jetzt wartet die deutlich größere Herausforderung: Nach dem souveränen 8:0-Erfolg gegen Omonia Nikosia stehen die Frauen von Eintracht Frankfurt am Samstagabend vor dem entscheidenden Spiel in der zweiten Qualifikationsrunde zur UEFA Women’s Champions League. Um 19 Uhr trifft die Mannschaft von Cheftrainer Niko Arnautis im Stadion am Brentanobad auf Malmö FF. Mit einem Sieg würden die Adlerträgerinnen in die dritte und finale Qualifikationsrunde einziehen und wären ihrem großen Ziel, der Ligaphase der Königsklasse, einen entscheidenden Schritt näher. Vor dem Duell warnte Arnautis vor einem starken Gegner, während es für Neuzugang Hanna Bennison zu einem ganz besonderen Wiedersehen kommt.
Viel Zeit zur Vorbereitung bleibt den Frankfurterinnen nach dem Kantersieg vom Mittwoch nicht. Trotzdem zeigte sich Arnautis mit den vergangenen Tagen zufrieden. „Wir haben die Tage gut genutzt. Gestern haben wir in zwei Gruppen trainiert. Hanna Bennison, die am Mittwoch gespielt hat, hat regenerativ gearbeitet. Außerdem haben wir Malmö sehr gut analysiert“, berichtete der Eintracht-Coach. Sein Eindruck kurz vor dem entscheidenden Spiel sei positiv: „Die Mannschaft macht einen guten Eindruck, von daher sind wir gut vorbereitet. Die Vorfreude auf das Spiel ist groß. Das Finale im eigenen Stadion spielen zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes.“
Auch personell gibt es positive Nachrichten. Amanda Ilestedt steht nach ihrer Pause wieder zur Verfügung. „Amanda Ilestedt trainiert wieder voll mit und ist wieder spielfähig“, bestätigte Arnautis. Bei Rebecka Blomqvist steht eine Entscheidung dagegen noch aus: „Bei Rebecka Blomqvist müssen wir morgen früh entscheiden, ob es reicht.“ Ainhoa Alguacil und Sophia Winkler stehen weiterhin nicht zur Verfügung.
Arnautis warnt vor spielstarken Schwedinnen
Dass die Aufgabe am Samstag eine ganz andere wird als noch gegen Nikosia, ist allen Beteiligten bewusst. Malmö befindet sich mitten in der schwedischen Saison, belegt dort aktuell den dritten Tabellenplatz und setzte sich im ersten Spiel des Miniturniers mit 1:0 gegen Vålerenga durch. Entsprechend erwartet Arnautis einen Gegner, der seiner Mannschaft deutlich mehr abverlangen wird. „Malmö ist eine gute Mannschaft, die nach vorne spielen und Fußball spielen möchte“, erklärte der 46-Jährige. Die Schwedinnen seien „eine sehr zielstrebige und spielstarke Mannschaft, die gewisse Qualitäten mit und gegen den Ball hat.“ Gerade beim Pressing müsse seine Mannschaft auf unterschiedliche Situationen vorbereitet sein: „Auch das Anlaufverhalten gestaltet sich bei Malmö sehr variabel, darauf stellen wir uns ein.“
Trotzdem möchte Arnautis den Fokus in erster Linie auf die eigene Mannschaft legen. „Das Entscheidende ist, dass wir die Basics, also die Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen, morgen an den Tag legen“, betonte der Coach. Dabei ist ihm bewusst, dass die Leistung aus dem ersten Spiel noch einmal gesteigert werden muss: „Wir brauchen eine sehr gute Leistung, dann sind wir auch in der Lage, gegen einen starken Gegner zu gewinnen.“ Vor allem die Kontrolle über die Partie wird aus Sicht des Trainers entscheidend sein. „Es wird morgen darauf ankommen, dass wir permanent das Spiel kontrollieren. Dass wir sowohl mit als auch gegen den Ball sowie im Umschaltspiel sehr flexibel und variabel agieren.“
8:0 gibt Selbstvertrauen – aber Malmö wird ein anderer Gradmesser
Dass die neu zusammengestellte Eintracht-Mannschaft gleich im ersten Pflichtspiel der Saison derart souverän auftrat, hat auch Arnautis beeindruckt. Nach zahlreichen personellen Veränderungen im Sommer und einer vergleichsweise kurzen gemeinsamen Vorbereitung war das 8:0 ein erstes Ausrufezeichen. „Entsprechend unserer kurzen Vorbereitung und der neuen Mannschaft war es sehr erfreulich zu sehen, auf welche Art und Weise wir Fußball gespielt haben“, lobte Arnautis. Für ihn kam die überzeugende Vorstellung genau zum richtigen Zeitpunkt: „Es war ein guter nächster Schritt zu einem perfekten Zeitpunkt. Dementsprechend stärkt es die Mannschaft, weil sie mit einem guten Gefühl und Selbstvertrauen in das morgige Spiel gehen kann.“
Eine Spielerin, die ihren Anteil daran hatte, war Hanna Bennison. Die schwedische Nationalspielerin bereitete bei ihrem Pflichtspieldebüt im Eintracht-Trikot direkt den Führungstreffer von Hayley Raso vor. Am Samstag dürfte die Partie für die 23-Jährige allerdings noch einmal eine besondere Bedeutung haben.
Bennison vor besonderem Duell
„Für mich ist es etwas Besonderes, gegen Malmö zu spielen, weil ich von dort komme“, erklärte Bennison vor dem Aufeinandertreffen. Die persönlichen Verbindungen sollen am Samstagabend aber in den Hintergrund rücken. Schließlich geht es für ihren neuen Klub bereits um viel: „Gleichzeitig ist es für uns als Team eine große Chance, die nächste Runde der Champions League zu erreichen. Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut und ich habe das Gefühl, dass wir auf einem guten Weg sind.“ Bennison kennt den Gegner naturgemäß bestens. „Ich kenne viele Spielerinnen noch aus meiner Zeit in Schweden und habe mit einigen sogar zusammengespielt“, verriet die Mittelfeldspielerin. Auch sie warnt davor, Malmö zu unterschätzen: „Malmö ist eine Mannschaft mit hohen Ansprüchen, die sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt hat. Sie wollen Fußball spielen und werden alles dafür tun, das Spiel zu gewinnen. Deshalb bereiten wir uns auf einen starken Gegner vor.“
Entscheidend wird aus ihrer Sicht sein, dass die Frankfurterinnen die Intensität des Gegners annehmen. Bennison selbst beschreibt sich als eine Spielerin, die genau dafür gemacht ist: „Ich bin eine Spielerin mit viel Energie. Ich versuche immer, in jedem Spiel alles zu geben und meinem Team bestmöglich zu helfen.“ Gegen Malmö werde es aber die gesamte Mannschaft brauchen: „Jede Spielerin muss an ihre Grenzen gehen und ihren Beitrag leisten. Wenn wir unser eigenes Spiel durchziehen und unser Potenzial ausschöpfen, haben wir gute Chancen, erfolgreich zu sein.“
Bennison: „Wechsel nach Frankfurt genau der richtige Schritt“
Dass Bennison bereits so früh nach ihrem Wechsel eine wichtige Rolle einnimmt, passt zu den Erwartungen, mit denen sie nach Frankfurt gekommen ist. Ihre Entscheidung für die Eintracht hat sie bislang nicht bereut: „Für mich war der Wechsel nach Frankfurt genau der richtige Schritt. Nach den Gesprächen mit den Verantwortlichen hatte ich sofort ein gutes Gefühl.“ Vor allem die sportliche Perspektive habe sie überzeugt. „Mir hat gefallen, wie der Verein Fußball spielen möchte und welche Rolle sie für mich sehen. Außerdem habe ich von ehemaligen Mitspielerinnen nur Positives über die Eintracht gehört. Somit war die Entscheidung für mich am Ende klar“, so Bennison.
Der 8:0-Erfolg bei ihrem Pflichtspieldebüt dürfte dieses Gefühl noch verstärkt haben. Trotzdem warnt auch Bennison davor, aus dem deutlichen Ergebnis die falschen Schlüsse zu ziehen: „Wir haben im ersten Spiel eine gute Leistung gezeigt und sind über die gesamte Spielzeit konzentriert geblieben. Darauf können wir aufbauen.“ Gleichzeitig sei allen klar: „Das nächste Spiel wird deutlich schwieriger sein. Deshalb dürfen wir uns nicht zu sicher fühlen und müssen uns weiter steigern.“
Ohnehin befindet sich die neu zusammengestellte Mannschaft weiterhin in einem Entwicklungsprozess. „Wir sind noch ein neues Team und brauchen Zeit, um die Abläufe weiter zu vertiefen“, erklärte Bennison. Die ersten Fortschritte seien aber bereits deutlich zu erkennen: „Wir verstehen uns auf und neben dem Platz immer besser. Gerade die kleinen Details im Zusammenspiel entwickeln sich weiter und das merkt man auch im Spiel. Es macht großen Spaß, mit dieser Mannschaft auf dem Platz zu stehen.“
Am Samstagabend soll der nächste Entwicklungsschritt folgen. Nach der 8:0-Gala gegen Nikosia wartet mit Malmö der erste echte Härtetest der noch jungen Saison – und gleichzeitig ein Spiel, in dem es bereits um enorm viel geht. Ein Sieg trennt die Eintracht-Frauen von der dritten und letzten Qualifikationsrunde auf dem Weg in die Champions League.






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